Fack ju Göhte 2

Goethe oder Schiller, wer macht das Rennen?

Johann Wolfgang von Goethe und Johann Christoph Friedrich von Schiller zählen zu den bedeutendsten Klassikern der deutschsprachigen Literatur.
Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main und Schiller 1759 in einem kleinen württembergischen Städtchen am Neckar geboren. Beide wurden vor ihrem Tod geadelt und starben 1832 bzw. 1805 in Weimar. Die Dichterfreunde gehörten neben Wieland und Herder dem „Viergestirn der Weimarer Klassik“ an und waren zwei der vielen jungen Autoren des Sturm und Drang.

Bei „Fack ju Göhte 2“ gehen die zwei Johanns als Namensträger zweier Schulen ins Rennen.
Die schon im ersten Film auffällig gewordene Goethe-Gesamtschule GGS trifft auf das elitäre Schiller-Gymnasium SG. Die taffe Rektorin der GGS Gudrun Gerster (Katja Riemann) ist stets bemüht, ihre Schule im Schulranking auch mit unkonventionellen Maßnahmen nach vorne zu bringen und dem benachbarten Schiller-Gymnasium eins auszuwischen.
Da kommt ihr der Vorschlag einer ihrer Lehrkräfte, mit einigen Schülern nach Thailand zu reisen, um dort der elitären Konkurrenz deren thailändische Partnerschule abspenstig zu machen, gerade recht.
Die Lehrkraft heißt Zeki Müller (Elyas M’Barek) und ist von Beruf Kleinkrimineller mit einem Bildungsgrad nur unerheblich über dem seiner Schüler. Im Vorgängerfilm wollte er eigentlich nur als Hausmeister an der GGS anheuern, um seine unter der Sporthalle vergrabene Diebesbeute in Ruhe ausbuddeln zu können. Genau so wie in der Realität ist die gestreßte Rektorin auch im Film damit beschäftigt, ihren Lehrernotstand zu verwalten, und so stellt sie Zeki irrtümlicherweise trotz seiner haarsträubenden Ausdrucksweise als neuen Aushilfslehrer ein. Müller ist es völlig wurscht, ob er als Hausmeister oder Lehrer einen Tunnel zu seiner Beute buddeln kann. Die für den Lehrerjob nötigen Papiere werden eben produziert.
Sehr schnell gelingt es ihm, sogar die Horrorschüler der 10 b mit ihren eigenen Waffen sehr einfallsreich und unorthodox zu zähmen und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Vielleicht könnte sein Unterrichtsmodell in etwas ausgereifter Form Schule machen?
Während seine Kinokollegin Frau Müller Anfang des Jahres partout weg mußte, wird der inzwischen vom Schulalltag und den Schülern genervte Zeki mittels seiner kriminellen Vergangenheit zum Bleiben an der Schule erpresst.
Die Erpresserin ist seine Kollegin Elisabeth Schnabelstedt (Karoline Herfurth), die – frisch von der Universität – noch voller Ideale an ihren Bildungsauftrag glaubt und zu diesem Druckmittel natürlich nur aus Liebe greift.

Auch bei „Fack ju Göhte 2“ kommt Zeki wieder an Diebesbeute und der ersehnte Absprung vom lästigen Schulalltag und der manchmal etwas anstrengenden Elisabeth scheint in greifbarer Nähe.
Doch das Beutelchen entzieht sich schnell seinem Zugriff. Die Diamanten gelangen, versteckt in einem Stofftier, ausgerechnet in den Spendencontainer, mit dem das Schiller-Gymnasium bei seiner Partnerschule in Thailand punkten möchte.
Zeki reist notgedrungen dem Stofftier hinterher, mit acht Schülern, davon vier aus der Horrorklasse 10 b, im Gepäck.
Mit demselben Flug macht sich auch das überorganisierte Team der Konkurrenz, angeführt von dem Superbiologielehrer und Saubermann Hauke Wölki, auf den Weg.
Zekis Schüler lassen keine Chance ungenutzt, sich und ihren Lehrer verbal wie nonverbal in die unmöglichsten Situationen zu manövrieren, und bringen Zeki an den Rand seines eigentlich so unerschöpflichen Gleichmuts.
Warum der Film erst ab 12 Jahre freigegeben ist, kann ich mir nur mit der Szene erklären, bei der es Chantal in einer Bar gelingt, einen Tischtennisball in eine ihrer dafür eigentlich nicht vorgesehenen Körperöffnungen zu befördern und wieder frei zu geben.
Bei seiner Suche nach den glitzernden Steinchen wird Zeki sowohl von seinen eigenen Nervensägen als auch dem konkurrierenden Spießerteam gestört.
Als seine Schützlinge seinen Plan durchschauen, gelangen diese aber auch nur für die berühmte logische Sekunde in den Besitz der wertvollen Steine, um diese zu Zekis Entsetzen gleich wieder in James Bond-Manier auf den Meeresgrund zu versenken.
Nach einer längst überfälligen Aussprache versprechen die Schüler, Zeki bei der Suche nach dem verlorengegangenen Schatz zu suchen, vorausgesetzt, er verspricht das scheinbar Unmögliche, nämlich die Bagage durchs Abitur zu bringen.
Um ihren guten Willen zu zeigen, liest Chantal die gemeinschaftlich erstellte Zusammenfassung der Faust, äh, des Faust von dem Reclam vor. Armer Goethe!
Im ersten Film spielt Elisabeth Schnabelstedt die weibliche erste Geige, wird aber hier recht schnell ausgebremst. Dafür schnäbelt sich die Schülerin Chantal (Jella Haase) liebenswert und antigrammatikalisch um Kopf und Kragen und ihre Mitschüler tun es ihr gleich.

Der Drehbuchautor und Regisseur Bora Dagtekin überrascht des weiteren mit einer affenartigen Kokoskopfnuß, einer abgefackelten Hanfplantage und einem befleckten Saubermann. Eine Gruppe auf sich gestellter Waisenkinder, ein trauriges Relikt des Tsunami vor 11 Jahren, klaut, um zu überleben und bekommt dank Zekis Gurkentruppe doch noch eine Perspektive.
Zum Durchatmen kommt man erst, wenn die frischgebackenen kleinen Sozialhelden der GGS wieder heimatlichen Boden unter den Füßen haben.
Der Sprecher der Hörfilmbeschreibung ergänzte leicht spitzbübisch im schnellen Rhythmus des Filmes die unglaublichen Dialoge mit genauso unglaublichen Bildbeschreibungen. Klassenziel mehr als erreicht!

Übrigens!
Bei Wikipedia findet man zu dem Ausruf „Fuck you“, natürlich nur korrekt geschrieben, einen Hinweis auf den „Schwäbischen Gruß“ der da lautet: „Leck me am Arsch“.
Der altehrwürdige Goethe (mit oe!) setzt diesem Zitat in seinem Schauspiel „Goetz von Berlichingen“ ein literarisches Denkmal. Er läßt den Goetz sagen: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“
So schließt sich der Teufelskreis, Mephisto läßt grüßen.

  1. Fuck you „Fack ju Göhte 2“!

    Für mich kommt der zweite Teil nicht in Frage, lieber guck ich zwei Stunden Musikantenstadl oder kasteie mich ebenso lange mit Natodraht. Scheinbar ist in Teil 1 keinem aufgefallen, was für platte Dialoge von völlig talentbefreiten Schauspielern hingerotzt wurden. Tja, millionen Fliegen können sich halt nicht irren – Scheiße muss wohl doch schmecken. Mit Film- oder gar Schauspielkunst hatte dieses Machwerk nichts zu tun und da es in den Sequels für gewöhnlich immer nur noch schlimmer werden kann, bestelle ich mir jetzt den Natodraht.

    Stop making stupid people famous!

    Olli

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