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	<title>Hier und da unterwegs &#8211; Blog Blindgaengerin</title>
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		<title>Beim DOK 2025 in Leipzig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jan 2026 15:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig 2025]]></category>
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					<description><![CDATA[Barfuß oder Anzugschuh, alles zu seiner Zeit! Ohne Schuhe legten einst Franziskanermönche &#8211; auch Barfüßer genannt &#8211; den Weg zwischen dem Markt und ihrem Kloster im Nordwesten Leipzigs zurück. So wurde aus dem Weg die Barfußgasse. Das Barfußgäßchen, ein 160 Meter langer Teil dieser Gasse mit vielen Restaurants und Bars, erfreut sich heute vor allem bei Touristen großer Beliebtheit. Ein gezeichnetes Paar eleganter orangeroter Anzugschuhe ohne Schnürsenkel auf beigefarbenem Grund ist das von Stefan Ibrahim gestaltete Motiv des „68. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“ vom 27.10. bis 02.11.2025! Zitat des Leipziger Grafikers und Illustratoren: &#8222;Das liegende Paar Schuhe ist hier die Momentaufnahme, das Standbild gewohnter Dynamiken. Immer in Bewegung zu sein, und doch im richtigen Moment stehen bleiben zu können, das ist ein Privileg und vielleicht auch eine Pflicht. Mit den Füßen abstimmen &#8211; das ist nicht nur Weggehen, das ist auch Hingehen und auch Bleiben.&#8220; Das DOK spielt sich hauptsächlich in der Leipziger Innenstadt ab, die vom Hauptbahnhof fußläufig erreichbar ist. Bei den vielen Wegen zwischen Hotel, Spielstätten, Veranstaltungsorten und Restaurants kommen reichlich Schritte zusammen. Da ist bequemes wetterfestes Schuhwerk angesagt. Meine Füße steckten in braunen Stiefeletten. Orangerot als Schuhfarbe ist ja eher die Ausnahme. Aber eine beeindruckende Auswahl davon kann im diesjährigen Festivaltrailer bestaunt werden. Von schräg hinten gefilmt eilen zwei Füße zielstrebig durch die Stadt, gefühlt bei jedem Schritt in anderen Schuhen, von den Gummistiefeln bis zu Sandalen. Und ein zweiter Rotton dominierte das DOK 2025. Die Landesregierung des Freistaates Sachsen hatte einen knallroten Rotstift angesetzt! Mit Beschluss des Doppelhaushalts 2025/26 des Freistaates Sachsen wurden die Mittel für barrierefreie Filmangebote beim DOK von 50 Tausend Euro in 2023/24 und sogar 67 Tausend Euro im Jahr 2022 komplett gestrichen. Seit 2017 regelmäßig zu Gast beim DOK, freute ich mich über die große und interessante Auswahl von Filmen mit Audiodeskription und schrieb in meinem Blog über die Barrierefreiheit und Zugänglichkeit der jeweiligen Festivalausgabe. Für das Jahr 2024 lautete mein Fazit: „Das DOK Leipzig ist und bleibt ein Schwergewicht in beiden Aspekten!“ Dank des großartigen Engagements des Festivals unter der Leitung von Christoph Terhechte konnten mit einer im Sommer gestarteten Crowdfunding-Kampagne zehntausend Euro eingesammelt und damit das Schlimmste abgewendet werden! „Mit dem Spendengeld aus unserem Crowdfunding können wir letztendlich für 3 Filme erweiterte Untertitel (SDH) und für 2 Filme Audiodeskriptionen anfertigen lassen. Durch die großartige Unterstützung von D-Facto Motion GmbH, Greta und Starks und Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH wird es darüber hinaus eine Audiodeskription für einen Film aus der Sektion „Young Eyes“ geben, der auch in einer Schulvorstellung gezeigt wird. Vielen Dank an alle, die uns geholfen haben!“ heißt es in einer Pressemitteilung des DOK. Noch einmal zum Vergleich: In den vergangenen Jahren waren durch die Projektförderung des Freistaates Sachsen pro Festivalausgabe bis zu 35 Filme barrierefrei zugänglich. Dieses Ziel sollte auch weiterhin anvisiert werden, keine leichte Aufgabe für Aleksandra (Ola) Staszel, die neue Intendantin des DOK und Geschäftsführerin der Leipziger DOK-Filmwochen GmbH. Nichtsdestotrotz, ich hatte mich auf drei Tage in Leipzig gefreut und war sehr gespannt auf den Dokumentarfilm aus Frankreich „Writing Life: Annie Ernaux Through the Eyes of High School Students“ von Claire Simon, mit dem das Festival feierlich eröffnet wurde. Hier der Vollständigkeit halber auch der französische Filmtitel: „Écrire la vie – Annie Ernaux racontée par des lycéennes et des lycéens“. Schülerinnen und Schüler eines französischen Gymnasiums lesen aus dem Werk der Feministin, Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Annie Ernaux vor, natürlich auf französisch. Zu meiner Überraschung konnte ich den wunderschön vorgetragenen Texten und den anschließenden Diskussionen in der Klasse sehr gut folgen. Und wieder bestätigte sich meine These: Dokumentarfilme erweitern den Horizont, jedenfalls meinen. Sehr wortkarg, aber um so geräuschvoller, ging es am nächsten Tag weiter mit „The Inheritors“ von Serge-Olivier Rondeau. Aber Nino, der wieder einmal bei jedem Schritt an meiner Seite war, hatte mich vorgewarnt. Ich ließ mich auf das Rauschen des Meeres ein, lauschte dem tosenden Wind und zuckte zusammen, wenn gefühlt Millionen Möwen auf einmal losschrien. Dieser bildgewaltige Film über eine der weltweit größten Ringschnabelmöwen-Kolonie auf der kanadischen Insel „Île Deslauriers“ schrie gerade so nach einer Audiodeskription! Leider vergeblich. Genauso schön wie Filmeschauen ist es, Leute zu treffen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Eine schöne Gelegenheit dazu bot der erste Empfang der Deutschen Filmakademie während des DOK im „Pilot“, meinem Lieblingsrestaurant in Leipzig. Eingeladen waren Mitglieder, Freunde und Fördermitglieder der Akademie. Nino und ich wurden sehr herzlich von den Vorständen der Sektion Dokumentarfilm, Kathrin Lemme und Enrique Sánchez Lansch begrüßt. Und schon waren die zwei Stunden mit schönen Gesprächen bei leckeren Snacks vorbei. Dann kam endlich die Greta App zum Einsatz bei „Intersection &#8211; Alles ist politisch“ von Karoline Rößler, einer der drei Filme mit Audiodeskription. Sechs Menschen sitzen mal zusammen an einem Tisch oder werden einzeln interviewt. Sie sprechen darüber, wie sie gesellschaftliche Ungleichheit und Diskriminierung klar benennen und beidem öffentlich entgegentreten. Aber wie kann Diskriminierung besonders für nichtbetroffene Menschen erfahrbar werden? Zum Beispiel mit einem interaktiven unfairen Videospiel auf dem Handy. Ein Dreieck, ein Kreis und ein Quadrat in verschiedenen Farben und unterschiedlich groß treten gegeneinander an, die eine Form mit Privilegien, die anderen unter erschwerten Bedingungen. Mir gefiel das Zusammenspiel von Gesprächen und den vielen Videospielen. Die Regisseurin Karoline Rößler erhielt den film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum, verliehen in Kooperation mit dem Filmverband Sachsen e.V.! Ob die Audiodeskription preisverdächtig war, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Aber ohne wäre ich vor allem bei den Videospielen hoffnungslos aufgeschmissen gewesen. Und jetzt nur kurz zu den weiteren zwei Filmen mit Audiodeskription: Der Preis der Jury aus Strafgefangenen der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen ging an „Sedimente“ von Laura Coppens! Bis jetzt waren alle Filme, die von den Jungs ausgezeichnet wurden, auch meine Favoriten. Um so trauriger, dass ich mir „Sedimente“ aus Zeitgründen nicht anschauen konnte. „Austroschwarz“ von Mwita Mataro und Helmut Karner kannte ich schon durch meine redaktionelle Arbeit an der Audiodeskription. Diese wurde möglich durch das Engagement von D-Facto Motion GmbH. Das Honorar der Sprecherin sponserte Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH. Möchte ich diese Bilder auf der Leinwand wirklich genau beschrieben bekommen? Letztlich beantworte]]></description>
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<p><strong>Barfuß oder Anzugschuh, alles zu seiner Zeit!</strong></p>



<p>Ohne Schuhe legten einst Franziskanermönche &#8211; auch Barfüßer genannt &#8211; den Weg zwischen dem Markt und ihrem Kloster im Nordwesten Leipzigs zurück. So wurde aus dem Weg die Barfußgasse.</p>



<p>Das Barfußgäßchen, ein 160 Meter langer Teil dieser Gasse mit vielen Restaurants und Bars, erfreut sich heute vor allem bei Touristen großer Beliebtheit.</p>



<p>Ein gezeichnetes Paar eleganter orangeroter Anzugschuhe ohne Schnürsenkel auf beigefarbenem Grund ist das von Stefan Ibrahim gestaltete Motiv des</p>



<p><strong>„68. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“</strong></p>



<p>vom 27.10. bis 02.11.2025!</p>



<p>Zitat des Leipziger Grafikers und Illustratoren: &#8222;Das liegende Paar Schuhe ist hier die Momentaufnahme, das Standbild gewohnter Dynamiken. Immer in Bewegung zu sein, und doch im richtigen Moment stehen bleiben zu können, das ist ein Privileg und vielleicht auch eine Pflicht. Mit den Füßen abstimmen &#8211; das ist nicht nur Weggehen, das ist auch Hingehen und auch Bleiben.&#8220;</p>



<p>Das DOK spielt sich hauptsächlich in der Leipziger Innenstadt ab, die vom Hauptbahnhof fußläufig erreichbar ist. Bei den vielen Wegen zwischen Hotel, Spielstätten, Veranstaltungsorten und Restaurants kommen reichlich Schritte zusammen. Da ist bequemes wetterfestes Schuhwerk angesagt. Meine Füße steckten in braunen Stiefeletten.</p>



<p>Orangerot als Schuhfarbe ist ja eher die Ausnahme. Aber eine beeindruckende Auswahl davon kann im diesjährigen Festivaltrailer bestaunt werden. Von schräg hinten gefilmt eilen zwei Füße zielstrebig durch die Stadt, gefühlt bei jedem Schritt in anderen Schuhen, von den Gummistiefeln bis zu Sandalen.</p>



<p>Und ein zweiter Rotton dominierte das DOK 2025. Die Landesregierung des Freistaates Sachsen hatte einen <strong>knallroten Rotstift</strong> angesetzt!</p>



<p>Mit Beschluss des Doppelhaushalts 2025/26 des Freistaates Sachsen wurden die Mittel für barrierefreie Filmangebote beim DOK von 50 Tausend Euro in 2023/24 und sogar 67 Tausend Euro im Jahr 2022 komplett gestrichen.</p>



<p>Seit 2017 regelmäßig zu Gast beim DOK, freute ich mich über die große und interessante Auswahl von Filmen mit Audiodeskription und schrieb in meinem Blog über die Barrierefreiheit und Zugänglichkeit der jeweiligen Festivalausgabe. Für das Jahr 2024 lautete mein Fazit: „Das DOK Leipzig ist und bleibt ein Schwergewicht in beiden Aspekten!“</p>



<p>Dank des großartigen Engagements des Festivals unter der Leitung von Christoph Terhechte konnten mit einer im Sommer gestarteten Crowdfunding-Kampagne zehntausend Euro eingesammelt und damit das Schlimmste abgewendet werden!</p>



<p>„Mit dem Spendengeld aus unserem Crowdfunding können wir letztendlich für 3 Filme erweiterte Untertitel (SDH) und für 2 Filme Audiodeskriptionen anfertigen lassen. Durch die großartige Unterstützung von D-Facto Motion GmbH, Greta und Starks und Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH wird es darüber hinaus eine Audiodeskription für einen Film aus der Sektion „Young Eyes“ geben, der auch in einer Schulvorstellung gezeigt wird. Vielen Dank an alle, die uns geholfen haben!“ heißt es in einer Pressemitteilung des DOK.</p>



<p>Noch einmal zum Vergleich: In den vergangenen Jahren waren durch die Projektförderung des Freistaates Sachsen pro Festivalausgabe bis zu 35 Filme barrierefrei zugänglich.</p>



<p>Dieses Ziel sollte auch weiterhin anvisiert werden, keine leichte Aufgabe für Aleksandra (Ola) Staszel, die neue Intendantin des DOK und Geschäftsführerin der Leipziger DOK-Filmwochen GmbH.</p>



<p>Nichtsdestotrotz, ich hatte mich auf drei Tage in Leipzig gefreut und war sehr gespannt auf den Dokumentarfilm aus Frankreich</p>



<p><strong>„Writing Life: Annie Ernaux Through the Eyes of High School Students“</strong> von Claire Simon,</p>



<p>mit dem das Festival feierlich eröffnet wurde.</p>



<p>Hier der Vollständigkeit halber auch der französische Filmtitel:</p>



<p><strong>„Écrire la vie – Annie Ernaux racontée par des lycéennes et des lycéens“</strong>.</p>



<p>Schülerinnen und Schüler eines französischen Gymnasiums lesen aus dem Werk der Feministin, Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Annie Ernaux vor, natürlich auf französisch. Zu meiner Überraschung konnte ich den wunderschön vorgetragenen Texten und den anschließenden Diskussionen in der Klasse sehr gut folgen. Und wieder bestätigte sich meine These: Dokumentarfilme erweitern den Horizont, jedenfalls meinen.</p>



<p>Sehr wortkarg, aber um so geräuschvoller, ging es am nächsten Tag weiter mit</p>



<p><strong>„The Inheritors“</strong> von Serge-Olivier Rondeau.</p>



<p>Aber Nino, der wieder einmal bei jedem Schritt an meiner Seite war, hatte mich vorgewarnt. Ich ließ mich auf das Rauschen des Meeres ein, lauschte dem tosenden Wind und zuckte zusammen, wenn gefühlt Millionen Möwen auf einmal losschrien. Dieser bildgewaltige Film über eine der weltweit größten Ringschnabelmöwen-Kolonie auf der kanadischen Insel „Île Deslauriers“ schrie gerade so nach einer Audiodeskription! Leider vergeblich.</p>



<p>Genauso schön wie Filmeschauen ist es, Leute zu treffen, sich auszutauschen und zu vernetzen.</p>



<p>Eine schöne Gelegenheit dazu bot der erste Empfang der Deutschen Filmakademie während des DOK im „Pilot“, meinem Lieblingsrestaurant in Leipzig. Eingeladen waren Mitglieder, Freunde und Fördermitglieder der Akademie. Nino und ich wurden sehr herzlich von den Vorständen der Sektion Dokumentarfilm, Kathrin Lemme und Enrique Sánchez Lansch begrüßt. Und schon waren die zwei Stunden mit schönen Gesprächen bei leckeren Snacks vorbei.</p>



<p>Dann kam endlich die Greta App zum Einsatz bei</p>



<p><strong>„Intersection &#8211; Alles ist politisch“</strong> von Karoline Rößler,</p>



<p>einer der drei Filme mit Audiodeskription.</p>



<p>Sechs Menschen sitzen mal zusammen an einem Tisch oder werden einzeln interviewt. Sie sprechen darüber, wie sie gesellschaftliche Ungleichheit und Diskriminierung klar benennen und beidem öffentlich entgegentreten. Aber wie kann Diskriminierung besonders für nichtbetroffene Menschen erfahrbar werden? Zum Beispiel mit einem interaktiven unfairen Videospiel auf dem Handy.</p>



<p>Ein Dreieck, ein Kreis und ein Quadrat in verschiedenen Farben und unterschiedlich groß treten gegeneinander an, die eine Form mit Privilegien, die anderen unter erschwerten Bedingungen.</p>



<p>Mir gefiel das Zusammenspiel von Gesprächen und den vielen Videospielen. Die Regisseurin Karoline Rößler erhielt den film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum, verliehen in Kooperation mit dem Filmverband Sachsen e.V.!</p>



<p>Ob die Audiodeskription preisverdächtig war, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Aber ohne wäre ich vor allem bei den Videospielen hoffnungslos aufgeschmissen gewesen.</p>



<p>Und jetzt nur kurz zu den weiteren zwei Filmen mit Audiodeskription:</p>



<p>Der Preis der Jury aus Strafgefangenen der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen ging an</p>



<p><strong>„Sedimente“</strong> von Laura Coppens!</p>



<p>Bis jetzt waren alle Filme, die von den Jungs ausgezeichnet wurden, auch meine Favoriten. Um so trauriger, dass ich mir „Sedimente“ aus Zeitgründen nicht anschauen konnte.</p>



<p><strong>„Austroschwarz“</strong> von Mwita Mataro und Helmut Karner</p>



<p>kannte ich schon durch meine redaktionelle Arbeit an der Audiodeskription. Diese wurde möglich durch das Engagement von D-Facto Motion GmbH. Das Honorar der Sprecherin sponserte Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH.</p>



<p>Möchte ich diese Bilder auf der Leinwand wirklich genau beschrieben bekommen?</p>



<p>Letztlich beantworte ich mir diese Frage immer mit einem eindeutigen JA! Und so auch bei</p>



<p><strong>„Flophouse America“ </strong>von Monica Strømdahl</p>



<p>Ein einfaches Hotelzimmer mit Bad, eigentlich für zwei Personen gedacht, ist das dauerhafte Zuhause einer dreiköpfigen Familie plus einer Katze. Der schon über den Filmton vermittelten Enge ohne Rückzugsmöglichkeit für den Sohn und die Eltern konnte ich mich kaum entziehen. Das hatte etwas sehr Bedrückendes. Aber ein Bild, das den drei Menschen gerecht wird, konnte ich mir ohne Audiodeskription leider nicht machen.</p>



<p>Und jetzt zu meiner letzten Amtshandlung beim DOK Industry Talk 2025 zum brandaktuellen Thema</p>



<p><strong>„Zugänglichkeit – Chancen und Herausforderungen für Filmproduktionen und Festivals“</strong>.</p>



<p>Auf dem Podium saßen Karoline Rößler,Studentin im Master Regie und Dokumentarfilm an der Filmuniversität Konrad Wolf, Nadja Smith von der Filmförderungsanstaltund ich.</p>



<p>Paula Schumann, Hörfilmautorin und Projektleiterin Inklusion beim DOK, moderierte auf englisch und hatte mir zum Glück die Fragen vorher auch auf deutsch geschickt. Nach der ersten Fragerunde wurde die englische Fassung von Kinoblindgängers Video „HEROES FOR ALL – Accessible Filmversion: How does it work?“ gezeigt.</p>



<p>Am Ende des Festivaltrailers, leider ohne Audiodeskription, werden zwei an Schnürsenkeln zusammengebundene Schuhe hochgeworfen und hängen dann über einem Straßenschild. Ich behielt meine Stiefeletten an den Füßen. Ohne Schnürsenkel wäre das sogenannte Shoefiti sowieso zum Scheitern verurteilt gewesen.</p>



<p><strong>Jetzt bedanke ich mich herzlich noch einmal bei meinem Begleiter Nino, bei Nina Kühne und Alena Flemming vom Pressebüro für die Einladung zum DOK und für das wieder einmal geduldige Warten auf den Blogbeitrag!</strong></p>



<p></p>
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		<title>Mit Ralf bei der Berlinale im Zirkus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Mar 2025 12:58:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Anke Nicolai]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Kämer]]></category>
		<category><![CDATA[Solo Sunny]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkuskind]]></category>
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					<description><![CDATA[Und ich übergebe gleich das Wort an meinen geschätzten Kollegen und guten Freund, den Journalisten und Filmbeschreiber Ralf Krämer: „Ob es nun ein Geschenk zum 75. Geburtstag der Berlinale war oder nicht, in diesem Jahr gab es auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin für blinde und sehbehinderte Kinofans ein größeres Angebot als je zuvor.15 deutsch- und ein englischsprachiger Film mit deutscher Audiodeskription standen auf dem Programm. Dazu zählte auch der Dokumentarfilm „Zirkuskind“.Die ganz besondere Vorführung im großen Saal des Berliner Zoo-Palastes haben wir, die Blindgängerin und ich, besucht. Aber wie jedes Festival beginnt auch unser Bericht mit der Eröffnung.Zum ersten Mal gab es während der feierlichen Eröffnungsgala der Berlinale eine Live-Audiodeskription. Den Saal, die stets wechselnde Beleuchtung, die Outfits und die vielen eingespielten Filmausschnitte galt es zu beschreiben und die vielen Promis auf dem roten Teppich zu erwähnen. Und das bei sehr wenig Zeit zwischen den Wortbeiträgen.Die Live-AD, getextet und gesprochen von Anke Nicolai, konnte über Audioguides und Kopfhörer leider nur in der zum Kino umgebauten Uber Eats Music Hall empfangen werden. Dort waren 40 Plätze für blinde und sehbehinderte Menschen reserviert und die waren sehr begeistert.Die zeitversetzte Übertragung der von Désirée Nosbusch moderierten Gala samt der Überreichung des Ehrenbären für das Lebenswerk an Tilda Swinton im rbb oder beim ZDF/3sat war so straff gekürzt, dass nicht eine Sekunde Zeit für die AD gewesen wäre, schade!Aber der Blindgängerin wurde das Skript der Live-AD zugespielt. Hier eine Kostprobe mit der Beschreibung von Tilda Swintons wie immer hinreißenden Äußeren:„Sie ist groß, hager, hat hellblondes hochgegeltes Haar, das an den Seiten abrasiert ist, blaue Augen, hohe Wangenknochen, eine gerade Nase und geschwungene rot geschminkte Lippen. An ihrem linken Ohr glänzen zwei silberne Ringe. Swinton trägt den bodenlangen dunklen Mantel mit kleinem Stehkragen, Kunstpelzbesatz an Kragen und vorderem Saum sowie glänzenden Knöpfen.“ Sowohl im großen Berlinale Palast mit seinen 1631 Sitzplätzen als auch in der Music Hall konnte man dann mit der Greta-App der Audiodeskription des Eröffnungsfilms, Tom Tykwers „Das Licht“ lauschen.Gleiches gilt auch für den Berlinale-Trailer mit seiner rotierenden Kugel aus lauter goldenen Bären, die schließlich explodiert und sich in einen Funkenregen auflöst.Den Link zum Trailer mit der von Ulrike Hübschmann gesprochenen AD gibt es ganz unten. Der wahrlich zauberhafte Berlinale-Trailer passte dann auch perfekt zum Start der Vorführung von „Zirkuskind“, am frühen Montagmorgen im Zoo-Palast.Der Film von Julia Lemke und Anna Koch, der als erster Dokumentarfilm von der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ gefördert wurde, feierte seine Weltpremiere im Berlinale Programm Generation Kplus. Bei „Zirkuskind“, empfohlen ab sieben, wurde die Audiodeskription live von Anke Nicolai eingesprochen und wie bei der Eröffnung über Audioguides und Kopfhörer zugänglich gemacht. Diese technische Lösung war im Vorfeld mit einer eingeladenen Grundschulklasse der Berliner Johann-August-Zeune-Schule für Blinde abgesprochen.Damit wurde sichergestellt, dass das noch nicht so im Umgang mit Smartphones geübte junge blinde Publikum gleich von Anfang an dem Film und der Bildbeschreibung folgen konnte. Und so tauchten alle (und wir), die in den großen Saal hereinspaziert waren, in den Alltag des Zirkus Arena ein. Im Mittelpunkt stehen dabei der etwa 12jährige Santino und sein jüngerer Bruder Gitano. Sie helfen ihrem Vater, ihren Großvätern und Tanten beim Auf- und Abbau der Zelte, beim Verkauf flackernd bunter Plastikspielzeuge und üben erste artistische Nummern ein. Als wiederkehrendes Motiv stellt sich Santino mehrfach vor einer neuen Schulklasse vor, von der er weiß, dass er sie und seine neugewonnenen Freunde schon nach wenigen Wochen wieder wird verlassen müssen. Immer wieder streiten sich Santino und Gitano darum, wer denn nun mit dem schweren Hammer die massiven Heringe des Zirkuszeltes in den Boden schlagen darf. Das erzählt nachvollziehbar auch von der gewissen Monotonie des unsteten Lebens eines Wanderzirkusunternehmens. Irgendwann schien uns das aber eher redundant. Wir hätten uns stattdessen mehr Details aus dem Leben mit den Zirkustieren gewünscht, statt noch einmal mitzuerleben, dass am Ende der Vater der Brüder doch den Großteil der schweren Hammerarbeit erledigen muss. Pferde, Kamele, Hunde und Rinder mit imposanten Hörnern begleiten den Zirkus auf seinem Weg. Wohl wissend, dass Tierdressuren mittlerweile eher kritisch gesehen werden, schafft es zumindest die Frage einer Mitschülerin von Santino in den Film, ob im Zirkus „Tiere gequält würden“. Der Junge antwortet mit einem entschiedenen „Nein!“ Kein Betrieb, der mit Tieren arbeitet, würde so streng kontrolliert wie der Zirkus, heißt es einmal noch. Viel mehr erfährt man über die Haltung, Ausbildung und die Auftritte der Tiere leider nicht.Trotzdem ist „Zirkuskind“ durchaus gelungen. Die Familienmitglieder scheinen die Kameras während der langen Dreharbeiten gar nicht wahrzunehmen. Das führt zu vielen spannenden und auch immer wieder berührenden Einblicken in die Geschichte der traditionsreichen Zirkusfamilie. Für letztere ist Uropa Ehe zuständig, der mit seinen über 80 Jahren zu den „letzten großen Zirkusdirektoren Deutschlands“ zählt. Wenn er zum Beispiel von seinem einstigen Star, dem Elefantenbullen Sahib erzählt, übernehmen fantasievoll von Magda Krebs und Lea Majeran animierte Szenen die Bebilderung. In der Audiodeskription wurde dies so angekündigt: „Ein gezeichneter Trickfilm“.Dass bei dem abschließenden Publikumsgespräch ein Kind mit Sehbehinderung erstmal fragte, was eigentlich ein Trickfilm sei, machte deutlich: Bei der Erstellung von ADs für Kinder- und Jugendfilme sollte unbedingt auch das junge blinde Zielpublikum mit einbezogen werden. Auf großes Interesse stieß die abschließende Ankündigung, dass die jungen „Zirkuskinder“ im Kino-Foyer noch Autogramme geben würden. So bekamen zumindest die eifrigsten Autogrammjäger wohl nicht mehr mit, wie die Moderatorin gewissermaßen als Zugabe noch einmal dazu aufrief, sich für die Kinder-Jury der Berlinale zu bewerben. Diese Einladung gelte ganz besonders auch „allen Marginalisierten, egal ob Ihr schwarz oder trans seid oder eine Behinderung habt.“ Da fragten wir uns schon, ob man hier ernsthaft der Meinung war, gerade Kinder auf diese Weise angemessen anzusprechen. Der Veranstaltung, in der eigentlich ganz selbstverständlich Inklusion praktiziert wurde, erwies dieses unbeabsichtigt exkludierende Finale dann doch eher einen, nun ja, Bärendienst. Froh stimmte uns hingegen, dass wir mit Anke Nicolai noch ein Foto in der kalten Winterluft machen konnten und uns über das austauschten, was die Berlinale auch weiterhin noch an barrierefreien Veranstaltungen zu bieten hatte. Zum Beispiel eine weitere Vorstellung von „Zirkuskind“, mit offener, einer für alle hörbaren Live-Audiodeskription, erweiterten Untertiteln]]></description>
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<p><strong>Und ich übergebe gleich das Wort an meinen geschätzten Kollegen und guten Freund, den Journalisten und Filmbeschreiber Ralf Krämer:</strong></p>



<p>„Ob es nun ein Geschenk zum 75. Geburtstag der Berlinale war oder nicht, in diesem Jahr gab es auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin für blinde und sehbehinderte Kinofans ein größeres Angebot als je zuvor.<br>15 deutsch- und ein englischsprachiger Film mit deutscher Audiodeskription standen auf dem Programm. Dazu zählte auch der Dokumentarfilm <strong>„Zirkuskind“</strong>.<br>Die ganz besondere Vorführung im großen Saal des Berliner Zoo-Palastes haben wir, die Blindgängerin und ich, besucht.</p>



<p>Aber wie jedes Festival beginnt auch unser Bericht mit der Eröffnung.<br>Zum ersten Mal gab es während der feierlichen Eröffnungsgala der Berlinale eine Live-Audiodeskription. Den Saal, die stets wechselnde Beleuchtung, die Outfits und die vielen eingespielten Filmausschnitte galt es zu beschreiben und die vielen Promis auf dem roten Teppich zu erwähnen. Und das bei sehr wenig Zeit zwischen den Wortbeiträgen.<br>Die Live-AD, getextet und gesprochen von Anke Nicolai, konnte über Audioguides und Kopfhörer leider nur in der zum Kino umgebauten Uber Eats Music Hall empfangen werden. Dort waren 40 Plätze für blinde und sehbehinderte Menschen reserviert und die waren sehr begeistert.<br>Die zeitversetzte Übertragung der von Désirée Nosbusch moderierten Gala samt der Überreichung des Ehrenbären für das Lebenswerk an Tilda Swinton im rbb oder beim ZDF/3sat war so straff gekürzt, dass nicht eine Sekunde Zeit für die AD gewesen wäre, schade!<br>Aber der Blindgängerin wurde das Skript der Live-AD zugespielt. Hier eine Kostprobe mit der Beschreibung von Tilda Swintons wie immer hinreißenden Äußeren:<br>„Sie ist groß, hager, hat hellblondes hochgegeltes Haar, das an den Seiten abrasiert ist, blaue Augen, hohe Wangenknochen, eine gerade Nase und geschwungene rot geschminkte Lippen. An ihrem linken Ohr glänzen zwei silberne Ringe. Swinton trägt den bodenlangen dunklen Mantel mit kleinem Stehkragen, Kunstpelzbesatz an Kragen und vorderem Saum sowie glänzenden Knöpfen.“</p>



<p>Sowohl im großen Berlinale Palast mit seinen 1631 Sitzplätzen als auch in der Music Hall konnte man dann mit der Greta-App der Audiodeskription des Eröffnungsfilms, Tom Tykwers „<strong>Das Licht</strong>“ lauschen.<br>Gleiches gilt auch für den Berlinale-Trailer mit seiner rotierenden Kugel aus lauter goldenen Bären, die schließlich explodiert und sich in einen Funkenregen auflöst.<br>Den Link zum Trailer mit der von Ulrike Hübschmann gesprochenen AD gibt es ganz unten.</p>



<p>Der wahrlich zauberhafte Berlinale-Trailer passte dann auch perfekt zum Start der Vorführung von „Zirkuskind“, am frühen Montagmorgen im Zoo-Palast.<br>Der Film von Julia Lemke und Anna Koch, der als erster Dokumentarfilm von der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ gefördert wurde, feierte seine Weltpremiere im Berlinale Programm Generation Kplus.</p>



<p>Bei „Zirkuskind“, empfohlen ab sieben, wurde die Audiodeskription live von Anke Nicolai eingesprochen und wie bei der Eröffnung über Audioguides und Kopfhörer zugänglich gemacht. Diese technische Lösung war im Vorfeld mit einer eingeladenen Grundschulklasse der Berliner Johann-August-Zeune-Schule für Blinde abgesprochen.<br>Damit wurde sichergestellt, dass das noch nicht so im Umgang mit Smartphones geübte junge blinde Publikum gleich von Anfang an dem Film und der Bildbeschreibung folgen konnte.</p>



<p>Und so tauchten alle (und wir), die in den großen Saal hereinspaziert waren, in den Alltag des Zirkus Arena ein. Im Mittelpunkt stehen dabei der etwa 12jährige Santino und sein jüngerer Bruder Gitano. Sie helfen ihrem Vater, ihren Großvätern und Tanten beim Auf- und Abbau der Zelte, beim Verkauf flackernd bunter Plastikspielzeuge und üben erste artistische Nummern ein. Als wiederkehrendes Motiv stellt sich Santino mehrfach vor einer neuen Schulklasse vor, von der er weiß, dass er sie und seine neugewonnenen Freunde schon nach wenigen Wochen wieder wird verlassen müssen. Immer wieder streiten sich Santino und Gitano darum, wer denn nun mit dem schweren Hammer die massiven Heringe des Zirkuszeltes in den Boden schlagen darf. Das erzählt nachvollziehbar auch von der gewissen Monotonie des unsteten Lebens eines Wanderzirkusunternehmens. Irgendwann schien uns das aber eher redundant. Wir hätten uns stattdessen mehr Details aus dem Leben mit den Zirkustieren gewünscht, statt noch einmal mitzuerleben, dass am Ende der Vater der Brüder doch den Großteil der schweren Hammerarbeit erledigen muss. Pferde, Kamele, Hunde und Rinder mit imposanten Hörnern begleiten den Zirkus auf seinem Weg. Wohl wissend, dass Tierdressuren mittlerweile eher kritisch gesehen werden, schafft es zumindest die Frage einer Mitschülerin von Santino in den Film, ob im Zirkus „Tiere gequält würden“. Der Junge antwortet mit einem entschiedenen „Nein!“ Kein Betrieb, der mit Tieren arbeitet, würde so streng kontrolliert wie der Zirkus, heißt es einmal noch. Viel mehr erfährt man über die Haltung, Ausbildung und die Auftritte der Tiere leider nicht.<br>Trotzdem ist „Zirkuskind“ durchaus gelungen. Die Familienmitglieder scheinen die Kameras während der langen Dreharbeiten gar nicht wahrzunehmen. Das führt zu vielen spannenden und auch immer wieder berührenden Einblicken in die Geschichte der traditionsreichen Zirkusfamilie. Für letztere ist Uropa Ehe zuständig, der mit seinen über 80 Jahren zu den „letzten großen Zirkusdirektoren Deutschlands“ zählt. Wenn er zum Beispiel von seinem einstigen Star, dem Elefantenbullen Sahib erzählt, übernehmen fantasievoll von Magda Krebs und Lea Majeran animierte Szenen die Bebilderung. In der Audiodeskription wurde dies so angekündigt: „Ein gezeichneter Trickfilm“.<br>Dass bei dem abschließenden Publikumsgespräch ein Kind mit Sehbehinderung erstmal fragte, was eigentlich ein Trickfilm sei, machte deutlich: Bei der Erstellung von ADs für Kinder- und Jugendfilme sollte unbedingt auch das junge blinde Zielpublikum mit einbezogen werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized is-style-default"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-5239" style="width:322px;height:auto" srcset="https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-1024x768.jpeg 1024w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-300x225.jpeg 300w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-768x576.jpeg 768w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-1536x1152.jpeg 1536w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-2048x1536.jpeg 2048w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2025/03/Autogramm-1320x990.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><br>Auf großes Interesse stieß die abschließende Ankündigung, dass die jungen „Zirkuskinder“ im Kino-Foyer noch Autogramme geben würden. So bekamen zumindest die eifrigsten Autogrammjäger wohl nicht mehr mit, wie die Moderatorin gewissermaßen als Zugabe noch einmal dazu aufrief, sich für die Kinder-Jury der Berlinale zu bewerben. Diese Einladung gelte ganz besonders auch „allen Marginalisierten, egal ob Ihr schwarz oder trans seid oder eine Behinderung habt.“ Da fragten wir uns schon, ob man hier ernsthaft der Meinung war, gerade Kinder auf diese Weise angemessen anzusprechen. Der Veranstaltung, in der eigentlich ganz selbstverständlich Inklusion praktiziert wurde, erwies dieses unbeabsichtigt exkludierende Finale dann doch eher einen, nun ja, Bärendienst. Froh stimmte uns hingegen, dass wir mit Anke Nicolai noch ein Foto in der kalten Winterluft machen konnten und uns über das austauschten, was die Berlinale auch weiterhin noch an barrierefreien Veranstaltungen zu bieten hatte. Zum Beispiel eine weitere Vorstellung von „Zirkuskind“, mit offener, einer für alle hörbaren Live-Audiodeskription, erweiterten Untertiteln und Deutscher Gebärdensprache.</p>



<p>Die Blindgängerin freute sich auf einen Höhepunkt der Reihe Classics: die Weltpremiere der digital restaurierten Fassung von Konrad Wolfs <strong>„Solo Sunny“</strong>. Man darf nicht zuletzt gespannt sein, wie es der Audiodeskription gelingt, das extravagante Bühnenoutfit der Schlagersängerin Sunny, gespielt von Renate Krößner, zu beschreiben. Krößner wurde für ihre Rolle 1980 mit dem Silbernen Bären als beste Schauspielerin ausgezeichnet &#8211; und wer weiß, vielleicht vergibt die Berlinale eines Tages auch einen Bären für die beste Audiodeskription. Warum eigentlich nicht?“</p>



<p><strong>Was für eine bärenstarke Idee zum Schluss, Ralf, und ein herzliches Dankeschön für deinen schönen Bericht!<br>Und jetzt noch kurz zu „Solo Sunny“.<br>Vor einigen Jahren hatte ich den Film im Fernsehen gesehen, zwar ohne Bildbeschreibung, aber beim Titelsong, so wunderbar gesungen von Regine Dobberschütz, bekam ich Gänsehaut. Das war zwar wieder so, aber den Film rundherum genießen konnte ich erst jetzt dank der sehr gut gemachten Audiodeskription.<br>Besonders gut gefiel mir folgendes Detail, das zeigt, wie Sunny tickt:<br>Als ein Typ sie an einem Tresen blöde anmacht, nimmt sie ihm die Brille von der Nase, zerbricht sie und steckt ihm die beiden Hälften links und rechts an den Hemdkragen.</strong></p>



<p><strong>Damit komme auch ich zum Schluss, freue mich auf die nächste Berlinale und hier ist der versprochene Link zum</strong> <strong>Berlinale-Trailer:</strong></p>



<p><a href="https://cdn.top-ix.org/IFB/berlinale2025/Berlinale_Trailer_AD.mp4">https://cdn.top-ix.org/IFB/berlinale2025/Berlinale_Trailer_AD.mp4</a></p>



<p>Im Bild oben von links nach rechts: Anke Nicolai, die Blindgängerin, Ralf Krämer</p>



<p></p>
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		<title>Beim DOK 2024 in Leipzig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jan 2025 15:03:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig 2024]]></category>
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					<description><![CDATA[Ist alles nur eine Frage der Gewichtung! Zeit hatte ich eigentlich keine für einen Besuch des 67. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm vom 27.10. bis 03.11.2024 Aber die Verlockung, wieder die tolle Festival-Atmosphäre beim DOK Leipzig zu genießen, mit lieben Menschen nach Herzenslust Filme zu schauen und den Gesprächen der Filmteams nach den Vorstellungen zu lauschen, wog einfach viel schwerer als mein Zeitproblem. Jede Ausgabe des DOK wird von einem anderen Festivalmotiv geprägt. Das des vergangenen Jahres deutete ich laienhaft so:Die auf dem Plakat prangende Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Filmprogramm zurechtschneiden. Dieses Jahr stehen auf pinkfarbenem Hintergrund zwei rote Gussgewichte leicht versetzt dicht voreinander, das hintere ist größer und etwa viermal so schwer wie das vordere. Die Gewichte in Zylinderform haben oben einen Knopf, um sie anheben zu können.Und jetzt übergebe ich die Deutungshoheit des Motivs an den Festivalleiter Christoph Terhechte:„Wie immer soll unser Festivalmotiv Anstoß geben, Verhältnisse zu hinterfragen &#8211; denn es gibt häufig unterschiedliche Perspektiven auf ein und denselben Aspekt.“Also Aspekte in Relation betrachten, abwägen und eventuell austarieren.Genau das habe ich gemacht und schon war ich da, mit leichtem Gepäck dieses Mal allerdings nur für eine Übernachtung. Am Donnerstag gegen 9:30 Uhr erwartete mich mein Begleiter Nino wie schon so oft in den vergangenen Jahren am Bahnhof und dann ein sehr eng getaktetes Programm. Aber bevor es ins Kino geht, die übliche Frage: Wie zugänglich und barrierefrei ist das Festival?Die Antwort fällt mir leicht: Das DOK Leipzig ist und bleibt ein Schwergewicht in beiden Aspekten!Und ich zitiere wieder einmal sehr gerne von der Website: „Unser Ziel ist, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, dass alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“Dazu gehört beispielsweise die Beschreibung von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, Informationen über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten, der Hinweis zu dem einzigen Kinosaal mit Induktionsschleife, das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen. Das Angebot von Filmen mit barrierefreier Fassung stellte wie in den vergangenen zwei Jahren die erfahrene Hörfilmautorin Paula Schumann zusammen, das Budget fest im Blick und abgestimmt mit ihren Kolleginnen und Kollegen von der Programmabteilung. Für 19 Filme gab es direkt auf der Leinwand eingeblendete erweiterte Untertitel für Menschen mit Hörbehinderung. Bei vier dieser Vorstellungen wurden die Filmgespräche in Gebärdensprache übersetzt. Ich hatte die Wahl zwischen zehn Langfilmen, für die eine Audiodeskription bei der Greta App verfügbar war und warf aus Zeitgründen nur 3 in die Waagschale.Zu meiner großen Freude konnte ich mir auch die AD für den Festivaltrailer herunterladen.Der wurde zu Beginn jeder Vorstellung gezeigt. Es ist immer wieder faszinierend, was in 35 Sekunden visuell auf der Leinwand alles so passieren kann. In diesem Jahr spielten natürlich die roten Gewichte die Hauptrolle und eine weiße Taube, die Trophäe des DOK, hatte wie in jedem Trailer ihren Auftritt. Etwa in der Mitte des Trailers sitzen plötzlich mehrere rote Gewichte wie Menschen in den Sesseln eines Kinosaals.Mir gefällt die Vorstellung, dass jedes Gewicht ein schwerwiegendes Argument ist, Filme am besten im Kino zu schauen, oder warum eigentlich einmal nicht im Knast?Die ungewöhnlichste Spielstätte vom DOK ist die Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen.Seit einigen Jahren bewertet eine Gefangenen-Jury ausgewählte Filme und vergibt beim DOK im Knast den sogenannten „Gedanken-Aufschluss-Preis“.Den verliehen, ich sag’s mit einem Zwinkern, die „schweren Jungs“ in diesem Jahr „Im Prinzip Familie“, auch meinem absoluten Favoriten des Festivals! Mir ging, allerdings in einem ganz normalen Kinosaal, bei Daniel Abmas Dokumentarfilm das Herz auf. Hier einige zitierte Zeilen zum Film: Wenn Eltern ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen können, stürzt für die Kinder oft die ganze Welt zusammen. Plötzlich sind nicht mehr Mama oder Papa zuständig, sondern das Jugendhilfesystem.Daniel Abma hat eine Wohngruppe im ländlichen Raum über mehrere Jahre begleitet. Er beobachtet gleichermaßen zugewandt wie zurückhaltend professionelle Erziehende, die fünf Jungs zwischen sieben und vierzehn Tag für Tag geben wollen, was sie am Dringendsten brauchen: Geborgenheit, Orientierung, ein Zuhause. Vielleicht dachte der ein oder andere Inhaftierte beim Schauen des Films, sein Leben hätte eine andere Wendung genommen, wäre er genau in dieser Wohngruppe untergekommen.Die Vorführungen in der JSA sind auch für Publikum offen und ich wäre gerne einmal dabei, wenn der Knast zum Kinosaal wird. Und die Greta App funktioniert ja auch hinter schwedischen Gardinen. Mit der Stimme der Sprecherin der Audiodeskription konnte ich mich nicht so recht anfreunden und vor allem anfangs war ich mir manchmal nicht ganz sicher, welcher von den Jungs und Betreuern gerade miteinander agierten.Aber im Prinzip konnte ich dem teils turbulenten Geschehen doch ganz gut folgen. Daniel Abmas Film, der am 05. Juni 2025 mit barrierefreier Fassung über die Greta App in den Kinos startet, wurde dann auch noch mit dem „ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness“ und dem „film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum“ ausgezeichnet. Ich war vorgewarnt, aber das Zünglein an der Waage, mir „Truth or Dare“ von Maja Classen anzuschauen, war meine Neugierde. Und einen Porno mit Audiodeskription gibt es ja auch nicht alle Tage. Die war unter den drei Hörfilmfassungen übrigens meine Nummer eins! Feinfühlig getextet und von der Sprecherin sensibel in die Dialogpausen platziert, vermittelte die AD die Begegnung von drei Paaren und einer Gruppe sexpositiver Personen.„Gemeinsam die Softness erforschen, schauen, wo die Körper hinführen, zulassen, dass sich Hautzellen und Nervenenden kennenlernen &#8211; und bei jedem Schritt nachfragen, wo die Grenzen liegen.“Gesprochen wurde mindestens genauso viel wie sich behutsam berührt und gegenseitig erforscht. Es eröffnete sich mir wie so oft bei Dokus eine ganz fremde Welt und ich hörte sehr gerne den Mitwirkenden beim Erzählen ihrer Geschichte zu.Nur bei der für mich nicht enden wollenden Gruppenperformance wurde mir teils genauer, als es mir lieb war, beschrieben, wer da gerade mit wem, was und wie…Und zum Schluss der zitierte Text zum Film: „Sexpositive Begegnungen, post-Lockdown. Eine Gruppe von Menschen erforscht ihre nonbinäre Lust, erfragt ihre Grenzen, keine erotische Zone ist selbstverständlich. Care &#38; Curiosity, genau jetzt.“]]></description>
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<p>Ist alles nur eine Frage der Gewichtung!</p>



<p>Zeit hatte ich eigentlich keine für einen Besuch des</p>



<p><strong>67. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm vom 27.10. bis 03.11.2024</strong></p>



<p>Aber die Verlockung, wieder die tolle Festival-Atmosphäre beim DOK Leipzig zu genießen, mit lieben Menschen nach Herzenslust Filme zu schauen und den Gesprächen der Filmteams nach den Vorstellungen zu lauschen, wog einfach viel schwerer als mein Zeitproblem.</p>



<p>Jede Ausgabe des DOK wird von einem anderen Festivalmotiv geprägt. Das des vergangenen Jahres deutete ich laienhaft so:<br>Die auf dem Plakat prangende Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Filmprogramm zurechtschneiden.</p>



<p>Dieses Jahr stehen auf pinkfarbenem Hintergrund zwei rote Gussgewichte leicht versetzt dicht voreinander, das hintere ist größer und etwa viermal so schwer wie das vordere. Die Gewichte in Zylinderform haben oben einen Knopf, um sie anheben zu können.<br>Und jetzt übergebe ich die Deutungshoheit des Motivs an den Festivalleiter Christoph Terhechte:<br>„Wie immer soll unser Festivalmotiv Anstoß geben, Verhältnisse zu hinterfragen &#8211; denn es gibt häufig unterschiedliche Perspektiven auf ein und denselben Aspekt.“<br>Also Aspekte in Relation betrachten, abwägen und eventuell austarieren.<br>Genau das habe ich gemacht und schon war ich da, mit leichtem Gepäck dieses Mal allerdings nur für eine Übernachtung. Am Donnerstag gegen 9:30 Uhr erwartete mich mein Begleiter Nino wie schon so oft in den vergangenen Jahren am Bahnhof und dann ein sehr eng getaktetes Programm.</p>



<p><strong>Aber bevor es ins Kino geht, die übliche Frage: Wie zugänglich und barrierefrei ist das Festival?<br>Die Antwort fällt mir leicht: Das DOK Leipzig ist und bleibt ein Schwergewicht in beiden Aspekten!</strong><br>Und ich zitiere wieder einmal sehr gerne von der Website: „Unser Ziel ist, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, dass alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“<br>Dazu gehört beispielsweise die Beschreibung von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, Informationen über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten, der Hinweis zu dem einzigen Kinosaal mit Induktionsschleife, das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen.</p>



<p>Das Angebot von Filmen mit barrierefreier Fassung stellte wie in den vergangenen zwei Jahren die erfahrene Hörfilmautorin Paula Schumann zusammen, das Budget fest im Blick und abgestimmt mit ihren Kolleginnen und Kollegen von der Programmabteilung.</p>



<p>Für 19 Filme gab es direkt auf der Leinwand eingeblendete erweiterte Untertitel für Menschen mit Hörbehinderung. Bei vier dieser Vorstellungen wurden die Filmgespräche in Gebärdensprache übersetzt.</p>



<p>Ich hatte die Wahl zwischen zehn Langfilmen, für die eine Audiodeskription bei der Greta App verfügbar war und warf aus Zeitgründen nur 3 in die Waagschale.<br>Zu meiner großen Freude konnte ich mir auch die AD für den Festivaltrailer herunterladen.<br>Der wurde zu Beginn jeder Vorstellung gezeigt. Es ist immer wieder faszinierend, was in 35 Sekunden visuell auf der Leinwand alles so passieren kann. In diesem Jahr spielten natürlich die roten Gewichte die Hauptrolle und eine weiße Taube, die Trophäe des DOK, hatte wie in jedem Trailer ihren Auftritt. Etwa in der Mitte des Trailers sitzen plötzlich mehrere rote Gewichte wie Menschen in den Sesseln eines Kinosaals.<br>Mir gefällt die Vorstellung, dass jedes Gewicht ein schwerwiegendes Argument ist, Filme am besten im Kino zu schauen, oder warum eigentlich einmal nicht im Knast?<br>Die ungewöhnlichste Spielstätte vom DOK ist die Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen.<br>Seit einigen Jahren bewertet eine Gefangenen-Jury ausgewählte Filme und vergibt beim DOK im Knast den sogenannten „Gedanken-Aufschluss-Preis“.<br>Den verliehen, ich sag’s mit einem Zwinkern, die „schweren Jungs“ in diesem Jahr</p>



<p>„<strong>Im Prinzip Familie“</strong>, auch meinem absoluten Favoriten des Festivals!</p>



<p>Mir ging, allerdings in einem ganz normalen Kinosaal, bei Daniel Abmas Dokumentarfilm das Herz auf. Hier einige zitierte Zeilen zum Film:</p>



<p>Wenn Eltern ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen können, stürzt für die Kinder oft die ganze Welt zusammen. Plötzlich sind nicht mehr Mama oder Papa zuständig, sondern das Jugendhilfesystem.<br>Daniel Abma hat eine Wohngruppe im ländlichen Raum über mehrere Jahre begleitet. Er beobachtet gleichermaßen zugewandt wie zurückhaltend professionelle Erziehende, die fünf Jungs zwischen sieben und vierzehn Tag für Tag geben wollen, was sie am Dringendsten brauchen: Geborgenheit, Orientierung, ein Zuhause.</p>



<p>Vielleicht dachte der ein oder andere Inhaftierte beim Schauen des Films, sein Leben hätte eine andere Wendung genommen, wäre er genau in dieser Wohngruppe untergekommen.<br>Die Vorführungen in der JSA sind auch für Publikum offen und ich wäre gerne einmal dabei, wenn der Knast zum Kinosaal wird. Und die Greta App funktioniert ja auch hinter schwedischen Gardinen.</p>



<p>Mit der Stimme der Sprecherin der Audiodeskription konnte ich mich nicht so recht anfreunden und vor allem anfangs war ich mir manchmal nicht ganz sicher, welcher von den Jungs und Betreuern gerade miteinander agierten.<br>Aber im Prinzip konnte ich dem teils turbulenten Geschehen doch ganz gut folgen.</p>



<p>Daniel Abmas Film, der am 05. Juni 2025 mit barrierefreier Fassung über die Greta App in den Kinos startet, wurde dann auch noch mit dem „ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness“ und dem „film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum“ ausgezeichnet.</p>



<p>Ich war vorgewarnt, aber das Zünglein an der Waage, mir</p>



<p><strong>„Truth or Dare“</strong></p>



<p>von Maja Classen anzuschauen, war meine Neugierde. Und einen Porno mit Audiodeskription gibt es ja auch nicht alle Tage. Die war unter den drei Hörfilmfassungen übrigens meine Nummer eins!</p>



<p>Feinfühlig getextet und von der Sprecherin sensibel in die Dialogpausen platziert, vermittelte die AD die Begegnung von drei Paaren und einer Gruppe sexpositiver Personen.<br>„Gemeinsam die Softness erforschen, schauen, wo die Körper hinführen, zulassen, dass sich Hautzellen und Nervenenden kennenlernen &#8211; und bei jedem Schritt nachfragen, wo die Grenzen liegen.“<br>Gesprochen wurde mindestens genauso viel wie sich behutsam berührt und gegenseitig erforscht. Es eröffnete sich mir wie so oft bei Dokus eine ganz fremde Welt und ich hörte sehr gerne den Mitwirkenden beim Erzählen ihrer Geschichte zu.<br>Nur bei der für mich nicht enden wollenden Gruppenperformance wurde mir teils genauer, als es mir lieb war, beschrieben, wer da gerade mit wem, was und wie…<br>Und zum Schluss der zitierte Text zum Film: „Sexpositive Begegnungen, post-Lockdown. Eine Gruppe von Menschen erforscht ihre nonbinäre Lust, erfragt ihre Grenzen, keine erotische Zone ist selbstverständlich. Care &amp; Curiosity, genau jetzt.“</p>



<p>Mit dem Eröffnungsfilm des DOK 2024</p>



<p><strong>„Tracing Light“</strong></p>



<p>beendeten Nino und ich unseren langen Festivaltag mit Physik nicht leicht, aber anschaulich gemacht.<br>Thomas Riedelsheimer ist gelungen, woran meine Physiklehrer in der Schule gescheitert sind: Mein Interesse für das Fach zu wecken und mit anschaulichen Beispielen zu vermitteln, wie faszinierend zum Beispiel das Phänomen Licht sein kann.<br>„Ohne Licht gäbe es kein Kino &#8211; und kein Leben. Das Licht steht also am Anfang von allem und bleibt dennoch solange für unser Auge unsichtbar, bis es auf Materie trifft.<br>In seiner Suche nach dem Ursprung der Bilder taucht der Film in zwei Welten ein, die den Zauber des Lichtes ergründen: Die Physik und die Kunst.“</p>



<p>Wenn all das, was ich über die Audiodeskription vermittelt bekam, den Bildern auf der Leinwand entsprach, dann Hut ab!<br>Es gab Experimente am Max-Planck-Institut in Erlangen und der „Extreme Light Group“ der Universität Glasgow zu beschreiben. Und dann die Werke von Künstlern und Künstlerinnen, die mit Licht arbeiten. Dazu gehörten Laserkraft, Farbpigmente, schwarze Löcher und fliegende Skulpturen.</p>



<p>Manchmal war mir die Audiodeskription etwas zu lyrisch und zu dicht getextet.<br>Wer sich ein eigenes Urteil über den Film und auch die Audiodeskription machen möchte, „Tracing Light“ startet mit barrierefreier Fassung über die Greta App schon am 16.01.2025 in den Kinos.</p>



<p>Am Freitag war Schichtwechsel. Nino, mein langjähriger Begleiter beim DOK, wurde abgelöst von Christian und Kim, jungen Filmschaffende mit Abschluss an der Hochschule für Gestaltung, der HFG Offenbach/ Main.</p>



<p>Durchs DOK habe ich Kurzfilme kennen und lieben gelernt und so warf ich zum Ausgleich noch zwei Blöcke mit Kurzfilmen Deutscher Wettbewerb, leider alle ohne Audiodeskription, in meine Waagschale.<br>Den meisten der Filme mit wenig oder gar keinem Dialog konnte ich überhaupt nicht folgen, zum Beispiel</p>



<p><strong>„Accidental Animals“</strong></p>



<p>Zufällig vor das Google-Maps-Auto geratene Tiere stören den Anspruch, die Welt möglichst realistisch darzustellen. Hier hätten mich die Bilder zu den Geräuschen schon sehr interessiert.</p>



<p>In<strong> „Der König von Spanien“</strong> liest Leonard Volkmer abwechselnd aus klinisch kalt verfassten Psychiatrieberichten und seinen aufwühlenden Tagebuchtexten. Beim Zuhören konnte ich mir kaum vorstellen, dass ein Körper und eine Seele das alles aushalten kann. Umso schöner, zum Filmgespräch stand Leonard Volkmer dem sichtlich berührten Publikum Rede und Antwort. Großartig und Glückwunsch zur „Goldenen Taube Kurzfilm“!</p>



<p>Gar nicht genug konnte ich von Betina Kuntzschs Film <strong>„Himmel wie Seide. Voller Orangen“ </strong>bekommen.<br>Mit einer fröhlich animierten Collage aus Postkarten, Urlaubs-Dias und Reiseunterlagen wird von der ersten DDR-Reisegruppe erzählt, die im Frühjahr 1990 mit einer Interflug-Maschine auf Mallorca landete, Sie wurde wie Staatsgäste mit einem riesigen Presseaufgebot empfangen.<br>Ich hing der Erzählerin aus dem Off, Valeska Hegewald, förmlich an den Lippen!</p>



<p>Und dann war es höchste Zeit für mich zu gehen.<br>Ein herzliches Dankeschön geht an Nino, Christian und Kim für die liebevolle Rundum-sorglos-Begleitung und an das Pressebüro, Nina Kühne, Melanie Rohde, Sevara Pan,<br>für die Einladung zum DOK und das geduldige Warten auf den Blogbeitrag!</p>



<p>Denn kaum zurück, hatte mich mein Zeitproblem wieder schwer im Griff.</p>



<p></p>
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		<title>Beim DOK 2023 in Leipzig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Programm für das 66. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023 vom 08. bis 15. Oktober einfach zurechtschneiden? So könnte das diesjährige Motiv des DOK auf dem Festivalplakat gedeutet werden, vor dem wir beide, Mieke, meine wunderbare Begleiterin während der Festivaltage, und ich mit unseren Badges für ein Foto posieren. Auf rotem Grund prangt eine riesige Schere mit orangefarbenen Griffen und blitzenden, zum Drauflosschneiden geöffneten Klingen! Und was für ein schöner Zufall, die Farbtöne auf dem Plakat und der meines Pullis harmonieren perfekt, habe ich mir sagen lassen. Mieke und ich hatten also zur Schere gegriffen und uns von 225 Filmen aus rund 60 Ländern unser persönliches Programm herausgeschnitten. Aber bevor es heißt „Film ab!“ möchte ich mich herzlich beim DOK für die bereits fünfte Einladung zum Festival und der unter anderem damit verbundenen Presseakkreditierung für mich und meine Begleitung bedanken! Tiefe Töne von Tuben, kurz und etwas abgehackt, seien zu hören bei „The Tuba Thieves“ von Alison O’Daniel USA 2023, dachte ich irrtümlicherweise. Das kommt davon, wenn man sich vorher nicht informiert. Ansonsten hätte ich erfahren, daß dies keine Geschichte über verschwundene und wieder auftauchende Instrumente ist, sondern der Titel der Filmemacherin lediglich als Aufhänger für ihren Dokumentarfilm zu dem Thema Hören und Nicht-Hören diente. So stellte sich im Film also die Frage, was macht das Fehlen eines Klanges mit der Wahrnehmung von Musik? Und wie nehmen gehörlose Menschen Töne, Musik und Geräusche eigentlich wahr? Eine Frage, die mich brennend interessiert! Alison O’Daniel ist hörend und erzählt aus der Perspektive von Nichthörenden, die natürlich ganz oft zu Wort kommen. Es wurde fast ausschließlich in Gebärdensprache kommuniziert, die übersetzt und für das sehende Publikum als Untertitel auf der Leinwand eingeblendet war. Zu lesen war dort auch die Beschreibung der Töne, Musik und der Geräusche, also die sogenannten erweiterten Untertitel für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ich wiederum hätte eine Audiodeskription gebraucht, um neben der Bildbeschreibung auch diese Untertitel akustisch wahrnehmen zu können. So versank ich etwas verloren in meinem Kinosessel. Aber ganz zum Schluß meinte ich dann doch noch, ein ganz kurzes „Tröt“ einer Tuba gehört zu haben. Mieke neben mir war begeistert in die akustische Welt mit den vielen beeindruckenden Bildern eingetaucht! Die Tubadiebe waren beim diesjährigen Festival einer von 18 Filmen mit eingeblendeten erweiterten Untertiteln, das sind mehr geworden! Und wie jedes Jahr wurden ausgewählte Filmgespräche in deutsche Gebärdensprache übersetzt. Warum tauchen eigentlich immer wieder Überschriften auf mit dem Tenor: „Betroffenen eine Stimme geben“? „Betroffene haben alle eine Stimme, Menschen mit Gewalterfahrungen haben Stimmen, bloß werden sie nicht gehört!“, ein Zitat von Detlef Zander und er weiß, wovon er spricht. Seit den 50er Jahren bis weit über das Jahr 2000 hinaus wurden hunderte Kinder und Jugendliche in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde in der kleinen Gemeinde Korntal in der Nähe von Stuttgart mißbraucht. Zwangsarbeit, körperliche Züchtigung und sexualisierte Gewalt waren an der Tagesordnung. Detlef Zander als Betroffener machte im Jahr 2014 die Verbrechen erstmals öffentlich und engagiert sich seitdem mit anderen Opfern für die Aufarbeitung der Taten. Knapp zehn Jahre später läßt die Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Charakter in ihrem Dokumentarfilm vor allem „Die Kinder aus Korntal“ zu Wort kommen, die immer noch um Aufklärung und Wiedergutmachung kämpfen. Die Stimmen und die ergreifend schmerzhaften Beiträge einiger Frauen und Männer haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Für ihren Film wider das Vergessen wurden Julia Charakter und ihr Team mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet! Bei Johnny liegt die Sache anders. Ihm wird eine Stimme gegeben, weil er keine hat! In dem animierten Dokumentarfilm „Johnny &#38; Me“ gibt die Regisseurin Katrin Rothe ihrer Protagonistin Stefanie eine Schere zur Hand. Ruckzuck ist die Miniaturausgabe von John Heartfield aus einem Bogen Pappe ausgeschnitten, spricht und los geht die Zeitreise durch sein bewegtes Leben! Der im Jahr 1891 als Helmut Herzfeld in Berlin-Schmargendorf geborene Maler und Grafiker starb 1968 in Ost-Berlin. John Heartfield gilt als Erfinder der politischen Fotomontage und geriet als überzeugter Kommunist während und nach den beiden Weltkriegen immer wieder zwischen die Fronten. Es gibt also viel zu erzählen und mir gefiel die Idee dieser mal ganz anderen Zeitreise mit Stefanie und Johnny sehr! Diese beiden unbedingt empfehlenswerten Filme hatte Mieke ausgesucht. Mir wären sie ansonsten entgangen, und zwar aus folgendem Grund: Mein Fokus liegt auf den mit Audiodeskription (AD) bei der Greta App bereitgestellten Filmen, allerdings waren diese beiden nicht darunter. Vor allem bei Johnny wäre eine Filmbeschreibung sehr hilfreich gewesen. Die MAZ war schon in Arbeit, aber nicht rechtzeitig fertig. Und ganz allgemein nachgefragt, wie zugänglich und barrierefrei war das DOK 2023? Im Sinne des diesjährigen Motivs geantwortet, das Festival schnitt hervorragend ab! Hier ein Zitat von der Website: „Unser Ziel ist, daß Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, daß alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“ Erstmals gab es Beschreibungen von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, toll! Informiert wurde auch über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten. Neu war auch das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen. Meine nächste Haltestelle und zugleich Endstation in diesem Beitrag heißt: Das Filmangebot mit Audiodeskription bei der Greta App, sechs Lang- und drei Kurzfilme! Zum zweiten Mal stellte Paula Schumann, das Budget fest im Blick, ein möglichst umfangreiches und abwechslungsreiches Programm für das blinde und hörbeeinträchtigte Publikum zusammen und stimmte sich dabei mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Programmabteilung ab. Zu ihren Aufgaben gehört auch, dafür zu sorgen, daß die Audiodeskriptionen rechtzeitig zum Festival erstellt und bei der Greta App verfügbar sind. Als Mitglied des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber, weiß Paula genau, worauf sie dabei zu achten hat. Das macht sich bei der Qualität der Hörfilmfassungen enorm bemerkbar. Und diese schnitten auch dieses Jahr bis auf einen kleinen Ausrutscher sehr sehr gut ab! Und hier meine Filmauswahl: Beim Animationsfilm sind der Fantasie]]></description>
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									<p></p>
<p>Eine Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Programm für das</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>66. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>vom 08. bis 15. Oktober einfach zurechtschneiden?</p>
<p></p>
<p></p>
<p>So könnte das diesjährige Motiv des DOK auf dem Festivalplakat gedeutet werden, vor dem wir beide, Mieke, meine wunderbare Begleiterin während der Festivaltage, und ich mit unseren Badges für ein Foto posieren.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Auf rotem Grund prangt eine riesige Schere mit orangefarbenen Griffen und blitzenden, zum Drauflosschneiden geöffneten Klingen! Und was für ein schöner Zufall, die Farbtöne auf dem Plakat und der meines Pullis harmonieren perfekt, habe ich mir sagen lassen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Mieke und ich hatten also zur Schere gegriffen und uns von 225 Filmen aus rund 60 Ländern unser persönliches Programm herausgeschnitten.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Aber bevor es heißt „Film ab!“ möchte ich mich herzlich beim DOK für die bereits fünfte Einladung zum Festival und der unter anderem damit verbundenen Presseakkreditierung für mich und meine Begleitung bedanken!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Tiefe Töne von Tuben, kurz und etwas abgehackt, seien zu hören bei</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„The Tuba Thieves“ von Alison O’Daniel USA 2023</strong>,</p>
<p></p>
<p></p>
<p>dachte ich irrtümlicherweise. Das kommt davon, wenn man sich vorher nicht informiert. Ansonsten hätte ich erfahren, daß dies keine Geschichte über verschwundene und wieder auftauchende Instrumente ist, sondern der Titel der Filmemacherin lediglich als Aufhänger für ihren Dokumentarfilm zu dem Thema Hören und Nicht-Hören diente. So stellte sich im Film also die Frage, was macht das Fehlen eines Klanges mit der Wahrnehmung von Musik? Und wie nehmen gehörlose Menschen Töne, Musik und Geräusche eigentlich wahr? Eine Frage, die mich brennend interessiert!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Alison O’Daniel ist hörend und erzählt aus der Perspektive von Nichthörenden, die natürlich ganz oft zu Wort kommen. Es wurde fast ausschließlich in Gebärdensprache kommuniziert, die übersetzt und für das sehende Publikum als Untertitel auf der Leinwand eingeblendet war. Zu lesen war dort auch die Beschreibung der Töne, Musik und der Geräusche, also die sogenannten erweiterten Untertitel für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ich wiederum hätte eine Audiodeskription gebraucht, um neben der Bildbeschreibung auch diese Untertitel akustisch wahrnehmen zu können. So versank ich etwas verloren in meinem Kinosessel. Aber ganz zum Schluß meinte ich dann doch noch, ein ganz kurzes „Tröt“ einer Tuba gehört zu haben. Mieke neben mir war begeistert in die akustische Welt mit den vielen beeindruckenden Bildern eingetaucht!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Die Tubadiebe waren beim diesjährigen Festival einer von 18 Filmen mit eingeblendeten erweiterten Untertiteln, das sind mehr geworden! Und wie jedes Jahr wurden ausgewählte Filmgespräche in deutsche Gebärdensprache übersetzt.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Warum tauchen eigentlich immer wieder Überschriften auf mit dem Tenor: „Betroffenen eine Stimme geben“?</p>
<p></p>
<p></p>
<p>„Betroffene haben alle eine Stimme, Menschen mit Gewalterfahrungen haben Stimmen, bloß werden sie nicht gehört!“, ein Zitat von Detlef Zander und er weiß, wovon er spricht.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Seit den 50er Jahren bis weit über das Jahr 2000 hinaus wurden hunderte Kinder und Jugendliche in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde in der kleinen Gemeinde Korntal in der Nähe von Stuttgart mißbraucht. Zwangsarbeit, körperliche Züchtigung und sexualisierte Gewalt waren an der Tagesordnung.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Detlef Zander als Betroffener machte im Jahr 2014 die Verbrechen erstmals öffentlich und engagiert sich seitdem mit anderen Opfern für die Aufarbeitung der Taten.</p>
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<p>Knapp zehn Jahre später läßt die Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Charakter in</p>
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<p>ihrem Dokumentarfilm vor allem</p>
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<p><strong>„Die Kinder aus Korntal“</strong></p>
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<p></p>
<p>zu Wort kommen, die immer noch um Aufklärung und Wiedergutmachung kämpfen. Die Stimmen und die ergreifend schmerzhaften Beiträge einiger Frauen und Männer haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Für ihren Film wider das Vergessen wurden Julia Charakter und ihr Team mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet!</p>
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<p></p>
<p>Bei Johnny liegt die Sache anders. Ihm wird eine Stimme gegeben, weil er keine hat!</p>
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<p></p>
<p>In dem animierten Dokumentarfilm</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Johnny &amp; Me“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>gibt die Regisseurin Katrin Rothe ihrer Protagonistin Stefanie eine Schere zur Hand.</p>
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<p>Ruckzuck ist die Miniaturausgabe von John Heartfield aus einem Bogen Pappe ausgeschnitten, spricht und los geht die Zeitreise durch sein bewegtes Leben!</p>
<p></p>
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<p>Der im Jahr 1891 als Helmut Herzfeld in Berlin-Schmargendorf geborene Maler und Grafiker starb 1968 in Ost-Berlin. John Heartfield gilt als Erfinder der politischen Fotomontage und geriet als überzeugter Kommunist während und nach den beiden Weltkriegen immer wieder zwischen die Fronten. Es gibt also viel zu erzählen und mir gefiel die Idee dieser mal ganz anderen Zeitreise mit Stefanie und Johnny sehr!</p>
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<p>Diese beiden unbedingt empfehlenswerten Filme hatte Mieke ausgesucht. Mir wären sie ansonsten entgangen, und zwar aus folgendem Grund:</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Mein Fokus liegt auf den mit Audiodeskription (AD) bei der Greta App bereitgestellten Filmen, allerdings waren diese beiden nicht darunter. Vor allem bei Johnny wäre eine Filmbeschreibung sehr hilfreich gewesen. Die MAZ war schon in Arbeit, aber nicht rechtzeitig fertig.</p>
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<p><strong>Und ganz allgemein nachgefragt, wie zugänglich und barrierefrei war das DOK 2023?</strong></p>
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<p>Im Sinne des diesjährigen Motivs geantwortet, das Festival schnitt hervorragend ab!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Hier ein Zitat von der Website: „Unser Ziel ist, daß Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, daß alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Erstmals gab es Beschreibungen von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, toll! Informiert wurde auch über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten. Neu war auch das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Meine nächste Haltestelle und zugleich Endstation in diesem Beitrag heißt:</p>
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<p></p>
<p>Das Filmangebot mit Audiodeskription bei der Greta App, sechs Lang- und drei Kurzfilme!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Zum zweiten Mal stellte Paula Schumann, das Budget fest im Blick, ein möglichst umfangreiches und abwechslungsreiches Programm für das blinde und hörbeeinträchtigte Publikum zusammen und stimmte sich dabei mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Programmabteilung ab. Zu ihren Aufgaben gehört auch, dafür zu sorgen, daß die Audiodeskriptionen rechtzeitig zum Festival erstellt und bei der Greta App verfügbar sind. Als Mitglied des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber, weiß Paula genau, worauf sie dabei zu achten hat. Das macht sich bei der Qualität der Hörfilmfassungen enorm bemerkbar. Und diese schnitten auch dieses Jahr bis auf einen kleinen Ausrutscher sehr sehr gut ab!</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>Und hier meine Filmauswahl:</strong></p>
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<p>Beim Animationsfilm sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und drei ganz zauberhafte Beispiele dafür sind:</p>
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<p><strong>„Sultana‘s Dream“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>ist zugleich der Titel eines Buches, welches die Spanierin Inés bei einer ihrer Reisen durch Indien entdeckt und das sie in seinen Bann zieht. Wir begleiten sie während ihrer Suche nach dem dort beschriebenen Ladyland und tauchen mit ihr immer tiefer in die Fantasiewelt ein, dem utopischen Land der Frauen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Such Miracles Do Happen“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Für das Wunder, wie eine religiöse Statue lebendig wird, sich mit einem Mädchen ohne Knochen vereint, und mit anderen Figuren, die von ihren Altären herabgestiegen sind, das Dorf verläßt, gab es die goldene Taube „Bester internationaler kurzer Animationsfilm“!</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„It’s Just a Whole“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Zunächst ist es ein kleiner Leberfleck, den die Ärztin bei ihrer akribischen Untersuchung auf Mayas Oberschenkel entdeckt. Dann sitzt ein kleiner dunkler Punkt auf dem Apfel, in den Maya gerade beißen will. Auf der anderen Seite sind es dann zwei Punkte wie Augen, aus denen Tränen rinnen. In ihrem Traum ist der Fleck so groß wie sie selbst und die beiden liegen nebeneinander entspannt auf einer Wiese. Schließlich tritt der Fleck als Priester auf und hat sogar eine Stimme bekommen, unglaublich und mehr verrate ich nicht!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Die Vermittlung des jeweils speziellen visuellen Stils und der vielen fantastischen Bilder in den oft kurzen dialogfreien Stellen ist die große Herausforderung beim Animationsfilm, die in allen drei Filmen mit Bravour gelungen ist!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Bei den Dokumentarfilmen war mein klarer Favorit</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Kumva – Was aus der Stille kommt“</strong>!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>„Kumva“ heißt „lauschen“ und das taten alle im vollbesetzten Kinosaal mucksmäuschenstill. Wir lauschten den Müttern, die ihren jetzt 30-jährigen Töchtern und Söhnen von ihren grauenvollen Erlebnissen während des Völkermords an den Tutsi in Ruanda im Jahr 1994 erzählen. Erinnerungen haben die damals zwei- oder dreijährigen Kinder an diese schreckliche Zeit des Genozid nicht und erst jetzt finden die Mütter die Kraft, darüber zu sprechen. Und dabei lassen sie sich Zeit. Die Audiodeskription hält sich zumeist sensibel im Hintergrund, trotzdem bekam ich sehr anschaulich einen Eindruck vom Land und den Menschen vermittelt. Sehr gut gelungen fand ich das deutsche Voice Over der vielen Menschen, die in Sarah Mallégols Film in ihrer Landessprache zu Wort kommen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>„Mit 84 ist noch lang noch nicht Schluß“, ist das Lebensmotto von</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Vika!“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Sie ist quirlig, tanzt und performt in den abgefahrensten Outfits und legt als DJ in den angesagtesten Clubs in Warschau auf. Das Filmbeschreiber-Team bleibt Vika bei den noch so verrückten Choreographien dicht auf den Fersen, trifft dann aber auch in den nachdenklichen Momenten die passenden Worte zur Beschreibung ihrer Gefühlslage, wenn sie alleine nur mit ihrer Katze in der Wohnung sitzt, um den verstorbenen Mann trauert und über das etwas verkorkste Verhältnis zu ihren Söhnen sinniert.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Vor allem junge Menschen finden heute in der Lausitz zu ihren sorbischen Wurzeln zurück, wie zum Beispiel Anna in</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Bei uns heißt sie Hanka“</strong>!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Mir war es manchmal ein bißchen zuviel Tradition, Trachten und Religion. Aber der behutsame Umgang mit der Natur hat mich sehr beeindruckt. Geschwächelt hat allerdings die Audiodeskription. Mit der Stimme der Sprecherin, eher nicht professionell, konnte ich mich nicht anfreunden. Neben der AD sprach sie auch alle vom Sorbischen ins Deutsche übersetzten Untertitel. Das hatte manchmal etwas von einem Selbstgespräch. Bei „Kumva“ und „Vika“ wurden für das Voice Over zusätzlich mindestens eine weibliche und eine männliche Stimme eingesetzt, das ist für einen schönen Hörgenuß unverzichtbar! Gestolpert bin ich auch über Formulierungen wie „Nacht“, „üppiges Grün“, einfach so dahingesagt. Und was sind eigentlich saure Kartoffeln und woran erkennt man diese, wenn sie in einer Schüssel serviert werden?</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Die meisten beim DOK gezeigten Filme sind erst kurz vor Festivalbeginn fertiggestellt und werden größtenteils ohne barrierefreie Fassung angeliefert. Zwei Ausnahmen waren „Bei uns heißt sie Hanka“ und „The Gate“, den habe ich verpaßt. Die mitgelieferten Audiodeskriptionen wurden bei der Greta App bereitgestellt, aus Kostengründen eine sehr sinnvolle Entscheidung!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Für die anderen sieben Filme hatte das DOK die Erstellung der Hörfilmfassung eigens für das Festival beauftragt. Schon deshalb und aus vielen weiteren Gründen können sich andere Festivals beim DOK eine riesige Scheibe abschneiden!</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>Ich freue mich schon auf das nächste Mal in Leipzig und bin schon sehr auf das Motiv des DOK 2024 gespannt!</strong></p>
<p></p>								</div>
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		<title>Was zum Nachhören</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Nov 2023 11:50:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Isensee]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlandfunk Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Indiefilmtalk]]></category>
		<category><![CDATA[Jonas Hauer]]></category>
		<category><![CDATA[Radioeins]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer schreibt, der bleibt,und die, die sprechen, auch! Worüber wir da, im Radio und im Podcast sprachen,könnt ihr da, vor euren Empfangsgeräten, ganz in Ruhe nachhören! Aber wer sprach da eigentlich mit wem und wo? Eine Station war die Medienstadt Potsdam-Babelsberg anläßlich des„Radioeins inklusiv – der Radioday zur Vielfalt am Tag der Deutschen Einheit“!Am 03. Oktober übernahmen bei Radioeins &#8211; einem Sender des RBB &#8211; den ganzen Tag Menschen das Mikrofon, die mit einer Behinderung leben. Von zehn bis elf moderierte Jonas Karpa, als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte! Wille Felix Zante und ich waren seine Gäste. Wir drei Kinofans hatten uns zuvor der Jahreszeit entsprechend den grandiosen Film „Fallende Blätter“ zu Gemüte geführt und sprachen darüber, wie man als blinder oder gehörloser Mensch einen Kinofilm erlebt. https://www.radioeins.de/programm/sendungen/sendungen/369/2310/231003_sondersendung_1011_m.html?mc_cid=d960c5a8ef&#38;mc_eid=aadcfcf9f7 Und dann hatten wir gleich zu Beginn der Sendung einen tollen Überraschungsgast! Knut Elstermann, der Filmkritiker und Moderator des Filmmagazins „12 Uhr mittags“ (jeden Samstag bei Radioeins) schaute kurz ins Studio! Im regulären Programm des Deutschlandfunks in Berlin-Schöneberg durften die Filmbeschreiberin Elke Cremer und ich über unsere gemeinsame Arbeit sprechen. Für die Anmoderation mit Hildegard Knef, dem Räuber Hotzenplotz und natürlich der sympathischen Moderatorin der Sendung, Elena Gorgis, verweise ich gleich auf den Link zum Reinhören: https://www.deutschlandfunkkultur.de/im-maschinenraum-des-kulturbetriebs-5-die-audiodeskription-dlf-kultur-5554f2c9-100.html Und schon sind die sieben Minuten wie nix verflogen! Etwas länger, aber genauso kurzweilig ist die 150. Folge des Indiefilmtalk Podcast!Seit sechs Jahren sprechen Yugen Yah (Regisseur) und Susanne Braun (Theaterwissenschaftlerin) regelmäßig mit verschiedenen Leuten aus der Filmbranche.Ihre Devise lautet:“Wir wollen was ändern und die Branche öffnen, damit etablierte Filmschaffende und Talente zusammenkommen und Themen von allen Seiten beleuchtet werden.” Wir saßen an einem runden Tisch, die Animationsregisseurin und Animatorin Anne Isensee, der Musiker, Komponist und Filmbeschreiber Jonas Hauer und ich. Und natürlich Susanne Braun, der ich jetzt sofort das Wort übergebe: https://indiefilmtalk.de/episodes/150-cinaesthesie-natuerlich-barrierefrei/ Und hier zum Nachlesen der Link zu dem spannenden Projekt: https://www.filmuniversitaet.de/artikel/detail/cinaesthesie-translating-animation Es ist schön, daß das gesprochene Wort dank der Technik konserviert werden kann, das geschriebene Wort büßt deshalb aber in keiner Weise an Bedeutung ein! Darum habe ich hier über gesprochene Worte geschrieben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Wer schreibt, der bleibt,<br>und die, die sprechen, auch!</strong></p>



<p>Worüber wir da, im Radio und im Podcast sprachen,<br>könnt ihr da, vor euren Empfangsgeräten, ganz in Ruhe nachhören!</p>



<p><strong>Aber wer sprach da eigentlich mit wem und wo?</strong></p>



<p>Eine Station war die Medienstadt Potsdam-Babelsberg anläßlich des<br>„Radioeins inklusiv – der Radioday zur Vielfalt am Tag der Deutschen Einheit“!<br>Am 03. Oktober übernahmen bei <strong>Radioeins</strong> &#8211; einem Sender des RBB &#8211; den ganzen Tag Menschen das Mikrofon, die mit einer Behinderung leben. Von zehn bis elf moderierte Jonas Karpa, als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte! Wille Felix Zante und ich waren seine Gäste. Wir drei Kinofans hatten uns zuvor der Jahreszeit entsprechend den grandiosen Film „Fallende Blätter“ zu Gemüte geführt und sprachen darüber, wie man als blinder oder gehörloser Mensch einen Kinofilm erlebt.</p>



<p><a href="https://www.radioeins.de/programm/sendungen/sendungen/369/2310/231003_sondersendung_1011_m.html?mc_cid=d960c5a8ef&amp;mc_eid=aadcfcf9f7">https://www.radioeins.de/programm/sendungen/sendungen/369/2310/231003_sondersendung_1011_m.html?mc_cid=d960c5a8ef&amp;mc_eid=aadcfcf9f7</a></p>



<p>Und dann hatten wir gleich zu Beginn der Sendung einen tollen Überraschungsgast! Knut Elstermann, der Filmkritiker und Moderator des Filmmagazins „12 Uhr mittags“ (jeden Samstag bei Radioeins) schaute kurz ins Studio!</p>



<p>Im regulären Programm des <strong>Deutschlandfunks</strong> in Berlin-Schöneberg durften die Filmbeschreiberin Elke Cremer und ich über unsere gemeinsame Arbeit sprechen. Für die Anmoderation mit Hildegard Knef, dem Räuber Hotzenplotz und natürlich der sympathischen Moderatorin der Sendung, Elena Gorgis, verweise ich gleich auf den Link zum Reinhören:</p>



<p><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/im-maschinenraum-des-kulturbetriebs-5-die-audiodeskription-dlf-kultur-5554f2c9-100.html">https://www.deutschlandfunkkultur.de/im-maschinenraum-des-kulturbetriebs-5-die-audiodeskription-dlf-kultur-5554f2c9-100.html</a></p>



<p>Und schon sind die sieben Minuten wie nix verflogen!</p>



<p>Etwas länger, aber genauso kurzweilig ist die 150. Folge des <strong>Indiefilmtalk Podcast</strong>!<br>Seit sechs Jahren sprechen Yugen Yah (Regisseur) und Susanne Braun (Theaterwissenschaftlerin) regelmäßig mit verschiedenen Leuten aus der Filmbranche.<br>Ihre Devise lautet:<br>“Wir wollen was ändern und die Branche öffnen, damit etablierte Filmschaffende und Talente zusammenkommen und Themen von allen Seiten beleuchtet werden.”</p>



<p>Wir saßen an einem runden Tisch, die Animationsregisseurin und Animatorin Anne Isensee, der Musiker, Komponist und Filmbeschreiber Jonas Hauer und ich. Und natürlich Susanne Braun, der ich jetzt sofort das Wort übergebe:</p>



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<p>Und hier zum Nachlesen der Link zu dem spannenden Projekt:</p>



<p><a href="https://www.filmuniversitaet.de/artikel/detail/cinaesthesie-translating-animation">https://www.filmuniversitaet.de/artikel/detail/cinaesthesie-translating-animation</a></p>



<p>Es ist schön, daß das gesprochene Wort dank der Technik konserviert werden kann, das geschriebene Wort büßt deshalb aber in keiner Weise an Bedeutung ein! Darum habe ich hier über gesprochene Worte geschrieben.</p>
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		<title>Lola 2023</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jun 2023 10:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Filmpreis 2023]]></category>
		<category><![CDATA[Lola]]></category>
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					<description><![CDATA[Es hatte einen besseren Riecher als ich, das Alphabet! In Blindgängerins YouTube-Kanal waren die 11 LOLA TALKS mit barrierefreier Fassung in die Kategorien „Bester Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm“ aufgeteilt. Die Filmtitel zu den jeweiligen Talks pro Gruppe wurden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.An dieser unverfänglichen Reihenfolge hat sich nach der Verleihung des 73. Deutschen Filmpreises am 12. Mai 2023 weniger geändert als von mir gedacht.Jetzt lasse ich den spannenden Abend der Lola 23 mit so vielen Gänsehautmomenten Revue passieren und warum eigentlich nicht einmal in alphabetischer Reihenfolge?Los geht’s mit A wie Ankommen bei perfektem sonnigen LOLA-Wetter, nicht zu warm und nicht zu kalt zur Preisverleihung erstmals im Theater am Potsdamer Platz. B wie begleitet dieses Mal von Seneit Debese, Geschäftsführerin der Greta App.Nach ein, zwei Drinks und leckeren Snacks (unter anderem einer Zimtschnecke) im Foyer schlenderten wir herum und Seneit hielt Ausschau nach bekannten Gesichtern, übrigens sehr erfolgreich! Außerdem bekam ich von ihr während des ganzen Abends eine Rundum-Bildbeschreibung. C wie Corona, war, wie wunderbar, zum ersten Mal seit drei Jahren überhaupt kein Thema! D wie Dokumentarfilm. Ich hatte mit L wie „Liebe, D-Mark und Tod“ oder K wie „Kalle Kosmonaut“ gerechnet.Aber große Überraschung, die Lola für den besten Dokumentarfilm ging an E wie „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“!Ein Punkt für das Alphabet! E wie Ehrenpreis/ EhemaligeZitat von Volker Schlöndorff: „Der Ehrenpreis ist was Besonderes, weil er von Kollegen kommt, einfach schön, schön, schön!“ Überreicht wurde ihm die Lola von Alexandra Maria Lara, der Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Sie sprang ein, weil der Arm des ihm zu Ehren als Laudator per Livestream zugeschalteten John Malkovich einfach nicht lang genug war! Das Quartett der vier ehemaligen Präsidentinnen und Präsidenten Senta Berger, Günter Rohrbach, Iris Berben und Ulrich Matthes teilte sich die Laudatio für die vier in der Kategorie „Beste Regie“ Nominierten. Die Trophäe ging an İlker Çatak für „Das Lehrerzimmer“! F wie Filmmusik, für mich ganz wichtig, um in einem Film mit Haut und Haar zu versinken.Mir gefriert immer noch das Blut in den Adern beim Gedanken an die teils minimalistische, aber um so eindringlichere Musik in „Im Westen nichts Neues“.Nach einem Oscar erhielt Volker Bertelmann für seine Komposition jetzt auch die Lola in der Kategorie „Beste Filmmusik“! G wie gerührt waren sie alle, nachdem Laudator oder Laudatorin den Umschlag aufgerissen und nach einer gefühlten Ewigkeit endlich verkündet hatten, wer sich in der gerade vorgestellten Kategorie auf der Bühne die Lola abholen darf!Ich habe noch Albrecht Schuchs brüchige Stimme im Ohr. Der bereits mehrfache Empfänger einer Lola wurde dieses Mal ausgezeichnet für die „Beste männliche Nebenrolle“ in „Im Westen nichts Neues“. Besonders emotional war Gesa Jägers Dankesrede, ausgezeichnet für „Bester Schnitt“ in „Das Lehrerzimmer“. H wie herzlich, endlich gibt mir das Alphabet das H, um allen Preisträgerinnen und Preisträgern und natürlich auch den Nominierten herzlichst zu gratulieren! I wie in Blindgängerins YouTube-Kanal gibt es jetzt eine Playlist exklusiv mit den LOLA TALKS zu den ausgezeichneten Filmen. https://youtube.com/playlist?list=PLuMDSTYBbFSdAU6c3GXtJMs2QGbS7mng2 J wie Jasmin Shakeri, als Schauspielerin, Sängerin und Songschreiberin geradezu prädestiniert, den Deutschen Filmpreis zu moderieren. Und tanzen, habe ich mir sagen lassen, kann sie auch. Wortgewandt, angriffslustig und souverän führte sie durch den Abend und hatte die Fäden fest in der Hand.Und sie führt meine Liste an: Beste Moderation! K wie Kinderfilm, hier hatte ich den besseren Riecher als das Alphabet!Ich war mir ziemlich sicher, daß die quirlige Ulja dem eher gemütlichen Räuber Hotzenplotz die Lola vor der Nase wegschnappt und lag im Gegensatz zum Alphabet richtig.Die Trophäe für den besten Kinderfilm ging an „Mission Ulja Funk“!Aber die dritte, sehr liebevoll gemachte Verfilmung der Figur des Kinderbuchautors Otfried Preußler, „Der Räuber Hotzenplotz“, war ein sehr starker Konkurrent. L wie Laudatio, die alle sehr kreativ und unterhaltsam waren.Besonders einfallsreich fand ich die Idee von Nadja Uhl, den Text ihrer Laudatio für den besucherstärksten Film „Die Schule der magischen Tiere 2“ von einer KI schreiben zu lassen. Das Ergebnis? Na ja! Sie mußte dann doch selbst ran.Klaas Heufer-Umlaufs Laudatio für „Bestes Drehbuch“ zu lauschen war ein Genuß, amüsant und die Bedeutung des Drehbuchs auf den Punkt gebracht! M wie musikalische Begleitung, für die dieses Jahr ein superprofessionell agierender DJ zuständig war. Er übernahm auch den Job des Ausbremsers, wenn die Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren Dankesreden nicht zum Ende kommen konnten.Aber es geht doch nichts über Live-Musik, wie die von Karim Sebastian Elias mit seinen fantastischen Musikerinnen und Musikern in den letzten beiden Jahren. N wie nachhaltiges Veranstaltungskonzept der Deutschen Filmakademie Produktion.Dieses beinhaltet einen möglichst geringen Energieverbrauch, wenig Abfall und ein vegetarisch beziehungsweise veganes Catering. Und wie wunderbar es bei der Logowand mit 1.700 bunten saisonalen Stauden, Beet-, Balkon- und Grünpflanzen am recycelten roten Teppich geduftet haben muß! Die Gäste durften die Pflanzen nach der Veranstaltung mit nach Hause nehmen. Mache ich nächstes Mal auch. O wie Oscar-Gewinner. „Wir haben OG‘s unter uns“, meinte Jasmin Shakeri.Im Publikum saßen die frischgebackenen Oscargewinner und -gewinnerinnen von „Im Westen nichts Neues“!Und noch ein OG war im Saal. Der Film „Die Blechtrommel“, bei dem Volker Schlöndorff Regie führte, erhielt 1980 einen Oscar. P wie Premiere war die Übertragung der Show im Livestream ab 19 Uhr in der ZDF-Mediathek. Q wie Qual der Vorauswahl. Diese schöne Qual lag bis jetzt bei in jedem Jahr neu gebildeten Vorauswahl-Kommissionen. Daran wird sich wohl etwas ändern. R wie respektvoller Umgang beim Filmemachen.Wirklich alle, die sich auf der Bühne für die Lola natürlich auch bei dem gesamten Team bedankten, betonten die harmonische, faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe und den respektvollen und kollegialen Umgang miteinander. Nur so können tolle Filme entstehen! S wie Spielfilm. Der Höhepunkt des Abends ist die Vergabe der drei Lolas in der Kategorie „Bester Spielfilm“. Sie bleibt dem Präsidium der Akademie und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien vorbehalten. Claudia Roth überreichte die Lola in Gold zu meiner Überraschung an das Filmteam von „Das Lehrerzimmer“! Die Präsidentin Alexandra Maria Lara und Präsident Florian Gallenberger übergaben die Lola in Silber an das Team von „Im Westen nichts Neues“, und die in Bronze an „Holy Spider“!Das Alphabet hatte also bis]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Es hatte einen besseren Riecher als ich, das Alphabet!</p>



<p>In Blindgängerins YouTube-Kanal waren die 11 LOLA TALKS mit barrierefreier Fassung in die Kategorien „Bester Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm“ aufgeteilt. Die Filmtitel zu den jeweiligen Talks pro Gruppe wurden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.<br>An dieser unverfänglichen Reihenfolge hat sich nach der</p>



<p><strong>Verleihung des 73. Deutschen Filmpreises am 12. Mai 2023</strong></p>



<p>weniger geändert als von mir gedacht.<br>Jetzt lasse ich den spannenden Abend der Lola 23 mit so vielen Gänsehautmomenten Revue passieren und warum eigentlich nicht einmal in alphabetischer Reihenfolge?<br>Los geht’s mit</p>



<p><strong>A </strong>wie <strong>Ankommen</strong> bei perfektem sonnigen LOLA-Wetter, nicht zu warm und nicht zu kalt zur Preisverleihung erstmals im Theater am Potsdamer Platz.</p>



<p><strong>B </strong>wie <strong>begleitet</strong> dieses Mal von Seneit Debese, Geschäftsführerin der Greta App.<br>Nach ein, zwei Drinks und leckeren Snacks (unter anderem einer Zimtschnecke) im Foyer schlenderten wir herum und Seneit hielt Ausschau nach bekannten Gesichtern, übrigens sehr erfolgreich! Außerdem bekam ich von ihr während des ganzen Abends eine Rundum-Bildbeschreibung.</p>



<p><strong>C</strong> wie <strong>Corona</strong>, war, wie wunderbar, zum ersten Mal seit drei Jahren überhaupt kein Thema!</p>



<p><strong>D</strong> wie <strong>Dokumentarfilm</strong>. Ich hatte mit L wie „Liebe, D-Mark und Tod“ oder K wie „Kalle Kosmonaut“ gerechnet.<br>Aber große Überraschung, die Lola für den besten Dokumentarfilm ging an E wie „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“!<br>Ein Punkt für das Alphabet!</p>



<p><strong>E</strong> wie <strong>Ehrenpreis/ Ehemalige</strong><br>Zitat von Volker Schlöndorff: „Der Ehrenpreis ist was Besonderes, weil er von Kollegen kommt, einfach schön, schön, schön!“</p>



<p>Überreicht wurde ihm die Lola von Alexandra Maria Lara, der Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Sie sprang ein, weil der Arm des ihm zu Ehren als Laudator per Livestream zugeschalteten John Malkovich einfach nicht lang genug war! </p>



<p>Das Quartett  der vier ehemaligen Präsidentinnen und Präsidenten Senta Berger, Günter Rohrbach, Iris Berben und Ulrich Matthes teilte sich die Laudatio für die vier in der Kategorie „Beste Regie“ Nominierten. Die Trophäe ging an İlker Çatak für „Das Lehrerzimmer“!</p>



<p><strong>F</strong> wie <strong>Filmmusik</strong>, für mich ganz wichtig, um in einem Film mit Haut und Haar zu versinken.<br>Mir gefriert immer noch das Blut in den Adern beim Gedanken an die teils minimalistische, aber um so eindringlichere Musik in „Im Westen nichts Neues“.<br>Nach einem Oscar erhielt Volker Bertelmann für seine Komposition jetzt auch die Lola in der Kategorie „Beste Filmmusik“!</p>



<p><strong>G</strong> wie <strong>gerührt</strong> waren sie alle, nachdem Laudator oder Laudatorin den Umschlag aufgerissen und nach einer gefühlten Ewigkeit endlich verkündet hatten, wer sich in der gerade vorgestellten Kategorie auf der Bühne die Lola abholen darf!<br>Ich habe noch Albrecht Schuchs brüchige Stimme im Ohr. Der bereits mehrfache Empfänger einer Lola wurde dieses Mal ausgezeichnet für die „Beste männliche Nebenrolle“ in „Im Westen nichts Neues“. Besonders emotional war Gesa Jägers Dankesrede, ausgezeichnet für „Bester Schnitt“ in „Das Lehrerzimmer“.</p>



<p><strong>H</strong> wie<strong> herzlich</strong>, endlich gibt mir das Alphabet das H, um allen Preisträgerinnen und Preisträgern und natürlich auch den Nominierten herzlichst zu gratulieren!</p>



<p><strong>I </strong>wie <strong>in</strong> <strong>Blindgängerins YouTube-Kanal</strong> gibt es jetzt eine Playlist exklusiv mit den LOLA TALKS zu den ausgezeichneten Filmen.</p>



<p><a href="https://youtube.com/playlist?list=PLuMDSTYBbFSdAU6c3GXtJMs2QGbS7mng2" data-type="URL" data-id="https://youtube.com/playlist?list=PLuMDSTYBbFSdAU6c3GXtJMs2QGbS7mng2">https://youtube.com/playlist?list=PLuMDSTYBbFSdAU6c3GXtJMs2QGbS7mng2</a></p>



<p><strong>J</strong> wie <strong>Jasmin Shakeri</strong>, als Schauspielerin, Sängerin und Songschreiberin geradezu prädestiniert, den Deutschen Filmpreis zu moderieren. Und tanzen, habe ich mir sagen lassen, kann sie auch. Wortgewandt, angriffslustig und souverän führte sie durch den Abend und hatte die Fäden fest in der Hand.<br>Und sie führt meine Liste an: Beste Moderation!</p>



<p><strong>K</strong> wie <strong>Kinderfilm</strong>, hier hatte ich den besseren Riecher als das Alphabet!<br>Ich war mir ziemlich sicher, daß die quirlige Ulja dem eher gemütlichen Räuber Hotzenplotz die Lola vor der Nase wegschnappt und lag im Gegensatz zum Alphabet richtig.<br>Die Trophäe für den besten Kinderfilm ging an „Mission Ulja Funk“!<br>Aber die dritte, sehr liebevoll gemachte Verfilmung der Figur des Kinderbuchautors Otfried Preußler, „Der Räuber Hotzenplotz“, war ein sehr starker Konkurrent.</p>



<p><strong>L</strong> wie <strong>Laudatio</strong>, die alle sehr kreativ und unterhaltsam waren.<br>Besonders einfallsreich fand ich die Idee von Nadja Uhl, den Text ihrer Laudatio für den besucherstärksten Film „Die Schule der magischen Tiere 2“ von einer KI schreiben zu lassen. Das Ergebnis? Na ja! Sie mußte dann doch selbst ran.<br>Klaas Heufer-Umlaufs Laudatio für „Bestes Drehbuch“ zu lauschen war ein Genuß, amüsant und die Bedeutung des Drehbuchs auf den Punkt gebracht!</p>



<p><strong>M</strong> wie <strong>musikalische Begleitung</strong>, für die dieses Jahr ein superprofessionell agierender DJ zuständig war. Er übernahm auch den Job des Ausbremsers, wenn die Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren Dankesreden nicht zum Ende kommen konnten.<br>Aber es geht doch nichts über Live-Musik, wie die von Karim Sebastian Elias mit seinen fantastischen Musikerinnen und Musikern in den letzten beiden Jahren.</p>



<p><strong>N</strong> wie <strong>nachhaltiges Veranstaltungskonzept</strong> der Deutschen Filmakademie Produktion.<br>Dieses beinhaltet einen möglichst geringen Energieverbrauch, wenig Abfall und ein vegetarisch beziehungsweise veganes Catering. Und wie wunderbar es bei der Logowand mit 1.700 bunten saisonalen Stauden, Beet-, Balkon- und Grünpflanzen am recycelten roten Teppich geduftet haben muß! Die Gäste durften die Pflanzen nach der Veranstaltung mit nach Hause nehmen. Mache ich nächstes Mal auch.</p>



<p><strong>O</strong> wie <strong>Oscar-Gewinner</strong>. „Wir haben OG‘s unter uns“, meinte Jasmin Shakeri.<br>Im Publikum saßen die frischgebackenen Oscargewinner und -gewinnerinnen von „Im Westen nichts Neues“!<br>Und noch ein OG war im Saal. Der Film „Die Blechtrommel“, bei dem Volker Schlöndorff Regie führte, erhielt 1980 einen Oscar.</p>



<p><strong>P</strong> wie <strong>Premiere</strong> war die Übertragung der Show im Livestream ab 19 Uhr in der ZDF-Mediathek.</p>



<p><strong>Q</strong> wie <strong>Qual der Vorauswahl</strong>. Diese schöne Qual lag bis jetzt bei in jedem Jahr neu gebildeten Vorauswahl-Kommissionen. Daran wird sich wohl etwas ändern.</p>



<p><strong>R</strong> wie <strong>respektvoller Umgang</strong> beim Filmemachen.<br>Wirklich alle, die sich auf der Bühne für die Lola natürlich auch bei dem gesamten Team bedankten, betonten die harmonische, faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe und den respektvollen und kollegialen Umgang miteinander. Nur so können tolle Filme entstehen!</p>



<p><strong>S</strong> wie <strong>Spielfilm</strong>. Der Höhepunkt des Abends ist die Vergabe der drei Lolas in der Kategorie „Bester Spielfilm“. Sie bleibt dem Präsidium der Akademie und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien vorbehalten. Claudia Roth überreichte die Lola in Gold zu meiner Überraschung an das Filmteam von „Das Lehrerzimmer“!</p>



<p>Die Präsidentin Alexandra Maria Lara und Präsident Florian Gallenberger übergaben die Lola in Silber an das Team von „Im Westen nichts Neues“, und die in Bronze an „Holy Spider“!<br>Das Alphabet hatte also bis auf die Reihenfolge der Plätze zwei und drei einen verdammt guten Riecher!</p>



<p>„Das Lehrerzimmer“, den einzigen Film, den ich nicht kannte, hatte ich nicht auf dem Schirm. Stattdessen „Sonne und Beton“, Rheingold“ oder den Film mit dem längsten Titel „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“.<br>Hier noch einmal meine herzlichen Glückwünsche an alle sechs Filmteams!</p>



<p><strong>T </strong>wie <strong>traurig </strong>ist jedes Mal der Moment, wenn sich alle im Saal erheben, um der während des vergangenen Jahres verstorbenen Akademiemitglieder zu gedenken.</p>



<p><strong>U</strong> wie <strong>und während ich schreibe</strong>, kommt bereits die nächste traurige Nachricht vom Tod des großartigen Schauspielers Peter Simonischek.<br>Wer kennt ihn nicht als „Toni Erdmann“!<br>Aber das Leben geht weiter und ich komme ganz banal zu</p>



<p><strong>V</strong> wie <strong>vermißt</strong> habe ich nach der Show die wunderbar weitläufige Terrasse des Palais am Funkturm mit dem Geplätscher des Springbrunnens, um den aufregenden Abend ausklingen zu lassen.</p>



<p><strong>W</strong>: <strong>Wie gerne</strong> hätte ich mir die Preisverleihung später noch einmal in der ZDF-Mediathek mit einer Audiodeskription zu Gemüte geführt!</p>



<p>Vielleicht im nächsten Jahr?</p>



<p><strong>X</strong> wie das wird nix, mit dem Satz mit <strong>x</strong>!</p>



<p><strong>Y</strong> wie <strong>Yes, she can</strong>! Nämlich die Filmakademie als Veranstalterin des Deutschen Filmpreises. Fantastische, dem jeweiligen Zeitgeist entsprechende Shows Jahr für Jahr auf die Beine stellen! Alles rund um die Lola-Verleihungen organisieren! Was für eine Mammutaufgabe!</p>



<p><strong>Z</strong> wie <strong>Zimtschnecken</strong>, die besten überhaupt!<br>Und hier schließt sich der alphabetische Kreis ebenso wie der kulinarische. Wie beim Ankommen konnte ich für den Heimweg eine der köstlichen Kalorienbomben ergattern!</p>
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		<title>Beim DOK 2022 in Leipzig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2022 11:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative "Barrierefrei feiern"]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Aperitif oder dezent dosiert in Cocktails, Soßen und Desserts, ist Wermut mit seiner leicht bitteren Note eine feine Sache. Das kann man von dem sprichwörtlichen Wermutstropfen allerdings nicht behaupten, der auch noch so schöne Augenblicke zu trüben vermag. Eigentlich wollte ich der Einladung des DOK folgen und wieder einmal die inzwischen liebgewonnene, ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genießen beim „Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2022“ Aber ein riesiger Wermutstropfen namens „Corona“ machte mir gnadenlos seinen Strich durch die Rechnung, das war bitter!Deshalb übergebe ich kurz das Wort an Felix Brückner von der befreundeten Initiative „Barrierefrei feiern“ und zitiere seinen Facebook-Post vom 21.10.2022:„Ihr Lieben, gestern war ich auf dem DOK Leipzig Festival, um mir einen Eindruck über die Barrierefreiheit zu verschaffen. Ich bin begeistert, die Programmauswahl ist sehr spannend und vielfältig und mit dem Rollstuhl ist man zwischen den beteiligten Kinos größtenteils problemlos unterwegs. Außerdem gibt es Filme mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln. Und für eine sensible Umgebung das Wichtigste, das Festival-Team ist sehr zuvorkommend und unterstützt, wo Bedarf ist. Klare Empfehlung für alle Kinofans aus dem Raum Leipzig.“ Wieder einmal blieb das Festival seinem großartigen Motto treu: „DOK Leipzig für alle“!Und das funktionierte glücklicherweise ganz wunderbar auch bei mir zu Hause! Über den DOK-Stream für Akkreditierte konnte ich auf das gesamte Programm mit 255 Filmen zugreifen. Die Qual der Filmauswahl blieb mir aber zum Glück erspart. Das Inklusions-Team des Festivals hatte ein kleines, aber feines Programm von zehn Filmtiteln aus den verschiedenen Wettbewerben geschnürt und für diese die Produktion einer barrierefreien Fassung beauftragt. Und auch bei Letzterem bewies das Team ein sehr glückliches Händchen.Trotz der knapp bemessenen Zeit arbeiteten an jeder Audiodeskription (AD) zwei sehende und eine blinde Person und fast alle Beteiligten sind Mitglieder des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber. Das ist von Hause aus ein sehr gutes Zeichen. Die in lebendiger Sprache wohlformulierten Texte der ADs fügten sich ohne Wortwiederholungen und ohne verschachtelte Sätze geschmeidig in die Dialogpausen ein.Je nachdem, ob im Film mehr männliche oder weibliche Stimmen zu hören waren, wurde für die AD ein Sprecher beziehungsweise eine Sprecherin ausgesucht. Alle fanden den richtigen Rhythmus mit nicht zu viel und nicht zu wenig Emotion in der Stimme. Etwas mehr Gefühl darf und muß es sogar sein, wenn über fremdsprachige Dialoge gesprochen wird. Das war bei den sechs Filmen mit ausschließlich englischen, französischen oder polnischen Dialogen der Fall. Ich bekam das sogenannte Voice Over von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen in mein Ohr, die alle den richtigen Ton entsprechend der Gefühlslage der Protagonistinnen und Protagonisten trafen. Auf den Punkt gebracht: Nicht der kleinste Wermutstropfen trübte meinen Filmgenuß.Das war im letzten Jahr anders, ich zitiere aus meinem Bericht:„Nur einen Wermutstropfen gibt es.Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK (2017/ 2019) waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang (2021) kann da leider nicht so recht mithalten.“ Und im Jahrgang 2022 gab es nicht einmal einen Ausrutscher! Jetzt aber Filme ab auf meinem Rechner mit angeschlossenen Boxen!Die bei der Greta App verfügbaren ADs, die ich mir auf mein Handy heruntergeladen hatte, hörte ich wie gewohnt über Kopfhörer. Das hat alles prima geklappt. Interessant und horizonterweiternd waren alle zehn und bei„The Mechanics of Fluids“von Gala Hernández López taten sich für mich ganz neue Abgründe der menschlichen Seele auf.Ich beschränke mich nun auf fünf Filme und verweise auf folgenden Link, unter dem alle zehn mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung aufgelistet sind:https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen In den ersten drei Filmen dreht sich alles um das Thema rund um die Familie.Die Regisseurin Faustine Cros hat in ihrem Dokumentarfilm„A Life Like Any Other“vor allem ihre Mutter Valérie im Blick. Gefilmt hat mein Vater auch. In den 60ern hin und wieder ohne Ton und mit etwas verwackelten Bildern, aber nur bei besonderen familiären Anlässen oder einmal meine Schwester und mich beim Skilaufen. Faustines Vater dagegen scheint jeden Augenblick mit der Familie, seiner Frau Valérie und den beiden Kindern mit der Kamera festhalten zu müssen, sehr professionell und natürlich mit Ton. Die ersten Videos stammen aus der Zeit vor der Geburt seiner Tochter. Die inzwischen 30-jährige Faustine sichtete das umfangreiche über ungefähr zwei Jahrzehnte zusammengekommene Filmmaterial für ihren sehr persönlichen Dokumentarfilm. Im Fokus hatte sie dabei vor allem ihre Mutter, wie sie sich über die Zeit veränderte und sich in ihre eigene düstere und unnahbare Welt zurückzog. Ich hatte den Eindruck, daß Faustines Vater diesen Prozeß hilflos und fast ein bißchen unbeteiligt durch seine Kameralinse beobachtete. Aber Faustine gelingt es, mit viel Fantasie und vielen Gesprächen ihre Mutter wenigstens ein bißchen aus ihrem Loch herauszuholen und ihren Vater aus der Reserve zu locken.Der zweifach ausgezeichnete Film, in dem ausschließlich französisch gesprochen wird, und an dem auch Faustines Bruder mitwirkte, ist ein wunderschönes Familienprojekt und mein Favorit!Und erwähnen muß ich unbedingt die Sprecherin, die mit ihrer jungen Stimme Faustine zum Verwechseln ähnlich klang, nur daß sie nicht Französisch, sondern Deutsch sprach! Mit der 38-jährigen Regisseurin Astrid Menzel geht es in„Blauer Himmel, weiße Wolken“auf eine zehntägige Kanufahrt über norddeutsche Gewässer. Das klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär. Aber sie hat nicht nur zur Unterstützung ihren Bruder, sondern die 86-jährige Großmutter mit an Bord. Meine Großmutter hätte mir einen Vogel gezeigt! Astrids Oma ist körperlich zwar noch recht fit, aber der Kopf spielt nicht mehr so recht mit. Sie wird immer vergeßlicher und verliert häufiger die Orientierung. Deshalb lebt sie seit kurzem in einem Heim, das scheint Astrid mindestens genauso zu belasten wie die Großmutter. Mit der Kanufahrt möchte die Enkelin die Oma noch einmal an Orte aus der Vergangenheit bringen. Bewundernswert, wie Astrid mit Engelsgeduld jeden Tag aufs Neue auf die alte Dame einredet und ihr erklärt, was sie eigentlich vorhaben und wo sie gerade sind.Aber bei einer Übernachtung eskaliert die Sache, die Oma wird so bockig und bösartig, daß Astrid die Aktion abbricht.Ein trauriger Film, der sehr ehrlich das Thema aufgreift, wenn die Eltern oder Großeltern einem irgendwie abhanden kommen zu scheinen. Marek Kozakiewicz erzählt sehr berührend in seinem Film„Silent Love“wie sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als Aperitif oder dezent dosiert in Cocktails, Soßen und Desserts, ist Wermut mit seiner leicht bitteren Note eine feine Sache. Das kann man von dem sprichwörtlichen Wermutstropfen allerdings nicht behaupten, der auch noch so schöne Augenblicke zu trüben vermag.</p>



<p>Eigentlich wollte ich der Einladung des DOK folgen und wieder einmal die inzwischen liebgewonnene, ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genießen beim</p>



<p><strong>„Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2022“</strong></p>



<p>Aber ein riesiger Wermutstropfen namens „Corona“ machte mir gnadenlos seinen Strich durch die Rechnung, das war bitter!<br>Deshalb übergebe ich kurz das Wort an Felix Brückner von der befreundeten <strong>Initiative „Barrierefrei feiern“</strong> und zitiere seinen Facebook-Post vom 21.10.2022:<br>„Ihr Lieben, gestern war ich auf dem DOK Leipzig Festival, um mir einen Eindruck über die Barrierefreiheit zu verschaffen. Ich bin begeistert, die Programmauswahl ist sehr spannend und vielfältig und mit dem Rollstuhl ist man zwischen den beteiligten Kinos größtenteils problemlos unterwegs. Außerdem gibt es Filme mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln. Und für eine sensible Umgebung das Wichtigste, das Festival-Team ist sehr zuvorkommend und unterstützt, wo Bedarf ist. Klare Empfehlung für alle Kinofans aus dem Raum Leipzig.“</p>



<p>Wieder einmal blieb das Festival seinem großartigen Motto treu: <strong>„DOK Leipzig für alle“</strong>!<br>Und das funktionierte glücklicherweise ganz wunderbar auch bei mir zu Hause!</p>



<p>Über den DOK-Stream für Akkreditierte konnte ich auf das gesamte Programm mit 255 Filmen zugreifen. Die Qual der Filmauswahl blieb mir aber zum Glück erspart. Das Inklusions-Team des Festivals hatte ein kleines, aber feines Programm von zehn Filmtiteln aus den verschiedenen Wettbewerben geschnürt und für diese die Produktion einer barrierefreien Fassung beauftragt. Und auch bei Letzterem bewies das Team ein sehr glückliches Händchen.<br>Trotz der knapp bemessenen Zeit arbeiteten an jeder Audiodeskription (AD) zwei sehende und eine blinde Person und fast alle Beteiligten sind Mitglieder des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber. Das ist von Hause aus ein sehr gutes Zeichen.</p>



<p>Die in lebendiger Sprache wohlformulierten Texte der ADs fügten sich ohne Wortwiederholungen und ohne verschachtelte Sätze geschmeidig in die Dialogpausen ein.<br>Je nachdem, ob im Film mehr männliche oder weibliche Stimmen zu hören waren, wurde für die AD ein Sprecher beziehungsweise eine Sprecherin ausgesucht. Alle fanden den richtigen Rhythmus mit nicht zu viel und nicht zu wenig Emotion in der Stimme.</p>



<p>Etwas mehr Gefühl darf und muß es sogar sein, wenn über fremdsprachige Dialoge gesprochen wird. Das war bei den sechs Filmen mit ausschließlich englischen, französischen oder polnischen Dialogen der Fall. Ich bekam das sogenannte Voice Over von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen in mein Ohr, die alle den richtigen Ton entsprechend der Gefühlslage der Protagonistinnen und Protagonisten trafen.</p>



<p>Auf den Punkt gebracht: Nicht der kleinste Wermutstropfen trübte meinen Filmgenuß.<br>Das war im letzten Jahr anders, ich zitiere aus meinem Bericht:<br>„Nur einen Wermutstropfen gibt es.<br>Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK (2017/ 2019) waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang (2021) kann da leider nicht so recht mithalten.“</p>



<p>Und im Jahrgang 2022 gab es nicht einmal einen Ausrutscher!</p>



<p>Jetzt aber Filme ab auf meinem Rechner mit angeschlossenen Boxen!<br>Die bei der Greta App verfügbaren ADs, die ich mir auf mein Handy heruntergeladen hatte, hörte ich wie gewohnt über Kopfhörer. Das hat alles prima geklappt.</p>



<p>Interessant und horizonterweiternd waren alle zehn und bei<br><strong>„The Mechanics of Fluids“</strong><br>von Gala Hernández López taten sich für mich ganz neue Abgründe der menschlichen Seele auf.<br>Ich beschränke mich nun auf fünf Filme und verweise auf folgenden Link, unter dem alle zehn mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung aufgelistet sind:<br><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen" target="_blank">https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen</a></p>



<p>In den ersten drei Filmen dreht sich alles um das Thema rund um die Familie.<br>Die Regisseurin Faustine Cros hat in ihrem Dokumentarfilm<br><strong>„A Life Like Any Other“</strong><br>vor allem ihre Mutter Valérie im Blick.</p>



<p>Gefilmt hat mein Vater auch. In den 60ern hin und wieder ohne Ton und mit etwas verwackelten Bildern, aber nur bei besonderen familiären Anlässen oder einmal meine Schwester und mich beim Skilaufen.</p>



<p>Faustines Vater dagegen scheint jeden Augenblick mit der Familie, seiner Frau Valérie und den beiden Kindern mit der Kamera festhalten zu müssen, sehr professionell und natürlich mit Ton. Die ersten Videos stammen aus der Zeit vor der Geburt seiner Tochter.</p>



<p>Die inzwischen 30-jährige Faustine sichtete das umfangreiche über ungefähr zwei Jahrzehnte zusammengekommene Filmmaterial für ihren sehr persönlichen Dokumentarfilm. Im Fokus hatte sie dabei vor allem ihre Mutter, wie sie sich über die Zeit veränderte und sich in ihre eigene düstere und unnahbare Welt zurückzog. Ich hatte den Eindruck, daß Faustines Vater diesen Prozeß hilflos und fast ein bißchen unbeteiligt durch seine Kameralinse beobachtete.</p>



<p>Aber Faustine gelingt es, mit viel Fantasie und vielen Gesprächen ihre Mutter wenigstens ein bißchen aus ihrem Loch herauszuholen und ihren Vater aus der Reserve zu locken.<br>Der zweifach ausgezeichnete Film, in dem ausschließlich französisch gesprochen wird, und an dem auch Faustines Bruder mitwirkte, ist ein wunderschönes Familienprojekt und mein Favorit!<br>Und erwähnen muß ich unbedingt die Sprecherin, die mit ihrer jungen Stimme Faustine zum Verwechseln ähnlich klang, nur daß sie nicht Französisch, sondern Deutsch sprach!</p>



<p>Mit der 38-jährigen Regisseurin Astrid Menzel geht es in<br><strong>„Blauer Himmel, weiße Wolken“</strong><br>auf eine zehntägige Kanufahrt über norddeutsche Gewässer.</p>



<p>Das klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär. Aber sie hat nicht nur zur Unterstützung ihren Bruder, sondern die 86-jährige Großmutter mit an Bord. Meine Großmutter hätte mir einen Vogel gezeigt!</p>



<p>Astrids Oma ist körperlich zwar noch recht fit, aber der Kopf spielt nicht mehr so recht mit. Sie wird immer vergeßlicher und verliert häufiger die Orientierung. Deshalb lebt sie seit kurzem in einem Heim, das scheint Astrid mindestens genauso zu belasten wie die Großmutter. Mit der Kanufahrt möchte die Enkelin die Oma noch einmal an Orte aus der Vergangenheit bringen.</p>



<p>Bewundernswert, wie Astrid mit Engelsgeduld jeden Tag aufs Neue auf die alte Dame einredet und ihr erklärt, was sie eigentlich vorhaben und wo sie gerade sind.<br>Aber bei einer Übernachtung eskaliert die Sache, die Oma wird so bockig und bösartig, daß Astrid die Aktion abbricht.<br>Ein trauriger Film, der sehr ehrlich das Thema aufgreift, wenn die Eltern oder Großeltern einem irgendwie abhanden kommen zu scheinen.</p>



<p>Marek Kozakiewicz erzählt sehr berührend in seinem Film<br><strong>„Silent Love“</strong><br>wie sich drei Menschen ganz ruhig und unaufgeregt im ländlichen Polen zu einer neuen Familie zusammentun.</p>



<p>Agnieszka lebt in einem kleinen polnischen Dorf und bemüht sich nach dem Tod der Mutter um die Vormundschaft für ihren 13-jährigen Bruder Milosz.<br>Das ist als alleinstehende junge Frau leichter gesagt als getan. Und wenn die Behörden dann auch noch von ihrer Beziehung zu Majka wüßten, die in Frankfurt am Main wohnt! Aber trotzdem, die beiden Frauen fassen einen mutigen Entschluß und beenden ihre Fernbeziehung.<br>Der Film wurde als herausragender osteuropäischer Dokumentarfilm ausgezeichnet und ich fand herausragend, wie der sehr junge Sprecher Milosz für das Voice Over seine deutsche Stimme lieh.</p>



<p>Und jetzt ein ganz anderes Thema, künstliche Intelligenz in<br><strong>„Uncanny Me &#8211; Mein fremdes Ich“</strong> von Katharina Pethke</p>



<p>Eine verlockende Vorstellung, sich einen Avatar seiner selbst zuzulegen, dem man alle unangenehmen Tätigkeiten aufbürden kann!</p>



<p>Genau das ist Lales Plan. Sie arbeitet als Model und hat keine Lust mehr auf die nervenaufreibenden Shootings und die viele wertvolle Zeit, die sie das Herumreisen von einem Termin zum anderen kostet. Aber unheimlich wird ihr die Sache während der Umsetzung des Plans dann doch. Ein hochinteressanter Film, der die KI von allen Seiten auch kritisch beleuchtet!</p>



<p>Da ich keine Avatar-Köchin möchte und auch keine habe und sehr gerne koche, mache ich jetzt den Rechner aus, gönne mir einen Wermut und halte es wie die Filmemacherin Yana Pan in ihrem toll gemachten Animationsfilm<br><strong>„Now I’m in the Kitchen“</strong></p>



<p>Und ich freue mich schon jetzt auf das nächste DOK Festival ohne Wermutstropfen, also wirklich in Leipzig! Und auf Filme mit gut gemachten Audiodeskriptionen!</p>
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		<title>In der Jury beim &#8222;KLAPPE AUF! Kurzfilmfestival&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Sep 2022 13:38:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[KLAPPE AUF! Kurzfilmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Metropolis Kino Hamburg]]></category>
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					<description><![CDATA[Er hat es geschafft!Nach einigen Anläufen sang das Publikum im Saal des Hamburger Metropolis Kinos begeistert und fast bühnenreif dreistimmig den Kanon „Der Hahn ist tot“! Genauso heißt auch der kultige Kurzfilm von Zoltan Spirandelli aus dem Jahr 1988.Wie seit 34 Jahren animierte auch uns der Filmemacher geduldig immer wieder von der Leinwand aus zum Mitsingen. Als ob er’s ahnt, unterbricht er, wenn es aus dem Ruder läuft, und mahnt bei „kokokokokokokokodi, kokoda“, den Rhythmus zu halten. Zum Einteilen der Stimmen läuft er geräuschvoll auf der Leinwand von einer Seite zur anderen, vielleicht auch wegen der weit verbreiteten Rechts-Links-Schwäche. Ich saß in der Mitte und sang erst ganz leise, piano, dann lauter, mezzoforte, bis ich mich dann ein fortissimo traute.Der singende Kinosaal war nur einer der grandiosen Auftakte zum 5. KLAPPE AUF! Kurzfilmfestival in Hamburg vom 26. bis 28.08. 2022! Und dann ging’s los, mit der rasanten cineastischen Fahrt auf der „Achterbahn“, dem diesjährigen Motto. Ob Spiel-, Dokumentar- oder Experimentalfilm, in allen 34 gezeigten Kurzfilmen wurde auf verschiedenste Weise das Auf und Ab einer Achterbahnfahrt thematisiert. Für mich ging es nach einem kurzen Durchatmen an der frischen Luft zum Glück nur ganz unspektakulär mit dem Fahrstuhl vom Foyer im Erdgeschoß zwei Etagen tiefer. Dort händigte mir Wolfgang vom KLAPPE AUF!-Team an der Rampe zum Kinosaal einen Funkkopfhörer aus. Über diesen bekam ich die Audiodeskriptionen für alle Filme und das, was sich zwischendurch vor der Leinwand abspielte, live in mein Ohr geflüstert.Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung gab es die Untertitel auf der Leinwand und eine Hörunterstützung über eine Induktionsschleife.Gebärdendolmetscherinnen übersetzten die Publikumsgespräche und eine Schriftdolmetscherin machte die Worte simultan auf der Leinwand lesbar.Genau SO klappt’s auch mit dem Anspruch KINO FÜR ALLE, den sich das inklusive Festival-Team ganz groß auf die Fahne geschrieben hat! Aber wer sind eigentlich die Leute da mit mir auf dem Foto?Wir sind‘s, die Jurorinnen und Juroren des diesjährigen Festivals, und wenn ich vorstellen darf, von links nach rechts:Dario Aguirre, Rosemarie Tobor-Schmidt, Axel Behrens, ich, Pheline Roggan. Und wie funktioniert eigentlich Juryarbeit, gibt es bestimmte Bewertungskriterien, fragte ich mich?Katrin Mersmann vom Festival beruhigte mich mit den Worten „Das wird schon“.Sie war während der drei Tage für uns fünf zuständig. Bei unseren Besprechungen machte sie Notizen, gab Tipps aus ihren Erfahrungen mit früheren Jurys, hatte immer die Zeit im Blick und sorgte ganz rührend für unser leibliches Wohl! Nach dem ersten von fünf Blöcken mit sieben Filmen hatte ich, wie die anderen, drei Favoriten. Schweren Herzens verwarf ich nach den nächsten beiden Blöcken zwei, dafür kamen vier neue dazu und so weiter. Dank der gut bis sehr gut gemachten Audiodeskriptionen konnte ich bei unseren Besprechungen auf Augenhöhe mitreden. Nur bei zwei Filmen mußte ich passen, das lag aber an der extrem chaotischen Filmvorlage. Wie unterschiedlich doch der Blick auf einen Film aus so verschiedenen Perspektiven sein kann: Der von Pheline als Schauspielerin, der des Filmemachers Dario, der von Axel vom Kurzfilmverleih Hamburg, der von Rosemarie als Mitglied des Deutschen Gehörlosentheaters und meiner.Das war für uns alle spannend, höchst interessant und nicht nur einmal änderte ich meine Meinung. Dann kam die heiße Entscheidungsphase. Wir durften drei Jury-Preise vergeben und hatten immer noch zu viele Filme auf der Liste. Nur einmal sprachen wir im Eifer des Gefechts durcheinander, längst nicht so schlimm wie in gewissen abendlichen Talkshows, aber die Gebärdendolmetscherin protestierte: Sie könne so unmöglich für Rosemarie übersetzen.Das brachte Ruhe in die Runde. Wir verwarfen aktuelle Favoriten und holten ehemalige wieder hervor, ein sich wiederholendes, aber hilfreiches Auf und Ab wie bei einer Achterbahnfahrt!Aber auch die nahm ein Ende, wir hatten wieder festen Boden unter den Füßen und waren uns einig. Jetzt mußten noch die Begründungen unserer Entscheidungen formuliert werden. Dann ging es zum letzten Akt des Festivals, zur Preisverleihung auf die Bühne vor der Leinwand! Rosemarie machte den Anfang mit unserer Begründung für den dritten Preis. Mir gefallen unsere Texte so gut, daß ich daraus zitiere: „Der Film überzeugt durch seine Zugänglichkeit für ein visuell orientiertes Publikum, ohne dafür an anderer Stelle zu sparen. Ein rundum stimmiger, abwechslungsreicher Film, der auch ohne lautsprachliche Dialoge erfolgreich eine berührende Geschichte mithilfe von liebevoll animierten Charakteren erzählt. Die Jury verleiht den geteilten 3. Preis an &#8222;Meister des Lichts&#8220; von Stefan Vogt!&#8220; Nachtrag von mir: Die Meister sind übrigens Zimmerpflanzen. Geteilter Preis, doppelte Freud, Dario übernahm das Mikrophon.„Mit minimalen filmischen Mitteln, solider Dramaturgie und Humor entwirft der Filmemacher ein ungewöhnliches Porträt der deutschen Gesellschaft, die sich wie der Ventilator in seinem Zimmer um sich und ihre Themen dreht. Das sind Beruf, Bürokratie, Einsamkeit, Erschöpfung bis hin zu einer möglichen Liebe. Der zweite dritte Preis geht an &#8222;Der Telefonvoyeur 2.0&#8243; von Werner Biedermann.“ Dann hatte ich das Mikro in der Hand und erklärte die Entscheidung der Jury, erstmals zwei dritte Preise zu vergeben:Wir wollten zwei Filme auszeichnen, die sich einerseits dem gehörlosen und andererseits dem blinden Publikum auf ganz besondere Weise erschließen und dabei höchsten Filmgenuß bieten.Das gelingt diesen beiden Filmen ganz vortrefflich! Und ich übergab an Axel.„Eine Stimme aus dem Radio berichtet über einen fernen Planeten, die Kamera zeigt uns verschwommene Bilder von Straßen im nächtlichen Berlin. Es ist sehr kalt und für Obdachlose gibt es kaum eine Chance, auf der Straße zu überleben. Begeistert hat die Jury die sensible Herangehensweise an das Thema und wie das Filmteam auf Augenhöhe den Protagonisten begegnet und sie begleitet. Der 2. Preis geht an den Dokumentarfilm „Nacht über Kepler 452b“ von Ben Voit.“ Und trara, den ersten Preis des fünften KLAPPE AUF! Kurzfilmfestivals verkündete Pheline. Der Preis ging an den Animationsfilm „Wochenbett“ von Henriette Rietz. „Der Film hat uns durch seine schonungslos ehrliche, sehr humorvolle und berührende Darstellung des Mutterwerdens überzeugt, das trotz seiner Alltäglichkeit oft seltsam verklärt und mystifiziert wird. Auch Menschen ohne Kinder wird ein Zugang und Eindruck zu dieser sehr privaten Situation vermittelt. „Wochenbett“ ist ein rundherum gelungener Film, der die Sprache findet, die wir brauchen, um wirkliches Verständnis füreinander zu erzeugen.“ Noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an die Gewinnerin und die Gewinner! Haben Kanons eigentlich ein Ende?Wie auch immer, das fünfte KLAPPE]]></description>
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<p>Er hat es geschafft!<br>Nach einigen Anläufen sang das Publikum im Saal des Hamburger Metropolis Kinos begeistert und fast bühnenreif dreistimmig den Kanon</p>



<p><strong>„Der Hahn ist tot“!</strong></p>



<p>Genauso heißt auch der kultige Kurzfilm von Zoltan Spirandelli aus dem Jahr 1988.<br>Wie seit 34 Jahren animierte auch uns der Filmemacher geduldig immer wieder von der Leinwand aus zum Mitsingen. Als ob er’s ahnt, unterbricht er, wenn es aus dem Ruder läuft, und mahnt bei „kokokokokokokokodi, kokoda“, den Rhythmus zu halten. Zum Einteilen der Stimmen läuft er geräuschvoll auf der Leinwand von einer Seite zur anderen, vielleicht auch wegen der weit verbreiteten Rechts-Links-Schwäche. Ich saß in der Mitte und sang erst ganz leise, piano, dann lauter, mezzoforte, bis ich mich dann ein fortissimo traute.<br>Der singende Kinosaal war nur einer der grandiosen Auftakte zum</p>



<p><strong>5. KLAPPE AUF! Kurzfilmfestival in Hamburg vom 26. bis 28.08. 2022</strong>!</p>



<p>Und dann ging’s los, mit der rasanten cineastischen Fahrt auf der „Achterbahn“, dem diesjährigen Motto. Ob Spiel-, Dokumentar- oder Experimentalfilm, in allen 34 gezeigten Kurzfilmen wurde auf verschiedenste Weise das Auf und Ab einer Achterbahnfahrt thematisiert.</p>



<p>Für mich ging es nach einem kurzen Durchatmen an der frischen Luft zum Glück nur ganz unspektakulär mit dem Fahrstuhl vom Foyer im Erdgeschoß zwei Etagen tiefer. Dort händigte mir Wolfgang vom KLAPPE AUF!-Team an der Rampe zum Kinosaal einen Funkkopfhörer aus. Über diesen bekam ich die Audiodeskriptionen für alle Filme und das, was sich zwischendurch vor der Leinwand abspielte, live in mein Ohr geflüstert.<br>Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung gab es die Untertitel auf der Leinwand und eine Hörunterstützung über eine Induktionsschleife.<br>Gebärdendolmetscherinnen übersetzten die Publikumsgespräche und eine Schriftdolmetscherin machte die Worte simultan auf der Leinwand lesbar.<br>Genau SO klappt’s auch mit dem Anspruch</p>



<p><strong>KINO FÜR ALLE</strong>,</p>



<p>den sich das inklusive Festival-Team ganz groß auf die Fahne geschrieben hat!</p>



<p>Aber wer sind eigentlich die Leute da mit mir auf dem Foto?<br>Wir sind‘s, die Jurorinnen und Juroren des diesjährigen Festivals, und wenn ich vorstellen darf, von links nach rechts:<br>Dario Aguirre, Rosemarie Tobor-Schmidt, Axel Behrens, ich, Pheline Roggan.</p>



<p>Und wie funktioniert eigentlich Juryarbeit, gibt es bestimmte Bewertungskriterien, fragte ich mich?<br>Katrin Mersmann vom Festival beruhigte mich mit den Worten „Das wird schon“.<br>Sie war während der drei Tage für uns fünf zuständig. Bei unseren Besprechungen machte sie Notizen, gab Tipps aus ihren Erfahrungen mit früheren Jurys, hatte immer die Zeit im Blick und sorgte ganz rührend für unser leibliches Wohl!</p>



<p>Nach dem ersten von fünf Blöcken mit sieben Filmen hatte ich, wie die anderen, drei Favoriten. Schweren Herzens verwarf ich nach den nächsten beiden Blöcken zwei, dafür kamen vier neue dazu und so weiter. Dank der gut bis sehr gut gemachten Audiodeskriptionen konnte ich bei unseren Besprechungen auf Augenhöhe mitreden. Nur bei zwei Filmen mußte ich passen, das lag aber an der extrem chaotischen Filmvorlage.</p>



<p>Wie unterschiedlich doch der Blick auf einen Film aus so verschiedenen Perspektiven sein kann: Der von Pheline als Schauspielerin, der des Filmemachers Dario, der von Axel vom Kurzfilmverleih Hamburg, der von Rosemarie als Mitglied des Deutschen Gehörlosentheaters und meiner.<br>Das war für uns alle spannend, höchst interessant und nicht nur einmal änderte ich meine Meinung. Dann kam die heiße Entscheidungsphase. Wir durften drei Jury-Preise vergeben und hatten immer noch zu viele Filme auf der Liste.</p>



<p>Nur einmal sprachen wir im Eifer des Gefechts durcheinander, längst nicht so schlimm wie in gewissen abendlichen Talkshows, aber die Gebärdendolmetscherin protestierte: Sie könne so unmöglich für Rosemarie übersetzen.<br>Das brachte Ruhe in die Runde. Wir verwarfen aktuelle Favoriten und holten ehemalige wieder hervor, ein sich wiederholendes, aber hilfreiches Auf und Ab wie bei einer Achterbahnfahrt!<br>Aber auch die nahm ein Ende, wir hatten wieder festen Boden unter den Füßen und waren uns einig. Jetzt mußten noch die Begründungen unserer Entscheidungen formuliert werden. Dann ging es zum letzten Akt des Festivals, zur Preisverleihung auf die Bühne vor der Leinwand!</p>



<p>Rosemarie machte den Anfang mit unserer Begründung für den dritten Preis. Mir gefallen unsere Texte so gut, daß ich daraus zitiere:</p>



<p><em>„Der Film überzeugt durch seine Zugänglichkeit für ein visuell orientiertes Publikum, ohne dafür an anderer Stelle zu sparen. Ein rundum stimmiger, abwechslungsreicher Film, der auch ohne lautsprachliche Dialoge erfolgreich eine berührende Geschichte mithilfe von liebevoll animierten Charakteren erzählt. Die Jury verleiht den geteilten 3. Preis an</em></p>



<p><em><strong>&#8222;Meister des Lichts&#8220; von Stefan Vogt!&#8220;</strong></em></p>



<p>Nachtrag von mir: Die Meister sind übrigens Zimmerpflanzen.</p>



<p>Geteilter Preis, doppelte Freud, Dario übernahm das Mikrophon.<br><em>„Mit minimalen filmischen Mitteln, solider Dramaturgie und Humor entwirft der Filmemacher ein ungewöhnliches Porträt der deutschen Gesellschaft, die sich wie der Ventilator in seinem Zimmer um sich und ihre Themen dreht. Das sind Beruf, Bürokratie, Einsamkeit, Erschöpfung bis hin zu einer möglichen Liebe. Der zweite dritte Preis geht an</em></p>



<p><strong>&#8222;<em>Der Telefonvoyeur 2.0&#8243; von Werner Biedermann.“</em></strong></p>



<p>Dann hatte ich das Mikro in der Hand und erklärte die Entscheidung der Jury, erstmals zwei dritte Preise zu vergeben:<br>Wir wollten zwei Filme auszeichnen, die sich einerseits dem gehörlosen und andererseits dem blinden Publikum auf ganz besondere Weise erschließen und dabei höchsten Filmgenuß bieten.<br>Das gelingt diesen beiden Filmen ganz vortrefflich!</p>



<p>Und ich übergab an Axel.<br><em>„Eine Stimme aus dem Radio berichtet über einen fernen Planeten, die Kamera zeigt uns verschwommene Bilder von Straßen im nächtlichen Berlin. Es ist sehr kalt und für Obdachlose gibt es kaum eine Chance, auf der Straße zu überleben. Begeistert hat die Jury die sensible Herangehensweise an das Thema und wie das Filmteam auf Augenhöhe den Protagonisten begegnet und sie begleitet. Der 2. Preis geht an den Dokumentarfilm</em></p>



<p><strong><em>„Nacht über Kepler 452b“ von Ben Voit.“</em></strong></p>



<p>Und trara, den ersten Preis des fünften KLAPPE AUF! Kurzfilmfestivals verkündete Pheline. Der Preis ging an den Animationsfilm </p>



<p><strong>„Wochenbett“ von Henriette Rietz.</strong></p>



<p><em>„Der Film hat uns durch seine schonungslos ehrliche, sehr humorvolle und berührende Darstellung des Mutterwerdens überzeugt, das trotz seiner Alltäglichkeit oft seltsam verklärt und mystifiziert wird. Auch Menschen ohne Kinder wird ein Zugang und Eindruck zu dieser sehr privaten Situation vermittelt. „Wochenbett“ ist ein rundherum gelungener Film, der die Sprache findet, die wir brauchen, um wirkliches Verständnis füreinander zu erzeugen.“</em></p>



<p>Noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an die Gewinnerin und die Gewinner!</p>



<p>Haben Kanons eigentlich ein Ende?<br>Wie auch immer, das fünfte KLAPPE AUF! Kurzfilmfestival hatte leider eins nach drei wunderbaren Tagen mit dem super netten Festival-Team und meinen lieben Kolleginnen und Kollegen in der Jury. Danke, daß ich dabei sein durfte!</p>



<p>Der Hahn kann zwar nicht mehr schreien, aber das Kurzfilmfestival weiterhin die KLAPPE AUF! machen, ich freue mich drauf!</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Lola 2022</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Aug 2022 10:55:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[#lola22]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Filmpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Bauerfeind]]></category>
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					<description><![CDATA[Völlig verschwitzt, aber nicht wegen der hochsommerlichen Temperaturen,die waren ja draußen, und wir drin! Im angenehm temperierten Foyer des Palais am Funkturm in Berlin schlenderten wir mit kühlem Getränk und Häppchen durch das bunte Treiben und haben schlicht vergessen, jemanden um ein Foto von uns beiden zu bitten. Also muß das Selfie ran!Andreas, mein Begleiter bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2022 am 24. Juni gab sein bestes, mir die vielen ausgefallenen, fetzigen Outfits zu beschreiben, und wußte ganz oft, wer darin steckte.Die Freude der rund 2.000 geladenen Gäste, nach zwei Jahren endlich wieder ohne Beschränkungen den deutschen Film feiern zu können, war förmlich mit Händen zu greifen und nicht zu überhören. Als schließlich alle ihre Plätze eingenommen hatten, kam Katrin Bauerfeind auf die Bühne und brachte es so auf den Punkt: Lola statt Corona! Forsch, mit Witz und Herz, mal singend und mit einem leider nur ganz kurzen Saxophon-Solo führte sie durch den Abend und drückte gleich auf die Tube. Wer bei seiner Danksagung überzieht, würde ausgebremst!Den Job des Ausbremsers übernahm wie im letzten Jahr der musikalische Leiter Karim Sebastian Elias mit hervorragenden Musikerinnen und Musikern, dieses Mal mit„Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen“von Reinhard Mey, erst dezent, dann immer deutlicher. Ich sage erst einmal Guten Abend und bleibe noch ein bißchen!Kaum auf der Bühne, packte die erste Laudatorin Meltem Kaptan gleich wieder ein, und zwar in ihren Lebenskoffer unter anderem einen ganz speziellen Blick und gummiartige Transformationskünste. Für letztere ging die Lola in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ an ihren Spielkollegen Alexander Scheer in „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“. Für mein subjektives, laienhaftes Empfinden hätte seine starke Präsenz im Film auch eine Nominierung als Hauptdarsteller gerechtfertigt. Wie auch immer, meinen herzlichen Glückwunsch, auch gleich an alle weiteren Preisträgerinnen und Preisträger! „Aber nicht abbeißen, Miss Moneypenny“,meinte er kauend zur neuen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und drückte Claudia Roth auf dem Weg zur Bühne sein Lachsbrötchen in die Hand. Auf so eine Idee kann nur Christoph Maria Herbst kommen. Dann überraschte er mit der Erkenntnis: In der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ seien nur Frauen nominiert. Und was für welche, sag ich! Jetzt hielt Meltem Kaptan für die Rolle als Rabiye strahlend eine eigene Lola in den Händen. „Dis is alles so traurig, was so lustig sein könnte“,sagt Jella Haase niedergeschlagen zu ihrem Spielpartner Albrecht Schuch in „Lieber Thomas“. Genau so könnte sich dieser Satz aus dem Munde der Katharina Thalbach im Jahr 1968 angehört haben, einfach phänomenal!Das fanden wohl auch die Mitglieder der Filmakademie und Jella Haase wurde mit dem Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin geehrt.Zuvor hatte Ulrich Tukur als Laudator Anja Schneider, Sandra Hüller und ihr je ein bezauberndes Ständchen gewidmet und sich dabei auf dem Akkordeon begleitet.Dafür gibt’s von mir die Lola in der Kategorie „Beste Laudatio“! Den traurigen Moment, wenn es heißt, Abschied zu nehmen von den im vergangenen Jahr verstorbenen Akademiemitgliedern, begleitete dieses Mal sehr berührend ein Mädchenchor mit Lou Reeds „Perfekt Day“. Die Portraits der Verstorbenen erschienen auf der Videoleinwand und Andreas flüsterte mir die erschreckend vielen Namen ins Ohr. Agieren Sie als „Soldaten der Wahrheit“,appellierte Wladimir Klitschko, zugeschaltet per Video, an alle Dokumentarfilmerinnen und-filmer. Sandra Maischberger moderierte souverän wie man sie kennt die Kategorie „Bester Dokumentarfilm“. Ausgezeichnet wurde das Team von „The Other Side of the River“. Ganz knapp an einer Lola für die beste Laudatio schrappten Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel vorbei. Amüsant nahmen sie die an der Aktion #allesdichtmachen Beteiligten aufs Korn. Sie hauten sich Sprüche um die Ohren mit dem Hinweis, daß es zum Glück das so wichtige Gewerk „Schnitt“ gäbe. Dem kann ich nur zustimmen. Bei der Arbeit an Hörfilmfassungen irritierte schon mal der ein oder andere nicht zur Szene passende Blick, nicht nachvollziehbare Wechsel der Kleidung oder ein blutdurchtränkter Verband war schlagartig blütenweiß. Die Lola für den besten Schnitt erhielt die völlig überraschte Gisela Zick für ihre Arbeit in „Lieber Thomas“! Musik, zwei, drei, vier!Katrin Bauerfeind gab ihr sehr schönes Solo auf dem Saxophon, plauderte mit Karim S. Elias, und Annette Focks bekam die Lola für die beste Filmmusik in „Wunderschön“ überreicht.Andreas und ich, wir spielen beide akustische Gitarre, hatten die wunderschönen, melancholischen Gitarrenklänge von Rabiye Kurnaz favorisiert, die Gänsehaut machten.Dann übernahmen Sandra Hüller, Eva Löbau und Laura Tonke das Mikrophon. Erst zierten sie sich, um dann voller Inbrunst „The Greatest Love of All“ zu schmettern, wie schon Sandra Hüller solo und grandios in „Toni Erdmann“.Mit diesem Ständchen und dem Bernd Eichinger Preis wurde das Team von Komplizen Film für seinen maßgeblichen Beitrag zur Kinokultur geehrt. Kann es nicht einen Mittelweg geben zwischen dem heute manchmal kaum verständlichem Genuschel und der übertrieben deutlichen Sprechweise in den Filmen der 50er und 60er Jahre?Maren Kroymann bevorzugt Genuschel, ich deutliches Sprechen. Sie hielt die Laudatio für die Kategorie „Beste Tongestaltung“ und ausgezeichnet wurde zu meiner Freude das Team von „Niemand ist bei den Kälbern“! Über Geräusche in diesem Film schrieb ich in einen Blogbeitrag:„Aber wo Kühe sind, gibt’s auch Fliegen. Deren Summen war im Kinosaal so präsent, daß es auf der Haut zu kribbeln schien.“ Und diesen Plagegeistern kann weder Genuschel noch übertrieben deutliches Sprechen angelastet werden! Ich mache hier ausschließlich aus Zeitgründen einen Schnitt und überspringe so wichtige Gewerke wie Kostüm, Maske, Szenenbild, Regie, Drehbuch und Kamera und komme zu den höchst dotierten Preisen „Bester Spielfilm“!Die Lola in Bronze ging an das Team von „Große Freiheit“ und die in Silber an das von „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“.Und ein Trommelwirbel für das Team von „Lieber Thomas“ für insgesamt neun Auszeichnungen und die Lola in Gold! Ziemlich durstig, wegen der „trockenen Luft“ im Saal, aber die war ja drin und wir nach der Show draußen!Auf der riesigen Terrasse hatten wir die Wahl zwischen so vielen Getränken und vegetarischen Leckereien.Wir ließen bei frisch gezapftem Bier die Show noch einmal Revue passieren, im Sitzen, und dann war es Zeit für uns zu gehen. Was ich jetzt noch zu sagen hätte, dauert keine Zigarette:Ein herzliches Dankeschön an die Akademie für den wunderbaren Abend, die tollen Plätze]]></description>
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<p>Völlig verschwitzt, aber nicht wegen der hochsommerlichen Temperaturen,<br>die waren ja draußen, und wir drin!</p>



<p>Im angenehm temperierten Foyer des Palais am Funkturm in Berlin schlenderten wir mit kühlem Getränk und Häppchen durch das bunte Treiben und haben schlicht vergessen, jemanden um ein Foto von uns beiden zu bitten. Also muß das Selfie ran!<br>Andreas, mein Begleiter bei der</p>



<p><strong>Verleihung des Deutschen Filmpreises 2022 am 24. Juni</strong></p>



<p>gab sein bestes, mir die vielen ausgefallenen, fetzigen Outfits zu beschreiben, und wußte ganz oft, wer darin steckte.<br>Die Freude der rund 2.000 geladenen Gäste, nach zwei Jahren endlich wieder ohne Beschränkungen den deutschen Film feiern zu können, war förmlich mit Händen zu greifen und nicht zu überhören. Als schließlich alle ihre Plätze eingenommen hatten, kam Katrin Bauerfeind auf die Bühne und brachte es so auf den Punkt:</p>



<p><strong>Lola statt Corona!</strong></p>



<p>Forsch, mit Witz und Herz, mal singend und mit einem leider nur ganz kurzen Saxophon-Solo führte sie durch den Abend und drückte gleich auf die Tube. Wer bei seiner Danksagung überzieht, würde ausgebremst!<br>Den Job des Ausbremsers übernahm wie im letzten Jahr der musikalische Leiter Karim Sebastian Elias mit hervorragenden Musikerinnen und Musikern, dieses Mal mit<br>„Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen“<br>von Reinhard Mey, erst dezent, dann immer deutlicher.</p>



<p>Ich sage erst einmal Guten Abend und bleibe noch ein bißchen!<br>Kaum auf der Bühne, packte die erste Laudatorin Meltem Kaptan gleich wieder ein, und zwar in ihren Lebenskoffer unter anderem einen ganz speziellen Blick und gummiartige Transformationskünste. Für letztere ging die Lola in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ an ihren Spielkollegen Alexander Scheer in „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“. Für mein subjektives, laienhaftes Empfinden hätte seine starke Präsenz im Film auch eine Nominierung als Hauptdarsteller gerechtfertigt. Wie auch immer, meinen herzlichen Glückwunsch, auch gleich an alle weiteren Preisträgerinnen und Preisträger!</p>



<p>„Aber nicht abbeißen, Miss Moneypenny“,<br>meinte er kauend zur neuen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und drückte Claudia Roth auf dem Weg zur Bühne sein Lachsbrötchen in die Hand. Auf so eine Idee kann nur Christoph Maria Herbst kommen. Dann überraschte er mit der Erkenntnis: In der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ seien nur Frauen nominiert. Und was für welche, sag ich! Jetzt hielt Meltem Kaptan für die Rolle als Rabiye strahlend eine eigene Lola in den Händen.</p>



<p>„Dis is alles so traurig, was so lustig sein könnte“,<br>sagt Jella Haase niedergeschlagen zu ihrem Spielpartner Albrecht Schuch in „Lieber Thomas“. Genau so könnte sich dieser Satz aus dem Munde der Katharina Thalbach im Jahr 1968 angehört haben, einfach phänomenal!<br>Das fanden wohl auch die Mitglieder der Filmakademie und Jella Haase wurde mit dem Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin geehrt.<br>Zuvor hatte Ulrich Tukur als Laudator Anja Schneider, Sandra Hüller und ihr je ein bezauberndes Ständchen gewidmet und sich dabei auf dem Akkordeon begleitet.<br>Dafür gibt’s von mir die Lola in der Kategorie „Beste Laudatio“!</p>



<p>Den traurigen Moment, wenn es heißt, Abschied zu nehmen von den im vergangenen Jahr verstorbenen Akademiemitgliedern, begleitete dieses Mal sehr berührend ein Mädchenchor mit Lou Reeds „Perfekt Day“. Die Portraits der Verstorbenen erschienen auf der Videoleinwand und Andreas flüsterte mir die erschreckend vielen Namen ins Ohr.</p>



<p>Agieren Sie als „Soldaten der Wahrheit“,<br>appellierte Wladimir Klitschko, zugeschaltet per Video, an alle Dokumentarfilmerinnen und<br>-filmer. Sandra Maischberger moderierte souverän wie man sie kennt die Kategorie „Bester Dokumentarfilm“. Ausgezeichnet wurde das Team von „The Other Side of the River“.</p>



<p>Ganz knapp an einer Lola für die beste Laudatio schrappten Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel vorbei. Amüsant nahmen sie die an der Aktion #allesdichtmachen Beteiligten aufs Korn. Sie hauten sich Sprüche um die Ohren mit dem Hinweis, daß es zum Glück das so wichtige Gewerk „Schnitt“ gäbe. Dem kann ich nur zustimmen. Bei der Arbeit an Hörfilmfassungen irritierte schon mal der ein oder andere nicht zur Szene passende Blick, nicht nachvollziehbare Wechsel der Kleidung oder ein blutdurchtränkter Verband war schlagartig blütenweiß.</p>



<p>Die Lola für den besten Schnitt erhielt die völlig überraschte Gisela Zick für ihre Arbeit in „Lieber Thomas“!</p>



<p><strong>Musik, zwei, drei, vier!</strong><br>Katrin Bauerfeind gab ihr sehr schönes Solo auf dem Saxophon, plauderte mit Karim S. Elias, und Annette Focks bekam die Lola für die beste Filmmusik in „Wunderschön“ überreicht.<br>Andreas und ich, wir spielen beide akustische Gitarre, hatten die wunderschönen, melancholischen Gitarrenklänge von Rabiye Kurnaz favorisiert, die Gänsehaut machten.<br>Dann übernahmen Sandra Hüller, Eva Löbau und Laura Tonke das Mikrophon. Erst zierten sie sich, um dann voller Inbrunst „The Greatest Love of All“ zu schmettern, wie schon Sandra Hüller solo und grandios in „Toni Erdmann“.<br>Mit diesem Ständchen und dem Bernd Eichinger Preis wurde das Team von Komplizen Film für seinen maßgeblichen Beitrag zur Kinokultur geehrt.</p>



<p>Kann es nicht einen Mittelweg geben zwischen dem heute manchmal kaum verständlichem Genuschel und der übertrieben deutlichen Sprechweise in den Filmen der 50er und 60er Jahre?<br>Maren Kroymann bevorzugt Genuschel, ich deutliches Sprechen. Sie hielt die Laudatio für die Kategorie „Beste Tongestaltung“ und ausgezeichnet wurde zu meiner Freude das Team von „Niemand ist bei den Kälbern“! Über Geräusche in diesem Film schrieb ich in einen Blogbeitrag:<br>„Aber wo Kühe sind, gibt’s auch Fliegen. Deren Summen war im Kinosaal so präsent, daß es auf der Haut zu kribbeln schien.“ Und diesen Plagegeistern kann weder Genuschel noch übertrieben deutliches Sprechen angelastet werden!</p>



<p>Ich mache hier ausschließlich aus Zeitgründen einen Schnitt und überspringe so wichtige Gewerke wie Kostüm, Maske, Szenenbild, Regie, Drehbuch und Kamera und komme zu den höchst dotierten Preisen „Bester Spielfilm“!<br>Die Lola in Bronze ging an das Team von „Große Freiheit“ und die in Silber an das von „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“.<br>Und ein Trommelwirbel für das Team von „Lieber Thomas“ für insgesamt neun Auszeichnungen und die Lola in Gold!</p>



<p>Ziemlich durstig, wegen der „trockenen Luft“ im Saal, aber die war ja drin und wir nach der Show draußen!<br>Auf der riesigen Terrasse hatten wir die Wahl zwischen so vielen Getränken und vegetarischen Leckereien.<br>Wir ließen bei frisch gezapftem Bier die Show noch einmal Revue passieren, im Sitzen, und dann war es Zeit für uns zu gehen.</p>



<p>Was ich jetzt noch zu sagen hätte, dauert keine Zigarette:<br>Ein herzliches Dankeschön an die Akademie für den wunderbaren Abend, die tollen Plätze im Parkett neunte Reihe am Mittelgang und an Andreas, meinen extrem aufmerksamen Begleiter!<br>Und auch dieses Jahr gibt es für das Video zur Lola („Filmpreis 2022 Highlights“) eine von Kinoblindgänger erstellte barrierefreie Fassung. Sie ist zu finden in Blindgängerins YouTube-Kanal:</p>



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		<title>Beim DOK Leipzig 2021</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 17:55:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Pawel Lozinski]]></category>
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					<description><![CDATA[„Hallo, ja Sie mit dem weißen Langstock, bleiben Sie bitte kurz stehen?Genau an dem Zaunpfosten. Da ist ein Mikrofon befestigt.Ich bin hier oben auf meinem Balkon und hätte eine Frage, wohin gehen Sie?“ Warum interessiert Sie das und wer sind Sie überhaupt? „Mein Name ist Pawel Lozinski. Ich mache einen Film, einen Balkon-Film über die Menschen, die hier vorbeilaufen.“ Was für eine tolle Idee! Nicht um die ganze Welt zu reisen, sondern die Leute ins Gespräch zu verwickeln, die einem direkt vor der eigenen Haustür vor die Kamera laufen.Also ich bin gerade auf den Weg ins Kino. „Ins Kino, habe ich das richtig gehört?“ Ja, ich weiß, niemand kann sich vorstellen, daß Blinde etwas davon haben, sich einen Film auf der großen Leinwand anzuschauen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen klappt das ganz prima und dafür gesorgt hat auch in diesem Jahr das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm „DOK Leipzig für alle“ lautet das großartige Motto!Es gibt 24 verfügbare Filme mit erweiterten Untertiteln auf der Leinwand, Filmvorführungen mit Induktionsschleife, Filmgespräche mit Gebärdendolmetschung und weitgehend stufenlos erreichbare Säle.Und ich habe die Wahl zwischen sieben Filmen, für die eine Audiodeskription produziert und bei der Greta App zum Download bereitgestellt wurde! „Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht, Sie müssen auf jeden Fall wieder vorbeikommen und erzählen. Und übrigens bin ich auch auf dem Festival und stelle meinen Film „The Balcony Movie“ vor.“ Ich weiß, der steht neben drei weiteren Lang- und zwei Kurzfilmen auch auf meiner Liste. „Da kommt gerade ein sympathisch lächelnder junger Mann auf Sie zu gelaufen, warten Sie auf jemanden?“ Das wird Nino sein. Er begleitet mich nicht zum ersten Mal während eines Filmfestivals in Leipzig. Wir sind ein super eingespieltes Team und müssen jetzt los. Bis später! „Hallo, wie schön, Sie wieder zu sehen! Hatten Sie eine gute Zeit beim DOK?“ Ja, eine sehr gute und spannende Zeit, die rasend schnell verging! Ich leg gleich mal los mit der Greta App, meiner im Kinosaal unverzichtbaren Begleiterin. Sie hat sich bei allen Vorstellungen blitzschnell mit dem Filmton von der Leinwand synchronisiert und mir die Audiodeskriptionen (AD) per Kopfhörer ins Ohr geflüstert, unter anderen von „Nasim“ von Ole Jacobs und Arne Büttner„The Balcony Movie“ von Pawel Lozinski„A Sound of My Own“ von Rebecca Zehr“Pa va heng“ von Franziska von Stenglin Die Teams der ersten drei Filme zählten zu denjenigen, die am Ende des Festivals mit einer Auszeichnung nach Hause gingen. Meinen Glückwunsch, und der geht auch an das Team beim DOK für das glückliche Händchen beim Auswählen der Filme, für die eine AD produziert wurde! Nur einen Wermutstropfen gibt es.Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang kann da leider nicht so recht mithalten. Hier ein paar Gründe aus meiner Sicht: Daß mit „die Frau mit Kopftuch“ oder nur „die Frau“ Nasim gemeint war, erschloß sich mir erst bei dem Filmgespräch nach der Vorstellung. Dabei stand die Namensgeberin des Films von Anfang an im Fokus der beiden Filmemacher. Sie begleiteten acht Monate die Afghanin Nasim und ihre Familie im Geflüchtetenlager Moria.Nasim hätte eigentlich gleich in der ersten Szene namentlich eingeführt werden müssen, als sie ihrem Sohn die Haare schneidet, und nicht erst, wenn ihr Name irgendwann fällt.Dann hätte man auch einfach sagen können „Nasims älterer Sohn“ statt „der ältere Sohn der Frau“. Ich konnte mir zwar ein ganz gutes Bild von dem Lager und den Menschen machen, aber formuliert war die AD doch ganz schön holprig und verschachtelt. Immer wieder hieß es „Ein anderer Tag“, das sollte sich eher aus der Beschreibung der anderen Bilder ergeben. Und hier ein paar etwas verunglückte Formulierungsbeispiele:Eine ältere Frau, anscheinend die Großmutter, starrt in der Gegend herum, geht kommentarlos davon, er trägt Hose und freien Oberkörper… Und leider konnte ich mich auch mit der Stimme des Sprechers und dem viel zu langsamen Sprechtempo nicht anfreunden. Um so mehr gefiel mir die Sprecherin der AD von „The Balcony Movie“, die mir liebevoll die vielen Menschen vor Pawel Lozinskis Balkon beschrieb.Ohne sein Wissen habe ich mich in die Filmidee des extrem sympathischen polnischen Filmemachers reingemogelt. Vor dem Balkon seiner Warschauer Wohnung habe ich natürlich nicht gestanden, hätte ich aber gerne! Die deutschen Untertitel des im Original gezeigten Films, in dem vor allem polnisch gesprochen wurde, waren für das sehende Publikum auf die Leinwand projiziert. Ich bekam sie von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war wirklich sehr gut gemacht.Aber auch hier habe ich eine Auswahl von nicht so eleganten Formulierungen:Immer wieder hieß es überflüssigerweise „nächste Aufnahme“, „nächste Szene“ oder „als nächstes ein bewölkter Tag“.Eine lebendige Sprache verbietet Wortwiederholungen wie zum Beispiel: „Sie schiebt einen Kinderwagen, in dem ein Kind sitzt, sie gibt dem Kind irgendwas…“„Der dürre Mann, dem Pawel sein Hemd geschenkt hat“, die Erwähnung des „dürren Mannes“ hätte es auch getan.„Der Weg bleibt leer, sie kommt nicht zurück“, ohne Kommentar.Und viel zu umständlich „Allerdings ist die Kamera so eingestellt, daß nur die Beine zu sehen sind.“ Bei „A Sound of My Own“ über die Musikerin Marja Burchard, fehlte mir die klare Ansage „Das ist ein Schwarzweißfilm“!Die junge Frau führt als Bandleaderin das Krautrock-Kollektiv „Embryo“ ihres verstorbenen Vaters fort. Ich kannte weder die Tochter noch den Vater oder das Kollektiv und bin vor Neid erblaßt, wie sich Marja an gefühlt zehn verschiedene Instrumente setzt, jedes beherrscht und jedem tolle Töne entlockt! Ich denke, dieser Film mit experimentellen Elementen war die größte Herausforderung beim Texten der AD und der Sprecher brachte diese auch ganz gut in mein Ohr.Aber auch hier einige Merkwürdigkeiten:Ein weißhaariger Pianist am Flügel, sie wippt und hastet auf und ab, ihr Blick wandert aus dem Fenster, sie guckt zum Musiker neben ihr.Sie schlägt mit ganzer Kraft auf das Schlagzeug, ganz bestimmt nicht! Vielleicht mit ausladenden Bewegungen. Und jetzt ein Ende mit Schrecken bei“Pa va heng” oder „The Dust of Modern Life“ Liem, die zentrale Figur, gehört der ethnischen Minderheit der Sedang an und]]></description>
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<p><em><strong>„Hallo, ja Sie mit dem weißen Langstock, bleiben Sie bitte kurz stehen?<br>Genau an dem Zaunpfosten. Da ist ein Mikrofon befestigt.<br>Ich bin hier oben auf meinem Balkon und hätte eine Frage, wohin gehen Sie?“</strong></em></p>



<p>Warum interessiert Sie das und wer sind Sie überhaupt?</p>



<p><strong><em>„Mein Name ist Pawel Lozinski. Ich mache einen Film, einen Balkon-Film über die Menschen, die hier vorbeilaufen.“</em></strong></p>



<p>Was für eine tolle Idee! Nicht um die ganze Welt zu reisen, sondern die Leute ins Gespräch zu verwickeln, die einem direkt vor der eigenen Haustür vor die Kamera laufen.<br>Also ich bin gerade auf den Weg ins Kino.</p>



<p><em><strong>„Ins Kino, habe ich das richtig gehört?“</strong></em></p>



<p>Ja, ich weiß, niemand kann sich vorstellen, daß Blinde etwas davon haben, sich einen Film auf der großen Leinwand anzuschauen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen klappt das ganz prima und dafür gesorgt hat auch in diesem Jahr das</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm</strong></h2>



<p><strong>„DOK Leipzig für alle“</strong> lautet das großartige Motto!<br>Es gibt 24 verfügbare Filme mit erweiterten Untertiteln auf der Leinwand, Filmvorführungen mit Induktionsschleife, Filmgespräche mit Gebärdendolmetschung und weitgehend stufenlos erreichbare Säle.<br>Und ich habe die Wahl zwischen sieben Filmen, für die eine Audiodeskription produziert und bei der Greta App zum Download bereitgestellt wurde!</p>



<p><strong><em>„Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht, Sie müssen auf jeden Fall wieder vorbeikommen und erzählen. Und übrigens bin ich auch auf dem Festival und stelle meinen Film „Th</em>e <em>Balcony Movie“ vor.“</em></strong></p>



<p>Ich weiß, der steht neben drei weiteren Lang- und zwei Kurzfilmen auch auf meiner Liste.</p>



<p><em><strong>„Da kommt gerade ein sympathisch lächelnder junger Mann auf Sie zu gelaufen, warten Sie auf jemanden?“</strong></em></p>



<p>Das wird Nino sein. Er begleitet mich nicht zum ersten Mal während eines Filmfestivals in Leipzig. Wir sind ein super eingespieltes Team und müssen jetzt los. Bis später!</p>



<p><em><strong>„Hallo, wie schön, Sie wieder zu sehen! Hatten Sie eine gute Zeit beim DOK?“</strong></em></p>



<p>Ja, eine sehr gute und spannende Zeit, die rasend schnell verging!</p>



<p>Ich leg gleich mal los mit der Greta App, meiner im Kinosaal unverzichtbaren Begleiterin. Sie hat sich bei allen Vorstellungen blitzschnell mit dem Filmton von der Leinwand synchronisiert und mir die Audiodeskriptionen (AD) per Kopfhörer ins Ohr geflüstert, unter anderen von</p>



<p><strong>„Nasim“</strong> von Ole Jacobs und Arne Büttner<br><strong>„The Balcony Movie“</strong> von Pawel Lozinski<br><strong>„A Sound of My Own“</strong> von Rebecca Zehr<br><strong>“Pa va heng“</strong> von Franziska von Stenglin</p>



<p>Die Teams der ersten drei Filme zählten zu denjenigen, die am Ende des Festivals mit einer Auszeichnung nach Hause gingen. Meinen Glückwunsch, und der geht auch an das Team beim DOK für das glückliche Händchen beim Auswählen der Filme, für die eine AD produziert wurde!</p>



<p>Nur einen Wermutstropfen gibt es.<br>Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang kann da leider nicht so recht mithalten. Hier ein paar Gründe aus meiner Sicht:</p>



<p>Daß mit „die Frau mit Kopftuch“ oder nur „die Frau“ Nasim gemeint war, erschloß sich mir erst bei dem Filmgespräch nach der Vorstellung. Dabei stand die Namensgeberin des Films von Anfang an im Fokus der beiden Filmemacher. Sie begleiteten acht Monate die Afghanin Nasim und ihre Familie im Geflüchtetenlager Moria.<br>Nasim hätte eigentlich gleich in der ersten Szene namentlich eingeführt werden müssen, als sie ihrem Sohn die Haare schneidet, und nicht erst, wenn ihr Name irgendwann fällt.<br>Dann hätte man auch einfach sagen können „Nasims älterer Sohn“ statt „der ältere Sohn der Frau“.</p>



<p>Ich konnte mir zwar ein ganz gutes Bild von dem Lager und den Menschen machen, aber formuliert war die AD doch ganz schön holprig und verschachtelt. Immer wieder hieß es „Ein anderer Tag“, das sollte sich eher aus der Beschreibung der anderen Bilder ergeben. Und hier ein paar etwas verunglückte Formulierungsbeispiele:<br>Eine ältere Frau, anscheinend die Großmutter, starrt in der Gegend herum, geht kommentarlos davon, er trägt Hose und freien Oberkörper…</p>



<p>Und leider konnte ich mich auch mit der Stimme des Sprechers und dem viel zu langsamen Sprechtempo nicht anfreunden.</p>



<p>Um so mehr gefiel mir die Sprecherin der AD von „The Balcony Movie“, die mir liebevoll die vielen Menschen vor Pawel Lozinskis Balkon beschrieb.<br>Ohne sein Wissen habe ich mich in die Filmidee des extrem sympathischen polnischen Filmemachers reingemogelt. Vor dem Balkon seiner Warschauer Wohnung habe ich natürlich nicht gestanden, hätte ich aber gerne!</p>



<p>Die deutschen Untertitel des im Original gezeigten Films, in dem vor allem polnisch gesprochen wurde, waren für das sehende Publikum auf die Leinwand projiziert. Ich bekam sie von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war wirklich sehr gut gemacht.<br>Aber auch hier habe ich eine Auswahl von nicht so eleganten Formulierungen:<br>Immer wieder hieß es überflüssigerweise „nächste Aufnahme“, „nächste Szene“ oder „als nächstes ein bewölkter Tag“.<br>Eine lebendige Sprache verbietet Wortwiederholungen wie zum Beispiel: „Sie schiebt einen Kinderwagen, in dem ein Kind sitzt, sie gibt dem Kind irgendwas…“<br>„Der dürre Mann, dem Pawel sein Hemd geschenkt hat“, die Erwähnung des „dürren Mannes“ hätte es auch getan.<br>„Der Weg bleibt leer, sie kommt nicht zurück“, ohne Kommentar.<br>Und viel zu umständlich „Allerdings ist die Kamera so eingestellt, daß nur die Beine zu sehen sind.“</p>



<p>Bei „A Sound of My Own“ über die Musikerin Marja Burchard, fehlte mir die klare Ansage „Das ist ein Schwarzweißfilm“!<br>Die junge Frau führt als Bandleaderin das Krautrock-Kollektiv „Embryo“ ihres verstorbenen Vaters fort. Ich kannte weder die Tochter noch den Vater oder das Kollektiv und bin vor Neid erblaßt, wie sich Marja an gefühlt zehn verschiedene Instrumente setzt, jedes beherrscht und jedem tolle Töne entlockt!</p>



<p>Ich denke, dieser Film mit experimentellen Elementen war die größte Herausforderung beim Texten der AD und der Sprecher brachte diese auch ganz gut in mein Ohr.<br>Aber auch hier einige Merkwürdigkeiten:<br>Ein weißhaariger Pianist am Flügel, sie wippt und hastet auf und ab, ihr Blick wandert aus dem Fenster, sie guckt zum Musiker neben ihr.<br>Sie schlägt mit ganzer Kraft auf das Schlagzeug, ganz bestimmt nicht! Vielleicht mit ausladenden Bewegungen.</p>



<p>Und jetzt ein Ende mit Schrecken bei<br>“Pa va heng” oder „The Dust of Modern Life“</p>



<p>Liem, die zentrale Figur, gehört der ethnischen Minderheit der Sedang an und ist in einer abgelegenen Region von Vietnam zu Hause. Der junge Familienvater ist Anfang 30 und die Stimme für sein Voice Over war mindestens doppelt so alt.<br>Für die AD hätte ich bei den vielen Männerstimmen unbedingt eine Sprecherin bevorzugt.<br>Aber viel schlimmer ist, daß bei den Beteiligten nur Wert auf die Beschreibung der Klamotten gelegt wurde, ihr Aussehen blieb mir genau wie das Dorf, in dem sie leben, im Dunkeln.<br>Und hier exemplarisch einige Formulierungs-Absurditäten:<br>„.. kommt aus einem kleinen Haus raus“, „Ein kleiner Junge lief an einer Hauswand vorbei und macht jetzt (weiß ich nicht mehr)“, in einer AD gibt es keine Vergangenheit! „Den Bündel legt er weg“, „Liem drescht weiter“, „Der Mann im T-Shirt am Qualmen“, „Jeder hat einen Poncho über sich“, „Er verkneift sich die Lippen und lächelt nicht mehr“, „Die Sonne knallt“<br>Und damit komme ich zum Schluß: Als die Männer zu ihrem Ausflug in den Dschungel aufbrechen, hat nur Liem einen Namen. Die anderen Männer sind dann ein anderer oder ein weiterer anderer.</p>



<p>So, jetzt ist es raus, ich mußte das, wenn auch ungern, einfach loswerden.<br>Was auch immer da schiefgelaufen ist, knappe Zeit kann nicht der einzige Grund sein.</p>



<p>Aber ich habe die ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genossen und schon die Bekanntschaft mit Pawel vor seinem Balkon!</p>



<p><strong>Do widzenia!</strong></p>
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