Fifty Shades of Grey

Ohne vorherige Lektüre des Buches/ Hörbuches habe ich im Kino die 50 Schattierungen völlig unbedarft auf mich wirken lassen. Es ist mir auch gelungen, die zahllosen Kritiken anläßlich der Filmpremiere während der Berlinale zu ignorieren.

Schon die Kinowerbung hat versucht, den Zuschauer auf ein erotisches Filmerlebnis einzustimmen. Gleich zweimal wurde dem weiblichen Geschlecht der regelmäßige Gebrauch eines gezielt pflegenden Produktes empfohlen. Eine Werbung, ich glaube für eine Automarke, wurde derart gehaucht, daß ich das für den Filmanfang hielt und Greta zu früh gestartet habe. Glücklicherweise gibt es die Synchronisierungsfunktion.

Der Film ist soooo in aller Munde, daß sich das übliche einführende Vorgeplänkel weitgehend erübrigt!

Der super erfolgreiche Jungunternehmer Christian heißt nicht nur Grey mit Nachnamen, sondern die Farbe grau bestimmt von ihm selbstbestimmt sein Leben. Er stylt sowohl seine Umgebung als auch sich selbst in grau. Sein Umfeld ist eine graue, langweilige, gefühlsarme Businesswelt und der Himmel ist auch noch grau.

Eine willkommene Unterbrechung des Graus scheint die kurz vor dem Examen stehende Literaturstudentin Anastasia zu sein. Ana jobbt in einem Baumarkt und um sie wiederzusehen, begibt sich der Jungmilliardär personifiziert genau dorthin.
Er verlangt nach Kabelbindern, Klebeband, einem Seil und das hat schon gereicht, besonders in Großbritannien einen Run auf diese Artikel auszulösen.
Ich habe diese Dinger übrigens im Keller, Kabelbinder sind ungemein praktisch, aber nicht zum Fixieren irgendwelcher Körperteile, sondern z.B. zum Bändigen widerspenstiger Elektrokabel.
In einer Talkshow hat eine Fachfrau aus dem Milieu zudem dringend vom bestimmungswidrigen Gebrauch des Kabelbinders abgeraten, weil, wenn ein Kabelbinder zu ist, isser zu!

Eine hübsche Nebenrolle spielt ein himmelblauer VW-Käfer, das Auto von Anastasia. Beim Hören des vertrauten satten Blubbern des Boxermotors mußte ich unwillkürlich an die ersten Familienautos in den sechziger Jahren denken. Die abgelegten Käfer meiner Oma hatten allerdings die Farbe grau, ich meine natürlich grey!

Amüsiert habe ich den beiden zugeschaut, wie sie sich näher kommen, umeinander schleichen und ausloten, wer die Oberhand hat oder bekommt. Da fliegen auch mal ganz nette verbale Spitzen durch den Raum.

Als es Anastasia allmählich dämmert, wie der Graue tickt, will sie, wie Frauen nun einmal so sind, genau wissen, wie, seit wann und warum das so ist.

Eine Freundin seiner Mutter habe ihn als Jüngling in diese Welt eingeführt und prompt kommt der etwas spöttische Hinweis auf Misses Robinson in dem Kultfilm „Die Reifeprüfung“.
Ich kann diesen Film von 1967 gar nicht oft genug sehen, frage mich allerdings, ob die jungen Leute von heute den Bezug nachvollziehen können.

Hart zur Sache geht es nur verbal.
In einem mehrseitigen Vertrag soll festgeschrieben werden, welche sexuellen Praktiken seitens der Sklavin zu dulden sind und welche Verhaltensregeln unbedingt eingehalten werden müssen.
Der Fachjargon war für mich das reinste Fachchinesisch, Anastasia ging es nicht anders!

Aber jetzt mal Hand aufs Herz!
Kann man das mögen, auf allen vieren im Spielzimmer des Herrn auszuharren, bis dieser sich für seinen Lustgewinn bequemt, mit einem Spielzeug seiner Wahl Schmerzen zuzufügen und zu demütigen?
Nööööö, aber jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, solange alle Beteiligten das freiwillig tun!

Gesehen habe ich den Film im Zoopalast und wurde wieder zu meinem Sesselchen geführt. Der Kinosaal war im Erdgeschoß und ich dachte, den Rückzug alleine bewältigen zu können. Sicherheitshalber bat ich dann doch einen jungen Mann um Begleitschutz bis auf die Straße. Dieser machte auf mich einen leicht irritierten Eindruck, ob wegen des Films oder wegen mir, jedenfalls war er sehr erleichtert, als seine Mission beendet war.

Über die Hörfilmbeschreibung kann ich wie immer zu kurz nur sagen, daß ich immer im Bild war.
Ich werde auch nicht müde, immer wieder die Filmverleiher zu erwähnen, deren Engagement es zu verdanken ist, daß ich mal wieder zu einem im Ausland produzierten Film meinen Senf geben kann!!!
Danke Concorde, Neue Visionen, Polyband Medien, 20th Century Fox, Universal Pictures Germany und wie immer auch Greta!
Die Reihenfolge der Aufzählung ist wertfrei und einfach nur alphabetisch.

Die Traumfrauen kommen am Sonntag oder Montag in den Blog!

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