Mission Ulja Funk

Vielen Dank, für die Blumen, Elisa vom Lichtblick-Kino, vielen Dank, Jutta und Andres, daß ihr mir nicht nur für das Foto zur Seite gestanden habt, und Ralf fürs Fotografieren!

Aber jetzt zu dir, Ulja!

Wer oder was steckt eigentlich hinter diesen mysteriösen Zeichen: VR-24-17-20 und C/2022 E3 (ZTF)?

„Das ist doch total einfach“, kommt‘s aus der 12-jährigen wie aus der Pistole geschossen! „C/2022 E3 (ZTF) ist ein grüner Komet, der nach 50 Tausend Jahren wieder einmal an der Erde vorbeisaust und jetzt am 01. Februar am besten zu erkennen sein wird. Ich habe leider keine Zeit zu erklären, woher dieser Himmelskörper seine merkwürdig grüne Farbe hat. Nur soviel, den gibt’s wirklich!

Ich muß mich jetzt nämlich sofort auf den Weg machen, zuerst nach Polen und dann weiter nach Belarus. Dort wird in wenigen Stunden der kleine Asteroid VR-24-17-20 aufschlagen, den ich vor kurzem entdeckt habe. Das darf ich auf keinen Fall verpassen. Und schon geht’s los, mitten in der Nacht, in einem ausrangierten Leichenwagen. Hinterm Steuer sitzt Henk aus meiner Klasse, der ist nur ein Jahr älter als ich. Als ob seine chaotischen Fahrkünste nicht schon schlimm genug wären, entdecken wir auf einer polnischen Autobahn auch noch meine Oma Olga auf der Ladefläche. Ihr habe ich hauptsächlich den ganzen Schlamassel zu verdanken, daß ich den kleinen Asteroiden nicht gemütlich von zu Hause aus verfolgen kann, sondern ihm hinterherreisen muß. Aber was erzähl ich lange, fahrt einfach bei uns mit und zwar im Kino in

Mission Ulja Funk!

Meine Familie, der Pastor und die halbe Gemeinde unseres Städtchens sind uns auch schon dicht auf den Fersen, Langeweile kommt also garantiert nicht auf! Was ich noch schnell loswerden muß, im wahren Leben heißt Henk übrigens Jonas Oeßel, meine Oma Olga Hildegard Schroedter und ich heiße Romy Lou Janinhoff.

Jetzt halte ich aber die Klappe, nicht gerade eine Stärke von mir, und übergebe das Wort an die Blindgängerin. Die hat gerade im Lichtblick-Kino in Berlin-Prenzlauer Berg unsere wilde abenteuerliche Tour mit Audiodeskription über die Greta App verfolgt. Sie steht schon mit ihrer Kollegin Jutta, ebenfalls im Bereich Audiodeskription tätig, für eine kurze Frage-Antwort-Runde auf der kleinen Bühne vor der Leinwand. Hoffentlich verrät sie nicht, ob meine Mission geglückt ist, rechtzeitig zum Aufschlag des kleinen Asteroiden vor Ort zu sein?“

Keine Angst Ulja, nur soviel: Es war kaum zu überhören, daß sich alle im vollbesetzten Kinosaal köstlich amüsiert haben. Und zumindest meine Mission, daß darunter auch blinde Kinder sein würden, war zu meiner großen Freude geglückt! Etanel und Fanny waren mit ihren Familien zum ersten Mal im Kino. Das war für die beiden eine ganz neue Erfahrung, dank der Greta App gemeinsam mit allen anderen an der gleichen Stelle zu lachen oder zu bangen, wie es Ulja und ihren Mitstreitern und Verfolgern ergeht. Mit der App gab es keine Probleme und notfalls hätte Andres mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Jetzt ist es Zeit für ein Dankeschön an Ellen Schweizer vom Anderes Sehen e.V. und dem Sekretariat der Johann-August-Zeune-Schule für Blinde für die Kontaktvermittlung! Fanny beteiligte sich rege beim Publikumsgespräch. Sie wollte auch genau wissen, wie der Kinosaal aussieht und wieviel Plätze es gibt. Es sind wirklich nur 32. Jutta übernahm das Beschreiben und fragte, wie Fanny der Sprecher der Audiodeskription, Alexander Pensel, gefallen hätte: Sehr gut und kein bißchen schrill wie bei manchen Hörfilmen im Fernsehen, meinte Fanny! Dem schließe ich mich an und mein persönlicher Lieblingssatz war: „Der Pastor schaut ungläubig“, das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Möglich wurde dieser tolle Kinonachmittag und viele weitere, solange der Film läuft, dank des Engagements der Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH. Die Audiodeskription und erweiterten Untertitel für „Mission Ulja Funk“ wurden im Rahmen von Kinoblindgängers Herbst- und Winteraktion 22/23 bei der Greta App bereitgestellt. Informationen zu der Aktion gibt es hier:

https://www.kinoblindgaenger.com/2022/10/13/kinoblindgaengers-herbst-aktion-2022/

„Dieser wunderbare Film von Barbara Kronenberg, gefördert von der Initiative „Der besondere Kinderfilm“, könnte doch was für Kinoblindgängers Aktion sein“, meinte Ralf Krämer, ebenfalls ein Kollege und Kulturjournalist. Ein toller Tipp! Jetzt aber drücke ich Ulja die Daumen für ihre Mission und dem Farbfilm Verleih, daß ganz viele Kinder, ob mit oder ohne Greta App, und natürlich auch Erwachsene im Kino mitfiebern!

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