Täglich grüßt das Murmeltier

Murmeltier müßte man sein!
Sich den Winter über einigeln und Ende Januar, Anfang Februar seinem Instinkt vertrauend einmal ganz vorsichtig mit einem Auge blinzelnd nach draußen luken, ob das Schlimmste bereits überstanden ist. Diesen Murmeltierinstinkt machen sich die Bewohner eines Landstriches irgendwo in Amerika zunutze, die nach den sehr langen frostigen Wintern den Frühling herbeisehnen. Ein Murmeltier wird ganz vorsichtig in seinem Zuhause aufgesucht und beäugt, um nach dessen Wachheitsgrad auf das mehr oder weniger nahende Ende des Winters zu schließen.
Überall auf der Welt finden die Menschen mit Leichtigkeit einen Grund zum Feiern, leider fast genauso leicht einen, um sich die Köpfe einzuschlagen.
In dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ von 1993 wird das Aufsuchen eines solchen Tierchens mit einem Volksfest begangen. Der Bürgermeister befragt dieses quasi in der Ausübung seiner hoheitlichen Aufgaben, ob und wann es nun Frühling werde und anschließend wird gefeiert.
Die Presse darf dabei natürlich nicht fehlen. Zur Live-Übertragung des Spektakels schickt ein Fernsehsender ein Kamerateam und einen TV-Wettermoderator, so eine Art Kachelmann, in die Provinz.

Kaum ein Schauspieler kann schlechte Laune auf der Leinwand so inbrünstig verbreiten wie Bill Murray. Ich bin immer wieder von seiner deutschen Stimme fasziniert. Ohne seine Mimik sehen zu können, springt mich die Übellaunigkeit förmlich an. Das ist ein dickes Kompliment an den Sprecher und die Stimmensucher, die bei der Wahl der Stimme ein glückliches Händchen bewiesen!!!
Murray mault sich als eben der Wetterman durch den Tag, er täte alles andere lieber, als in der Einöde in einer Kleinststadt über ein orakelndes wettervorhersagendes Murmeltier zu berichten.
Zu allem Überfluß gerät er dort aus Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnere, in eine Dauerschleife.
Jeden Morgen um 6 Uhr in seinem Hotelzimmer tröten dieselben Meldungen aus einem Radiowecker und reißen ihn aus seinen Träumen. Er reagiert ähnlich verärgert wie wahrscheinlich ein zu früh aus dem Winterschlaf geholtes Murmeltier. Ihm ist es unfreiwillig gelungen, die Zeit anzuhalten. Jeden Morgen ist der zweite Februar und zugleich Murmeltiertag, bis schließlich…, weiß ich auch nicht mehr, was dann geschieht.

Auch ich befinde mich gerade in einer Dauerschleife. Allerdings wache ich jeden Morgen ohne Wecker recht spät bei blitzblauem Himmel und einer jeglichen Aktivitätssinn niederbretzelnden Sonne auf. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als über den Holzweg an den Strand, ins Meer, in die Strandbar und irgendwann über den Holzweg wieder zurück zu wandeln.
Damit ist heute leider Schluß!
Die Hör- und Lesebücher sind abgearbeitet und es ist Zeit, die Zelte hier abzubrechen.
Auf dem Rückweg über die Provence kommen meine Sinne noch einmal so richtig auf ihre Kosten. Die Grillen grillen, der Lavendel blüht und überall duftet es nach den typischen provencalischen Kräutern.
Der britische Schriftsteller Peter Mayle hat mit seinem Buch „Mein Jahr in der Provence“ in den 90er Jahren einen unglaublichen Run, insbesondere unter seinen Landsleuten, auf die in seinem Buch erwähnten Orte ausgelöst. Gemütlicher und urwüchsiger geht es in den Städtchen zu, die ihm nicht unter die Feder kamen. Der Schriftsteller hat sich übrigens wegen des Rummels nach Kanada abgesetzt.

Zu Hause angekommen geht es dann recht schnell durch die popcorngeschwängerte Luft der Foyers in dunkle Kinosäle.
Das mit dem Popcorn im Kino scheint ein ähnlicher Automatismus zu sein wie der des Tomatensaftes im Flugzeug.
Popcorn kaufe ich mir eher selten, aber fliegen geht nur mit Tomatensaft.

Jetzt bekomme ich gerade den Saft aus der Dose abgedreht und der Akku ist natürlich auch leer. Das ist die Gelegenheit, ein Gläschen auf die ersten sechs Monate meines nicht mehr blogfreien Daseins zu trinken.
Das nächste Mal lasse ich zwei, drei Tage später als gewohnt von mir hören!

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