Wie gut ist deine Beziehung?

Was für eine Frage!
Ich taste mich an dieses Thema ganz vorsichtig mit Heinz Rudolf Kunzes größtem Hit von 1986 heran. Das ist nämlich ein Liebeslied!

„Wir haben uns auf Teufel-komm-raus geliebt.“

So leidenschaftlich geht‘s in „Wie gut ist deine Beziehung?“ nicht zu. Längst hat sich bei Steve (Friedrich Mücke) und Bob (Bastian Reiber) Beziehungsroutine eingeschlichen, als es eines Tages passiert:

„Dann kam er und wir wußten nicht mehr weiter.“

Harald (Michael Wittenborn) heißt er.
Der hat es aber weder auf Steve noch auf Bob abgesehen. Das wäre auch wenig erfolgversprechend. Die beiden Anfang 40-jährigen Softwareentwickler sind einfach nur gute Freunde.
Steve führt seit einigen Jahren mit Carola (Julia Koschitz) und Bob mit Yvonne eine gute Beziehung. Glauben die beiden Männer jedenfalls.

Aber zumindest Bob irrt sich gewaltig.
Für ihn kommt der Teufel Harald wie aus dem Nichts. Und zu seinem Entsetzen ist der Neue deutlich älter und auch noch Tantra-Lehrer. Im Gegensatz zu Bob weiß Yvonne ganz genau, was zu tun ist, und setzt ihn kurzerhand vor die Tür.

So was soll’s nicht nur im Film geben. Aber das, was diese Trennung bei Steve auslöst, schon. Steve befürchtet jetzt auch für sich das Schlimmste und doktert fast paranoid solange an seiner eigentlich intakten Beziehung herum, bis diese beinahe in die Brüche geht und dann wirklich gerettet werden muß. Ein typischer Fall von Verschlimmbesserung!

Ausgedacht hat sich das der Regisseur Ralf Westhoff und ich hatte wie alle im Kinosaal für knapp zwei Stunden meinen Spaß!

Ich mag’s, wenn verbale Fetzen und Spitzen durch die Luft fliegen. Und das auch noch von einem rundum sympathischen Ensemble. Da haben die Beziehungen garantiert gestimmt!

Aber irgendwas sträubt sich in mir, bei der emotionalsten und intimsten Bindung zwischen zwei Menschen von einer „Beziehung“ zu sprechen.
Heinz Rudolf Kunze geht das wohl nicht anders!

„Was sind das bloß für Menschen, die Beziehungen haben,
betrachten die sich denn als Staaten?
Die verführen sich nicht, die entführen sich höchstens.“

Es kommt fast einer Entführung gleich, als Steve Carola eines Abends überrumpelt und geheimnistuerisch von ihrer geliebten Couch wegschleppt. Sein Plan, den Abend romantisch ausklingen zu lassen, geht allerdings nicht auf. Carola schläft völlig erschöpft ein.

„Die enden wie Diplomaten.“

Und zwar wie gescheiterte!
Steve gesteht sich ein, daß wenn er nichts gemacht hätte, auch gar nichts passiert wäre.
Eine großartige Erkenntnis!

Carolas beste Freundin Anette, sehr cool gespielt von Maja Beckmann, hält nichts von Diplomatie im Beziehungstheater. Sie bevorzugt die Hau-drauf-Methode.
Eine Beziehung kommt für sie nur in Form einer Diktatur in Frage. Deshalb ist sie wahrscheinlich auch Single.
Aber auch hinter ihrer rauhen Schale steckt ein weicher Kern.
Als sich Steve endlich auf den Weg macht, sich mit Carola auszusprechen, gibt Anette ihm den Tip, wo er sie findet. Er müsse nur der Spur der Tränen folgen, das hat sie so schön gesagt!

Und jetzt zu meiner Beziehung zur Greta App, die wieder einmal hervorragend war!
Die Sprecherin Ilka Teichmüller hat sich in den ersten extrem dialoglastigen Minuten in jeder noch so kleinen Pause mit knappen Informationen zu Wort gemeldet, ohne gehetzt zu klingen.
Dafür wurde z.B. bei der Yogasitzung kein Wort gesprochen und es war schön, nur ihrer Stimme zu lauschen.
Daß ich die Übungen beinahe hätte mitmachen können und auch sonst immer im Bild war, ist das Verdienst des Hörfilmbeschreiber-Teams. Beteiligt an der Hörfilmfassung waren:
Filmbeschreibung: Martina Reuter, Klaus-Jörg Kaminski
Redaktion: Noura Gzara
Aufnahmetechnik: Milan Pfützenreuter
Regie: Klaus-Jörg Kaminski, Roger Zepp

Und jetzt noch einmal Herr Kunze bitte:
„Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.“

Ja, unbedingt, aber muß das auch schon frühmorgens im Badezimmer sein?
Wenn’s nach mir bzw. uns geht, auf keinen Fall!
Mich schaudert’s immer wieder, wenn sich, wie in deutschen Filmen sehr beliebt und so auch hier, die Paare gleich morgens zähneputzend so schrecklich wach und angeregt unterhalten.

Aber: „Ich möchte gar nichts andres ausprobieren.“
Stimmt zu 100 %!

Ich hoffe, Heinz Rudolf Kunze verzeiht mir, daß ich sein Lied ein bißchen zerstört habe.
Zur Versöhnung schmettere ich zum Schluß aus voller Kehle:

„Dein ist mein ganzes Herz,
du bist mein Reim auf Schmerz.
Wir werden Riesen sein,
uns wird die Welt zu klein!“

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