Coup

„Moin!“

Geht immer als Begrüßung im Norden. Nur die Kaffeetasse in Rüdis Hand läßt auf den frühen Morgen schließen. Ansonsten wäre es garantiert eine Bierflasche oder ein Kurzer.
Nicht nur einmal düst er nach einer feuchtfröhlich durchfeierten Nacht direkt vom Schuppen des Motorradclubs in den Klamotten vom Vortag – Anzug, Kragen, Lederschlips – per Motorrad zur Arbeit in die Bank. Während seine Kumpels im Clubraum verteilt noch weiter ihren Rausch ausschlafen, ist sein Verstand schon hellwach. Deshalb gelingt ihm auch der grandiose

„Coup“,

seinen Arbeitgeber, eine Bank im Norden Hamburgs, diskret und zunächst unbemerkt um satte 2,5 Millionen DM zu erleichtern.

Neugierig geworden, wie er das geschafft hat?
Ganz banal eigentlich: Lochen statt Schnippeln!
Aber das ist nur der erste Schritt. Die bis ins kleinste Detail aufgedröselte Auflösung gibt’s jetzt im Film von Sven O. Hill mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln über die Greta App im Kino.

Marie – Kinoblindgängers mit Spenden- und Sponsorengeldern produzierte barrierefreie Filmfassungen – hatte ihre Hand auch mit im Spiel, natürlich ohne lange Finger gemacht zu haben. Eigentlich wird Marie nur bei internationalen Arthouse-Filmen aktiv, aber von „Coup“ war sie so begeistert… Sie mußte auch nicht so tief wie gewohnt in die Tasche greifen. Die Kosten teilte sie sich mit Salto Film.

Aber wer hat sich diese unglaubliche Geschichte eigentlich ausgedacht?
Kein Schriftsteller oder Drehbuchautor, sondern einer vom Fach!
Ein Bankangestellter Anfang 20 war’s und die Geschichte spielte sich tatsächlich genauso im Jahr 1988 im Norden Hamburgs, in Luxemburg, im Frankfurter Bankenviertel und in Sydney ab.

Wurde dem heute Mitte 50-jährigen seine Geschichte jetzt geklaut?
Nein! Im Gegenteil, er war sofort damit einverstanden, daß Sven O. Hill die bei vielen Treffen gefilmten Original-Interviews für sein Regiedebüt „Coup“ nutzt.
Mit viel Freude, oft verschmitzt lächelnd, erzählt er sehr ausführlich von damals und klingt wie ein Hamburger Urgestein. Nur seinen Namen behält er für sich.

Bei den nachgespielten Szenen hat er aber einen!
„Der ist ja genauso wie ich vor 30 Jahren“,
so lautete sein begeisterter Kommentar über den Schauspieler und Musiker Daniel Michel, der als Rüdi seinen Coup noch einmal auf der Leinwand landet.

Das Herzerfrischende an Sven O. Hills Film ist, daß sich die originalen Interviews, gemalte Animationen und nachgespielte Szenen sehr geschmeidig die Klinke in die Hand geben.
Der beste Beweis ist schon der barrierefreie Trailer in Blindgängerins YouTube-Kanal!

Außer Daniel Michel als Rüdi sind noch dabei:
Tomasz Robak als sein Komplize Tobi
Leonard Kunz als Rocker Speedy
Rocko Schamoni als Rechtsanwalt
Paula Kalenberg als Rüdis Freundin

Apropos Freundin.
Die Tonmeisterin Gislinde Böhringer fragte während der Sprachaufnahme der Audiodeskription bei 48hearts productions:
„Der wird sich doch nicht etwa mit der Kohle vom Acker machen und Freundin und zweijährigen Sohn sitzenlassen?“
Ich meinte nur abwarten!

Des weiteren hatten folgende an der Audiodeskription/ den erweiterten Untertiteln Beteiligte ihr diebisches Vergnügen:
Skript: Ralf Krämer, Barbara Fickert
Redaktion: Susanne Linzer
Sprecherin: Nadja Schulz-Berlinghoff
Erweiterte Untertitel: Anna Pristouschek

Jetzt stehle ich mich vom Acker und verabschiede mich mit kriminellen Grüßen, oder doch lieber mit einem fröhlichen „Moin Moin“!

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