Whiplash

Rhythmus im Allgemeinen und das Instrument Schlagzeug im Besonderen fasziniert mich so lange ich denken kann.
Ein Schlagzeugset besteht meistens aus sieben verschiedenen Trommeln und Becken.
Trotz meines ganz gut ausgeprägten Rhythmusgefühls ist es mir bei meinen Versuchen an diesem Instrument nicht gelungen, mit dem Fuß und jeweils der rechten wie linken Hand verschiedene Tempi zu spielen. Jemals mit den Sticks im richtigen Moment die richtigen Teile zu treffen, die ja auf eine Fläche von 2 m² verteilt sind, schien mir aussichtslos. Da lag es nahe, mich für Percussion, also Djembé, Conga und Pandeiro zu entscheiden. Bei allen drei Instrumenten hat man mit den Händen direkten Kontakt zum Fell.
An der Faszination, die das Schlagzeug auf mich ausübt, hat sich jedoch bis heute nichts geändert, also mußte ich mir den Film „Whiplash“ unbedingt anschauen!
Mein Begleiter Andreas Pasche, sowohl ein Freund als auch ein seit 30 Jahren passionierter Schlagzeuger, hat mich mangels einer Hörfilmbeschreibung ins Bild gesetzt.
Mit einer von ihm gegründeten Band spielt er Latin Jazz, in einer Bigband namens Kameleon Percussion und aushilfsweise das Schlagzeug.
Ich hatte also auch noch einen Fachmann an meiner Seite.

Das US-amerikanische Musikfilmdrama spielt in dem fiktiven Shaffer Conservatory of Music in New York.
Mr. Fletcher ist der Leiter der schuleigenen Jazzband und entscheidet über Gedeih und Verderb der Mitspieler der Bigband.
Als er den Schlagzeugschüler Andrew beim Üben überrascht, hält er den Daumen hoch und Andrew darf sich ab sofort mit den beiden anderen Drummern um die Gunst des Leiters bemühen.

Die Atmosphäre bei den Proben erinnert an den Drill auf einem Militärübungsplatz.
Fletcher bellt einen Songtitel in den Raum und die Spieler haben eigentlich gar keine Zeit, die entsprechenden Noten aufzuschlagen.
Zu hören ist ein Geräusch, als ob 100.000 Blätter durcheinanderwirbeln.
Dann bellt er eine Taktzahl nach der anderen und zählt nur sehr knapp vor, was es fast unmöglich macht, im vorgezählten Tempo einzusteigen.

Zwischendurch pickt er sich einzelne Spieler heraus, um diese vor versammelter Mannschaft bloßzustellen und zu demütigen.
Jedes Instrument ist mehrfach besetzt und wer gerade die erste Geige spielen darf, hat weniger mit den spielerischen Qualitäten zu tun, sondern eher mit Willkür.

Der Wortschatz des Leiters ist grundsätzlich unterhalb der Gürtellinie und ich wage zu bezweifeln, daß das der Realität an den amerikanischen Konservatorien entspricht.
Bekannt ist allerdings, daß dort ein rauher Ton herrscht und den Schülern ungemein viel abverlangt wird.

Als Idol erwähnt Fletcher den Jazzschlagzeuger und Bandleader Buddy Rich, diesem wird ein ähnlicher Führungsstil nachgesagt.

Andrew ist vom Ehrgeiz zerfressen und um seinem Lehrer zu gefallen, trommelt er sich besessen mit zusammengebissenen Zähnen die Hände blutig.
Als ich von den „blutigen Händen“ in Filmkritiken hörte, habe ich mich sofort gefragt, wie das überhaupt funktionieren kann.
Die Sticks liegen locker zwischen den Fingern, bei Anfängern kann es allenfalls zu Schwielen oder einer Blase kommen.
Sowohl der Fachmann als auch mein Percussionlehrer haben das als rein filmdramaturgisches Mittel abgetan.
Mein Begleiter hat das Aufzeigen des Weges vermißt, wie Andrew sein Spiel nach und nach verbessert, bis er bei dem Abschlußsolo brilliert. Aber das wäre wohl nicht spektakulär genug gewesen!

Sehr viel geübt haben muß auch der Schauspieler Miles Teller, der Darsteller des Andrew.
Bis auf das grandiose finale Trommelsolo hat er sich nicht doubeln lassen und seine Sache wirklich gut gemacht.

Jetzt komme ich zum Schluß und da war ein phänomenal gut und wahnwitzig schnell gespieltes Solo des Schlagzeugers Andrew.
Zu sehen sind laut Erklärung meines Begleiters entpersonalisierte Hände.
Wem auch immer diese Hände gehören, ein kaum endendes Solo in der Geschwindigkeit von 400 Beats per minute präzise zu spielen, ist eine außergewöhnliche Leistung!!!

Die am häufigsten gespielten Titel sind „Caravan“ und natürlich „Whiplash“!
J.K. Simmons erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller für die Rolle des Fletcher.
Ich als Ohrenmensch hätte mir einen Oscar für die Filmmusik gewünscht.

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