Das ewige Leben

Dies ist nach „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ die vierte Verfilmung aus einer Krimibuchreihe von Wolf Haas, in der sich der auf dem sozialen wie gesundheitlichen Treppchen stets abwärtsbewegende Privatdetektiv Brenner für die Erhöhung der Aufklärungsquote von Verbrechen in Österreich einsetzt.
Brenner ist also so eine Art Dauerbrenner.

Ohne Souffleur und Greta war ich auf das Deuten von Geräuschen und das Gesprochene angewiesen und prompt begann der Film mit einem tumultartigen Dialog in einer südosteuropäischen Sprache.
Im Nachhinein hat dieses erste Nichtverstehen glücklicherweise meinem Verständnis der Handlung keinen Abbruch getan.
Danach ging’s nur noch auf Deutsch bzw. Österreichisch, also a bisserl gemächlich und gemütlich weiter.
Und genau so wird Brenner in einer Wiener Amtsstube von einer Beamtin erklärt, daß er als – von mir geschätzt – Endfünfziger frühestens mit 84 Jahren mit einer Mindestrente rechnen könne.
Arbeitslos, wohnungslos, gesundheitlich angeschlagen und nicht krankenversichert, hat er natürlich kein Boot und auch kein Pferd, aber wie ihm plötzlich einfällt, immerhin ein Haus.
Mit seinem Führerschein bewaffnet und dem, was er auf der Haut trägt, schwingt er sich auf sein Moped und macht sich widerwillig, aber notgedrungen auf den Weg zu seinem seit Jahren leerstehenden Elternhaus nach Graz.
Dort kommt er im strömenden Regen bei Dunkelheit an und versucht zunächst, den Strom zu reaktivieren. Als ihm das irgendwie gelingt, setzt sich die ewige Schallplatte, und zwar die noch auf dem Plattenspieler ausharrende, in Gang: Eric Burdon mit dem Song „When I was young“.
So liebenswert leiernd und knisternd, wie es eben nur eine Schallplatte vermag, singt Mr. Burdon mit seiner unverkennbaren Stimme je nach Stromzufuhr über die längst vergangenen Zeiten.
Auch Brenner wird ganz schnell ein Lied von seiner Vergangenheit singen können und müssen.
In gelegentlichen Rückblenden ist er als junger Mann mit seinen drei Kumpels, Köck, Aschenbrenner und dem in der Gegenwart nicht mehr auftauchenden „vierten Mann“ zu sehen. Die vier haben gemeinsam die Polizeiausbildung absolviert, sind zusammen verreist und haben so den einen oder anderen Blödsinn angestellt.

Den nicht gerade als Sympathieträger durchgehenden Köck sucht Brenner als Erstes auf, um bei diesem seine Waffe, eine Walther PPK, in Bares umzusetzen. Von dieser Art Waffe sind viele im Umlauf. Köck betreibt inzwischen ein mehr schlecht als recht laufendes An- und Verkaufsgeschäft. Gegen den Willen Brenners telefoniert er recht schnell den Aschenbrenner dazu, der als Einziger von der Clique Karriere gemacht hat und als Brigadier der Grazer Polizei vorsteht.
Das Auftauchen Aschenbrenners als der personifizierten Polizei löst eine Kette tragischer Ereignisse aus.

Während es Brenner gelingt, trotz einer Kopfschußverletzung gerade noch so lebend in einem Krankenzimmer aufzuwachen, hat Köck diesbezüglich weniger oder vielmehr gar kein Glück.
Brenner will nicht glauben, was man ihm erzählt, nämlich daß er versucht hätte, sich selbst umzubringen. Fatalerweise hat er aber mit einem dramatischen Gedächtnisverlust zu kämpfen. So nach und nach berappelt er sich wieder, erinnert sich an seine Qualitäten als Privatdetektiv und bringt Licht in das sehr vertrackte Dunkel.

Der von Josef Hader wunderbar gespielte Brenner hat als jemand, der nichts zu verlieren hat, vor nichts und niemandem, nicht einmal vor sich selbst Respekt. Das bekommen die ermittelnden Polizisten, die Ärzte und Krankenpfleger und auch die ihn behandelnde und eine Schlüsselrolle einnehmende Psychologin zu spüren.

Wer wie ich Freude an (selbst-) ironischen, spöttischen und eindeutig zweideutig zu verstehenden Schlagabtauschen hat, ist in diesem Film bestens aufgehoben.

Eine sehr wichtige Rolle spielt die von der vierköpfigen Wiener Band „Sofa Surfers“ beigesteuerte Filmmusik!
Brenners Kopfschmerzen waren so drastisch plastisch vertont, daß Ansteckungsgefahr drohte.
Die musikalische Untermalung hat mir auch oft geholfen, das Geschehen auf der Leinwand zwischen den Dialogen zu erahnen.

Wäre die für tausende von Euro doch bereits produzierte Hörfilmbeschreibung über Greta verfügbar gewesen, hätte ich genauso oft lachen können wie all die anderen Zuschauer!

Ich mache jetzt mal eine Milchmädchenrechnung auf:
Bei 8,00 Euro pro Eintrittskarte müßten sich nur 200 Leute, idealerweise Kinoblindgänger, zusätzlich den Film anschauen, verteilt auf sämtliche Kinos der ganzen Republik. Damit wären die für Greta anfallenden 1.600,00 Euro schon eingespielt.
Das sollte doch zu schaffen sein, oder???

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück