Als wir träumten

Der Film lief als offizieller Wettbewerbsbeitrag bei der gerade vergangenen Berlinale. Der Traum, einen Bären zu ergattern, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Letzte Woche war der reguläre Kinostart.
Während der Festspiele wurde der Film als einer von dreien mit einer live eingesprochenen Audiodeskription gezeigt. Diese Vorstellung habe ich allerdings verpaßt.

Schade ist, daß wieder einmal eine doch schon vorhandene Audiodeskription nicht über die App von Greta verfügbar ist und damit kaum gehört irgendwo rumschmort.
Also habe ich völlig unbegleitet versucht, so viel wie möglich von dem Geschehen auf der Leinwand mitzubekommen.

Geholfen hat mir Dani in seiner Funktion als Erzähler. Er ist einer der Jungs, die sich in Leipzig kurz nach der Wende orientierungslos herumtreiben und getrieben werden.

Oft sitzen die 15- bis 16-jährigen in irgendwelchen Kellern und schmieden Pläne über die Gründung eines Technoclubs. Dabei fließt sehr viel Alkohol, es wird natürlich ständig geraucht, und auch Drogen sind im Spiel.
Autos knacken ist fester Bestandteil der Freizeitgestaltung und Freizeit scheint reichlich vorhanden zu sein. Die Schule kommt eindeutig zu kurz und der Einfluß der Erziehungsberechtigten ist nicht der Rede wert.
Jedenfalls geht ständig etwas zu Bruch, oft ist das Geräusch von berstendem Glas und Metall zu hören. Gelegentlich ist wohl auch das ein oder andere Nasenbein darunter, den zahlreichen Prügeleien geschuldet.

Als nach einigen Anlaufschwierigkeiten der Traum vom Technoclub verwirklicht scheint, schlägt die Mißgunst gnadenlos zu. Glatzköpfige Schlägertypen machen den Clubgründern und ihrem Glauben an die Marktwirtschaft das Leben schwer.
Irgendwie geht einfach alles schief, natürlich auch in der Liebe.

Wie unkompliziert war dagegen die Welt gerade zwei Jahre zuvor, wenn auch nur noch für kurze Zeit.
In den Rückblenden sind die Jungs als 13-jährige Schüler fest eingeschlossen in dem Schul- und Freizeitsystem der DDR zu sehen, wohlbehütet als Pioniere.
Einer der Jungs bekommt mächtig Schwierigkeiten, weil er sich weigert, einen Text über die glorreiche Sowjetarmee zu lesen.
Bei der Lehrerschaft ist schon die erste Nervosität wegen der wöchentlichen Montagsdemonstrationen zu spüren. Mit einer lächerlichen Begründung warnt sie ihre Schüler, daran teilzunehmen. Aber auch die Lehrer waren ja nur ein Rädchen im Getriebe.

Der Film mit seinen von den Darstellern toll gespielten Figuren hat jedenfalls die Situation Jugendlicher und ihre Gefühle kurz nach der Wende glaubhaft gezeigt. Obwohl der Film in Leipzig spielt: Gesäggselt wurde leider so gud wie nie, warum eigentlich nicht?

Grundlage für das Drehbuch war das gleichnamige Buch von Clemens Meyer. Trotz höchster Aufmerksamkeit im Kinosaal gebe ich aber keine Garantie, das Geschehen auf der Leinwand richtig wiedergegeben zu haben.

Als nächstes geht’s mit Samba, der Mädchenbande und den Béliers nach Frankreich, ich freu mich schon!

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