Lindenberg! Mach dein Ding!

„Erfolg hat drei Buchstaben: Tun.“

soll der große Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben. Nachweisen läßt sich das allerdings nicht.

„Von nix kommt nix.“

So sagte sinngemäß und erwiesenermaßen der römische Dichter und Philosoph Lukrez in den 50er Jahren vor Christus.

Und was meint Udo?
Der trommelt und singt gerade unüberhörbar seine Devise

„Lindenberg! Mach dein Ding!“

In diesem Rhythmus, bei dem jeder mitmuß!

Schon der kleine Udo wußte ganz genau, was er wollte:
Mit Sticks eine erfolgreiche Karriere als Schlagzeuger hinlegen und mit einer eigenen Band durchstarten.
Und das hat er auch gemacht!

So einfach wie das jetzt klingt, war’s aber nicht, wie die von Hermine Huntgeburth liebevoll aufbereitete Reise in die Vergangenheit des heute 73-jährigen Musikers zeigt.
Los geht’s im Jahr 1952 mit einer kurzen Episode, die einen Einblick in das schwierige Familienleben der Lindenbergs gewährt. Damals war Udo sechs Jahre alt. 21 Jahre später macht er im Jahr 1973 seinen Durchbruch mit der Andrea Doria klar.
Damit ist die Reise mit dem 27-jährigen Udo leider schon zu Ende, aber zum Glück nur im Film!
Dieses für viele in der Musikszene verhängnisvolle Lebensjahr konnte ihm nichts anhaben, er macht bis heute sein Ding.
Eigentlich ein Wunder bei dem Whiskey, der schon im Film in Strömen fließt, und dem gigantischen Konsum von Zigaretten und anderen bewußtseinserweiternden Substanzen.

Der 13-jährige Udo wird von Claude Heinrich gespielt und der macht seine Sache prima.
Die Stimmung bei den Lindenbergs hat sich inzwischen nicht gerade entspannt. Zu seiner Mutter (Julia Jentsch) hat Udo zwar ein sehr liebevolles Verhältnis. Aber der herrschsüchtige und aufbrausende Vater (Charly Hübner) hat sich in seinen Brausekopf gesetzt, daß der rhythmisch hochbegabte Sohn einmal den Lindenbergschen Familienbetrieb übernehmen soll.
Der denkt gar nicht dran, mit Schraubenschlüssel und Rohrzange in fremder Leut‘s Badezimmern zu versauern und macht sich mit 15 mit seinen Trommelsticks auf die Socken.

Von da an übernimmt Jan Bülow und der macht seine Sache als Udo phänomenal gut!
Mit seiner Heimat im westfälischen Gronau hat er nichts mehr am Hut. Nur der Kunstturmspringerin Susanne (Ella Rumpf) trauert er nach, die findet er nämlich so erregend!
Der typische Udo-Hut taucht übrigens erst im Abspann des Films auf.

Aber auch andere Mütter haben hübsche Töchter.
Da wäre zum Beispiel Paula aus Sankt Pauli (Ruby O. Fee), die sich immer auszieht!
Die schenkt ihm einen schwarzen Mantel, den er öfter anzieht.
Kurze Zeit später lernt er Petra (Saskia Rosendahl) kennen, das legendäre Mädchen aus Ost-Berlin!

Wenn Jan Bülow „Cello“, „Mädchen aus Ost-Berlin“ und zum Schluß „Alles klar auf der Andrea Doria“ singt, klingt das wie Udo, der seine Stimmbänder mächtig mit Eierlikör geölt hat. Daß jemand so wie Udo singen, klingen und sprechen kann, einfach genial!
Helge Schneider beherrscht das auch ganz gut in einer nuscheligeren Variante.

Bis Udo seine Sticks gegen ein Mikrophon austauschen und seine selbst getexteten und komponierten Songs einsingen kann, muß er noch reichlich Überzeugungsarbeit leisten. Er will nämlich nicht englisch, sondern auf Deutsch singen. Das ist seine Sprache, in der er zu Hause ist.
Deutsch ist zu dieser Zeit in der Szene aber als Sprache der Schlagerfuzzis oder noch schlimmer als die der Nazis verpönt!
Derlei Bedenken scheinen die politische Führung der DDR nicht geplagt zu haben.

Bis Udo den Musikproduzenten Mattheisen (Detlev Buck) endlich soweit hat, spielt er Schlagzeug in diversen Kombos. Er beherrscht sein Instrument brillant in verschiedenen Musikstilen und es ist eine Freude, ihm dabei zu lauschen.

Während Udo sein Ding macht, gibt es auch reichlich Musik von damals aus der Konserve, unter anderem von Shocking Blue, The Kinks und Janis Joplin, alles meine Musik!

Und wie sieht’s aus im Film? Ganz schön bunt!
Schon die Zahl der Handlungsorte ist erschlagend: Die Lindenbergsche Wohnung, Kneipen, Onkel Pö und andere Jazzclubs, Bühnen, die Kommune, ein Nobelhotel in Düsseldorf, Tonstudios, die libysche Wüste oder der Palast des Musikproduzenten.
Dazu kommen blitzschnelle Zeitsprünge, schillernde Figuren und so viele klitzekleine, aber wichtige Details. Ganz kurz taucht zum Beispiel eine Sonnenbrille auf, die sich Udo nach einer durchzechten Nacht auf die Nase setzt. Am Schluß hält er statt einer Zigarette eine fette Zigarre und statt Whiskey eine Flasche Eierlikör in der Hand.
Währenddessen spielt Musik meistens mit Gesang, der möglichst nicht übersprochen werden sollte. Das war eine ganz schön knifflige Angelegenheit für das Hörfilmbeschreiber-Team.
Die Aufgabe haben wir aber gut gelöst (Text: Detlef Tomschke, Redaktion: Hannah Schwarz und ich).

Das Ergebnis unserer Arbeit hat Daniela Gaul frisch und locker eingesprochen. So kann es über die Greta und Starks App in jedem Kino gehört werden. Viel Spaß dabei!

Jetzt bin ich total auf Udo eingegrooved, mach’s mir mit seiner Musik gemütlich und mein Ding sowieso.

Denn von nix kommt nix!

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