303

Wasser ist ein herrliches Element!
Das finden auch Jule (Mala Emde) und Jan (Anton Spieker) unterwegs in einem „303“!

Die beiden tun sich auf einer Berliner Raststätte spontan zu einer Fahrgemeinschaft zusammen. Das Ziel ist Spanien beziehungsweise Portugal.
Auf dem sehr weiten Weg wird das Wohnmobil, ein 30 Jahre alter Mercedes 303, immer wieder an Gewässern geparkt. Dann schlendern die zwei zu einem Kanal in einem hübschen alten Städtchen, schwimmen in einem idyllischen See, picknicken am sanften Ufer der Loire oder surfen in der stürmischen Brandung an der französischen Atlantikküste. Kurz vorm Ziel nehmen Jule und Jan noch ein unfreiwilliges Bad im eiskalten Wasser eines Gebirgsbachs.

Aber da war doch was mit dem H2O im Chemieunterricht?
Jule studiert Biologie und ihr stünden bestimmt auch die Haare zu Berge:
Wissenschaftlich betrachtet, ist Wasser ist natürlich kein Element!
Die Grundlage des Lebens auf der Erde ist eine Verbindung von zweien der 118 bekannten Elemente: Wasserstoff und Sauerstoff.
Wem ist beim Trinken oder dem Sprung ins kühle Naß schon bewußt, daß dies nur möglich ist, weil sich vor Urzeiten je zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom zu unzähligen Wassermolekülen zusammengefunden haben?
Dieser längst abgeschlossene Prozeß funktionierte, weil – unwissenschaftlich ausgedrückt – die beiden Elemente wegen ihrer Gegensätzlichkeit zueinanderstrebten, vorausgesetzt, sie waren frei!

Jan und Jule liegen vor allem mit ihren Einstellungen zum Leben himmelweit auseinander. Aber Gegensätze ziehen sich nicht nur in der Chemie an. Und die stimmt zwischen den beiden hervorragend!

Jule steckt in einer Beziehung. Ihr Freund, den sie unbedingt persönlich sprechen muß, schreibt gerade in Portugal an seiner Doktorarbeit im Fach Ökolandwirtschaft über die kostbare Ressource Wasser.

Jan ist ungebunden. Er studiert Politikwissenschaften und will in Spanien auch einmal seinen biologischen Vater kennenlernen. Für ihn ist Fleisch sein Gemüse, bei Jule ist das umgekehrt. Und sie verzichtet jedenfalls zur Zeit auf den Genuß alkoholischer Getränke. Jan trinkt gerne ein Glas Wein zum Essen und organisiert eine Flasche Champagner.

Das hätte mir im Kinosaal auch gefallen. Ich hielt es aber wie Jule und entschied mich wegen der Länge des Films für eine Flasche Wasser. Meine Bedenken, Alkohol könnte meine Aufmerksamkeit schmälern, waren letztlich völlig unbegründet.
So besonders und fesselnd sind Jan und Jules geistreiche und interessante Gespräche!

Sie hören sich aufmerksam zu, lassen sich ausreden und geben im passenden Moment ihre jeweiligen Einwände zu bedenken. Damit kommt es bei den gesellschaftlichen Grundsatzdiskussionen teilweise zu abstrusen und komischen Ergebnissen, die mal eine ganz andere Sicht auf die Dinge eröffnen.

Bei dem Schauspielerduo muß auch die Chemie gestimmt haben, so spontan und natürlich wie die beiden auf der Leinwand wirken!
Verinnerlicht, aber nicht selbst ausgedacht, haben sich Mala Emde und Anton Spieker ihren Text. Der stammt aus der Feder des Regisseurs Hans Weingartner.
Hut ab vor allen dreien!

In den Gesprächspausen kam bei mir mit der gitarrenlastigen Musik Richtung Folk ein richtig schönes Urlaubsgefühl auf.
Vor meinem geistigen Auge sah ich mich wie Jule und Jan mit Necessaire unterm Arm und Handtuch über der Schulter zum Waschraum laufen, Wäsche waschen und Geschirr spülen. Mir kam dabei mehr als einmal eine Zeltschnur in die Quere. Und als eines Tages eine Schlange in den Toiletten Schutz vor einem Gewitter suchte, war bei mir schlagartig Schluß mit der Camperei.

Die beiden haben großes Glück mit dem Wetter. Und das Auftauchen einer Schlange hätte mir Michael Noack, der Sprecher der Audiodeskription, die über die Greta und Starks App verfügbar ist, bestimmt ins Ohr geflüstert!
Ab sofort werde ich nämlich auch die Namen aller Mitwirkenden an der jeweiligen Hörfilmfassung nennen. Für „In den Gängen“ hole ich das nach!

Im Unterschied zu Hörspielen sollen sich Sprecher und Sprecherinnen bei Audiodeskriptionen emotional möglichst zurücknehmen. Besonders Sprecher beherzigen das für meinen Geschmack des öfteren zu sehr. Hier empfand ich das anfangs auch so.
Aber im Laufe des Films, vor allem wenn sich Jule und Jan immer näherkommen, klang seine Stimme auf angenehme Weise weicher, als ob er die beiden nicht stören wollte. Er konnte sich, wie wohl alle Kinobesucher, kaum der zarten Atmosphäre entziehen.
Das hat mir sehr gefallen!

Am Skript der Hörfilmfassung wirkten mit: Text Manuela Schemm, Assistenz Mareike Hülsmann, Redaktion Martina Reuter.
Neben Jan und Jule kommen kaum andere Filmfiguren zu Wort. Und die beiden verbringen die meiste Zeit in und um Jules Wohnmobil.
Dies nicht zu viel und nicht zu wenig zu beschreiben und dabei die Spannung zu halten, war die große Herausforderung.
Was ich zu hören bekam, fand ich wohlformuliert und rundum genau richtig dosiert!

Jetzt muß ich mich von innen und vor allem von außen abkühlen. Dabei halte ich es mit den alten Griechen. Sie kannten nur vier Elemente: Luft, Feuer, Erde und Wasser. Wasser ist für mich gerade ein herrliches Element!

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