Ein eiskaltes Händchen

Es ist ein ziemlich kräftiges und in Begrüßungspose erstarrtes Händchen geworden!
Wie dafür gemacht, um das meinige ganz vorsichtig hineinzulegen.
Fühlt sich ganz schön eisig an. Eine wohlig warme weiche Hand mit einem Menschen daran wäre mir zwar lieber, aber daraus wird wohl so schnell nichts. Stattdessen

wäscht eine Hand die andere

mit viel Seife, Warmwasser und so oft wie möglich!

Schnellstmöglich nach dem unvermeidbaren Anfassen von Handläufen, Haltestangen in Bussen oder Griffen von Einkaufswagen die Hände zu waschen, war mir schon immer ein dringendes Bedürfnis. Nach dem Händeschütteln hatte ich das so nicht!

Wie geht eigentlich eine Begrüßung per Handschlag ohne Blickkontakt?
Ganz einfach, beherzt die Hand ausstrecken und darauf warten, bis das Gegenüber sie ergreift! Das hat eigentlich immer sehr gut funktioniert.

Zusammen mit dem Händedruck und der Stimme konnte ich mir schon einmal ein erstes Bild von meinem Gegenüber machen. Und diese Möglichkeit der Berührung und Nähe fehlt mir zur Zeit sehr!
Jetzt steht man sich im gebührenden Abstand gegenüber und raunt sich durch die Maske ein „Guten Tag“ oder „Hallo“ zu, vielleicht verbunden mit einem freundlichen Kopfnicken, das mir natürlich entgeht.

Ich fühle mich dann meistens ein bißchen verloren.
Aber da muß ich durch, an der strikten Einhaltung der AHA-Regeln führt kein Weg vorbei.

Wehmütig denke ich an die Begegnung mit der Filmemacherin Waad al-Kateab Anfang März 2020 zurück. Ich durfte die beeindruckende junge Frau aus Aleppo vor der Premierenvorstellung ihres Dokumentarfilms „For Sama“ kurz treffen. An den herzlichen, energischen Händedruck mit ihrer für mich überraschend kleinen Hand und ihre sanfte Stimme werde ich mich immer erinnern!

Und wie geht es jetzt mit meinem eiskalten Händchen weiter?
Jedenfalls nicht zurück in den Gefrierschrank, wo es hergekommen ist. Es hat ein schönes Plätzchen vor einem Baumstumpf bekommen und wird sich witterungsbedingt allmählich einfach auflösen.

Schade eigentlich, ein drittes Händchen könnte ich des öfteren ganz gut gebrauchen!
Eines, das mobil ist, hören und auf Zuruf Gefälligkeiten erledigen könnte.
Gibt’s nicht?
Gibt’s doch, aber leider nur im Film bei der Addams Family!

Dieser schräge durchgeknallte Clan hat einen Mitbewohner, eine abgetrennte Hand namens „eiskaltes Händchen“. Es jagt auf den Fingerspitzen tippelnd durchs Haus und macht sich auch andernorts nützlich. Zum Beispiel holt es die Zeitung oder kommt mit einem Brief über den Frühstückstisch gelaufen. Es kann aber auch ein Auto steuern und dabei das Autoradio einstellen.

Die Geschichte dieser schrecklich schrecklichen Familie, mit der ich bei der Arbeit an der Audiodeskription für den Kinofilm

„Die Addams Family“

aus dem Jahr 2019 erstmals in Kontakt kam, reicht weit ins letzte Jahrhundert zurück.
Das eiskalte Händchen hat es mir besonders angetan und ich freue mich auf ein Wiedersehen bei der Fortsetzung, so der Plan, im Oktober 2021 im Kino mit

„Die Addams Family 2“!

Und jetzt hätte ich gerne ein Händchen, das mir ein Getränk bringt und das Abendessen serviert. Das Getränk darf eiskalt sein, Händchen und Abendessen müssen das nicht.

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