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	<title>DOK Leipzig &#8211; Blog Blindgaengerin</title>
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		<title>Beim DOK 2023 in Leipzig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Programm für das 66. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023 vom 08. bis 15. Oktober einfach zurechtschneiden? So könnte das diesjährige Motiv des DOK auf dem Festivalplakat gedeutet werden, vor dem wir beide, Mieke, meine wunderbare Begleiterin während der Festivaltage, und ich mit unseren Badges für ein Foto posieren. Auf rotem Grund prangt eine riesige Schere mit orangefarbenen Griffen und blitzenden, zum Drauflosschneiden geöffneten Klingen! Und was für ein schöner Zufall, die Farbtöne auf dem Plakat und der meines Pullis harmonieren perfekt, habe ich mir sagen lassen. Mieke und ich hatten also zur Schere gegriffen und uns von 225 Filmen aus rund 60 Ländern unser persönliches Programm herausgeschnitten. Aber bevor es heißt „Film ab!“ möchte ich mich herzlich beim DOK für die bereits fünfte Einladung zum Festival und der unter anderem damit verbundenen Presseakkreditierung für mich und meine Begleitung bedanken! Tiefe Töne von Tuben, kurz und etwas abgehackt, seien zu hören bei „The Tuba Thieves“ von Alison O’Daniel USA 2023, dachte ich irrtümlicherweise. Das kommt davon, wenn man sich vorher nicht informiert. Ansonsten hätte ich erfahren, daß dies keine Geschichte über verschwundene und wieder auftauchende Instrumente ist, sondern der Titel der Filmemacherin lediglich als Aufhänger für ihren Dokumentarfilm zu dem Thema Hören und Nicht-Hören diente. So stellte sich im Film also die Frage, was macht das Fehlen eines Klanges mit der Wahrnehmung von Musik? Und wie nehmen gehörlose Menschen Töne, Musik und Geräusche eigentlich wahr? Eine Frage, die mich brennend interessiert! Alison O’Daniel ist hörend und erzählt aus der Perspektive von Nichthörenden, die natürlich ganz oft zu Wort kommen. Es wurde fast ausschließlich in Gebärdensprache kommuniziert, die übersetzt und für das sehende Publikum als Untertitel auf der Leinwand eingeblendet war. Zu lesen war dort auch die Beschreibung der Töne, Musik und der Geräusche, also die sogenannten erweiterten Untertitel für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ich wiederum hätte eine Audiodeskription gebraucht, um neben der Bildbeschreibung auch diese Untertitel akustisch wahrnehmen zu können. So versank ich etwas verloren in meinem Kinosessel. Aber ganz zum Schluß meinte ich dann doch noch, ein ganz kurzes „Tröt“ einer Tuba gehört zu haben. Mieke neben mir war begeistert in die akustische Welt mit den vielen beeindruckenden Bildern eingetaucht! Die Tubadiebe waren beim diesjährigen Festival einer von 18 Filmen mit eingeblendeten erweiterten Untertiteln, das sind mehr geworden! Und wie jedes Jahr wurden ausgewählte Filmgespräche in deutsche Gebärdensprache übersetzt. Warum tauchen eigentlich immer wieder Überschriften auf mit dem Tenor: „Betroffenen eine Stimme geben“? „Betroffene haben alle eine Stimme, Menschen mit Gewalterfahrungen haben Stimmen, bloß werden sie nicht gehört!“, ein Zitat von Detlef Zander und er weiß, wovon er spricht. Seit den 50er Jahren bis weit über das Jahr 2000 hinaus wurden hunderte Kinder und Jugendliche in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde in der kleinen Gemeinde Korntal in der Nähe von Stuttgart mißbraucht. Zwangsarbeit, körperliche Züchtigung und sexualisierte Gewalt waren an der Tagesordnung. Detlef Zander als Betroffener machte im Jahr 2014 die Verbrechen erstmals öffentlich und engagiert sich seitdem mit anderen Opfern für die Aufarbeitung der Taten. Knapp zehn Jahre später läßt die Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Charakter in ihrem Dokumentarfilm vor allem „Die Kinder aus Korntal“ zu Wort kommen, die immer noch um Aufklärung und Wiedergutmachung kämpfen. Die Stimmen und die ergreifend schmerzhaften Beiträge einiger Frauen und Männer haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Für ihren Film wider das Vergessen wurden Julia Charakter und ihr Team mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet! Bei Johnny liegt die Sache anders. Ihm wird eine Stimme gegeben, weil er keine hat! In dem animierten Dokumentarfilm „Johnny &#38; Me“ gibt die Regisseurin Katrin Rothe ihrer Protagonistin Stefanie eine Schere zur Hand. Ruckzuck ist die Miniaturausgabe von John Heartfield aus einem Bogen Pappe ausgeschnitten, spricht und los geht die Zeitreise durch sein bewegtes Leben! Der im Jahr 1891 als Helmut Herzfeld in Berlin-Schmargendorf geborene Maler und Grafiker starb 1968 in Ost-Berlin. John Heartfield gilt als Erfinder der politischen Fotomontage und geriet als überzeugter Kommunist während und nach den beiden Weltkriegen immer wieder zwischen die Fronten. Es gibt also viel zu erzählen und mir gefiel die Idee dieser mal ganz anderen Zeitreise mit Stefanie und Johnny sehr! Diese beiden unbedingt empfehlenswerten Filme hatte Mieke ausgesucht. Mir wären sie ansonsten entgangen, und zwar aus folgendem Grund: Mein Fokus liegt auf den mit Audiodeskription (AD) bei der Greta App bereitgestellten Filmen, allerdings waren diese beiden nicht darunter. Vor allem bei Johnny wäre eine Filmbeschreibung sehr hilfreich gewesen. Die MAZ war schon in Arbeit, aber nicht rechtzeitig fertig. Und ganz allgemein nachgefragt, wie zugänglich und barrierefrei war das DOK 2023? Im Sinne des diesjährigen Motivs geantwortet, das Festival schnitt hervorragend ab! Hier ein Zitat von der Website: „Unser Ziel ist, daß Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, daß alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“ Erstmals gab es Beschreibungen von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, toll! Informiert wurde auch über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten. Neu war auch das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen. Meine nächste Haltestelle und zugleich Endstation in diesem Beitrag heißt: Das Filmangebot mit Audiodeskription bei der Greta App, sechs Lang- und drei Kurzfilme! Zum zweiten Mal stellte Paula Schumann, das Budget fest im Blick, ein möglichst umfangreiches und abwechslungsreiches Programm für das blinde und hörbeeinträchtigte Publikum zusammen und stimmte sich dabei mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Programmabteilung ab. Zu ihren Aufgaben gehört auch, dafür zu sorgen, daß die Audiodeskriptionen rechtzeitig zum Festival erstellt und bei der Greta App verfügbar sind. Als Mitglied des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber, weiß Paula genau, worauf sie dabei zu achten hat. Das macht sich bei der Qualität der Hörfilmfassungen enorm bemerkbar. Und diese schnitten auch dieses Jahr bis auf einen kleinen Ausrutscher sehr sehr gut ab! Und hier meine Filmauswahl: Beim Animationsfilm sind der Fantasie]]></description>
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<p>Eine Schere zur Hand nehmen und sich sein persönliches Programm für das</p>
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<p><strong>66. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023</strong></p>
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<p>vom 08. bis 15. Oktober einfach zurechtschneiden?</p>
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<p>So könnte das diesjährige Motiv des DOK auf dem Festivalplakat gedeutet werden, vor dem wir beide, Mieke, meine wunderbare Begleiterin während der Festivaltage, und ich mit unseren Badges für ein Foto posieren.</p>
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<p>Auf rotem Grund prangt eine riesige Schere mit orangefarbenen Griffen und blitzenden, zum Drauflosschneiden geöffneten Klingen! Und was für ein schöner Zufall, die Farbtöne auf dem Plakat und der meines Pullis harmonieren perfekt, habe ich mir sagen lassen.</p>
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<p>Mieke und ich hatten also zur Schere gegriffen und uns von 225 Filmen aus rund 60 Ländern unser persönliches Programm herausgeschnitten.</p>
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<p>Aber bevor es heißt „Film ab!“ möchte ich mich herzlich beim DOK für die bereits fünfte Einladung zum Festival und der unter anderem damit verbundenen Presseakkreditierung für mich und meine Begleitung bedanken!</p>
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<p>Tiefe Töne von Tuben, kurz und etwas abgehackt, seien zu hören bei</p>
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<p><strong>„The Tuba Thieves“ von Alison O’Daniel USA 2023</strong>,</p>
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<p>dachte ich irrtümlicherweise. Das kommt davon, wenn man sich vorher nicht informiert. Ansonsten hätte ich erfahren, daß dies keine Geschichte über verschwundene und wieder auftauchende Instrumente ist, sondern der Titel der Filmemacherin lediglich als Aufhänger für ihren Dokumentarfilm zu dem Thema Hören und Nicht-Hören diente. So stellte sich im Film also die Frage, was macht das Fehlen eines Klanges mit der Wahrnehmung von Musik? Und wie nehmen gehörlose Menschen Töne, Musik und Geräusche eigentlich wahr? Eine Frage, die mich brennend interessiert!</p>
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<p>Alison O’Daniel ist hörend und erzählt aus der Perspektive von Nichthörenden, die natürlich ganz oft zu Wort kommen. Es wurde fast ausschließlich in Gebärdensprache kommuniziert, die übersetzt und für das sehende Publikum als Untertitel auf der Leinwand eingeblendet war. Zu lesen war dort auch die Beschreibung der Töne, Musik und der Geräusche, also die sogenannten erweiterten Untertitel für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ich wiederum hätte eine Audiodeskription gebraucht, um neben der Bildbeschreibung auch diese Untertitel akustisch wahrnehmen zu können. So versank ich etwas verloren in meinem Kinosessel. Aber ganz zum Schluß meinte ich dann doch noch, ein ganz kurzes „Tröt“ einer Tuba gehört zu haben. Mieke neben mir war begeistert in die akustische Welt mit den vielen beeindruckenden Bildern eingetaucht!</p>
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<p>Die Tubadiebe waren beim diesjährigen Festival einer von 18 Filmen mit eingeblendeten erweiterten Untertiteln, das sind mehr geworden! Und wie jedes Jahr wurden ausgewählte Filmgespräche in deutsche Gebärdensprache übersetzt.</p>
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<p>Warum tauchen eigentlich immer wieder Überschriften auf mit dem Tenor: „Betroffenen eine Stimme geben“?</p>
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<p>„Betroffene haben alle eine Stimme, Menschen mit Gewalterfahrungen haben Stimmen, bloß werden sie nicht gehört!“, ein Zitat von Detlef Zander und er weiß, wovon er spricht.</p>
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<p>Seit den 50er Jahren bis weit über das Jahr 2000 hinaus wurden hunderte Kinder und Jugendliche in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde in der kleinen Gemeinde Korntal in der Nähe von Stuttgart mißbraucht. Zwangsarbeit, körperliche Züchtigung und sexualisierte Gewalt waren an der Tagesordnung.</p>
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<p>Detlef Zander als Betroffener machte im Jahr 2014 die Verbrechen erstmals öffentlich und engagiert sich seitdem mit anderen Opfern für die Aufarbeitung der Taten.</p>
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<p>Knapp zehn Jahre später läßt die Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Charakter in</p>
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<p>ihrem Dokumentarfilm vor allem</p>
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<p><strong>„Die Kinder aus Korntal“</strong></p>
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<p>zu Wort kommen, die immer noch um Aufklärung und Wiedergutmachung kämpfen. Die Stimmen und die ergreifend schmerzhaften Beiträge einiger Frauen und Männer haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Für ihren Film wider das Vergessen wurden Julia Charakter und ihr Team mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet!</p>
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<p>Bei Johnny liegt die Sache anders. Ihm wird eine Stimme gegeben, weil er keine hat!</p>
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<p>In dem animierten Dokumentarfilm</p>
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<p><strong>„Johnny &amp; Me“</strong></p>
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<p>gibt die Regisseurin Katrin Rothe ihrer Protagonistin Stefanie eine Schere zur Hand.</p>
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<p>Ruckzuck ist die Miniaturausgabe von John Heartfield aus einem Bogen Pappe ausgeschnitten, spricht und los geht die Zeitreise durch sein bewegtes Leben!</p>
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<p>Der im Jahr 1891 als Helmut Herzfeld in Berlin-Schmargendorf geborene Maler und Grafiker starb 1968 in Ost-Berlin. John Heartfield gilt als Erfinder der politischen Fotomontage und geriet als überzeugter Kommunist während und nach den beiden Weltkriegen immer wieder zwischen die Fronten. Es gibt also viel zu erzählen und mir gefiel die Idee dieser mal ganz anderen Zeitreise mit Stefanie und Johnny sehr!</p>
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<p>Diese beiden unbedingt empfehlenswerten Filme hatte Mieke ausgesucht. Mir wären sie ansonsten entgangen, und zwar aus folgendem Grund:</p>
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<p>Mein Fokus liegt auf den mit Audiodeskription (AD) bei der Greta App bereitgestellten Filmen, allerdings waren diese beiden nicht darunter. Vor allem bei Johnny wäre eine Filmbeschreibung sehr hilfreich gewesen. Die MAZ war schon in Arbeit, aber nicht rechtzeitig fertig.</p>
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<p><strong>Und ganz allgemein nachgefragt, wie zugänglich und barrierefrei war das DOK 2023?</strong></p>
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<p>Im Sinne des diesjährigen Motivs geantwortet, das Festival schnitt hervorragend ab!</p>
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<p>Hier ein Zitat von der Website: „Unser Ziel ist, daß Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam Filme schauen und diskutieren können. Deshalb arbeiten wir daran, daß alle Personen möglichst barrierefrei Zugang zum Festival haben.“</p>
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<p>Erstmals gab es Beschreibungen von vielen Fotos und Filmstills auf der Website, toll! Informiert wurde auch über Aufzüge, Rampen, Rollstuhlplätze, Behindertentoiletten usw. zu allen Kinos und Spielstätten. Neu war auch das Angebot eines Begleitdienstes mit der Diakonie Leipzig. Blinde, Sehbeeinträchtigte und Festivalbesucher im Rollstuhl konnten sich von zu Hause oder einer Haltestelle aus zum gewünschten Kino begleiten lassen.</p>
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<p>Meine nächste Haltestelle und zugleich Endstation in diesem Beitrag heißt:</p>
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<p>Das Filmangebot mit Audiodeskription bei der Greta App, sechs Lang- und drei Kurzfilme!</p>
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<p>Zum zweiten Mal stellte Paula Schumann, das Budget fest im Blick, ein möglichst umfangreiches und abwechslungsreiches Programm für das blinde und hörbeeinträchtigte Publikum zusammen und stimmte sich dabei mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Programmabteilung ab. Zu ihren Aufgaben gehört auch, dafür zu sorgen, daß die Audiodeskriptionen rechtzeitig zum Festival erstellt und bei der Greta App verfügbar sind. Als Mitglied des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber, weiß Paula genau, worauf sie dabei zu achten hat. Das macht sich bei der Qualität der Hörfilmfassungen enorm bemerkbar. Und diese schnitten auch dieses Jahr bis auf einen kleinen Ausrutscher sehr sehr gut ab!</p>
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<p><strong>Und hier meine Filmauswahl:</strong></p>
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<p>Beim Animationsfilm sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und drei ganz zauberhafte Beispiele dafür sind:</p>
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<p><strong>„Sultana‘s Dream“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>ist zugleich der Titel eines Buches, welches die Spanierin Inés bei einer ihrer Reisen durch Indien entdeckt und das sie in seinen Bann zieht. Wir begleiten sie während ihrer Suche nach dem dort beschriebenen Ladyland und tauchen mit ihr immer tiefer in die Fantasiewelt ein, dem utopischen Land der Frauen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Such Miracles Do Happen“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Für das Wunder, wie eine religiöse Statue lebendig wird, sich mit einem Mädchen ohne Knochen vereint, und mit anderen Figuren, die von ihren Altären herabgestiegen sind, das Dorf verläßt, gab es die goldene Taube „Bester internationaler kurzer Animationsfilm“!</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„It’s Just a Whole“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Zunächst ist es ein kleiner Leberfleck, den die Ärztin bei ihrer akribischen Untersuchung auf Mayas Oberschenkel entdeckt. Dann sitzt ein kleiner dunkler Punkt auf dem Apfel, in den Maya gerade beißen will. Auf der anderen Seite sind es dann zwei Punkte wie Augen, aus denen Tränen rinnen. In ihrem Traum ist der Fleck so groß wie sie selbst und die beiden liegen nebeneinander entspannt auf einer Wiese. Schließlich tritt der Fleck als Priester auf und hat sogar eine Stimme bekommen, unglaublich und mehr verrate ich nicht!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Die Vermittlung des jeweils speziellen visuellen Stils und der vielen fantastischen Bilder in den oft kurzen dialogfreien Stellen ist die große Herausforderung beim Animationsfilm, die in allen drei Filmen mit Bravour gelungen ist!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Bei den Dokumentarfilmen war mein klarer Favorit</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Kumva – Was aus der Stille kommt“</strong>!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>„Kumva“ heißt „lauschen“ und das taten alle im vollbesetzten Kinosaal mucksmäuschenstill. Wir lauschten den Müttern, die ihren jetzt 30-jährigen Töchtern und Söhnen von ihren grauenvollen Erlebnissen während des Völkermords an den Tutsi in Ruanda im Jahr 1994 erzählen. Erinnerungen haben die damals zwei- oder dreijährigen Kinder an diese schreckliche Zeit des Genozid nicht und erst jetzt finden die Mütter die Kraft, darüber zu sprechen. Und dabei lassen sie sich Zeit. Die Audiodeskription hält sich zumeist sensibel im Hintergrund, trotzdem bekam ich sehr anschaulich einen Eindruck vom Land und den Menschen vermittelt. Sehr gut gelungen fand ich das deutsche Voice Over der vielen Menschen, die in Sarah Mallégols Film in ihrer Landessprache zu Wort kommen.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>„Mit 84 ist noch lang noch nicht Schluß“, ist das Lebensmotto von</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Vika!“</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Sie ist quirlig, tanzt und performt in den abgefahrensten Outfits und legt als DJ in den angesagtesten Clubs in Warschau auf. Das Filmbeschreiber-Team bleibt Vika bei den noch so verrückten Choreographien dicht auf den Fersen, trifft dann aber auch in den nachdenklichen Momenten die passenden Worte zur Beschreibung ihrer Gefühlslage, wenn sie alleine nur mit ihrer Katze in der Wohnung sitzt, um den verstorbenen Mann trauert und über das etwas verkorkste Verhältnis zu ihren Söhnen sinniert.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Vor allem junge Menschen finden heute in der Lausitz zu ihren sorbischen Wurzeln zurück, wie zum Beispiel Anna in</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>„Bei uns heißt sie Hanka“</strong>!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Mir war es manchmal ein bißchen zuviel Tradition, Trachten und Religion. Aber der behutsame Umgang mit der Natur hat mich sehr beeindruckt. Geschwächelt hat allerdings die Audiodeskription. Mit der Stimme der Sprecherin, eher nicht professionell, konnte ich mich nicht anfreunden. Neben der AD sprach sie auch alle vom Sorbischen ins Deutsche übersetzten Untertitel. Das hatte manchmal etwas von einem Selbstgespräch. Bei „Kumva“ und „Vika“ wurden für das Voice Over zusätzlich mindestens eine weibliche und eine männliche Stimme eingesetzt, das ist für einen schönen Hörgenuß unverzichtbar! Gestolpert bin ich auch über Formulierungen wie „Nacht“, „üppiges Grün“, einfach so dahingesagt. Und was sind eigentlich saure Kartoffeln und woran erkennt man diese, wenn sie in einer Schüssel serviert werden?</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Die meisten beim DOK gezeigten Filme sind erst kurz vor Festivalbeginn fertiggestellt und werden größtenteils ohne barrierefreie Fassung angeliefert. Zwei Ausnahmen waren „Bei uns heißt sie Hanka“ und „The Gate“, den habe ich verpaßt. Die mitgelieferten Audiodeskriptionen wurden bei der Greta App bereitgestellt, aus Kostengründen eine sehr sinnvolle Entscheidung!</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Für die anderen sieben Filme hatte das DOK die Erstellung der Hörfilmfassung eigens für das Festival beauftragt. Schon deshalb und aus vielen weiteren Gründen können sich andere Festivals beim DOK eine riesige Scheibe abschneiden!</p>
<p></p>
<p></p>
<p><strong>Ich freue mich schon auf das nächste Mal in Leipzig und bin schon sehr auf das Motiv des DOK 2024 gespannt!</strong></p>
<p></p>								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Beim DOK 2022 in Leipzig</title>
		<link>https://www.blindgaengerin.com/beim-dok-2022-in-leipzig/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2022 11:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative "Barrierefrei feiern"]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Aperitif oder dezent dosiert in Cocktails, Soßen und Desserts, ist Wermut mit seiner leicht bitteren Note eine feine Sache. Das kann man von dem sprichwörtlichen Wermutstropfen allerdings nicht behaupten, der auch noch so schöne Augenblicke zu trüben vermag. Eigentlich wollte ich der Einladung des DOK folgen und wieder einmal die inzwischen liebgewonnene, ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genießen beim „Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2022“ Aber ein riesiger Wermutstropfen namens „Corona“ machte mir gnadenlos seinen Strich durch die Rechnung, das war bitter!Deshalb übergebe ich kurz das Wort an Felix Brückner von der befreundeten Initiative „Barrierefrei feiern“ und zitiere seinen Facebook-Post vom 21.10.2022:„Ihr Lieben, gestern war ich auf dem DOK Leipzig Festival, um mir einen Eindruck über die Barrierefreiheit zu verschaffen. Ich bin begeistert, die Programmauswahl ist sehr spannend und vielfältig und mit dem Rollstuhl ist man zwischen den beteiligten Kinos größtenteils problemlos unterwegs. Außerdem gibt es Filme mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln. Und für eine sensible Umgebung das Wichtigste, das Festival-Team ist sehr zuvorkommend und unterstützt, wo Bedarf ist. Klare Empfehlung für alle Kinofans aus dem Raum Leipzig.“ Wieder einmal blieb das Festival seinem großartigen Motto treu: „DOK Leipzig für alle“!Und das funktionierte glücklicherweise ganz wunderbar auch bei mir zu Hause! Über den DOK-Stream für Akkreditierte konnte ich auf das gesamte Programm mit 255 Filmen zugreifen. Die Qual der Filmauswahl blieb mir aber zum Glück erspart. Das Inklusions-Team des Festivals hatte ein kleines, aber feines Programm von zehn Filmtiteln aus den verschiedenen Wettbewerben geschnürt und für diese die Produktion einer barrierefreien Fassung beauftragt. Und auch bei Letzterem bewies das Team ein sehr glückliches Händchen.Trotz der knapp bemessenen Zeit arbeiteten an jeder Audiodeskription (AD) zwei sehende und eine blinde Person und fast alle Beteiligten sind Mitglieder des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber. Das ist von Hause aus ein sehr gutes Zeichen. Die in lebendiger Sprache wohlformulierten Texte der ADs fügten sich ohne Wortwiederholungen und ohne verschachtelte Sätze geschmeidig in die Dialogpausen ein.Je nachdem, ob im Film mehr männliche oder weibliche Stimmen zu hören waren, wurde für die AD ein Sprecher beziehungsweise eine Sprecherin ausgesucht. Alle fanden den richtigen Rhythmus mit nicht zu viel und nicht zu wenig Emotion in der Stimme. Etwas mehr Gefühl darf und muß es sogar sein, wenn über fremdsprachige Dialoge gesprochen wird. Das war bei den sechs Filmen mit ausschließlich englischen, französischen oder polnischen Dialogen der Fall. Ich bekam das sogenannte Voice Over von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen in mein Ohr, die alle den richtigen Ton entsprechend der Gefühlslage der Protagonistinnen und Protagonisten trafen. Auf den Punkt gebracht: Nicht der kleinste Wermutstropfen trübte meinen Filmgenuß.Das war im letzten Jahr anders, ich zitiere aus meinem Bericht:„Nur einen Wermutstropfen gibt es.Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK (2017/ 2019) waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang (2021) kann da leider nicht so recht mithalten.“ Und im Jahrgang 2022 gab es nicht einmal einen Ausrutscher! Jetzt aber Filme ab auf meinem Rechner mit angeschlossenen Boxen!Die bei der Greta App verfügbaren ADs, die ich mir auf mein Handy heruntergeladen hatte, hörte ich wie gewohnt über Kopfhörer. Das hat alles prima geklappt. Interessant und horizonterweiternd waren alle zehn und bei„The Mechanics of Fluids“von Gala Hernández López taten sich für mich ganz neue Abgründe der menschlichen Seele auf.Ich beschränke mich nun auf fünf Filme und verweise auf folgenden Link, unter dem alle zehn mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung aufgelistet sind:https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen In den ersten drei Filmen dreht sich alles um das Thema rund um die Familie.Die Regisseurin Faustine Cros hat in ihrem Dokumentarfilm„A Life Like Any Other“vor allem ihre Mutter Valérie im Blick. Gefilmt hat mein Vater auch. In den 60ern hin und wieder ohne Ton und mit etwas verwackelten Bildern, aber nur bei besonderen familiären Anlässen oder einmal meine Schwester und mich beim Skilaufen. Faustines Vater dagegen scheint jeden Augenblick mit der Familie, seiner Frau Valérie und den beiden Kindern mit der Kamera festhalten zu müssen, sehr professionell und natürlich mit Ton. Die ersten Videos stammen aus der Zeit vor der Geburt seiner Tochter. Die inzwischen 30-jährige Faustine sichtete das umfangreiche über ungefähr zwei Jahrzehnte zusammengekommene Filmmaterial für ihren sehr persönlichen Dokumentarfilm. Im Fokus hatte sie dabei vor allem ihre Mutter, wie sie sich über die Zeit veränderte und sich in ihre eigene düstere und unnahbare Welt zurückzog. Ich hatte den Eindruck, daß Faustines Vater diesen Prozeß hilflos und fast ein bißchen unbeteiligt durch seine Kameralinse beobachtete. Aber Faustine gelingt es, mit viel Fantasie und vielen Gesprächen ihre Mutter wenigstens ein bißchen aus ihrem Loch herauszuholen und ihren Vater aus der Reserve zu locken.Der zweifach ausgezeichnete Film, in dem ausschließlich französisch gesprochen wird, und an dem auch Faustines Bruder mitwirkte, ist ein wunderschönes Familienprojekt und mein Favorit!Und erwähnen muß ich unbedingt die Sprecherin, die mit ihrer jungen Stimme Faustine zum Verwechseln ähnlich klang, nur daß sie nicht Französisch, sondern Deutsch sprach! Mit der 38-jährigen Regisseurin Astrid Menzel geht es in„Blauer Himmel, weiße Wolken“auf eine zehntägige Kanufahrt über norddeutsche Gewässer. Das klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär. Aber sie hat nicht nur zur Unterstützung ihren Bruder, sondern die 86-jährige Großmutter mit an Bord. Meine Großmutter hätte mir einen Vogel gezeigt! Astrids Oma ist körperlich zwar noch recht fit, aber der Kopf spielt nicht mehr so recht mit. Sie wird immer vergeßlicher und verliert häufiger die Orientierung. Deshalb lebt sie seit kurzem in einem Heim, das scheint Astrid mindestens genauso zu belasten wie die Großmutter. Mit der Kanufahrt möchte die Enkelin die Oma noch einmal an Orte aus der Vergangenheit bringen. Bewundernswert, wie Astrid mit Engelsgeduld jeden Tag aufs Neue auf die alte Dame einredet und ihr erklärt, was sie eigentlich vorhaben und wo sie gerade sind.Aber bei einer Übernachtung eskaliert die Sache, die Oma wird so bockig und bösartig, daß Astrid die Aktion abbricht.Ein trauriger Film, der sehr ehrlich das Thema aufgreift, wenn die Eltern oder Großeltern einem irgendwie abhanden kommen zu scheinen. Marek Kozakiewicz erzählt sehr berührend in seinem Film„Silent Love“wie sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als Aperitif oder dezent dosiert in Cocktails, Soßen und Desserts, ist Wermut mit seiner leicht bitteren Note eine feine Sache. Das kann man von dem sprichwörtlichen Wermutstropfen allerdings nicht behaupten, der auch noch so schöne Augenblicke zu trüben vermag.</p>



<p>Eigentlich wollte ich der Einladung des DOK folgen und wieder einmal die inzwischen liebgewonnene, ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genießen beim</p>



<p><strong>„Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2022“</strong></p>



<p>Aber ein riesiger Wermutstropfen namens „Corona“ machte mir gnadenlos seinen Strich durch die Rechnung, das war bitter!<br>Deshalb übergebe ich kurz das Wort an Felix Brückner von der befreundeten <strong>Initiative „Barrierefrei feiern“</strong> und zitiere seinen Facebook-Post vom 21.10.2022:<br>„Ihr Lieben, gestern war ich auf dem DOK Leipzig Festival, um mir einen Eindruck über die Barrierefreiheit zu verschaffen. Ich bin begeistert, die Programmauswahl ist sehr spannend und vielfältig und mit dem Rollstuhl ist man zwischen den beteiligten Kinos größtenteils problemlos unterwegs. Außerdem gibt es Filme mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln. Und für eine sensible Umgebung das Wichtigste, das Festival-Team ist sehr zuvorkommend und unterstützt, wo Bedarf ist. Klare Empfehlung für alle Kinofans aus dem Raum Leipzig.“</p>



<p>Wieder einmal blieb das Festival seinem großartigen Motto treu: <strong>„DOK Leipzig für alle“</strong>!<br>Und das funktionierte glücklicherweise ganz wunderbar auch bei mir zu Hause!</p>



<p>Über den DOK-Stream für Akkreditierte konnte ich auf das gesamte Programm mit 255 Filmen zugreifen. Die Qual der Filmauswahl blieb mir aber zum Glück erspart. Das Inklusions-Team des Festivals hatte ein kleines, aber feines Programm von zehn Filmtiteln aus den verschiedenen Wettbewerben geschnürt und für diese die Produktion einer barrierefreien Fassung beauftragt. Und auch bei Letzterem bewies das Team ein sehr glückliches Händchen.<br>Trotz der knapp bemessenen Zeit arbeiteten an jeder Audiodeskription (AD) zwei sehende und eine blinde Person und fast alle Beteiligten sind Mitglieder des Hörfilm e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Filmbeschreiberinnen und Filmbeschreiber. Das ist von Hause aus ein sehr gutes Zeichen.</p>



<p>Die in lebendiger Sprache wohlformulierten Texte der ADs fügten sich ohne Wortwiederholungen und ohne verschachtelte Sätze geschmeidig in die Dialogpausen ein.<br>Je nachdem, ob im Film mehr männliche oder weibliche Stimmen zu hören waren, wurde für die AD ein Sprecher beziehungsweise eine Sprecherin ausgesucht. Alle fanden den richtigen Rhythmus mit nicht zu viel und nicht zu wenig Emotion in der Stimme.</p>



<p>Etwas mehr Gefühl darf und muß es sogar sein, wenn über fremdsprachige Dialoge gesprochen wird. Das war bei den sechs Filmen mit ausschließlich englischen, französischen oder polnischen Dialogen der Fall. Ich bekam das sogenannte Voice Over von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen in mein Ohr, die alle den richtigen Ton entsprechend der Gefühlslage der Protagonistinnen und Protagonisten trafen.</p>



<p>Auf den Punkt gebracht: Nicht der kleinste Wermutstropfen trübte meinen Filmgenuß.<br>Das war im letzten Jahr anders, ich zitiere aus meinem Bericht:<br>„Nur einen Wermutstropfen gibt es.<br>Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK (2017/ 2019) waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang (2021) kann da leider nicht so recht mithalten.“</p>



<p>Und im Jahrgang 2022 gab es nicht einmal einen Ausrutscher!</p>



<p>Jetzt aber Filme ab auf meinem Rechner mit angeschlossenen Boxen!<br>Die bei der Greta App verfügbaren ADs, die ich mir auf mein Handy heruntergeladen hatte, hörte ich wie gewohnt über Kopfhörer. Das hat alles prima geklappt.</p>



<p>Interessant und horizonterweiternd waren alle zehn und bei<br><strong>„The Mechanics of Fluids“</strong><br>von Gala Hernández López taten sich für mich ganz neue Abgründe der menschlichen Seele auf.<br>Ich beschränke mich nun auf fünf Filme und verweise auf folgenden Link, unter dem alle zehn mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung aufgelistet sind:<br><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen" target="_blank">https://www.dok-leipzig.de/filme-mit-audiodeskriptionen</a></p>



<p>In den ersten drei Filmen dreht sich alles um das Thema rund um die Familie.<br>Die Regisseurin Faustine Cros hat in ihrem Dokumentarfilm<br><strong>„A Life Like Any Other“</strong><br>vor allem ihre Mutter Valérie im Blick.</p>



<p>Gefilmt hat mein Vater auch. In den 60ern hin und wieder ohne Ton und mit etwas verwackelten Bildern, aber nur bei besonderen familiären Anlässen oder einmal meine Schwester und mich beim Skilaufen.</p>



<p>Faustines Vater dagegen scheint jeden Augenblick mit der Familie, seiner Frau Valérie und den beiden Kindern mit der Kamera festhalten zu müssen, sehr professionell und natürlich mit Ton. Die ersten Videos stammen aus der Zeit vor der Geburt seiner Tochter.</p>



<p>Die inzwischen 30-jährige Faustine sichtete das umfangreiche über ungefähr zwei Jahrzehnte zusammengekommene Filmmaterial für ihren sehr persönlichen Dokumentarfilm. Im Fokus hatte sie dabei vor allem ihre Mutter, wie sie sich über die Zeit veränderte und sich in ihre eigene düstere und unnahbare Welt zurückzog. Ich hatte den Eindruck, daß Faustines Vater diesen Prozeß hilflos und fast ein bißchen unbeteiligt durch seine Kameralinse beobachtete.</p>



<p>Aber Faustine gelingt es, mit viel Fantasie und vielen Gesprächen ihre Mutter wenigstens ein bißchen aus ihrem Loch herauszuholen und ihren Vater aus der Reserve zu locken.<br>Der zweifach ausgezeichnete Film, in dem ausschließlich französisch gesprochen wird, und an dem auch Faustines Bruder mitwirkte, ist ein wunderschönes Familienprojekt und mein Favorit!<br>Und erwähnen muß ich unbedingt die Sprecherin, die mit ihrer jungen Stimme Faustine zum Verwechseln ähnlich klang, nur daß sie nicht Französisch, sondern Deutsch sprach!</p>



<p>Mit der 38-jährigen Regisseurin Astrid Menzel geht es in<br><strong>„Blauer Himmel, weiße Wolken“</strong><br>auf eine zehntägige Kanufahrt über norddeutsche Gewässer.</p>



<p>Das klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär. Aber sie hat nicht nur zur Unterstützung ihren Bruder, sondern die 86-jährige Großmutter mit an Bord. Meine Großmutter hätte mir einen Vogel gezeigt!</p>



<p>Astrids Oma ist körperlich zwar noch recht fit, aber der Kopf spielt nicht mehr so recht mit. Sie wird immer vergeßlicher und verliert häufiger die Orientierung. Deshalb lebt sie seit kurzem in einem Heim, das scheint Astrid mindestens genauso zu belasten wie die Großmutter. Mit der Kanufahrt möchte die Enkelin die Oma noch einmal an Orte aus der Vergangenheit bringen.</p>



<p>Bewundernswert, wie Astrid mit Engelsgeduld jeden Tag aufs Neue auf die alte Dame einredet und ihr erklärt, was sie eigentlich vorhaben und wo sie gerade sind.<br>Aber bei einer Übernachtung eskaliert die Sache, die Oma wird so bockig und bösartig, daß Astrid die Aktion abbricht.<br>Ein trauriger Film, der sehr ehrlich das Thema aufgreift, wenn die Eltern oder Großeltern einem irgendwie abhanden kommen zu scheinen.</p>



<p>Marek Kozakiewicz erzählt sehr berührend in seinem Film<br><strong>„Silent Love“</strong><br>wie sich drei Menschen ganz ruhig und unaufgeregt im ländlichen Polen zu einer neuen Familie zusammentun.</p>



<p>Agnieszka lebt in einem kleinen polnischen Dorf und bemüht sich nach dem Tod der Mutter um die Vormundschaft für ihren 13-jährigen Bruder Milosz.<br>Das ist als alleinstehende junge Frau leichter gesagt als getan. Und wenn die Behörden dann auch noch von ihrer Beziehung zu Majka wüßten, die in Frankfurt am Main wohnt! Aber trotzdem, die beiden Frauen fassen einen mutigen Entschluß und beenden ihre Fernbeziehung.<br>Der Film wurde als herausragender osteuropäischer Dokumentarfilm ausgezeichnet und ich fand herausragend, wie der sehr junge Sprecher Milosz für das Voice Over seine deutsche Stimme lieh.</p>



<p>Und jetzt ein ganz anderes Thema, künstliche Intelligenz in<br><strong>„Uncanny Me &#8211; Mein fremdes Ich“</strong> von Katharina Pethke</p>



<p>Eine verlockende Vorstellung, sich einen Avatar seiner selbst zuzulegen, dem man alle unangenehmen Tätigkeiten aufbürden kann!</p>



<p>Genau das ist Lales Plan. Sie arbeitet als Model und hat keine Lust mehr auf die nervenaufreibenden Shootings und die viele wertvolle Zeit, die sie das Herumreisen von einem Termin zum anderen kostet. Aber unheimlich wird ihr die Sache während der Umsetzung des Plans dann doch. Ein hochinteressanter Film, der die KI von allen Seiten auch kritisch beleuchtet!</p>



<p>Da ich keine Avatar-Köchin möchte und auch keine habe und sehr gerne koche, mache ich jetzt den Rechner aus, gönne mir einen Wermut und halte es wie die Filmemacherin Yana Pan in ihrem toll gemachten Animationsfilm<br><strong>„Now I’m in the Kitchen“</strong></p>



<p>Und ich freue mich schon jetzt auf das nächste DOK Festival ohne Wermutstropfen, also wirklich in Leipzig! Und auf Filme mit gut gemachten Audiodeskriptionen!</p>
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		<title>Beim DOK Leipzig 2021</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 17:55:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Pawel Lozinski]]></category>
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					<description><![CDATA[„Hallo, ja Sie mit dem weißen Langstock, bleiben Sie bitte kurz stehen?Genau an dem Zaunpfosten. Da ist ein Mikrofon befestigt.Ich bin hier oben auf meinem Balkon und hätte eine Frage, wohin gehen Sie?“ Warum interessiert Sie das und wer sind Sie überhaupt? „Mein Name ist Pawel Lozinski. Ich mache einen Film, einen Balkon-Film über die Menschen, die hier vorbeilaufen.“ Was für eine tolle Idee! Nicht um die ganze Welt zu reisen, sondern die Leute ins Gespräch zu verwickeln, die einem direkt vor der eigenen Haustür vor die Kamera laufen.Also ich bin gerade auf den Weg ins Kino. „Ins Kino, habe ich das richtig gehört?“ Ja, ich weiß, niemand kann sich vorstellen, daß Blinde etwas davon haben, sich einen Film auf der großen Leinwand anzuschauen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen klappt das ganz prima und dafür gesorgt hat auch in diesem Jahr das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm „DOK Leipzig für alle“ lautet das großartige Motto!Es gibt 24 verfügbare Filme mit erweiterten Untertiteln auf der Leinwand, Filmvorführungen mit Induktionsschleife, Filmgespräche mit Gebärdendolmetschung und weitgehend stufenlos erreichbare Säle.Und ich habe die Wahl zwischen sieben Filmen, für die eine Audiodeskription produziert und bei der Greta App zum Download bereitgestellt wurde! „Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht, Sie müssen auf jeden Fall wieder vorbeikommen und erzählen. Und übrigens bin ich auch auf dem Festival und stelle meinen Film „The Balcony Movie“ vor.“ Ich weiß, der steht neben drei weiteren Lang- und zwei Kurzfilmen auch auf meiner Liste. „Da kommt gerade ein sympathisch lächelnder junger Mann auf Sie zu gelaufen, warten Sie auf jemanden?“ Das wird Nino sein. Er begleitet mich nicht zum ersten Mal während eines Filmfestivals in Leipzig. Wir sind ein super eingespieltes Team und müssen jetzt los. Bis später! „Hallo, wie schön, Sie wieder zu sehen! Hatten Sie eine gute Zeit beim DOK?“ Ja, eine sehr gute und spannende Zeit, die rasend schnell verging! Ich leg gleich mal los mit der Greta App, meiner im Kinosaal unverzichtbaren Begleiterin. Sie hat sich bei allen Vorstellungen blitzschnell mit dem Filmton von der Leinwand synchronisiert und mir die Audiodeskriptionen (AD) per Kopfhörer ins Ohr geflüstert, unter anderen von „Nasim“ von Ole Jacobs und Arne Büttner„The Balcony Movie“ von Pawel Lozinski„A Sound of My Own“ von Rebecca Zehr“Pa va heng“ von Franziska von Stenglin Die Teams der ersten drei Filme zählten zu denjenigen, die am Ende des Festivals mit einer Auszeichnung nach Hause gingen. Meinen Glückwunsch, und der geht auch an das Team beim DOK für das glückliche Händchen beim Auswählen der Filme, für die eine AD produziert wurde! Nur einen Wermutstropfen gibt es.Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang kann da leider nicht so recht mithalten. Hier ein paar Gründe aus meiner Sicht: Daß mit „die Frau mit Kopftuch“ oder nur „die Frau“ Nasim gemeint war, erschloß sich mir erst bei dem Filmgespräch nach der Vorstellung. Dabei stand die Namensgeberin des Films von Anfang an im Fokus der beiden Filmemacher. Sie begleiteten acht Monate die Afghanin Nasim und ihre Familie im Geflüchtetenlager Moria.Nasim hätte eigentlich gleich in der ersten Szene namentlich eingeführt werden müssen, als sie ihrem Sohn die Haare schneidet, und nicht erst, wenn ihr Name irgendwann fällt.Dann hätte man auch einfach sagen können „Nasims älterer Sohn“ statt „der ältere Sohn der Frau“. Ich konnte mir zwar ein ganz gutes Bild von dem Lager und den Menschen machen, aber formuliert war die AD doch ganz schön holprig und verschachtelt. Immer wieder hieß es „Ein anderer Tag“, das sollte sich eher aus der Beschreibung der anderen Bilder ergeben. Und hier ein paar etwas verunglückte Formulierungsbeispiele:Eine ältere Frau, anscheinend die Großmutter, starrt in der Gegend herum, geht kommentarlos davon, er trägt Hose und freien Oberkörper… Und leider konnte ich mich auch mit der Stimme des Sprechers und dem viel zu langsamen Sprechtempo nicht anfreunden. Um so mehr gefiel mir die Sprecherin der AD von „The Balcony Movie“, die mir liebevoll die vielen Menschen vor Pawel Lozinskis Balkon beschrieb.Ohne sein Wissen habe ich mich in die Filmidee des extrem sympathischen polnischen Filmemachers reingemogelt. Vor dem Balkon seiner Warschauer Wohnung habe ich natürlich nicht gestanden, hätte ich aber gerne! Die deutschen Untertitel des im Original gezeigten Films, in dem vor allem polnisch gesprochen wurde, waren für das sehende Publikum auf die Leinwand projiziert. Ich bekam sie von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war wirklich sehr gut gemacht.Aber auch hier habe ich eine Auswahl von nicht so eleganten Formulierungen:Immer wieder hieß es überflüssigerweise „nächste Aufnahme“, „nächste Szene“ oder „als nächstes ein bewölkter Tag“.Eine lebendige Sprache verbietet Wortwiederholungen wie zum Beispiel: „Sie schiebt einen Kinderwagen, in dem ein Kind sitzt, sie gibt dem Kind irgendwas…“„Der dürre Mann, dem Pawel sein Hemd geschenkt hat“, die Erwähnung des „dürren Mannes“ hätte es auch getan.„Der Weg bleibt leer, sie kommt nicht zurück“, ohne Kommentar.Und viel zu umständlich „Allerdings ist die Kamera so eingestellt, daß nur die Beine zu sehen sind.“ Bei „A Sound of My Own“ über die Musikerin Marja Burchard, fehlte mir die klare Ansage „Das ist ein Schwarzweißfilm“!Die junge Frau führt als Bandleaderin das Krautrock-Kollektiv „Embryo“ ihres verstorbenen Vaters fort. Ich kannte weder die Tochter noch den Vater oder das Kollektiv und bin vor Neid erblaßt, wie sich Marja an gefühlt zehn verschiedene Instrumente setzt, jedes beherrscht und jedem tolle Töne entlockt! Ich denke, dieser Film mit experimentellen Elementen war die größte Herausforderung beim Texten der AD und der Sprecher brachte diese auch ganz gut in mein Ohr.Aber auch hier einige Merkwürdigkeiten:Ein weißhaariger Pianist am Flügel, sie wippt und hastet auf und ab, ihr Blick wandert aus dem Fenster, sie guckt zum Musiker neben ihr.Sie schlägt mit ganzer Kraft auf das Schlagzeug, ganz bestimmt nicht! Vielleicht mit ausladenden Bewegungen. Und jetzt ein Ende mit Schrecken bei“Pa va heng” oder „The Dust of Modern Life“ Liem, die zentrale Figur, gehört der ethnischen Minderheit der Sedang an und]]></description>
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<p><em><strong>„Hallo, ja Sie mit dem weißen Langstock, bleiben Sie bitte kurz stehen?<br>Genau an dem Zaunpfosten. Da ist ein Mikrofon befestigt.<br>Ich bin hier oben auf meinem Balkon und hätte eine Frage, wohin gehen Sie?“</strong></em></p>



<p>Warum interessiert Sie das und wer sind Sie überhaupt?</p>



<p><strong><em>„Mein Name ist Pawel Lozinski. Ich mache einen Film, einen Balkon-Film über die Menschen, die hier vorbeilaufen.“</em></strong></p>



<p>Was für eine tolle Idee! Nicht um die ganze Welt zu reisen, sondern die Leute ins Gespräch zu verwickeln, die einem direkt vor der eigenen Haustür vor die Kamera laufen.<br>Also ich bin gerade auf den Weg ins Kino.</p>



<p><em><strong>„Ins Kino, habe ich das richtig gehört?“</strong></em></p>



<p>Ja, ich weiß, niemand kann sich vorstellen, daß Blinde etwas davon haben, sich einen Film auf der großen Leinwand anzuschauen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen klappt das ganz prima und dafür gesorgt hat auch in diesem Jahr das</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm</strong></h2>



<p><strong>„DOK Leipzig für alle“</strong> lautet das großartige Motto!<br>Es gibt 24 verfügbare Filme mit erweiterten Untertiteln auf der Leinwand, Filmvorführungen mit Induktionsschleife, Filmgespräche mit Gebärdendolmetschung und weitgehend stufenlos erreichbare Säle.<br>Und ich habe die Wahl zwischen sieben Filmen, für die eine Audiodeskription produziert und bei der Greta App zum Download bereitgestellt wurde!</p>



<p><strong><em>„Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht, Sie müssen auf jeden Fall wieder vorbeikommen und erzählen. Und übrigens bin ich auch auf dem Festival und stelle meinen Film „Th</em>e <em>Balcony Movie“ vor.“</em></strong></p>



<p>Ich weiß, der steht neben drei weiteren Lang- und zwei Kurzfilmen auch auf meiner Liste.</p>



<p><em><strong>„Da kommt gerade ein sympathisch lächelnder junger Mann auf Sie zu gelaufen, warten Sie auf jemanden?“</strong></em></p>



<p>Das wird Nino sein. Er begleitet mich nicht zum ersten Mal während eines Filmfestivals in Leipzig. Wir sind ein super eingespieltes Team und müssen jetzt los. Bis später!</p>



<p><em><strong>„Hallo, wie schön, Sie wieder zu sehen! Hatten Sie eine gute Zeit beim DOK?“</strong></em></p>



<p>Ja, eine sehr gute und spannende Zeit, die rasend schnell verging!</p>



<p>Ich leg gleich mal los mit der Greta App, meiner im Kinosaal unverzichtbaren Begleiterin. Sie hat sich bei allen Vorstellungen blitzschnell mit dem Filmton von der Leinwand synchronisiert und mir die Audiodeskriptionen (AD) per Kopfhörer ins Ohr geflüstert, unter anderen von</p>



<p><strong>„Nasim“</strong> von Ole Jacobs und Arne Büttner<br><strong>„The Balcony Movie“</strong> von Pawel Lozinski<br><strong>„A Sound of My Own“</strong> von Rebecca Zehr<br><strong>“Pa va heng“</strong> von Franziska von Stenglin</p>



<p>Die Teams der ersten drei Filme zählten zu denjenigen, die am Ende des Festivals mit einer Auszeichnung nach Hause gingen. Meinen Glückwunsch, und der geht auch an das Team beim DOK für das glückliche Händchen beim Auswählen der Filme, für die eine AD produziert wurde!</p>



<p>Nur einen Wermutstropfen gibt es.<br>Bei meinen beiden vorherigen Besuchen des DOK waren die Audiodeskriptionen durchweg gut bis sehr gut gemacht, bis auf jeweils einen Ausrutscher. Dieser Jahrgang kann da leider nicht so recht mithalten. Hier ein paar Gründe aus meiner Sicht:</p>



<p>Daß mit „die Frau mit Kopftuch“ oder nur „die Frau“ Nasim gemeint war, erschloß sich mir erst bei dem Filmgespräch nach der Vorstellung. Dabei stand die Namensgeberin des Films von Anfang an im Fokus der beiden Filmemacher. Sie begleiteten acht Monate die Afghanin Nasim und ihre Familie im Geflüchtetenlager Moria.<br>Nasim hätte eigentlich gleich in der ersten Szene namentlich eingeführt werden müssen, als sie ihrem Sohn die Haare schneidet, und nicht erst, wenn ihr Name irgendwann fällt.<br>Dann hätte man auch einfach sagen können „Nasims älterer Sohn“ statt „der ältere Sohn der Frau“.</p>



<p>Ich konnte mir zwar ein ganz gutes Bild von dem Lager und den Menschen machen, aber formuliert war die AD doch ganz schön holprig und verschachtelt. Immer wieder hieß es „Ein anderer Tag“, das sollte sich eher aus der Beschreibung der anderen Bilder ergeben. Und hier ein paar etwas verunglückte Formulierungsbeispiele:<br>Eine ältere Frau, anscheinend die Großmutter, starrt in der Gegend herum, geht kommentarlos davon, er trägt Hose und freien Oberkörper…</p>



<p>Und leider konnte ich mich auch mit der Stimme des Sprechers und dem viel zu langsamen Sprechtempo nicht anfreunden.</p>



<p>Um so mehr gefiel mir die Sprecherin der AD von „The Balcony Movie“, die mir liebevoll die vielen Menschen vor Pawel Lozinskis Balkon beschrieb.<br>Ohne sein Wissen habe ich mich in die Filmidee des extrem sympathischen polnischen Filmemachers reingemogelt. Vor dem Balkon seiner Warschauer Wohnung habe ich natürlich nicht gestanden, hätte ich aber gerne!</p>



<p>Die deutschen Untertitel des im Original gezeigten Films, in dem vor allem polnisch gesprochen wurde, waren für das sehende Publikum auf die Leinwand projiziert. Ich bekam sie von einem tollen Aufgebot von Sprecherinnen und Sprechern in allen Altersgruppen als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war wirklich sehr gut gemacht.<br>Aber auch hier habe ich eine Auswahl von nicht so eleganten Formulierungen:<br>Immer wieder hieß es überflüssigerweise „nächste Aufnahme“, „nächste Szene“ oder „als nächstes ein bewölkter Tag“.<br>Eine lebendige Sprache verbietet Wortwiederholungen wie zum Beispiel: „Sie schiebt einen Kinderwagen, in dem ein Kind sitzt, sie gibt dem Kind irgendwas…“<br>„Der dürre Mann, dem Pawel sein Hemd geschenkt hat“, die Erwähnung des „dürren Mannes“ hätte es auch getan.<br>„Der Weg bleibt leer, sie kommt nicht zurück“, ohne Kommentar.<br>Und viel zu umständlich „Allerdings ist die Kamera so eingestellt, daß nur die Beine zu sehen sind.“</p>



<p>Bei „A Sound of My Own“ über die Musikerin Marja Burchard, fehlte mir die klare Ansage „Das ist ein Schwarzweißfilm“!<br>Die junge Frau führt als Bandleaderin das Krautrock-Kollektiv „Embryo“ ihres verstorbenen Vaters fort. Ich kannte weder die Tochter noch den Vater oder das Kollektiv und bin vor Neid erblaßt, wie sich Marja an gefühlt zehn verschiedene Instrumente setzt, jedes beherrscht und jedem tolle Töne entlockt!</p>



<p>Ich denke, dieser Film mit experimentellen Elementen war die größte Herausforderung beim Texten der AD und der Sprecher brachte diese auch ganz gut in mein Ohr.<br>Aber auch hier einige Merkwürdigkeiten:<br>Ein weißhaariger Pianist am Flügel, sie wippt und hastet auf und ab, ihr Blick wandert aus dem Fenster, sie guckt zum Musiker neben ihr.<br>Sie schlägt mit ganzer Kraft auf das Schlagzeug, ganz bestimmt nicht! Vielleicht mit ausladenden Bewegungen.</p>



<p>Und jetzt ein Ende mit Schrecken bei<br>“Pa va heng” oder „The Dust of Modern Life“</p>



<p>Liem, die zentrale Figur, gehört der ethnischen Minderheit der Sedang an und ist in einer abgelegenen Region von Vietnam zu Hause. Der junge Familienvater ist Anfang 30 und die Stimme für sein Voice Over war mindestens doppelt so alt.<br>Für die AD hätte ich bei den vielen Männerstimmen unbedingt eine Sprecherin bevorzugt.<br>Aber viel schlimmer ist, daß bei den Beteiligten nur Wert auf die Beschreibung der Klamotten gelegt wurde, ihr Aussehen blieb mir genau wie das Dorf, in dem sie leben, im Dunkeln.<br>Und hier exemplarisch einige Formulierungs-Absurditäten:<br>„.. kommt aus einem kleinen Haus raus“, „Ein kleiner Junge lief an einer Hauswand vorbei und macht jetzt (weiß ich nicht mehr)“, in einer AD gibt es keine Vergangenheit! „Den Bündel legt er weg“, „Liem drescht weiter“, „Der Mann im T-Shirt am Qualmen“, „Jeder hat einen Poncho über sich“, „Er verkneift sich die Lippen und lächelt nicht mehr“, „Die Sonne knallt“<br>Und damit komme ich zum Schluß: Als die Männer zu ihrem Ausflug in den Dschungel aufbrechen, hat nur Liem einen Namen. Die anderen Männer sind dann ein anderer oder ein weiterer anderer.</p>



<p>So, jetzt ist es raus, ich mußte das, wenn auch ungern, einfach loswerden.<br>Was auch immer da schiefgelaufen ist, knappe Zeit kann nicht der einzige Grund sein.</p>



<p>Aber ich habe die ganz besondere Festival-Atmosphäre in vollen Zügen genossen und schon die Bekanntschaft mit Pawel vor seinem Balkon!</p>



<p><strong>Do widzenia!</strong></p>
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		<title>Beim DOK Leipzig 2019</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Dec 2019 10:29:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich war noch niemals im Knast! Aber gerade bestand die Möglichkeit beim 62. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm! Wie vor zwei Jahren schrieb sich das Festival die wunderbar inklusive, schnörkellose Devise ganz groß auf die Fahne „Wir wollen, daß möglichst viele Menschen DOK Leipzig besuchen können.“ und setzte damit für andere Filmfestspiele nach wie vor wegweisende Maßstäbe! In diesem Jahr enthielt das barrierefrei geschnürte Paket 40 Filme mit deutschen und deskriptiven Untertiteln. Diese wurden bei den Vorstellungen für alle lesbar auf die Leinwand projiziert.Für 17 Filme standen teils eigens für das Festival produzierte Hörfilmfassungen bei der Greta App zum Download bereit. Davon landeten zehn in meinem persönlichen Päckchen, beziehungsweise auf meinem Smartphone. Ein Ohrenschmaus, aber auch ein ganz schön sportliches Programm für knapp drei Tage, zu dem mich das Festival-Team eingeladen hatte.Dafür ein ganz großes Dankeschön! Mit meiner Presseakkreditierung konnte ich mich theoretisch so frei und uneingeschränkt wie ein Fisch im Wasser durch alle Filmvorstellungen, Veranstaltungen und auch Partys bewegen. Und praktisch funktionierte das deshalb ganz prima, weil Franziska von morgens bis abends an meiner Seite war. Organisiert hat mir diese liebe Begleitung Susanne Jahn, zuständig für die Inklusion beim DOK. Nur aus dem Knast mußte ich, beziehungsweise mein Handy, wegen Sicherheitsbedenken draußen bleiben.Das hätte ich dort aber unbedingt gebraucht, um mir „Robolove“ und vorher den Kurzfilm „Warum Schnecken keine Beine haben“ mit Audiodeskription über die Greta App beim DOK im Knast in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen anschauen zu können.Seit einigen Jahren bewertet eine Gefangenen-Jury ausgewählte Filme und vergibt dann den sogenannten „Gedanken-Aufschluß-Preis“. Und der ging in diesem Jahr an „Robolove“ von Maria Arlamovsky.Ich wäre schon sehr gerne dabei gewesen, wenn der Knast zum Kinosaal wird, und mit den jungen Leuten nach dem gemeinsamen Schauen der Filme ins Gespräch gekommen.Und warum haben nun Schnecken keine Beine? Nach wie vor keine Ahnung! Das großartige an Dokumentarfilmen ist, daß Fragen beantwortet werden, auf die man wie bei den Schnecken erst einmal kommen muß. Hier noch ein paar solcher Fragen und Antworten: Wie ergeht es Frauen in einem abgelegenen armenischen Bergdorf, wo die Männer neun Monate im Jahr am Stück im weit entfernten Russland zum Geldverdienen sind?Nach Tamara Stepanyans berührendem und sensiblem Film „Village of Women“ mit einer gelungenen Audiodeskription kann ich mir das ganz gut vorstellen.Und ganz wichtig, die in Armenisch geführten Gespräche und Interviews bekam ich wie die Audiodeskription ins Deutsche als Voice Over über die Greta App in mein Ohr.So konnte ich mir ein Bild von den charismatischen Frauen, den Kindern, gelegentlich auch von einem Mann und der wunderschönen, rauen Landschaft machen. Die Hörfilmbeschreibung harmonierte sehr schön mit dem Rhythmus des Lebens im Dorf, wo die Uhren sehr langsam ticken! Nächste Frage: Was sind „Space Dogs“? Laika, eine Moskauer Straßenhündin zum Beispiel!Sie wurde 1957 als erstes Lebewesen gezielt ins Weltall katapultiert und verstarb gleich nach dem Start der Kapsel. Nach einer Legende, die sich bis heute hält, soll sie als Geist auf die Erde zurückgekehrt sein und seitdem durch die Straßen Moskaus ziehen.So auch Schwarzschnauze und Hinkebein, die mal gemeinsam als Team, mal als Rivalen oder solo durch die russische Metropole stromern. Was sie dabei alles erleben, halten Elsa Kremser und Levin Peter mit der Kamera fest. Zwischendurch gibt es Archivaufnahmen aus der Sowjetzeit von Laborversuchen, wie Hunde auf Weltraumflüge vorbereitet wurden.Das war schon thematisch nicht unbedingt mein Film.Und dann ließ auch noch die Audiodeskription sehr zu wünschen übrig!Menschliche Dialoge waren die Ausnahme. Meistens hörte ich von den Hunden verursachte Geräusche oder die typische Geräuschkulisse einer Großstadt. Es wäre also viel Zeit für die Beschreibung der Hunde, ihrer Mimik und Gestik und der Umgebung gewesen. Das geschah aber extrem spärlich mit minutenlangem Schweigen zwischendurch. Viel zu oft bemerkte ich Gefühlsregungen im Publikum, die ich mir nicht erklären konnte, ein ganz schlechtes Zeichen!Und dann wurden Geräusche beschrieben, auf die ich gefühlt Minuten warten mußte, das ist kein gutes Timing! Diese Audiodeskription war ein Ausrutscher, die Qualität aller anderen war gut bis sehr gut, möchte ich an dieser Stelle betonen! Frage Nummer 3: Wie ticken „Russlands Millenniumskinder“? Ganz verschieden und ganz anders, als ich vermutet hätte! Die sieben inzwischen volljährigen jungen Leute, mit denen Irene Langemann sprach, haben eins gemeinsam, sie sind alle am 31.12.1999 an verschiedenen Orten in Russland geboren.Und genauso lange ist Putin an der Macht. Das hat ihnen weniger geschadet, als man meinen könnte. Es war mir eine Freude, die sieben Persönlichkeiten näher kennengelernt zu haben!Die deutschen Untertitel, die für das sehende Publikum im Kinosaal auf die Leinwand projiziert waren, bekam ich von Sprecherinnen und Sprechern als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war eine Menge, weil die jungen Leute sehr viel zu erzählen hatten. Ich konnte dem aber sehr gut folgen. Zunächst hörte ich immer ganz kurz die Stimmen der Millenniumskinder und dann das deutsche Voice Over.Das war hervorragend getimed und gemischt! Vierte Frage: Was machen Fußballspieler nach ihrer Profikarriere? Wie verschieden die Wege sein können, zeigen Christoph Hübner und Gabriele Voss sehr kurzweilig in „Nachspiel“! Zu Wort kommen die drei einstigen Hoffnungsträger der Profimannschaft Borussia Dortmund Florian Kringe, Heiko Hesse und Mohammed Abdulai.Ich habe den drei jungen Männern sehr gerne zugehört und war überrascht, als der Film nach der 8. Nachspielfilmminute plötzlich zu Ende war. Die Audiodeskription war sehr gut gemacht! Das fand auch einer der drei Studenten der Uni Leipzig, die mich in den Film begleitet hatten, und der die Greta App während der Vorstellung ausprobierte.Sie drehten während des DOK einen Beitrag für ihr Seminar „Magazinproduktion“ zum Thema Barrierefreiheit und Kino und ich war eine ihrer Protagonistinnen. Ich bin sehr auf das Ergebnis gespannt!Und dann hieß es für mich nach einem Selfie mit den drei sympathischen jungen Leuten Abpfiff! Ich freue mich schon aufs Wiederkommen im nächsten Jahr zum DOK nach Leipzig, ob mit oder ohne Knast! Nachtrag: Hier der Vollständigkeit halber noch die sechs aus Zeitgründen leider unkommentierten Filmtitel von meiner Liste! „In the Name of Scheherazade oder der erste Biergarten in Teheran“ von Narges Kalhor gewann total verdient den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts! „Waldstück“ von Hannes Schilling „It Takes]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Ich war noch niemals im Knast!</h4>



<p>Aber gerade bestand die Möglichkeit beim</p>



<h4 class="wp-block-heading">62. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm!</h4>



<p>Wie vor zwei Jahren schrieb sich das Festival die wunderbar inklusive, schnörkellose Devise ganz groß auf die Fahne</p>



<p><strong>„Wir wollen, daß möglichst viele Menschen DOK Leipzig besuchen können.“</strong></p>



<p>und setzte damit für andere Filmfestspiele nach wie vor wegweisende Maßstäbe!</p>



<p>In diesem Jahr enthielt das barrierefrei geschnürte Paket 40 Filme mit deutschen und deskriptiven Untertiteln. Diese wurden bei den Vorstellungen für alle lesbar auf die Leinwand projiziert.<br>Für 17 Filme standen teils eigens für das Festival produzierte Hörfilmfassungen bei der Greta App zum Download bereit. Davon landeten zehn in meinem persönlichen Päckchen, beziehungsweise auf meinem Smartphone. Ein Ohrenschmaus, aber auch ein ganz schön sportliches Programm für knapp drei Tage, zu dem mich das Festival-Team eingeladen hatte.<br>Dafür ein ganz großes Dankeschön!</p>



<p>Mit meiner Presseakkreditierung konnte ich mich theoretisch so frei und uneingeschränkt wie ein Fisch im Wasser durch alle Filmvorstellungen, Veranstaltungen und auch Partys bewegen. Und praktisch funktionierte das deshalb ganz prima, weil Franziska von morgens bis abends an meiner Seite war. Organisiert hat mir diese liebe Begleitung Susanne Jahn, zuständig für die Inklusion beim DOK.</p>



<p>Nur aus dem Knast mußte ich, beziehungsweise mein Handy, wegen Sicherheitsbedenken draußen bleiben.<br>Das hätte ich dort aber unbedingt gebraucht, um mir „Robolove“ und vorher den Kurzfilm „Warum Schnecken keine Beine haben“ mit Audiodeskription über die Greta App beim</p>



<h4 class="wp-block-heading">DOK im Knast</h4>



<p>in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen anschauen zu können.<br>Seit einigen Jahren bewertet eine Gefangenen-Jury ausgewählte Filme und vergibt dann den sogenannten „Gedanken-Aufschluß-Preis“. Und der ging in diesem Jahr an „Robolove“ von Maria Arlamovsky.<br>Ich wäre schon sehr gerne dabei gewesen, wenn der Knast zum Kinosaal wird, und mit den jungen Leuten nach dem gemeinsamen Schauen der Filme ins Gespräch gekommen.<br>Und warum haben nun Schnecken keine Beine? Nach wie vor keine Ahnung!</p>



<p>Das großartige an Dokumentarfilmen ist, daß Fragen beantwortet werden, auf die man wie bei den Schnecken erst einmal kommen muß. Hier noch ein paar solcher Fragen und Antworten:</p>



<p>Wie ergeht es Frauen in einem abgelegenen armenischen Bergdorf, wo die Männer neun Monate im Jahr am Stück im weit entfernten Russland zum Geldverdienen sind?<br>Nach Tamara Stepanyans berührendem und sensiblem Film</p>



<p><strong>„Village of Women“</strong></p>



<p>mit einer gelungenen Audiodeskription kann ich mir das ganz gut vorstellen.<br>Und ganz wichtig, die in Armenisch geführten Gespräche und Interviews bekam ich wie die Audiodeskription ins Deutsche als Voice Over über die Greta App in mein Ohr.<br>So konnte ich mir ein Bild von den charismatischen Frauen, den Kindern, gelegentlich auch von einem Mann und der wunderschönen, rauen Landschaft machen. Die Hörfilmbeschreibung harmonierte sehr schön mit dem Rhythmus des Lebens im Dorf, wo die Uhren sehr langsam ticken!</p>



<p>Nächste Frage: Was sind <strong>„Space Dogs“</strong>?</p>



<p>Laika, eine Moskauer Straßenhündin zum Beispiel!<br>Sie wurde 1957 als erstes Lebewesen gezielt ins Weltall katapultiert und verstarb gleich nach dem Start der Kapsel. Nach einer Legende, die sich bis heute hält, soll sie als Geist auf die Erde zurückgekehrt sein und seitdem durch die Straßen Moskaus ziehen.<br>So auch Schwarzschnauze und Hinkebein, die mal gemeinsam als Team, mal als Rivalen oder solo durch die russische Metropole stromern. Was sie dabei alles erleben, halten Elsa Kremser und Levin Peter mit der Kamera fest. Zwischendurch gibt es Archivaufnahmen aus der Sowjetzeit von Laborversuchen, wie Hunde auf Weltraumflüge vorbereitet wurden.<br>Das war schon thematisch nicht unbedingt mein Film.<br>Und dann ließ auch noch die Audiodeskription sehr zu wünschen übrig!<br>Menschliche Dialoge waren die Ausnahme. Meistens hörte ich von den Hunden verursachte Geräusche oder die typische Geräuschkulisse einer Großstadt. Es wäre also viel Zeit für die Beschreibung der Hunde, ihrer Mimik und Gestik und der Umgebung gewesen. Das geschah aber extrem spärlich mit minutenlangem Schweigen zwischendurch. Viel zu oft bemerkte ich Gefühlsregungen im Publikum, die ich mir nicht erklären konnte, ein ganz schlechtes Zeichen!<br>Und dann wurden Geräusche beschrieben, auf die ich gefühlt Minuten warten mußte, das ist kein gutes Timing!</p>



<p>Diese Audiodeskription war ein Ausrutscher, die Qualität aller anderen war gut bis sehr gut, möchte ich an dieser Stelle betonen!</p>



<p>Frage Nummer 3: Wie ticken <strong>„Russlands Millenniumskinder“</strong>?</p>



<p>Ganz verschieden und ganz anders, als ich vermutet hätte!</p>



<p>Die sieben inzwischen volljährigen jungen Leute, mit denen Irene Langemann sprach, haben eins gemeinsam, sie sind alle am 31.12.1999 an verschiedenen Orten in Russland geboren.<br>Und genauso lange ist Putin an der Macht.</p>



<p>Das hat ihnen weniger geschadet, als man meinen könnte. Es war mir eine Freude, die sieben Persönlichkeiten näher kennengelernt zu haben!<br>Die deutschen Untertitel, die für das sehende Publikum im Kinosaal auf die Leinwand projiziert waren, bekam ich von Sprecherinnen und Sprechern als Voice Over über die Greta App in mein Ohr. Das war eine Menge, weil die jungen Leute sehr viel zu erzählen hatten. Ich konnte dem aber sehr gut folgen. Zunächst hörte ich immer ganz kurz die Stimmen der Millenniumskinder und dann das deutsche Voice Over.<br>Das war hervorragend getimed und gemischt!</p>



<p>Vierte Frage: Was machen Fußballspieler nach ihrer Profikarriere?</p>



<p>Wie verschieden die Wege sein können, zeigen Christoph Hübner und Gabriele Voss sehr kurzweilig in</p>



<p><strong>„Nachspiel“</strong>!</p>



<p>Zu Wort kommen die drei einstigen Hoffnungsträger der Profimannschaft Borussia Dortmund Florian Kringe, Heiko Hesse und Mohammed Abdulai.<br>Ich habe den drei jungen Männern sehr gerne zugehört und war überrascht, als der Film nach der 8. Nachspielfilmminute plötzlich zu Ende war.</p>



<p>Die Audiodeskription war sehr gut gemacht! Das fand auch einer der drei Studenten der Uni Leipzig, die mich in den Film begleitet hatten, und der die Greta App während der Vorstellung ausprobierte.<br>Sie drehten während des DOK einen Beitrag für ihr Seminar „Magazinproduktion“ zum Thema Barrierefreiheit und Kino und ich war eine ihrer Protagonistinnen. Ich bin sehr auf das Ergebnis gespannt!<br>Und dann hieß es für mich nach einem Selfie mit den drei sympathischen jungen Leuten Abpfiff!</p>



<p>Ich freue mich schon aufs Wiederkommen im nächsten Jahr zum DOK nach Leipzig, ob mit oder ohne Knast!</p>



<p>Nachtrag: Hier der Vollständigkeit halber noch die sechs aus Zeitgründen leider unkommentierten Filmtitel von meiner Liste!</p>



<p><strong>„In the Name of Scheherazade oder der erste Biergarten in Teheran“</strong> von Narges Kalhor gewann total verdient den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts!</p>



<p><strong>„Waldstück“</strong> von Hannes Schilling</p>



<p><strong>„It Takes a Family“</strong> von Susanne Kovács</p>



<p><strong>„Nuit“</strong> von Ann Holmgren</p>



<p><strong>„The Wind. A Documentary Thriller</strong>“</p>



<p><strong>„When the Silence Comes“</strong> von Huan Liang-Hsin</p>
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		<title>Ganz Ohr beim DOK Leipzig&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Nov 2017 20:39:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hier und da unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[DOK Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8230;war ich vor kurzem drei aufregende Tage lang beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, kurz dem DOK Leipzig! So spontan wie begeistert hatte ich die Einladung angenommen, mir die mit Audiodeskription angebotenen Filme des Festivals anzuschauen und darüber zu schreiben. Doch dann ging es mir wie dem braunen Hund, dem einzigen Protagonisten des DOK Leipzig-Trailers 2017: Ich mußte mich kräftig schütteln, genau gesagt, etwas abschütteln! Der Vierbeiner schüttelt sich Wassertropfen aus seinem nassen Fell. Bei mir waren es langsam aufkommende Bedenken, wie ich drei Tage und Nächte auf mich allein gestellt in Leipzig klarkommen sollte. Im nachhinein völlig unbegründete Bedenken! Nach dem erfolgreichen Geschüttel heben sich die Pfoten des Hundes vom Boden ab, er setzt zum Laufen an und bellt. Ich habe mich, bestens vorbereitet, aber ohne zu bellen, auf den Weg nach Leipzig gemacht. „Wir wollen, daß möglichst viele Menschen DOK Leipzig besuchen können.“ Diese wunderbar inklusive, schnörkellose Devise hat sich das Festival ganz groß auf die Fahne geschrieben und setzt damit für andere Filmfestspiele wegweisende Maßstäbe.  Und in diesem Jahr setzt das DOK Leipzig noch einen drauf! Denn während sich die barrierefreien Angebote bisher schon an Besucher mit Mobilitäts- oder Hörbeeinträchtigungen richteten, kamen nun zum ersten Mal auch Leute wie ich, die Kinoblindgänger, voll auf ihre Kosten! Für 13 Kurz- und Langfilme wurden extra für das Festival Audiodeskriptionen produziert. Die Mammutaufgabe, unter 340 Filmen aus 53 Ländern ein möglichst vielfältiges Spektrum abzudecken, wurde, wie ich finde, mit Bravour gelöst! Auf der App Greta bereitgestellt, ließen sich die Audiodeskriptionen zu den Filmen auf das Smartphone herunterladen und im entsprechenden Kinosaal per Kopfhörer diskret abspielen. Die Kinobesucher mit Hörbeeinträchtigungen hatten die Wahl unter zehn Filmen mit erweiterten Untertiteln. Damit kamen auf den Apps Greta und Starks 23 barrierefreie Angebote zu den Filmen zusammen. Wer kein eigenes Smartphone hatte, konnte sich unkompliziert ein bereits präpariertes Gerät ausleihen. Und was bestimmt alle Besucher des DOK bestätigen werden: Die Serviceleute vor und in den Sälen waren durchweg sehr freundlich, aufmerksam und hilfsbereit! Zu Beginn jeder der vielen hundert Kinovorführungen bellte der Dog des DOK Leipzig- Trailers 2017 auf der Leinwand und im Netz bellt er sogar barrierefrei. Einen Festivaltrailer mit Audiodeskription hat es bis jetzt noch nicht gegeben, einfach phänomenal! Und hier ist der Link zum Nachhören und -sehen: DOK Leipzig Trailer 2017 Gefördert wurden diese barrierefreien Maßnahmen durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und mit hierfür vorgesehenen Landesmitteln. Mein Festivalprogramm, vorgeschlagen und liebevoll zusammengestellt vom DOK Pressebüro! In drei Tagen nicht um die ganze Welt, aber in 13 Filmen und drei Veranstaltungen viele fremde Welten zu entdecken und kennenzulernen, das war sportlich! Aber mit Julia, einer Kunststudentin aus Leipzig, an meiner Seite, mußte ich nichts auslassen und bin auch nicht verhungert. Wir waren auf Anhieb ein super eingespieltes Team! Zu verdanken hatte ich die extrem sympathische Begleitung Gerald Schuster, zuständig für Programmassistenz und Inklusion beim DOK. Foto: DOK Leipzig/ Susann Jehnichen Und jetzt Film ab mit „Sog“, einem zehnminütigen Animationsfilm! Wer oder was schreit hier eigentlich so schrecklich von der Leinwand? Die folgende Antwort bekam ich prompt über meinen Kopfhörer auf die Ohren: Es seien nach einer Flut in Bäumen gestrandete Fische, die nach Luft schnappen. Denn gleich die ersten Schreie dieser armen Kreaturen aktivierten die App Greta zum Abspielen der Audiodeskription. Diese war zum Verständnis des absolut dialogfreien Kurzfilms unverzichtbar und hat wunderbar funktioniert. Mir wurde genauestens das plötzliche Auftauchen schlecht gelaunter zotteliger Bewohner einer benachbarten Höhle beschrieben und wie die sich dann anbahnende Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf nimmt. Bei dem Dokumentarfilm „Sandmädchen“, der mich sehr berührte, fehlt es nicht an Gesprächen. Das Besondere ist die Art und Weise, in der sie geführt werden. Denn Veronika Raila kann hören, aber nicht sprechen. Die junge Frau, eine Autistin, ist von Geburt an körperlich schwer behindert und zu schwach, die Tastatur eines Computers alleine zu bedienen. Von der Hand ihrer Mutter gestützt, schreibt und veröffentlicht sie Prosa und Lyrik. Die im Film vorgetragenen Auszüge ihrer Texte haben mich umgehauen! Nur dank der Audiodeskription, die mit sehr viel Feingefühl eingesprochen war, hat sich für mich die Tür zu Veronikas Welt, in der es sehr behutsam und ruhig zugeht, einen Spalt breit geöffnet. Kontrastreicher als mit dem Animationsclip „Scratchy“ hätte es nicht weitergehen können, nämlich drei Minuten lang laut und chaotisch! Mein Hirn war ganz schön gefordert, aus den vielen präzisen und knackigen Infos der Hörfilmbeschreibung vor meinem geistigen Auge Bilder entstehen zu lassen. Aber es hat geklappt und ich konnte mich über mein Ergebnis mit anderen Kinobesuchern austauschen. Julia war von der schillernden Figur des Filmemachers so fasziniert, daß ich eine spontane Live-Audiodeskription vom Outfit des um die 70-jährigen Herrn bekam. Zu Ende ging der erste Abend krachend laut mit „Wildes Herz“, einem Film über die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ aus Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus steht vor allem der Frontmann und Sänger Jan „Monchi“ Gorkow. Hier waren das Sortieren der vielen gleichzeitig agierenden Beteiligten und die zahlreichen schnellen Ortswechsel eine Herausforderung an die Hörfilmbeschreiber. Die Informationen mußten dann oft knappgehalten und in die sehr lauten Musikeinlagen plaziert werden, ohne diese zu zerpflücken. Das ist gelungen! Es gab aber auch ruhige Momente, wenn z.B. alte Fotoalben und Familienvideos herausgeholt wurden und auch ich mir diese dank der Beschreibung mit anschauen konnte. Resümee des ersten Tages: Ohne die durchweg sehr gut gemachten Audiodeskriptionen hätte ich mir die Animationsfilme schenken können und bei den Dokumentarfilmen wäre mir mehr als die Hälfte verborgen geblieben. Das gilt auch für alle neun noch ausstehenden Filme, von denen ich mir jetzt nur noch drei herauspicke. In diesen drei Dokumentationen wird nicht ein deutsches Wort, sondern arabisch, hebräisch oder spanisch gesprochen. Die Audiodeskription muß also nicht nur die Bilder vermitteln, sondern zusätzlich mit jeweils mindestens zwei Sprechern die deutschen Untertitel über die Originalstimmen vorlesen. Die saudi-arabische Dichterin Hissa Hilal ist “The Poetess”, eine bewundernswert starke und mutige Frau. Sie erzählt, wie ihr Gedicht gegen die blinde Wut der religiösen Fanatiker, das sie im Fernsehen bei einem Dichterwettstreit vorträgt, ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat. Hier]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;war ich vor kurzem drei aufregende Tage lang beim</p>
<p><strong>60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm</strong>,<br />
kurz dem <span style="color: #ff0000;"><strong>DOK Leipzig</strong></span>!</p>
<p>So spontan wie begeistert hatte ich die Einladung angenommen, mir die mit Audiodeskription angebotenen Filme des Festivals anzuschauen und darüber zu schreiben.</p>
<p>Doch dann ging es mir wie dem braunen Hund, dem einzigen Protagonisten des DOK Leipzig-Trailers 2017: Ich mußte mich kräftig schütteln, genau gesagt, etwas abschütteln!<br />
Der Vierbeiner schüttelt sich Wassertropfen aus seinem nassen Fell. Bei mir waren es langsam aufkommende Bedenken, wie ich drei Tage und Nächte auf mich allein gestellt in Leipzig klarkommen sollte. Im nachhinein völlig unbegründete Bedenken!</p>
<p>Nach dem erfolgreichen Geschüttel heben sich die Pfoten des Hundes vom Boden ab, er setzt zum Laufen an und bellt.<br />
Ich habe mich, bestens vorbereitet, aber ohne zu bellen, auf den Weg nach Leipzig gemacht.</p>
<p><strong>„Wir wollen, daß möglichst viele Menschen DOK Leipzig besuchen können.“</strong></p>
<p>Diese wunderbar inklusive, schnörkellose Devise hat sich das Festival ganz groß auf die Fahne geschrieben und setzt damit für andere Filmfestspiele wegweisende Maßstäbe.  Und in diesem Jahr setzt das DOK Leipzig noch einen drauf!</p>
<p>Denn während sich die barrierefreien Angebote bisher schon an Besucher mit Mobilitäts- oder Hörbeeinträchtigungen richteten, kamen nun zum ersten Mal auch Leute wie ich, die Kinoblindgänger, voll auf ihre Kosten!</p>
<p>Für 13 Kurz- und Langfilme wurden extra für das Festival Audiodeskriptionen produziert.<br />
Die Mammutaufgabe, unter 340 Filmen aus 53 Ländern ein möglichst vielfältiges Spektrum abzudecken, wurde, wie ich finde, mit Bravour gelöst!<br />
Auf der App Greta bereitgestellt, ließen sich die Audiodeskriptionen zu den Filmen auf das Smartphone herunterladen und im entsprechenden Kinosaal per Kopfhörer diskret abspielen.</p>
<p>Die Kinobesucher mit Hörbeeinträchtigungen hatten die Wahl unter zehn Filmen mit erweiterten Untertiteln. Damit kamen auf den Apps Greta und Starks 23 barrierefreie Angebote zu den Filmen zusammen.<br />
Wer kein eigenes Smartphone hatte, konnte sich unkompliziert ein bereits präpariertes Gerät ausleihen.</p>
<p>Und was bestimmt alle Besucher des DOK bestätigen werden: Die Serviceleute vor und in den Sälen waren durchweg sehr freundlich, aufmerksam und hilfsbereit!</p>
<p>Zu Beginn jeder der vielen hundert Kinovorführungen bellte der Dog des DOK Leipzig- Trailers 2017 auf der Leinwand und im Netz bellt er sogar barrierefrei. Einen Festivaltrailer mit Audiodeskription hat es bis jetzt noch nicht gegeben, einfach phänomenal!</p>
<p>Und hier ist der Link zum Nachhören und -sehen:</p>
<p><a href="https://vimeo.com/239858006" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DOK Leipzig Trailer 2017</a></p>
<p>Gefördert wurden diese barrierefreien Maßnahmen durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und mit hierfür vorgesehenen Landesmitteln.</p>
<p><strong>Mein Festivalprogramm, vorgeschlagen und liebevoll zusammengestellt vom DOK Pressebüro!</strong></p>
<p>In drei Tagen nicht um die ganze Welt, aber in 13 Filmen und drei Veranstaltungen viele fremde Welten zu entdecken und kennenzulernen, das war sportlich!<br />
Aber mit Julia, einer Kunststudentin aus Leipzig, an meiner Seite, mußte ich nichts auslassen und bin auch nicht verhungert. Wir waren auf Anhieb ein super eingespieltes Team!<br />
Zu verdanken hatte ich die extrem sympathische Begleitung Gerald Schuster, zuständig für Programmassistenz und Inklusion beim DOK.</p>
<p><a href="http://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-1154 aligncenter" src="http://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2-300x200.jpg" alt="Julia und die Blindgängerin vor einer Glaswand mit dem Logo des DOK Leipzig" width="300" height="200" srcset="https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2-300x200.jpg 300w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2-768x513.jpg 768w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2-1024x684.jpg 1024w, https://www.blindgaengerin.com/wp-content/uploads/2017/11/DOK-Festivalimpressionen_Foto-Susann-Jehnichen_web_2.jpg 2000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Foto: DOK Leipzig/ Susann Jehnichen</em></p>
<p>Und jetzt Film ab mit <strong>„Sog“</strong>, einem zehnminütigen Animationsfilm!</p>
<p>Wer oder was schreit hier eigentlich so schrecklich von der Leinwand?<br />
Die folgende Antwort bekam ich prompt über meinen Kopfhörer auf die Ohren:<br />
Es seien nach einer Flut in Bäumen gestrandete Fische, die nach Luft schnappen.<br />
Denn gleich die ersten Schreie dieser armen Kreaturen aktivierten die App Greta zum Abspielen der Audiodeskription. Diese war zum Verständnis des absolut dialogfreien Kurzfilms unverzichtbar und hat wunderbar funktioniert.<br />
Mir wurde genauestens das plötzliche Auftauchen schlecht gelaunter zotteliger Bewohner einer benachbarten Höhle beschrieben und wie die sich dann anbahnende Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf nimmt.</p>
<p>Bei dem Dokumentarfilm <strong>„Sandmädchen“</strong>, der mich sehr berührte, fehlt es nicht an Gesprächen. Das Besondere ist die Art und Weise, in der sie geführt werden.<br />
Denn Veronika Raila kann hören, aber nicht sprechen. Die junge Frau, eine Autistin, ist von Geburt an körperlich schwer behindert und zu schwach, die Tastatur eines Computers alleine zu bedienen.<br />
Von der Hand ihrer Mutter gestützt, schreibt und veröffentlicht sie Prosa und Lyrik. Die im Film vorgetragenen Auszüge ihrer Texte haben mich umgehauen!<br />
Nur dank der Audiodeskription, die mit sehr viel Feingefühl eingesprochen war, hat sich für mich die Tür zu Veronikas Welt, in der es sehr behutsam und ruhig zugeht, einen Spalt breit geöffnet.</p>
<p>Kontrastreicher als mit dem Animationsclip <strong>„Scratchy“</strong> hätte es nicht weitergehen können, nämlich drei Minuten lang laut und chaotisch!<br />
Mein Hirn war ganz schön gefordert, aus den vielen präzisen und knackigen Infos der Hörfilmbeschreibung vor meinem geistigen Auge Bilder entstehen zu lassen. Aber es hat geklappt und ich konnte mich über mein Ergebnis mit anderen Kinobesuchern austauschen.<br />
Julia war von der schillernden Figur des Filmemachers so fasziniert, daß ich eine spontane Live-Audiodeskription vom Outfit des um die 70-jährigen Herrn bekam.</p>
<p>Zu Ende ging der erste Abend krachend laut mit <strong>„Wildes Herz“</strong>, einem Film über die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ aus Mecklenburg-Vorpommern.<br />
Im Fokus steht vor allem der Frontmann und Sänger Jan „Monchi“ Gorkow.<br />
Hier waren das Sortieren der vielen gleichzeitig agierenden Beteiligten und die zahlreichen schnellen Ortswechsel eine Herausforderung an die Hörfilmbeschreiber. Die Informationen mußten dann oft knappgehalten und in die sehr lauten Musikeinlagen plaziert werden, ohne diese zu zerpflücken. Das ist gelungen!<br />
Es gab aber auch ruhige Momente, wenn z.B. alte Fotoalben und Familienvideos herausgeholt wurden und auch ich mir diese dank der Beschreibung mit anschauen konnte.</p>
<p><strong>Resümee des ersten Tages:</strong><br />
Ohne die durchweg sehr gut gemachten Audiodeskriptionen hätte ich mir die Animationsfilme schenken können und bei den Dokumentarfilmen wäre mir mehr als die Hälfte verborgen geblieben.</p>
<p>Das gilt auch für alle neun noch ausstehenden Filme, von denen ich mir jetzt nur noch drei herauspicke.</p>
<p>In diesen drei Dokumentationen wird nicht ein deutsches Wort, sondern arabisch, hebräisch oder spanisch gesprochen.<br />
Die Audiodeskription muß also nicht nur die Bilder vermitteln, sondern zusätzlich mit jeweils mindestens zwei Sprechern die deutschen Untertitel über die Originalstimmen vorlesen.</p>
<p>Die saudi-arabische Dichterin Hissa Hilal ist <strong>“The Poetess”</strong>, eine bewundernswert starke und mutige Frau. Sie erzählt, wie ihr Gedicht gegen die blinde Wut der religiösen Fanatiker, das sie im Fernsehen bei einem Dichterwettstreit vorträgt, ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat.<br />
Hier hat mich besonders die Sprecherin beeindruckt, die u.a. für Hissa spricht, und wie sie bei einer Szene mühelos gefühlt hundert arabische Namen hintereinander vorliest.</p>
<p>Für den Bullen nimmt es in <strong>“When the Bull Cried“</strong> kein gutes Ende.<br />
Mit einem blutigen Ritual, dessen Hergang ich detaillierter beschrieben bekam, als mir lieb war, versuchen die Bergarbeiter eines Dorfes in den bolivianischen Anden den bösen Gott des Berges zu besänftigen. Mir wurden aber auch wunderschöne Bilder von dem schroffen, gigantischen, 4.000 Meter hohen Felsgebirge vermittelt und immer wieder das ganz besondere Blau des Himmels und das Spiel der Wolken beschrieben.<br />
Die Schönheit dieser Natur täuscht aber nicht über das harte und eintönige Leben der Bergleute und ihrer Familien hinweg, dem die Jugend zu entfliehen versucht.<br />
Irritiert war ich hier allerdings von dem Sprecher, der die letzten Worte jedes Satzes aushauchte, als ob er mit den Menschen mitlitt.</p>
<p>Bei <strong>„Muhi &#8211; Generally Temporary“</strong>, meinem Favoriten, war neben dem sechsjährigen Jungen Muhi aus dem Gazastreifen der kleine Junge mein Held, der Muhi seine deutsche Stimme lieh. Das war so herzerfrischend natürlich, wie es wahrscheinlich nur Kinder können.<br />
Mehr möchte ich zu dem Gewinner der „Goldenen Taube“ im Deutschen Wettbewerb Langfilm nicht sagen, den muß man sich, wie die anderen Filme natürlich auch, unbedingt anschauen!</p>
<p>In diesem Sinne komme ich jetzt mit dem folgenden Fazit zum Schluß:</p>
<p><strong>Das <span style="color: #ff0000;">DOK Leipzig</span> war ein FEST für meine Ohren!</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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