Blog Blindgaengerin

Autorenname: Barbara

An einem Schreibtisch sitzt die Blindgängerin in gestreiftem Hemd mit schmaler schwarzer Krawatte und hellem Sakko. Sie locht Stapel von Papierbogen. Hinter ihr eine Regalwand mit Aktenordnern.

Coup

„Moin!“ Geht immer als Begrüßung im Norden. Nur die Kaffeetasse in Rüdis Hand läßt auf den frühen Morgen schließen. Ansonsten wäre es garantiert eine Bierflasche oder ein Kurzer.Nicht nur einmal düst er nach einer feuchtfröhlich durchfeierten Nacht direkt vom Schuppen des Motorradclubs in den Klamotten vom Vortag – Anzug, Kragen, Lederschlips – per Motorrad zur Arbeit in die Bank. Während seine Kumpels im Clubraum verteilt noch weiter ihren Rausch ausschlafen, ist sein Verstand schon hellwach. Deshalb gelingt ihm auch der grandiose „Coup“, seinen Arbeitgeber, eine Bank im Norden Hamburgs, diskret und zunächst unbemerkt um satte 2,5 Millionen DM zu erleichtern. Neugierig geworden, wie er das geschafft hat?Ganz banal eigentlich: Lochen statt Schnippeln!Aber das ist nur der erste Schritt. Die bis ins kleinste Detail aufgedröselte Auflösung gibt’s jetzt im Film von Sven O. Hill mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln über die Greta App im Kino. Marie – Kinoblindgängers mit Spenden- und Sponsorengeldern produzierte barrierefreie Filmfassungen – hatte ihre Hand auch mit im Spiel, natürlich ohne lange Finger gemacht zu haben. Eigentlich wird Marie nur bei internationalen Arthouse-Filmen aktiv, aber von „Coup“ war sie so begeistert… Sie mußte auch nicht so tief wie gewohnt in die Tasche greifen. Die Kosten teilte sie sich mit Salto Film. Aber wer hat sich diese unglaubliche Geschichte eigentlich ausgedacht?Kein Schriftsteller oder Drehbuchautor, sondern einer vom Fach!Ein Bankangestellter Anfang 20 war’s und die Geschichte spielte sich tatsächlich genauso im Jahr 1988 im Norden Hamburgs, in Luxemburg, im Frankfurter Bankenviertel und in Sydney ab. Wurde dem heute Mitte 50-jährigen seine Geschichte jetzt geklaut?Nein! Im Gegenteil, er war sofort damit einverstanden, daß Sven O. Hill die bei vielen Treffen gefilmten Original-Interviews für sein Regiedebüt „Coup“ nutzt.Mit viel Freude, oft verschmitzt lächelnd, erzählt er sehr ausführlich von damals und klingt wie ein Hamburger Urgestein. Nur seinen Namen behält er für sich. Bei den nachgespielten Szenen hat er aber einen!„Der ist ja genauso wie ich vor 30 Jahren“,so lautete sein begeisterter Kommentar über den Schauspieler und Musiker Daniel Michel, der als Rüdi seinen Coup noch einmal auf der Leinwand landet. Das Herzerfrischende an Sven O. Hills Film ist, daß sich die originalen Interviews, gemalte Animationen und nachgespielte Szenen sehr geschmeidig die Klinke in die Hand geben.Der beste Beweis ist schon der barrierefreie Trailer in Blindgängerins YouTube-Kanal! Außer Daniel Michel als Rüdi sind noch dabei:Tomasz Robak als sein Komplize TobiLeonard Kunz als Rocker SpeedyRocko Schamoni als RechtsanwaltPaula Kalenberg als Rüdis Freundin Apropos Freundin.Die Tonmeisterin Gislinde Böhringer fragte während der Sprachaufnahme der Audiodeskription bei 48hearts productions:„Der wird sich doch nicht etwa mit der Kohle vom Acker machen und Freundin und zweijährigen Sohn sitzenlassen?“Ich meinte nur abwarten! Des weiteren hatten folgende an der Audiodeskription/ den erweiterten Untertiteln Beteiligte ihr diebisches Vergnügen:Skript: Ralf Krämer, Barbara FickertRedaktion: Susanne LinzerSprecherin: Nadja Schulz-BerlinghoffErweiterte Untertitel: Anna Pristouschek Jetzt stehle ich mich vom Acker und verabschiede mich mit kriminellen Grüßen, oder doch lieber mit einem fröhlichen „Moin Moin“!

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Auf einer Wiese steht vor einem weißen Gatter in der Bildmitte ein braunes Pferd. Links neben ihm die Blindgängerin in Jeans und einem geblümten Shirt. In der Hand hält sie eine Wodkaflasche. Sie schmiegt ihre Wange an den Kopf des Pferdes. Rechts die Reitlehrerin Julia, die das Pferd hält.

Der Rausch

„Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,bei manchen ist es umgekehrt.“ Ein Trinkspruch nur aus Sicht der Zweibeiner. Pferde saufen nämlich immer, aber ausschließlich alkoholfreies Wasser. Das dafür in riesigen Zügen. Wodka, nein danke, gab mir Pepino, der liebe Dunkelbraune mit herrlich wuscheliger Mähne, unmißverständlich zu verstehen. Statt sich für die Flasche in meiner Hand zu interessieren, ging sein Kopf bei jeder Gelegenheit runter zum lecker saftigen Gras unter seinen Hufen. Die Möhre, die aus der Hosentasche der Reitlehrerin Julia lugt, hatte er noch gar nicht entdeckt.Hier ein Dankeschön an das Gut Seeburg in Brandenburg fürs Erlauben des Fotoshootings mit Pepino, das mein Herz als Pferdenärrin höher schlagen ließ! Aber ich wollte ja eigentlich nix vom Pferd erzählen, sondern über Thomas Vinterbergs grandiosen Film „Der Rausch“ Ab sofort mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln über die Greta App im Kino! Der barrierefreie Filmtrailer ist jetzt auf dem YouTube-Kanal der Blindgängerin zu finden. Wodka, sehr wohl! Gibt’s zum ersten, aber keineswegs letzten Mal zum Kaviar.Nikolaj (Magnus Millang) feiert mit drei Freunden seinen 40. Geburtstag in einem Restaurant.Skål, prosten sich die vier immer wieder zu, wenn der Kellner schwärmerisch mit gastronomischer Lyrik nicht nur den Gästen den Mund wässrig macht. Die Marie, so nennt Kinoblindgänger seine mit Spenden- und Sponsorengeldern produzierten barrierefreien Fassungen, hat es wieder einmal in den Norden verschlagen.Der unter anderem mit einem Oscar preisgekrönte Film aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden kann doch nicht ungehört und ungesehen an den Kinofans mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung vorbeirauschen! Jetzt aber zurück ins Restaurant zu den vieren, die am selben Gymnasium unterrichten.Peter, der Musiklehrer (Lars Ranthe), ist schon bei der Champagnerrunde begeistert dabei, während der Sportlehrer Tommy (Thomas Bo Larsen) als Freund vom Frischgezapften erst überzeugt werden muß. Martin (Mads Mikkelsen) bleibt vernünftigerweise zunächst bei Wasser, weil er noch fahren und etwas für den Geschichtsunterricht vorbereiten muß. „Aber was heißt schon vernünftig“ wirft Nikolaj ein, der Psychologie unterrichtet, und bringt die Theorie des norwegischen Philosophen und Psychiaters Finn Skårderud auf den Tisch.Es sei aus vielen Gründen vernünftig, immer 0,5 Promille im Blut zu haben, meint der Wissenschaftler. Martin, der einige Probleme mit sich rumschleppt, kommt ins Grübeln und nippt nun doch an einem Wodka. Die letzten Zweifel wirft er über Bord, als er dem Gesang der Folkloretruppe lauscht: „Leere dein Glas, siehe, der Tod erwartet dich!“ Der feuchtfröhliche Abend geht zu Ende. Aber Skåderuds These bleibt in den Köpfen und die Freunde beschließen, die Theorie in die Praxis umzusetzen.Was für eine Schnapsidee! Das kann nicht gut gehen und ich verrate nur soviel, das tut es auch nicht unbedingt. Es ist jedenfalls ein Hochgenuß, dem hochkarätigen Ensemble bei den während eines Jahres durchlebten Hochs und Tiefs zuzuschauen. Dazu gehören auch Maria Bonnevie als Martins Frau Anika und Susse Wold als Rektorin. Alle an der Audiodeskription Beteiligten waren zwar berauscht, aber das hatte nichts mit irgendwelchen Flüssigkeiten zu tun.Text: Inga Henkel und Barbara Fickert, Redaktion: Lena HoffmannSprecherin: Johanna Maria Zehendner, Sprachaufnahme und Mischung: Alessandro Mongardini bei 48hearts productions/speaker-search. Die Erstellung der erweiterten Untertitel legte Kinoblindgänger wie immer vertrauensvoll in die sachkundigen Hände von Subs Hamburg.Stefanie Georgi hatte den Rausch bereits aus dem Dänischen übersetzt. Sie war mit dem Film also bereits sehr vertraut und das merkt man den SDHs auch an!Besonders gut gefällt mir bei den Untertiteln immer die Beschreibung der Musikstile.Der als funkige Instrumentalmusik beschriebene Song „Cissy Strut“ von The Meters macht sofort Gänsehaut und der Titelsong, eingeführt als schwungvoller Synth-Pop „What A Life“ von Scarlet Pleasure mag gar nicht mehr aus dem Kopf gehen! Zum Schluß muß ich den Trinkspruch allerdings etwas einschränken.Ich habe Pferde einmal genüßlich von einem Tablett Bier schlürfen gesehen und dazu paßt die Bestellung im Saloon aus einem Uraltwestern, die in meinem Kopf herumspukt:„Whiskey für mich, Bier für mein Pferd!“

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Das Bild ist zweigeteilt. Links die Blindgängerin in einer dicken Winterjacke vor dem Delphi Filmpalast. Sie hält ein Glas Sekt in die Höhe. Rechts steht sie vor einem Plakat der Berlinale 2021, das eine Bärenfigur zeigt. Die Blindgängerin trägt Jeans und eine bunte Sommerbluse. Auch hier hält sie ein Glas in der Hand und prostet fröhlich lachend der Kamera zu.

Bärenstarker Auftakt

Da stehen wir, dicht an dicht vor verschiedenen Kulissen, ich und ich, und heben unsere Gläser AUFS KINO! Das eine Ich in dicker Winterjacke beantwortete bei frostigen Temperaturen vor dem geschlossenen Delphi Filmpalast folgende Frage: „Was machst du, wenn Corona vorbei ist?“Diese Frage stellte im Januar die Abendschau Berlinerinnen und Berlinern und so auch mir.Meine unschwer zu erratende Antwort gab es in dem liebevoll gemachten, leider nicht mehr verfügbaren Filmbeitrag „Sehnsucht 2021 – Kino“. Fünf Monate später, auch wenn Corona noch nicht ganz ausgestanden ist: Das andere Ich in sommerlicher Bluse kann es kaum abwarten, im eigens für die Berlinale auf der Museumsinsel eingerichteten Freiluftkino endlich wieder einen Film auf der großen Leinwand zu erleben. Und dann noch einen und noch einen! Einen besseren Auftakt meiner endlich wieder möglichen Kinosaison als mit dem Berlinale Summer Special hätte ich mir nicht wünschen können. Der war einfach bärenstark! Drei großartige Filme in drei wunderschönen Freiluftkinos bei traumhaftem Wetter mit gekühlten Getränken in fröhlich entspannter Atmosphäre! „Nebenan“ von Daniel Brühl im Freiluftkino Friedrichshain„Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader im Freiluftkino Museumsinsel„Fabian oder der Gang vor die Hunde“ von Dominik Graf im ARTE Sommerkino Schloß Charlottenburg Bei den Orten fällt mir die Entscheidung recht leicht, das lauschige Freiluftkino Friedrichshain gefiel mir am besten. Die Filme spielen alle in Berlin, einmal in der Gegenwart, der näheren Zukunft und der Vergangenheit.Ich empfehle unbedingt alle drei! Die Audiodeskriptionen gab es über die Greta App und da war meine Favoritin die für „Ich bin dein Mensch“, gefolgt von der von „Fabian“. Bei „Nebenan“ fand ich die Sprecherin sehr gut, die Sätze waren aber oft zu lang und ein bißchen verschraubt. Statt objektiv zu beschreiben, wurde häufig gewertet.Die Greta App hat mit neuem Gesicht, aber gewohnter Bedienbarkeit immer super funktioniert. Zum Schluß ein ganz großes Dankeschön an: Die Berlinale für das kleine, aber feine barrierefreie Angebot!Das freundliche Team am Inklusions-Ticketschalter und den noch nie so unkomplizierten Kartenerwerb!An Anke Nicolai und ihr Team fürs Zusammenstellen der Filme bei der Greta App und das freundliche und aufmerksame in Empfang nehmen der Nutzerinnen und Nutzer der App bei den jeweiligen Vorstellungen! In der Musiktheorie verwendet man den Begriff Auftakt für den Anfang eines Musikstückes, das nicht mit einem vollständigen Takt beginnt.So ist es auch gerade mit den Kinos, die zwar abgesehen von den Freiluftkinos nur vereinzelt schon geöffnet haben, aber insgesamt und bundesweit dann am 01. Juli durchstarten.Ich bin guter Dinge, daß kein Delta, Gamma oder sonst was dazwischenfunkt!

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Die Blindgängerin auf dem Beifahrersitz eines PKW, der Fahrersitz ist leer. Sie spricht in ein Mikrophon, das sie in der Hand hält. Das Display des Navigationsgerätes im Armaturenbrett zeigt einen Pfeil geradeaus. Davor steht ein weißer Spielzeugroboter mit einem roten Megaphon in der Hand. Er weist mit einem Arm nach rechts.

Wer da so spricht

„Demnächst rechts abbiegen“,kündigt die sachlich freundliche Stimme aus den Lautsprecherboxen an. „Dann quatsch nicht, sondern mach einfach, wenn’s soweit ist“,liegt mir dann manchmal auf der Zunge. Ob ich wohl jemals in einem selbstfahrenden Auto sitzen werde? Eine verlockende Vorstellung!Aber ich will nicht ungerecht sein. Die Navi-Tante, wie wir sie nennen, ersparte uns schon einige Megastaus. Sie hat viele Jahre auf dem Buckel und Straßen- und Städtenamen kommen ihr nicht über die Lippen. Dafür kann sie Prosodie. Intonation (Tonhöhe), Satzmelodie und Rhythmus sind nur drei Eigenschaften der Sprache, die unter den sprachwissenschaftlichen Begriff Prosodie fallen. Die meist kurzen Sätze spricht die Navi-Tante flüssig und in einem angenehmen Tempo. Am liebsten höre ich von ihr: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“Wie in der deutschen Sprache üblich, senkt sie die Stimme am Ende einer Redeeinheit, so bei „…abbiegen“ und geht nach oben, wenn sie ruft: „Jetzt rechts!“, um Action zu signalisieren. „Bonjour“ dröhnt es jeden Morgen aufmunternd und etwas blechern aus meiner französisch sprechenden Waage, sobald ich einen Fuß auf sie setze. Kaum steht der zweite daneben, bekomme ich mit einwandfreiem Accent bis auf 100 Gramm genau das Resultat vorgerechnet. Das „Bonjour“ muß sie aber noch üben. Beim „bon“ geht sie mit der Stimme nach oben und dann beim „jour“ nach unten. Umgekehrt wäre es richtig. Um auch Rechner und Handy französisch parlieren zu lassen, bin ich in meiner Lieblingsfremdsprache nicht fit genug.Aus dem Laptop tönt die männliche Standard-Stimme des Screenreaders Jaws. Das Voice Over beim iPhone spricht eine Frauenstimme. Beide pausieren je nach Satzzeichen und verändern den Tonfall leicht. Außerdem haben sie dieselben Sprechfehler: Ich bekomme zum Beispiel bei der Bundesministerin Frau Kloeckner statt ö ein o-e zu hören. Dafür machen sie aus dem e-i bei geimpft ein ei. Das überschmunzel ich dann einfach!Aber sie können auch mitdenken und erkennen aus dem Zusammenhang, ob „umfahren“ im Sinn von jemanden umfahren oder etwas umfahren, um ihm auszuweichen, gemeint ist, und betonen dementsprechend das „um“ oder das „fahren“.Es klingt zwar monoton, wenn sie mir die Texte herunterrattern. Meine recht hoch eingestellte Vorlesegeschwindigkeit würde aber auch die schönste menschliche Stimme verhunzen. Stimme hin oder her, ohne eine spezielle Software käme aus keinem der vier Geräte auch nur ein Muckser!Diese als Sprachausgabe, Sprachsynthese oder Text-to-Speach-System bezeichnete Technik setzt die auf den Displays zu sehenden Texte in gesprochene Sprache um. Eine grandiose Innovation vor allem für Sehbehinderte, die wie ich die Blindenschrift nie gelernt haben! Und woher kommen die von den Sprachausgaben benötigten Stimmen?Dazu folgendes Zitat aus dem World Wide Web:„Grundlage ist ein Sprecher, der entweder vollsynthetisch – also künstlich – generiert ist, oder es handelt sich um Tonaufzeichnungen einer echten Person, die Soundschnipsel in einem Tonstudio eingesprochen hat.“ Letztere Variante könnte bei unserem Navi zum Einsatz gekommen sein. Die gefällige Stimme klingt natürlich und der Wortschatz ist doch sehr begrenzt.Dagegen flirren täglich neue nicht enden wollende Textfluten inklusive meinem Geschreibsel über meinen Bildschirm und mein Handydisplay. Dieses Pensum kann nur von künstlich generierten Stimmen bewältigt werden. Ob an deren Entwicklung irgendwann auch die von Menschen beteiligt waren? Wäre jedenfalls denkbar. Ganz klar, ich möchte meine synthetischen Vorlese-Assistenten nicht mehr missen. Ohne sie wäre ich arbeitsunfähig und völlig aufgeschmissen!Um so mehr genieße ich beim feierabendlichen Filmeschauen, einer Audiodeskription (AD) vorgetragen von echten Sprecherinnen und Sprechern zu lauschen, die ihre Stimmen beherrschen wie Profimusiker ihre Instrumente und gekonnt damit spielen.Also Dynamik, Dramatik und Emotionen dem Film entsprechend fein dosieren. Und wenn es in einer kurzen Dialogpause schnell gehen muß, klingen sie trotzdem ruhig und unaufgeregt. Die Stimme im wissenschaftlichen Sinn ist übrigens Schall. Durch die Stimmlippen im Kehlkopf erzeugt, wird er von Mund, Rachen und Nasenhöhlen modelliert.Es liegt auf der Hand, daß sich die kleinste Veränderung der Mimik auf diesen sensiblen Prozeß und damit auf den Klang der Stimme auswirkt. Das geschieht zum Beispiel, wenn die Sprecherinnen und Sprecher im Tonstudio die Filmbilder sehen und ihre Mundwinkel, ob sie wollen oder nicht, nach oben oder unten gehen und sich die Augen vor Entsetzen weiten. Lassen sie, anders als beim möglichst neutralen Nachrichtenlesen, diese Emotionen beim Sprechen zu, ist das Ergebnis eine AD, die auf ganz natürliche Weise die Atmosphäre des jeweiligen Films transportiert. Ist einmal zu viel oder zu wenig Gefühl in der Stimme, sollte ein Wort anders betont oder ein Satz in einem anderen Rhythmus gesprochen werden, liegt es bei der Sprachregie, korrigierend einzugreifen. Dieser Arbeitsschritt im Tonstudio entfällt, wenn ein Text-to-Speach-System verwendet wird.Das spart Zeit und Geld.In beiden Fällen am aufwendigsten ist allerdings der vorausgehende Schritt, die Erstellung des Skripts von einem dreiköpfigen geschulten AD-Team. Denn auch die synthetischen Stimmen müssen ja schließlich wissen, was sie zu sprechen haben.Und auch den letzten Schritt, den finalen Mix, müssen beide gehen. Bei der Abmischung wird die Tonspur mit der analogen oder synthetischen Stimme mit der Tonspur des Films zusammengefügt. Nicht zu vergessen ist, daß es auch die synthetischen Stimmen nicht umsonst gibt. Die nötige Software muß angeschafft und gewartet werden. Und wie hören sich synthetische Stimmen nun an?Für mich nach einigen Hörproben mal leicht heiser, mal wie ein bißchen angestrengt, den richtigen Ton zu treffen, was dann nicht immer gelingt. Ein witziges Beispiel: „Mit erhobenen ‚Pißtolen“! Oder ich hatte ein gleichbleibend freundliches Dauerlächeln im Ohr. Und sehr chaotisch wird es, wenn neben der AD fremdsprachige Dialoge übersprochen werden. Aber synthetische Stimmen haben bei ADs grundsätzlich einen schweren Stand. Sie geben sich mit den echten im ständigen Wechsel die Klinke in die Hand, so daß der Unterschied besonders auffällt.Die Qualität hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert. Aber um eine die wechselnden Stimmungen eines Films begleitende AD hinzubekommen, müssen sie noch mächtig viel üben!Deshalb werden sie bei Spielfilmen, ob Drama, Komödie, Liebesfilm oder Thriller, und Dokumentarfilmen nicht eingesetzt und es fehlt auch an der Akzeptanz der Zielgruppe. Auch mein Herz schlägt für die menschliche Stimme in all ihren wunderbaren Nuancen! Wo ich mir dafür synthetische Stimmen vorstellen kann? Sehr gut vor allem bei Erklärfilmen, in denen sachliche Inhalte vermittelt werden. Ebenso bei Reportagen über tagesaktuelle Themen, an denen – das liegt in der Natur der Sache –

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Vor einer braunen Holzhütte steht die Blindgängerin im Schnee. In ihrer ausgestreckten rechten Hand hält sie eine Hand aus Eis. Die Hände liegen wie bei einer Begrüßung ineinander.

Ein eiskaltes Händchen

Es ist ein ziemlich kräftiges und in Begrüßungspose erstarrtes Händchen geworden! Wie dafür gemacht, um das meinige ganz vorsichtig hineinzulegen. Fühlt sich ganz schön eisig an. Eine wohlig warme weiche Hand mit einem Menschen daran wäre mir zwar lieber, aber daraus wird wohl so schnell nichts. Stattdessen wäscht eine Hand die andere mit viel Seife, Warmwasser und so oft wie möglich! Schnellstmöglich nach dem unvermeidbaren Anfassen von Handläufen, Haltestangen in Bussen oder Griffen von Einkaufswagen die Hände zu waschen, war mir schon immer ein dringendes Bedürfnis. Nach dem Händeschütteln hatte ich das so nicht! Wie geht eigentlich eine Begrüßung per Handschlag ohne Blickkontakt? Ganz einfach, beherzt die Hand ausstrecken und darauf warten, bis das Gegenüber sie ergreift! Das hat eigentlich immer sehr gut funktioniert. Zusammen mit dem Händedruck und der Stimme konnte ich mir schon einmal ein erstes Bild von meinem Gegenüber machen. Und diese Möglichkeit der Berührung und Nähe fehlt mir zur Zeit sehr! Jetzt steht man sich im gebührenden Abstand gegenüber und raunt sich durch die Maske ein „Guten Tag“ oder „Hallo“ zu, vielleicht verbunden mit einem freundlichen Kopfnicken, das mir natürlich entgeht. Ich fühle mich dann meistens ein bißchen verloren. Aber da muß ich durch, an der strikten Einhaltung der AHA-Regeln führt kein Weg vorbei. Wehmütig denke ich an die Begegnung mit der Filmemacherin Waad al-Kateab Anfang März 2020 zurück. Ich durfte die beeindruckende junge Frau aus Aleppo vor der Premierenvorstellung ihres Dokumentarfilms „For Sama“ kurz treffen. An den herzlichen, energischen Händedruck mit ihrer für mich überraschend kleinen Hand und ihre sanfte Stimme werde ich mich immer erinnern! Und wie geht es jetzt mit meinem eiskalten Händchen weiter? Jedenfalls nicht zurück in den Gefrierschrank, wo es hergekommen ist. Es hat ein schönes Plätzchen vor einem Baumstumpf bekommen und wird sich witterungsbedingt allmählich einfach auflösen. Schade eigentlich, ein drittes Händchen könnte ich des öfteren ganz gut gebrauchen! Eines, das mobil ist, hören und auf Zuruf Gefälligkeiten erledigen könnte. Gibt’s nicht? Gibt’s doch, aber leider nur im Film bei der Addams Family! Dieser schräge durchgeknallte Clan hat einen Mitbewohner, eine abgetrennte Hand namens „eiskaltes Händchen“. Es jagt auf den Fingerspitzen tippelnd durchs Haus und macht sich auch andernorts nützlich. Zum Beispiel holt es die Zeitung oder kommt mit einem Brief über den Frühstückstisch gelaufen. Es kann aber auch ein Auto steuern und dabei das Autoradio einstellen. Die Geschichte dieser schrecklich schrecklichen Familie, mit der ich bei der Arbeit an der Audiodeskription für den Kinofilm „Die Addams Family“ aus dem Jahr 2019 erstmals in Kontakt kam, reicht weit ins letzte Jahrhundert zurück. Das eiskalte Händchen hat es mir besonders angetan und ich freue mich auf ein Wiedersehen bei der Fortsetzung, so der Plan, im Oktober 2021 im Kino mit „Die Addams Family 2“! Und jetzt hätte ich gerne ein Händchen, das mir ein Getränk bringt und das Abendessen serviert. Das Getränk darf eiskalt sein, Händchen und Abendessen müssen das nicht.

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Vor dem Delphi-Filmpalast in Berlin steht die Blindgängerin in einer hellen dicken Winterjacke. Auf einer steinernen Balustrade vor ihr steht eine geöffnete Piccolo-Flasche. Die Blindgängerin hebt ein Glas Sekt hoch und prostet fröhlich der Kamera zu.

In der Abendschau und im Freundeskreis der Filmakademie

Ein toller Start ins neue Jahr und gleich zwei schöne Gründe, mit einem Glas Sekt anzustoßen! Eine eher nicht geheime Mission führte mich zum geschlossenen Delphi Filmpalast. Statt mit einer Walther PPK war ich mit Langstock, Handy und einem Piccolo bewaffnet. Susanne Bruha, die Reporterin vom RBB, war mir immer dicht auf den Fersen und nahm mich dabei mit ihrer Kamera ins Visier. Noch bis zum 21.01.2021 in der RBB-Mediathek:https://www.ardmediathek.de/rbb/video/abendschau/sehnsucht-2021-kino/rbb-fernsehen/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvYWJlbmRzY2hhdS8yMDIxLTAxLTE0VDE5OjMwOjAw X2E2YTE1MzY0LTA1MTctNDYwZC04YTdlLWFjZTRkZWQwNmYzMC90cmFldW1l/ „Was machst du, wenn Corona vorbei ist?“ fragt die Abendschau Berlinerinnen und Berliner. Ich durfte antworten und meine Antwort gibt’s in diesem ganz liebevoll gemachten Filmbeitrag „Sehnsucht 2021 – Kino“, untermalt mit der wohl weltweit bekanntesten Filmmusik. Statt mit einem Martini, geschüttelt und nicht gerührt, oder war es umgekehrt, habe ich mit einem Glas Sekt auf das Kino angestoßen! „Herzlich willkommen im Freundeskreis der Deutschen Filmakademie!“ Diese Nachricht gleich zu Jahresbeginn ließ mein Herz sofort höher schlagen! Der Freundeskreis der Deutschen Filmakademie steht branchennahen Personen offen, unter anderem aus den Bereichen Dramaturgie, Festivalleitung und Schauspielagenturen. Er unterstützt die Arbeit und Ziele der Filmakademie. Ich freue mich sehr, in diesem ausgewählten Kreis dabei sein zu dürfen, und bedanke mich herzlich für die Aufnahme! Als Freundin werde ich zu den Veranstaltungen eingeladen und konnte an dem ersten Web-Seminar der Deutschen Filmakademie schon teilnehmen. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, und werde versuchen, das Thema „barrierefreier Film“ so oft wie möglich ins Gespräch zu bringen. Dabei werden natürlich auch die „Barrierefreiheits-Lolas“ nicht vergessen. Aber das Jahr fängt ja gerade erst an!

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Die Blindgängerin steht vor einem Fenster, im Hintergrund ein Garten. Sie trägt einen lachsrosa Pulli und strahlt fröhlich in die Kamera. Die rechte Hand hat sie zum High Five erhoben, bereit zum Abklatschen.

Miss Sophie und die Kontaktbeschränkungen

Gib mir eins, zwei, drei, vier, fünf! Mehr ist zur Zeit leider nicht drin. Aber an dieser Beschränkung wird Miss Sophies Feier anläßlich ihres 90. Geburtstags nicht scheitern. Die Festtafel ist genau für fünf Personen eingedeckt. Gib mir eins, zwei! O je! Das war’s schon mit den verschiedenen Haushalten, aus denen die fünf Personen kommen dürfen. Wegen dieser Regelung müßte es jetzt zum ersten Mal heißen: „Keine Prozedur wie letztes, nein, wie dieses Jahr!“ Aber Miss Sophie hat wie immer bereits am Kopfende der Tafel Platz genommen. Die für ihre engsten Freunde Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom vorgesehenen Plätze werden allerdings wie immer unbesetzt bleiben. Die vier engsten Freunde sind längst verstorben. Das „Dinner for One“ kann also beginnen und findet natürlich auch in 2020 wie letztes, nein, wie jedes Jahr statt! Gleich wird Butler James in gewohnt gediegener Manier sein „very best“ geben und das Vier-Gänge-Menü genau nach Miss Sophies Vorstellungen servieren. Gib mir eins, zwei, drei, . . . neun, zehn, elf! Genauso oft gerät Butler James beim Servieren ins Straucheln. Hoppla, immer ist der Kopf des Tigerfells im Weg. Aber halt, seit fünf Jahren bekommt die treue Seele Unterstützung beim Stolpern und Leeren der vielen Gläser! Beim dritten Gang des Geburtstagsmenüs – Hühnchen mit Champagner – wird James von gleich sechs Kolleginnen und Kollegen abgelöst. Kübra Sekin serviert das Huhn mit waghalsigen Manövern rollstuhlfahrenderweise. Carina Kühne mit dem Downsyndrom kümmert sich ganz reizend um das Wohl der alten Dame und die Blindgängerin torkelt und kleckert nicht nur einmal mit Champagner. Der kleinwüchsige Mathias Mester, der gehörlose Eyk Kauly und der kurzarmige Rainer Schmidt bemühen sich ebenfalls auf ihre ganz spezielle Weise um die Gastgeberin und ihre virtuellen Gäste. Die Idee für dieses wunderbare „Ablösungsmanöver“ hatte die Aktion Mensch! Ich empfehle unbedingt, beide Varianten des Dinner for One anzuschauen. Die eine wie immer im TV, die andere im neuen YouTube-Kanal der Blindgängerin. https://www.youtube.com/channel/UChA6kDS5vzQX5r9EKuoDKFA Jetzt wünsche ich allerseits einen guten Rutsch in ein unkomplizierteres Jahr 2021 und gebe fünf!

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Die Blindgängerin steht am Ufer eines schmalen Kanals, auf dem Enten schwimmen. Sie trägt eine helle dicke Winterjacke. In der linken Hand hält sie einen Stein. Sie hebt den Arm, bereit zum Wurf.

Jetzt mit eigenem Kanal

Die Meerenge zwischen Frankreich und Großbritannien, der sogenannte Ärmelkanal, ist eine von der Natur gemachte Verbindung zwischen dem Atlantik und der Nordsee. Aber bei den meisten Kanälen hat der Mensch Hand angelegt! So zum Beispiel bei dem nur einen Steinwurf von meiner Haustür entfernten Kanälchen, das von der Havel zu einem kleinen See führt. Elektrische Leitungen werden in Kabelkanälen versteckt. Der „Schwarze Kanal“ war ein von Karl-Eduard von Schnitzler moderiertes Politmagazin oder eine Propagandasendung des DDR-Fernsehens, die einen sagen so, die anderen so. Aber jetzt zum Kanal in eigener Sache, ohne Wasser, kabellos und sehr bunt! Die Blindgängerin ist auch in der weltweit größten Röhre, YouTube heißt übersetzt „Du Röhre“, inzwischen an verschiedenen Orten aufgetaucht. Damit sie sich nicht verirrt, hat sie einen eigenen YouTube-Kanal bekommen. Dort sind nun alle Videoclips gelandet! Hier geht es zum Kanal: https://www.youtube.com/channel/UChA6kDS5vzQX5r9EKuoDKFA/featured Und weil die Blindgängerin sehr gerne teilt, sind auf dem Kanal auch die Videos der von ihr ins Leben gerufenen Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH zu sehen. Ich danke allen, die Hand angelegt haben, und wünsche viel Spaß mit dem Kanal!

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Die Blindgängerin vor einer weißen Fassade, an der der Putz bröckelt. Sie trägt einen bunten Hidschab, einen langen schwarzen Mantel, und hält ihren weißen Langstock. Neben ihr sitzt ein Hund, dem sie den Kopf tätschelt. Auf der anderen Seite steht eine große Plastiktasche am Boden, gefüllt mit in Alufolie gewickelten Päckchen. Geldscheine quillen aus der Tasche.

Eine Frau mit berauschenden Talenten

„Zehner, Zwanziger, Fünfziger: So zahlen Hosenscheißer, sind Sie Hosenscheißer? Zeit ist Geld!“ herrscht Madame Hasch ungeduldig ihre neuen „Geschäftspartner“ an, während bündelweise Geldscheine durch eine Zählmaschine rattern. „Sind wir nicht…“ …entgegnen bedröppelt die etwas unterbelichteten Dealer Scotch (Rachid Guellaz) und Chocapic (Mourad Boudaoud). Die beiden sind schon wegen des Ortes, an dem sie die heiße Ware in Empfang nehmen, ziemlich nervös. Madame Hasch, berauschend gespielt von Isabelle Huppert, wählt für den ersten Deal in ihrem neuen Betätigungsfeld ausgerechnet den Parkplatz vor einem Männergefängnis. Sie ist eben „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ von Jean-Paul Salomé nach dem Roman „La Daronne“ von Hannelore Cayre, jetzt im Kino! Diese witzige und spannende Komödie aus Frankreich kann unmöglich an den Kinofans mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung einfach so vorbeirauschen, dachte sich das Team von Kinoblindgänger. Gedacht, getan! Die Marie, so nennt Kinoblindgänger seine mit Spenden- und Sponsorengeldern produzierten barrierefreien Fassungen, ist auch schon ganz berauscht. Sie freut sich, daß die Audiodeskription und erweiterten Untertitel zum Kinostart bei der Greta App bereitstehen! Aber wer ist eigentlich diese Madame Hasch, die kofferähnliche karierte Plastiktaschen, die sie als „marokkanische Koffer“ anpreist, durch Paris schleppt und die Drogenszene aufmischt? Das interessiert die Ermittler des Drogendezernats und allen voran Hauptkommissar Philippe (Hippolyte Girardot) auch brennend. Und wenn sie wüßten, daß hinter der eleganten Erscheinung mit Hidschab, großer Sonnenbrille und Goldschmuck ihre Kollegin steckt! Patience arbeitet als Dolmetscherin und übersetzt genau in diesem Dezernat abgehörte arabische Telefonate aus der Drogenszene. Über dieses Dezernat kommt sie auch an DNA, einen in Rente geschickten Polizeihund, speziell auf Drogen abgerichtet. Beste Voraussetzungen also, die Polizei und die gefährliche „Konkurrenz“ an der Nase herumzuführen. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten! Nur soviel sei gesagt, Patience wird natürlich nicht von Knall auf Fall zu Madame Hasch. Dieser Schritt ist ein längerer Prozeß und Patience hat ihre Gründe. Neben turbulenten Actionszenen gewährt der Film Einblicke in ihr Leben. Sie ist seit vielen Jahren verwitwet, hat zwei erwachsene Töchter und kümmert sich liebevoll um ihre in einem Pflegeheim untergebrachte Mutter. Und dann ist da noch der Hauptkommissar Philippe. Im Trailer bekommt man schon so eine Ahnung, und den gibt’s mit Audiodeskription und erweiterten Untertiteln! Zu finden ist dieser Trailer im brandneuen Youtube-Kanal der Blindgängerin, den sie mit der Kinoblindgänger gGmbH teilt! Wer hinter der barrierefreien Fassung steckt, ist natürlich kein Geheimnis. Die Arbeit an der Audiodeskription trieb uns allen wegen der Dialogdichte, der vielen Personen und schnellen Szenenwechsel die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn. Text Angela Bernhardt und Barbara Fickert, Redaktion Ralf Krämer und Jürgen Schulz, Sprecher der AD Felix Würgler, Sprecher und Sprecherinnen der Untertitel/ Voice Over: Pascal Cürsgen, Marco Wittorf, Susanne Hauf, Ilka Teichmüller. Produziert bei 48hearts productions/ speaker-search, Tonaufnahme Gislinde Böhringer. Die SDH/ erweiterten Untertitel erstellte Anna Pristouschek für subs, Hamburg. Die wunderbare Filmmusik von Bruno Coulais ist in den Untertiteln so treffend beschrieben, daß ich beim Lesen die entsprechenden Melodien im Ohr und die jeweilige Szene vor Augen hatte! Los geht es mit feierlicher Geigenmusik. Dann gibt es orientalischen Hip-Hop, auch mal cool. Majestätische Orchestermusik erklingt, dann dynamische arabische Musik, auch mal fetzig oder beschwingt, die sich steigert und dann abebbt. Französischer Rap kommt aus dem Radio und heitere chinesische Musik aus einem Park. Der Film klingt aus mit stimmungsvoller House Music. Und hier eine Aufzählung verwendeter Adjektive: Spannungsvoll, bedächtig, geheimnisvoll, dynamisch, sentimental, pulsierend, verspielt, rhythmisch, traurig, emotional, sanft! Alle Beteiligten hoffen, mit ihrer Arbeit möglichst vielen Kinofans die Freude an der „Frau mit berauschenden Talenten“ zu ermöglichen, denen dieses Filmerlebnis sonst verwehrt geblieben wäre. Und um noch einmal auf die eingangs erwähnten Geldscheinbündel zurückzukommen: Egal, ob Zehner, Zwanziger oder Fünfziger: Die Kinoblindgänger gGmbH freut sich, anders als Madame Hasch, über jeden Geldschein, denn das nächste Projekt kommt bestimmt! Die Zählmaschine wäre nicht das Problem, da helfen gerne alle mit…

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Die Blindgängerin und ihr Begleiter Nino. Sie halten Popcorntüten in den Händen. Beide tragen Masken.

Auf der Filmkunstmesse 2020

Hundertprozentige Planungssicherheit gab es noch nie, aber zur Zeit gibt es so gut wie gar keine. Viele Veranstaltungen werden deshalb gleich verschoben oder komplett ins Netz verlegt. Aber nicht die 20. Filmkunstmesse in Leipzig Die „AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater“ entschied, das Festival zwar auch digital, aber hauptsächlich analog stattfinden zu lassen, und setzte damit ein so wichtiges Signal an die Kino- und Filmbranche! Kinoblindgänger durfte zum fünften Mal bei dem jährlichen Branchentreffen dabei sein und ich habe mich während der zwei Tage immer sicher gefühlt! Das lag vor allem an der hervorragenden Organisation und dem ausgeklügelten Hygiene- und Sicherheitskonzept. Aber auch ich hatte mich dieses Mal anders organisiert. Mein Sicherheitskonzept hieß Nino! Wir sind inzwischen nach einigen gemeinsam erlebten Filmfestivals ein eingespieltes Team. Nino, der junge Mann auf dem Foto neben mir, war immer an meiner Seite. Ich mußte also niemanden ansprechen, um mir zu helfen, von A nach B zu kommen. Er hatte sich im Vorfeld um die Akkreditierungsunterlagen und die online-Buchungen der Tickets gekümmert. Wie sonst spontan irgendwo hinzugehen, ging dieses Jahr nämlich gar nicht. Das war ein ganz wichtiger Punkt des Sicherheitskonzepts. Im Kinosaal saßen wir nicht direkt nebeneinander. Die Plätze vor, hinter und neben mir waren immer frei, also eine 50-prozentige Auslastung der Säle bei größtmöglichem Abstand. Der Mittwoch stand zunächst im Fokus Diversität! Bei dem Panel „Female Spirits – weibliche Filme sichtbar machen“ stellten fünf Regisseurinnen ihre Filmprojekte vor. Von Katrin Schlössers Film „Szenen meiner Ehe“ hatte ich schon gehört, weil ich seitens der Produktion um Rat wegen der zu erstellenden Audiodeskription gefragt wurde. Auch bei der anschließenden öffentlichen Podiumsdiskussion ging es um das Thema Vielfalt: „Das Gesellschaftsbild im Film – Deutschland hat viele Gesichter“. Aber sind die auch im Kino zu sehen? Nein, und darüber herrschte auch Einigkeit auf dem Podium! Bei der Gelegenheit wies die Medienwissenschaftlerin Prof. Elizabeth Prommer auf die von einem breiten Bündnis inklusive Kinoblindgänger getragene Initiative „Vielfalt im Film“ (VIF) hin. Am Donnerstag war dann Kino mit Popcorn angesagt und ich war auf Ninos Filmauswahl gespannt. Unter den drei Filmen „Falling“, der deutschen Produktion „Räuberhände“ und „Coup“ von Sven O. Hill, war “Coup”, der Gewinner des Förderpreises Neues Deutsches Kino, unser absoluter Favorit! Diese witzige Mischung von dokumentarischem Material, nachgespielten Szenen und Animationen kommt im nächsten Frühjahr ins Kino, unbedingt vormerken! Nur soviel sei verraten: Es geht um einen Bankräuber, dem man jeden Pfennig gönnt. Der krönende Abschluß der Filmkunstmesse ist jedes Jahr die Preisverleihung der Gildepreise am Donnerstagabend. In der Location „Täubchenthal“ ließen Nino und ich bei etwas kühleren Temperaturen und ein, zwei Gläsern Wein die sehr schönen Tage ausklingen. Die AG Kino hat jedenfalls bewiesen, daß und wie auch ohne Planungssicherheit eine Veranstaltung mit rund 800 Besucherinnen und Besuchern über fünf Tage erfolgreich und sicher über die Bühne gehen kann! Und Nino, hat wie immer viel Spaß gemacht mit dir!

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