Mein Herz tanzt

Vor einigen Jahren brachte die Berliner Band Mia mit „Mein Herz tanzt“ in dem Song „Tanz der Moleküle“ die Herzen ihrer Fangemeinde zum Tanzen. Seit 14 Tagen spielt sich die Hauptfigur des gleichnamigen Filmes, Eyad, auf der Leinwand in die Herzen der Kinobesucher, und so auch in meines.

Unter den ca. 8 Millionen Einwohnern Israels leben ungefähr 1,5 Millionen israelische Staatsbürger arabischer und palästinensischer Herkunft, also Menschen, die keine Juden sind, und deren ethnische und kulturelle Identität oder Sprache arabisch ist.
Araber mit israelischen Bürgerrechten werden wahlweise als israelische Palästinenser oder arabische Israelis bezeichnet, wobei der letzte Begriff von der offiziellen Seite bevorzugt gebraucht wird.
Der israelische Regisseur Eran Riklis gibt mit seinen Filmfiguren der arabischen Minderheit ein Gesicht und erzählt aus dem Leben des jungen Palästinensers Eyad, von 1982 bis Anfang der 90er Jahre.

Eyads Familie lebt in einer von Arabern bewohnten Kleinstadt, so wie es sie in Galiläa, der östlichen Landesebene Israels, und dem nördlichen Teil des Negev gibt.
Nur wenige Araber leben in den Städten Jerusalem, Haifa oder Akko.

Eyad wächst behütet und von seinen Eltern traditionell erzogen mit seinem Bruder auf. Ein besonders inniges Verhältnis hat er zu seiner Großmutter.
Er ist ein aufgewecktes pfiffiges Kerlchen und bekommt das erste Mal in der Schule Repressalien zu spüren.
Vom Lehrer nach dem Beruf seines Vaters gefragt, antwortet Eyad: „Mein Vater ist Terrorist!“ Eindeutig die falsche Antwort. Mit Schlägen auf die Finger will der Lehrer die richtige Antwort, der Vater sei ein Tagelöhner, erzwingen. Aber Eyad bleibt mit tränenerstickter Stimme standhaft.
Zum Stolz seiner Eltern schafft er den Absprung auf die Eliteschule Jerusalems schlechthin und tauscht jetzt als Teenager das traditionell ausgerichtete Familienleben in einer arabischen Kleinstadt gegen das freie Campusleben des modernen Israel ein.
Rockmusik, Bars und Tanzen gehen muß er so nach und nach für sich entdecken. Dabei wird er von seinen ausnahmslos jüdischen Mitschülern teils ironisch, teils verächtlich, wegen seiner Unbedarftheit und als arabischer Sonderling aufgezogen.
Auch im Unterricht hat er keinen leichten Stand. Als sich die politische Lage zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten um 1990 wieder bedrohlich anzuspannen beginnt, wird er auch von der Lehrerschaft fast ein bißchen dafür mitverantwortlich gemacht.

Nur mit seinem jüdischen, an Multipler Sklerose erkrankten Mitschüler Yonatan verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Die beiden sehen sich zum Verwechseln ähnlich, und nur weil Eyad sich als Yonatan ausgibt, kann er ein Bankkonto eröffnen und einen Aushilfsjob als Kellner annehmen. Er wird nicht nur dieses eine Mal in Yonatans Identität schlüpfen.

Auch die Liebe ist kompliziert. Seine jüdische Freundin, die ihn wirklich zu lieben scheint, traut sich nicht zu einem Coming-out, in dem Sinne, sich öffentlich zu ihrer Liebe zu einem Palästinenser zu bekennen.
Zwischendurch muß sich Eyad, wenn er zu seiner Familie fährt, neugierigen Fragen über sein Leben in Jerusalem stellen. Diese Besuche werden immer häufiger von Raketenangriffen aus dem Gazastreifen gestört.
Schon fast schizophren mutet es an, wenn seine Großmutter die Raketen anfeuert, diese mögen doch beispielsweise das israelische Regierungsviertel treffen, als ob man unter Feinden lebt.
Auch dem eigentlich verhaßten Saddam Hussein werden die Daumen gedrückt, als die Amerikaner im 2. Golfkrieg 1991 mit ihrer Offensive „Desert Storm“ versuchen, ihm den Garaus zu machen.
Der Großmutter mußte Eyad einst versprechen, dafür zu sorgen, daß sie in ein geweihtes Tuch gehüllt beerdigt werde. Da er jedoch zu spät zu ihrer Beerdigung kommt, findet das Tuch schließlich eine ganz andere Verwendung.

Im Kino haben sich mir einmal wieder einige Szenen nicht erschlossen und einiges konnte ich mir ergoogeln. Mit der Autorin der Hörfilmbeschreibung habe ich dann noch einmal den Film Revue passieren lassen und mußte enorme Verständnislücken feststellen, die ich erst in diesem Gespräch schließen konnte. Ein kleiner Trost ist, daß ich mir mit der DVD den Film mit der Hörfilmbeschreibung in meinem Ohr noch einmal zu Gemüte führen kann. Das mache ich auch, aber Kino ist halt doch viel besser!

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