Blog Blindgaengerin

März 2018

Die Blindgängerin an einem langen Tisch zusammen mit Studentinnen der Uni Konstanz. Alle lachen gemeinsam.

Immer wieder sehr gerne…

Foto Copyright: Jurek Sehrt …war und bin ich sofort dabei, wenn sich junge Leute mit Fragen bezüglich ihrer Projekte an mich wenden! Bei dem Dokumentarfilm „Hören, was andere sehen“ ging mein Einsatz aber über das Beantworten von Fragen hinaus. Neben Sascha Schulze aus München und Thorsten Schweinhardt aus Frankfurt am Main wurde auch ich in dem Film vorgestellt. Gemeinsam ist uns sowohl die Begeisterung fürs Kino als auch eine Sehbeeinträchtigung. Der inzwischen fertige und mit der Note „sehr gut“ bewertete Film ist die Bachelorarbeit von drei Studenten aus Dortmund, die dort an der Fachhochschule Film & Sound studieren. Die drei Tage dauernden Dreharbeiten in Berlin waren ganz schön aufregend, aber wir hatten viel Spaß! Ich bin von dem Ergebnis sehr begeistert und drücke die Daumen, daß es gelingt, den Film in diesem Jahr auf möglichst vielen Festivals zu zeigen! Etwas über eine Stunde dauerte das Gespräch mit einer Studentin der Medienwissenschaften an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam. Für ihre Masterarbeit zum Thema „Barrierefreiheit und Kino“ interessierte sie, warum ich so gerne ins Kino gehe, wie das funktioniert und wie ich Filme wahrnehme. Ganz ähnliche Fragen wurden mir am 03. Februar in einem Seminarraum in der „Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen“ am Potsdamer Platz gestellt. Hier saßen mir aber gleich 20 Studentinnen des Bachelorstudiengangs „Literatur Kunst Medien“ der Universität Konstanz gegenüber. Das war für mich einmal eine ganz neue, interessante und sehr schöne Erfahrung! In einer sehr lockeren Atmosphäre stellte ich mich kurz vor und beantwortete dann die vielen Fragen. Und dann war die Zeit auch schon um! Die fünftägige Exkursion der Studentinnen in Berlin war ein Teil der Lehrveranstaltung „Kino – Film – Museum: Inklusion und audiovisuelle Medien“. Diese wurde durchgeführt von Robert Stock von der Universität Konstanz und Jurek Sehrt, Historiker und Museumsvermittler aus Berlin. Informationen über die beiden sehr sympathischen Herren, Berichte zu den Fachbesuchen und den Gesprächen mit den Experten und Expertinnen gibt es auf dem Blog „Mediale Teilhabe“ unter dem Link: https://mediaandparticipation.com/kino-film-museum-praxis-seminar/ Zum Text zu meinem Beitrag geht es hier: https://mediaandparticipation.com/kino-film-museum-kinoblindgaenger/ Und schon geht es weiter mit dem nächsten Projekt, ich freu mich drauf!

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Drei Schüler, zwei Jungen und ein Mädchen, vor einem alten Bücherregal

Das schweigende Klassenzimmer

Silber ist schon sehr edel, kann aber mit dem ca. achtzigmal so wertvollen Gold nicht mithalten! In dem unterschiedlichen Wert dieser beiden Metalle ist ein althergebrachtes und weitverbreitetes Sprichwort begründet. Danach rangiert Schweigen weit vor dem Verbreiten unpassender und überflüssiger Bemerkungen. Um Silber oder Gold geht es bei „Das schweigende Klassenzimmer“ allerdings nicht! Hier hat die Entscheidung zu reden oder zu schweigen für alle Beteiligten weitreichende und dramatische Folgen. Denn Reden bedeutet Verrat und Schweigen Loyalität! Den Namen des Rädelsführers wollen sie um jeden Preis erfahren, das Schulrektorat, die Kreisschulrätin und vor allem der Volksbildungsminister der DDR. Ich darf den Namen des Gesuchten schon einmal verraten, es ist der Abiturient Kurt (Tom Gramenz). Ende Oktober 1956 ist es seine Idee, der gerade zu beklagenden Opfer des ungarischen Volksaufstands zu gedenken, mit zwei Schweigeminuten während des Geschichtsunterrichts. Bis auf einen Mitschüler stimmt die gesamte Abiturklasse eines Gymnasiums im brandenburgischen Stalinstadt zu. Das Klassenzimmer schweigt für zwei Minuten. Nur der linientreue Geschichtslehrer tobt sich lautstark in Rage! Was für eine harmlose Art der Meinungsäußerung und Solidaritätsbekundung, könnte man meinen. Aber die Schulbehörden der erst vor sieben Jahren gegründeten DDR verurteilen das Schweigen als konterrevolutionären Akt, der mit aller Härte geahndet werden muß. Und so besteht die Gefahr, daß das schweigende Klassenzimmer auch zu einem „fliegenden“ wird! Der Volksbildungsminister droht, die gesamte Klasse mit sofortiger Wirkung der Schule zu verweisen und auch in der gesamten DDR nicht mehr zum Abitur zuzulassen. Es sei denn, einer der Schüler bricht sein Schweigen. Einer hat das übrigens getan! Zum Glück, denn sonst gäbe es diesen großen Film nicht. Dietrich Garstka erfuhr genau das, was in dem Film erzählt wird, am eigenen Leib und schrieb darüber in seinem Sachbuch. 50 Jahre nach den dramatischen Ereignissen, in deren Verlauf seine Abiturklasse 1956 mit den höchsten Stellen des DDR-Staatsapparates in Konflikt geriet, erschien „Das schweigende Klassenzimmer“. Ich könnte mir vorstellen, daß sich ein Regisseur bei der Aufbereitung eines geschichtlichen Themas besonders über Komplimente von Zeitzeugen freut. Meine Schwiegermutter meinte bei vielen Szenen: „Genau so hat das damals ausgesehen und so war das bei mir auch!“ Dieses Kompliment gebe ich sehr gerne an den Regisseur Lars Kraume, der auch das Drehbuch schrieb, und natürlich an sein großartiges und teils sehr junges Team weiter! Nicht nur bei den im Klassenzimmer abgehaltenen Schweigeminuten war ich sehr dankbar für die erklärenden Worte der Hörfilmbeschreibung über die App Greta in meinem Ohr. Mit den Schülern, deren Eltern und der Obrigkeit kamen doch eine ganze Menge Personen zusammen, die eingeführt und beschrieben werden mußten. Aber es wurde weder zu viel geredet, noch zu lange geschwiegen! Und über ein Wiederhören mit der Sprecherin, die ich sehr schätze, habe ich mich auch sehr gefreut. Im vollbesetzten Kinosaal blieb es nach der Vorstellung noch ein Weilchen sehr still! Als ob die Kinobesucher mit ihren Gedanken noch ein bißchen bei den charakterstarken Schülern bleiben wollten. Mir ging es jedenfalls so!

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Die Blindgängerin in der Haltung der Skulptur "Die Lauschende". Vor einem blauen Himmel hält sie die rechte Hand vor Augen und Stirn, die Linke legt sie lauschend hinter das Ohr. In der linken Hand hält sie einen Zweig, auf dem ein kleiner bunter Vogel sitzt.

Dreimal dabei!

Endlich geschafft, Winter adé! Der Frühling, meine Lieblingsjahreszeit, ist im Anmarsch und ich werde mich an dem Gezwitscher der Vögel gar nicht satt hören können. Auch „Die Lauschende“ hat wie jedes Jahr um diese Zeit, wenn auch aus einem anderen Grund, schon die Ohren gespitzt. Vor allem aber ist sie gespannt, wer sie am 20. März bei der Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises als Trophäe für die herausragendsten Hörfilm-Produktionen aus Kino und TV nach Hause tragen wird! Die von Kinoblindgänger gGmbH eingereichten Hörfilme „Mein Leben als Zucchini“ und „Django – Ein Leben für die Musik“ sind leider nicht unter den Nominierungen. Aber bei drei von den insgesamt 16 nominierten Hörfilm-Produktionen habe ich mitgearbeitet! Ich verrate fairnesshalber nur so viel: Es sind zwei Dokumentarfilme und ein Spielfilm, und alle drei sind im Kino gelaufen! Denn jetzt sind für den Publikumspreis auch eure unvoreingenommenen Ohren gefragt! Bis zum 14. März ist noch Zeit, sich unter den alphabetisch aufgelisteten Hörfilmen mit Hilfe einer jeweiligen Hörprobe für den besten zu entscheiden! Und hier geht‘s zur Abstimmung: Deutscher Hörfilmpreis 2018/ Publikumspreis Zum zweiten Mal beim Deutschen Hörfilmpreis dabei ist übrigens Steven Gätjen! Er wird die Galaveranstaltung im Berliner „Kino International“ bestimmt genauso frisch und charmant moderieren wie schon im letzten Jahr. Und zum 16. Mal dabei ist „Die Lauschende“. Die Skulptur des blinden Künstlers Dario Malkowski ist ein rund drei kg schweres Bronzerelief, das ein Frauengesicht zeigt. “Die eine Hand liegt hinter dem Ohr, um das Hören deutlich zu machen, die andere Hand bedeckt gedankenvoll die Augen”, beschreibt der Künstler selbst die Darstellung. Zu guter Letzt braucht es für einen Preis aber immer einen Initiator, und das war im Jahr 2002 der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V., zugleich der Veranstalter des Ganzen!

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Die Blindgängerin steht mit dem Moderator Stefan Parrisius vom Bayerischen Rundfunk vor einer orangefarbenen Wand.

Das war knapp!

Foto Copyright: Bayerischer Rundfunk Ein bisserl aufgeregt war ich schon, vor meinem ersten fast einstündigen Gespräch in einer live ausgestrahlten Radiosendung! Noch größer allerdings war meine Sorge, daß mich bis zum 26. Februar ein Bazillus oder Virus niederstreckt. Und prompt reiste ich etwas angeschlagen vom sehr kalten Berlin ins eisig kalte München. Zum Glück hat meine Stimme ganz gut durchgehalten und sich dann erst am späten Abend für ein paar Tage verabschiedet. Eine halbe Stunde vor der Sendung begrüßte mich der sehr sympathische Moderator Stefan Parrisius im Foyer des Bayerischen Rundfunks. Wir waren an diesem Nachmittag das Doppel in „Eins zu Eins. Der Talk“ auf Bayern 2! Gleich in ein nettes Gespräch verwickelt, war die Aufregung zunächst verflogen. Auf dem Weg ins Studio machte ein Fotograf die Bilder für die Internetseite des Senders und dann wurden auch schon die Mikrophone eingepegelt. Meines hing gefühlte zehn Zentimeter vor meiner Nasenspitze in der Luft. Als Orientierung, um nicht daran vorbeizusprechen, positionierte ich meinen Stapel Taschentücher leicht schräg rechts und das Wasserglas links vom Mikrophon wie ein Dreieck auf der Tischplatte. Mit den Wetter- und Verkehrsmeldungen meldete sich für die ersten acht Minuten bis zur Musikeinlage von Stevie Wonder die Nervosität doch noch einmal zurück. Obwohl, einen rationalen Grund dafür gab es eigentlich nicht. Die Gäste des Talks werden zu ihrer Lebensgeschichte, Erfahrungen oder persönlichem Engagement befragt. Und wer sollte besser über mich Bescheid wissen als ich selbst! Ich weiß nicht mehr, was größer war, meine Überraschung oder meine Freude über die Einladung nach München in die Sendung! Und jetzt gibt es zum Nachhören, wie Stefan Parrisius mir seine Fragen zuwarf und ich ihm meine Antworten, immer ohne Ballverlust. Die 55 Minuten verflogen so schnell, daß mir gerade noch Zeit blieb zu sagen: „Hat Spaß gemacht!“ “Eins zu Eins. Der Talk.” Sendung vom 26.02.2018    

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