Tiger Girl

Laß die zwei jungen Frauen einfach drauflos spielen, ist die Devise des Herrn Lass.
Mal schauen, wo die „Reise“ dann hingeht.

Geographisch gesehen, beginnt und endet alles aber auch nur beinahe vor meiner Haustür.
Die Streifzüge von Ella Rumpf als Tiger und Maria Dragus als Vanilla finden natürlich in dem angesagteren Teil Berlins statt, in dem das Leben tobt, und nicht im eher beschaulichen Spandau. Vielleicht war es deshalb aussichtslos, ein Kino halbwegs in meiner Nähe zu finden, in dem der Film „Tiger Girl“ gezeigt wird.

Dem Ur-Spandauer wird nachgesagt, seinen Bezirk nur höchst ungern über eine der drei Brücken über die Havel zu verlassen und, wie er meint, „nach Berlin“ zu fahren.
Ich als Zugezogene genieße das etwas ruhigere Leben im Grünen mit viel Wasser sehr. Genau so gerne stürze ich mich aber in das kulturell übersprudelnde Chaos jenseits der Havel.

So beispielsweise für „Tiger Girl“ ins tiefste Kreuzberg zum Kottbusser Damm Nr. 22.
Dort im ersten Stock ist das von den Betreibern mit viel Herzblut und Engagement geführte Kiezkino Moviemento.

Nach dem Kino wieder auf der Straße, kamen plötzlich Tiger und Vanilla in geklauten Uniformen an mir vorbeipatrouilliert, um nach ihren unkonventionellen Vorstellungen für Recht und Ordnung zu sorgen.
Nein, natürlich nicht! Aber so abwegig ist der Gedanke gar nicht.

Häufig waren die belebten Straßen und Parks Berlins die Kulisse, genau so, wie sie nun einmal sind. In diesem sogenannten dokumentarischen Umfeld ließ der Regisseur Jakob Lass seine Hauptfiguren Tiger und Vanilla recht frei agieren. „Frei“ bedeutete hier ohne vorgegebene Dialoge und mit nur sehr allgemein gehaltenen Ansagen über den Verlauf seiner Filmgeschichte, in der es um die Freundschaft zweier total verschiedener Frauen Anfang 20 geht.
Absolut unvorhersehbar, unberechenbar, schnell, witzig, liebevoll und sanft, aber auch brutal geht es dabei zu, wie das Leben eben so pinkelt!

Besonders überraschend ist das Ende, da hat sich wohl bei allen im Kinosaal ein fettes Grinsen breitgemacht!
Und ohne die Audiodeskription über die App Greta hätte ich bestimmt nicht mitgrinsen können.
Zum Schluß geht es noch einmal richtig rund und dabei fallen nur wenige klärende Worte.
Eine große Herausforderung muß die Beschreibung der Kampfszenen gewesen sein, wessen Bein oder Faust bei den teils akrobatisch und tänzerisch anmutenden Choreographien welchen Körperteil des Gegners oder der Gegnerin traf.
Darüber war ich immer bestens im Bilde. Das gilt auch für Tigers und Vanillas grundverschiedenes Äußeres mit ihren ständig wechselnden Outfits.
Genauso unverwechselbar wie das Erscheinungsbild der beiden waren ihre Stimmen, was mir sehr beim Sortieren der Akteure half.
Hätte mir die Audiodeskription eine junge, kecke, weibliche Stimme ins Ohr geflüstert, wäre der Hörgenuß einfach perfekt gewesen.
Die mir wohlvertraute Stimme des Sprechers mit einem wenn auch nur sehr dezent bayerischen Einschlag, die ich prinzipiell sehr gerne höre, wollte sich für meine Ohren nicht so recht in das Ganze einfügen.
Aber das niedrig angesetzte Budget für den Film und damit auch für die Audiodeskription ließ wohl keinen Spielraum, externe Sprecher zu engagieren.

Jakob Lass und sein Team konnten sich übrigens über die Unterstützung der fast ein bißchen verschwörerisch klingenden Initiativen „Alpenrot“ und „Leuchtstoff“ freuen.
Deutschlands größter Filmproduzent Constantin Film und der RBB mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg wollen damit genau solche jungen, engagierten und experimentierfreudigen Filmemacher fördern.
Aus dieser Ecke sind bestimmt noch spannende Projekte zu erwarten!

Zum Schluß lasse auch ich, und zwar die Filmlöwin zu Wort kommen!
Sie hat sich schon während der Berlinale an „Tiger Girl“ herangepirscht, wo der Film in der Sektion Panorama Special seine Premiere feierte.
Ob sie ihre scharfen Krallen ausgefahren und ihre Raubkatzen-Kollegin in Streifen gefetzt oder wohlwollend schnurrend mit Samtpfoten angepackt hat?
Hier steht‘s geschrieben:

http://filmloewin.de/berlinale-2017-tiger-girl/

 

Willkommen und Welcome im Handel!

Der Mörder ist immer der Raucher…

…und der schlägt zwar nicht immer erbarmungslos zu, führt aber selten was Gutes im Schilde!

Greift in einem Film, ob Kino oder TV, nur eine einzige Person zum Glimmstengel, dann spielt diese fast nie die Rolle eines Sympathieträgers.

So verhält es sich auch in den beiden Kinofilmen

„Willkommen bei den Hartmanns“ und „Welcome to Norway“

Beide kann man sich jetzt per DVD auch auf dem heimatlichen Sofa zu Gemüte führen.

In „Welcome to Norway“ übernimmt der aus Libyen geflüchtete mürrische Zoran den rauchenden Part.
Er sabotiert die Stromversorgung der mehr schlecht als recht ausgestatteten Flüchtlingsunterkunft in der norwegischen Provinz. Schlagartig sitzen der verhaßte Betreiber, den er als „Scheiß-Wikinger“ beschimpft, dessen Familie und alle Bewohner der Unterkunft im Dunkeln und frieren. Nach einem einschneidenden Ereignis aber überdenkt er seine destruktive Haltung. Als gelernter Ingenieur behebt er den Schaden und sorgt für eine stabile Stromversorgung.

Bei den Hartmanns, die gerade den sympathischen Diallo aus Nigeria in ihrem wunderschönen Haus herzlich willkommen heißen, ist es die Nachbarin, die raucht.
Mit einer Zigarette in der Hand steht sie auf ihrem Balkon und keift ausländerfeindliche Parolen herüber. Zum Schluß schließt sie sich sogar einer Pegida-ähnlichen Versammlung vor der Villa der Hartmanns an.

Aber sowohl in der norwegischen Provinz als auch bei den Hartmanns gibt es auch unter Nichtrauchern reichlich Idioten und weitaus schlimmere Übeltäter.

Einen Eindruck, wie unterschiedlich die Regisseure Rune Denstad Langlo und Simon Verhoeven an dasselbe hochaktuelle Thema herangingen, vermitteln schon die Trailer.

Der Link nach Norwegen:

Trailer „Welcome to Norway“

Der Link zu den Hartmanns:

Trailer „Willkommen bei den Hartmanns“

Aber gemeinsam haben die zwei Filme sehr gut gemachte Audiodeskriptionen!
Und diese sind nicht im Nichts verraucht, wie es sonst leider noch oft der Fall ist, sondern waren im Kino über die App Greta und Starks erlebbar!
Ohne hätte mir z. B. das wichtige Detail, wer raucht, im geruchsneutralen Kinosaal nicht auffallen können.
Die Texte der Audiodeskriptionen stammen übrigens aus der Feder derselben Autorin, Inga Henkel. Für „Willkommen bei den Hartmanns“ war sie im Auftrag der Eurotape Media Services GmbH und bei „Welcome to Norway“ für die Kinoblindgänger gGmbH aktiv.

Wer den ein oder anderen oder gar beide Filme im letzten Herbst im Kino verpaßt hat, kann das jetzt nachholen und dabei auch rauchen!
Und auf beiden DVDs wurde auch die Audiodeskription plaziert.

Zusammengefaßt ist mit der deutschen Filmproduktion „Willkommen bei den Hartmanns“ und dem norwegischen Film „Welcome to Norway“ barrierefreie Vielfalt gelungen, weiter so!

Dieser Weg wird kein leichter sein!

Ihr wollt heute Abend essen gehen? Mit Eurem Freund, der im Rollstuhl sitzt?
Kein Problem, jedes halbwegs neue Restaurant muß einen barrierefreien Zugang haben, dafür sorgt fürsorglich der Gesetzgeber. Ob Käsespätzle, Eisbein mit Sauerkraut, Weißwurst oder Ostseescholle, alles kein Problem!
Ach, Ihr wollt heute lieber mal zum Chinesen oder zum Griechen? Euch steht der Sinn nach Spaghetti Carbonara e una Coca-Cola?
Tja, dann muß Euer Kumpel zu Hause bleiben, denn für die chinesische, griechische oder italienische Küche gilt das Gesetz natürlich nicht, nur für deutsche Gerichte.
Das ist absurd? Ja, ist es! Es stimmt ja auch nicht, die Regel gilt für alle. Jedenfalls im Restaurant, im Kino aber nicht!
Das ist genauso absurd, aber da ist es tatsächlich so.

Im Kino steht für Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen nur der deutsche Film auf dem Programm!
Die meisten internationalen Filmtitel dagegen rauschen ohne Audiodeskription und Untertitel ungehört und ungesehen an den beiden Zielgruppen vorbei.
Das waren im letzten Jahr immerhin 340 der insgesamt 610 in den Kinos gezeigten Filme.

Wird eine Filmproduktion mit deutschen Geldern gefördert, muß auch eine barrierefreie Fassung hergestellt werden, also Audiodeskription und Untertitel. Auch an den Kosten hierfür beteiligt sich die Filmförderung.

Bei Filmen, die im Ausland ohne deutsche finanzielle Beteiligung gedreht wurden, kommt diese Vorschrift natürlich nicht zum Zuge. Und eine andere, auf diese Fälle zugeschnittene Regelung gibt es nicht.
So kommt es zu der absurden Situation, die im kulinarischen Bereich undenkbar wäre.

Aktuelle prominente Beispiele für dieses Dilemma sind „La La Land“ „The Salesman“ und „Moonlight“.
Aber für Licht im Dunkel sorgt der Verleih Universal Pictures, der seit einigen Jahren seine Filme barrierefrei bereitstellt, 19 Filme in 2016. Großartig ist auch, daß Disney im letzten Herbst nachzog und seitdem seine Filme zugänglich macht (fünf in 2016). Aber für die meisten Verleiher sind die Kosten für eine barrierefreie Fassung (im Schnitt 8.500 Euro pro Film) ein Problem. Zumal für die kostenintensive Synchronisation und die Vermarktung internationaler Filme so gut wie keine Fördergelder vorgesehen sind. Dennoch haben sich vereinzelt auch unabhängige Verleiher wie z.B. Neue Visionen und Piffl Medien mit der Firma Audioskript diesbezüglich engagiert. Und die Kinoblindgänger gGmbH war mit zwei Filmen dabei!

Die Bundesrepublik ratifizierte im Februar 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention.
Nach Artikel 30 ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben, ausdrücklich auch der Zugang zu Filmen, sicherzustellen.
Es kann nicht im Sinne dieser Vorschrift sein, den Begriff „Filme“ allein auf „deutsche Filme“ zu beschränken.

Da der internationale Film wohl auch in Zukunft sehr stark in den Kinos vertreten sein wird, muß trotz des lobenswerten Engagements aller Beteiligten hier eine grundsätzliche Lösung gefunden werden!

Wie wäre es zur Entlastung der Verleiher mit einem unbürokratisch gestalteten Fond?
Schon für 3 Millionen Euro pro Jahr könnten bei durchschnittlichen Kosten von 8.500 Euro 350 internationale Filme genießbar für alle gemacht werden. Der Jahresetat des deutschen Filmförderfonds (DFFF) wurde vor kurzem spontan von 75 auf 150 Millionen Euro aufgestockt, das nur so am Rande.

Schwieriger wird es wahrscheinlich, eine Institution zu finden, die für den barrierefreien internationalen Film zuständig ist und sich auch fühlt.
Das könnte z.B. die Bundesbeauftragte für Medien und Kultur, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Wirtschaftsministerium oder auch die Filmförderungsanstalt (FFA) sein.

Und noch eine Hürde gibt es zu nehmen:
Was bringt es einem Restaurantbesucher, wenn er sich das leckerste Essen bestellt und das zwar in der Küche zubereitet wird, aber einfach nicht den Weg auf seinen Tisch findet?
Nichts, und ganz ähnlich ist die Lage bei vielen barrierefreien Filmfassungen, die im Kinosaal dann doch nicht den Weg in die Ohren und Augen der Kinobesucher finden.

Eine Möglichkeit ist es z. B., in allen 4739 Kinosälen entsprechende Techniken zu installieren. Das ist in den vergangenen Jahren in ca. 30 Sälen geschehen.

Wieviel wird es kosten, auch die verbleibenden abgerundet 4.700 Leinwände technisch auszustatten? Mindestens 21 Millionen Euro!

In letzter Zeit wurde von den Kinobetreibern das System CinemaConnect favorisiert.
Dieses basiert auf einer App, es muß aber auch in jedem Kinosaal eine ca. 5.000 Euro teure Hardware installiert werden.
Ich habe sicherheitshalber nur 4.500 Euro veranschlagt und komme bei 4700 Leinwänden auf etwas über 21 Millionen Euro.
Dieser Betrag käme je zur Hälfte auf die Kinobetreiber und die FFA und etwaige andere Förderer zu.

Die FFA bevorzugt den Weg über die technische Ausstattung aller Kinos. Ob das klappt und wie lange sich dieser Prozeß hinzieht, bleibt abzuwarten.

Den viel kürzeren und dabei auch viel preiswerteren Weg über die seit mehr als drei Jahren funktionierende App Greta und Starks zieht die Filmförderungsanstalt leider nicht in Betracht.

Viel kürzer ist der Weg, weil die App Greta und Starks keine technische Ausstattung benötigt. Sie funktioniert überall dort, wo eine Leinwand ist, und die sind ja nun schon mal da!
Man nimmt die Audiodeskription/ Untertitel für den ausgesuchten Film auf seinem Smartphone wie den obligatorischen Popcornbecher einfach mit ins Kino seiner Wahl.

Für jährlich 300.000 Euro könnten mit dieser Lösung ca. 270 barrierefreie Filme für die Zielgruppen überall erlebbar gemacht werden.

21 Millionen Euro (Ausstattung für die Kinos) geteilt durch 300.000 Euro (jährlicher Bedarf für die App Greta und Starks) ergibt 70 Jahre barrierefreie Filme in allen Kinos.

Diese vereinfachte Rechnung soll aufzeigen, daß die Lösung über die App Greta und Starks unbedingt in die Überlegungen einfließen muß, wie es mit dem barrierefreien Film weitergeht!

Bei der App Greta und Starks werden die Verleiher zur Kasse gebeten. Pro Film, den sie so verfügbar machen, fällt eine Gebühr zwischen 1.000 und 1.500 Euro an. Wenn jeder Kinobetreiber bei der Ausstattung seiner Leinwände bis zu 50 % gefördert wird, sollte das auch für jeden Verleiher gelten, unabhängig davon, ob er bereits Verleihförderung bekommt.

Abschließend noch ein paar Argumente, die für das eine oder andere System sprechen:

CinemaConnect kann auch noch Hörunterstützung und Mehrsprachigkeit!

Aber: Die Technik ist teuer und erfordert Wartung. Und jede Hardware gilt bekanntlich schnell als veraltet.

Die Investition der erforderlichen 21 Millionen Euro in die reine Technik ändert nichts am Programmangebot: Weiterhin werden weniger als 50 % der Filme barrierefrei, also für jeden, zu erleben sein. Das ist kein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Greta und Starks erhält regelmäßige Updates. Es fallen keine Anschaffungskosten und keine Wartungskosten für den Kinobetreiber an. Das System ist um ein Vielfaches kostengünstiger.

Die App Greta und Starks funktioniert auch, wenn die barrierefreie Filmfassung nicht auf der DCP ist (Die DCP ist die Datei, die heute die altbekannte Filmrolle ersetzt).

Jedes Filmangebot erreicht schon heute insgesamt 35.000 Nutzer.

Die App ist auch außerhalb des Kinosaales nutzbar, z. B. im Freilichtkino oder vor dem heimatlichen DVD- oder Blu-Ray-Player.

Manchmal höre ich mehr oder weniger offen den Vorwurf, die App Greta und Starks hätte eine Monopolstellung. Na ja, wenn sich kein anderer um ein Thema kümmert, dann bleibt man da halt allein. Letztendlich haben sie es ja auch erfunden und entwickelt. Und will ich wirklich fünf oder sieben verschiedene Apps auf meinem Smartphone haben, jede mit einer anderen Bedienungsweise, um dann vor jedem Kinobesuch erstmal mühsam herauszufinden, welche ich nun aktivieren muß? Es gäbe bestimmt viele Menschen, gerade ältere, die es dann resigniert lieber gleich lassen würden.

Im übrigen kenne ich für CinemaConnect auch keine nennenswerten Mitbewerber.

Zusammengefaßt wünsche ich mir:

Eine verbindliche Regelung zur Ausstattung auch internationaler Filme mit barrierefreien Filmfassungen!

Möglichst viele barrierefreie Filmfassungen sollten über die App Greta und Starks bereitgestellt werden!

Der Weg dahin wird kein leichter sein, er wird steinig und schwer. Viele Stufen sind noch zu erklimmen. Aber am Ende, gaaanz oben, steht ein Tisch. Er ist schon gedeckt, für mich und viele andere Betroffene. Es gibt Forelle nach Müllerin Art, aber auch Saltimbocca alla Romana, Dolmades mit Tzatziki und Nummer 47 (Ente kroß mit Glasnudeln und Gemüse, scharf).

Julia fragt – Barbara antwortet: Ein Interview

Julia Eiler hat Anfang dieses Jahres bei der speaker-search Sprecheragentur und Tonstudio GmbH in Berlin eine Ausbildung zur medienvisuellen Kauffrau begonnen.

Vor kurzem hatte sie die Idee, ein Interview mit mir zu machen. Julia wollte zum Beispiel wissen, wie ich zum Bloggen gekommen bin und wie es zu der engen und tollen Zusammenarbeit zwischen speaker-search und der Blindgängerin gekommen ist.

Hier ist der Link zum Interview:

https://www.speaker-search.de/sprecher-blog/barrierefreies-kino-hoerfilm/

Danke, Julia!

 

Mein Leben als Zucchini

Bienvenue und herzlich willkommen endlich in den deutschen Kinos, Zucchini!
Das gilt natürlich auch für Camille, Simon, Alice, Jujube, Bea und Ahmed.
Alle sieben haben nach schwierigen Zeiten in ihren Elternhäusern in dem freundlichen Kinderheim, dem Haus „Der Springbrunnen“, ein neues Zuhause gefunden.

Die zierlichen Körper der kleinen Heimbewohner wirken mit ihren etwas zu groß geratenen Köpfen und zu langen Armen wie aus Knete modelliert. Ihre lieben Gesichter lassen die Herzen von Klein und Groß dahinschmelzen.
Der neunjährige Zucchini zum Beispiel hat große runde Augen, dichtes blaues Haar, und seine schmale Nase und die großen Ohren sind rot.
Bei den Erwachsenen, die sich bis auf Camilles Tante ganz rührend um die Kinder kümmern, stimmen die Proportionen. Aber auch sie sind nicht aus Fleisch und Blut.

Genauso viel Liebe zum Detail wie bei den Puppenfiguren steckt in den Kulissen.
Wir drei vom Hörfilmbeschreiber-Team haben so vieles wie möglich beschrieben, immer in den Pausen zwischen dem fröhlichen Geplapper der Kinder und ihren auch sehr ernst geführten Gesprächen. Für leider viel zu viele Feinheiten, die Regisseur Claude Barras und sein Team über drei Jahre in dem Animationsfilm für die ganze Familie liebevoll kreierten, war allerdings keine Zeit.
Dieses Defizit machen die kleinen Synchronsprecher, die den Puppen ihre Stimmen leihen, so ziemlich wett. Ich war gleichermaßen von den kleinen Profis beim deutschen Film wie denen im französischsprachigen Original aus der Schweiz fasziniert.

Dazu dieser Hörschnipsel aus der deutschen Audiodeskription:

Für alle, denen zwar nicht die Bilder, aber die Gespräche und Filmgeräusche entgehen, gibt es die Untertitel. Diese sind wie die Audiodeskription über die App Greta und Starks erlebbar.
Und möglich gemacht hat das gesamte Paket die Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH!

Warum Zucchinis Mutter ihren blauhaarigen Sohn ausgerechnet nach dem grünen Kürbisgemüse nannte, ist ihr Geheimnis, und das nimmt sie nach ihrem plötzlichen Tod mit ins Grab. Von der Liebe und dem Leben enttäuscht, war sie Zucchini bis auf wenige Ausnahmen eine sehr garstige, furchteinflößende und oft alkoholisierte Mutter.
Trotzdem hat der kleine Junge während der ersten Tage im Kinderheim Heimweh und möchte auch weiterhin partout Zucchini genannt werden.
Eine Bierdose und ein gelber mit Superman bemalter Winddrachen sind die einzigen Habseligkeiten, die ihm aus seinem alten Leben geblieben sind.
Beide Dinge, die er immer wieder gegen den angriffslustigen Simon verteidigen muß, spielen bis zum Schluß eine wichtige Rolle.

Erst als die taffe Camille mit den schönen langen braunen Haaren im Haus „Der Springbrunnen“ auftaucht, hellt sich Zucchinis Miene auf. Er empfindet sofort eine tiefe Zuneigung zu dem Mädchen und trennt sich sogar von der Bierdose, dem so gehüteten Andenken an seine Mutter.

Auch zu dieser Episode ein Hörschnipsel aus der Audiodeskription:

Bis auf zwei Songs komponierte die Filmmusik die Schweizer Musikerin Sophie Hunger.
Zu hören sind sanfte Gitarrenmusik, traurige Celli, dann fetzige E-Gitarren, sphärische Klänge und eine fröhlich gepfiffene Melodie, die Aufbruchsstimmung verbreitet.
Sophie findet mit ihrer Musik immer sehr feinfühlig den richtigen Ton zur jeweiligen Gefühlslage der Kinder. Diese sind inzwischen zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen und haben viel Spaß.
Wenn sie zu dem Lied der Schweizer Band Grauzone tanzen und singen „Ich möchte ein Eisbär sein“, geht einem das Herz auf.

Der zweite Song, der nicht aus Sophies Feder stammt, ist ihre Coverversion von „Le vent nous portera“, im Original von Noir Désir.
Mit der ein bißchen melancholischen Melodie endet die Hoffnung machende Geschichte über das Leben des kleinen Jungen als Zucchini und seine neuen Freunde.

Inga Henkel, Lena Hoffmann und ich haben uns sehr viel Zeit für den Text der Audiodeskription genommen, den Nadja Schulz-Berlinghoff im Tonstudio der speaker-search GmbH eingesprochen hat.

Seinen ersten Auftritt hatte Claude Barras mit seinen Puppen letztes Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes. Seitdem wurde er national und international mit so vielen Preisen ausgezeichnet, daß ich diese hier unmöglich aufzählen kann.

Jetzt drücken wir Zucchini ganz fest die Daumen für den Oscar, und Toni Erdmann auch!

Mein Blind Date mit dem Leben

Mit „mein Blind Date“ ist nicht meins gemeint, sondern seins, und zwar das von Saliya Kahawatte. Und sein erstes Blind Date hat er nicht mit der großen Unbekannten, sondern mit seinem Wecker.

Eines Morgens kann er die Ziffern nicht mehr erkennen. Es scheint, als ob sich eine dicke Milchglasscheibe vor das Display geschoben hat. Das ist leider kein böser Traum, aus dem es ein erlösendes Erwachen gibt. Mit 15 verliert Saliya über Nacht den größten Teil seines Augenlichts. Daß eine so schwere Augenerkrankung wie aus heiterem Himmel ausbricht, ist zwar sehr selten, kommt aber öfter vor, als man denkt.

Genausowenig wie die Ziffern seines Weckers kann er seine Bücher lesen. Trotzdem geht er weiterhin aufs Gymnasium und besteht dank seines eisernen Willens und seines phänomenalen Gedächtnisses das Abitur.

Nach der Schulzeit lehnt er es ab, in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten, und fühlt sich auch nicht zum Masseur oder Telefonisten berufen.
Saliya hat schon immer davon geträumt, in einem Luxushotel zu arbeiten. Die Sehbehinderung ist für ihn kein Grund, seinen großen Traum platzen zu lassen. Es zieht ihn weiter in die Welt der allgegenwärtigen zerbrechlichen Gegenstände und herumwuselnden wildfremden Menschen.

Nach vielen Absagen beschließt er, seine massiven Augenprobleme zu verschweigen und prompt wird er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieses verläuft zwar etwas chaotisch, aber erfolgreich. Es gelingt ihm, dem Personalchef des altehrwürdigen Münchner Luxushotels Bayerischer Hof seinen ersten Bären aufzubinden und den Sehenden vorzugaukeln.

Das klingt nach einem Stoff, aus dem nur Filme gemacht werden!
Die bis jetzt beschriebene Filmhandlung ist aber zugleich der Anfang einer unglaublichen Geschichte, die das wahre Leben schrieb.
Der heute 47-jährige Saliya Kahawatte verarbeitete seine durchlebten Hochs und Tiefs in seinem Buch „Mein Blind Date mit dem Leben“, das 2009 veröffentlicht wurde und die Filmemacher zu diesem Film inspirierte.

15 Jahre lang bewegt sich Saliya dank seiner ausgeklügelten Täuschungsmanöver und unterstützt von wenigen eingeweihten Freunden in der Hamburger Hotelbranche, ohne daß irgend jemand etwas von seiner Sehschwäche ahnt.
Im Film werden diese 15 Jahre zu den drei Ausbildungsjahren im Bayerischen Hof zusammengerafft und Saliyas letzte Schuljahre nur kurz gestreift.

Die Filmhandlung, in der Kostja Ullmann in Saliyas Rolle schlüpft, gibt deshalb mächtig Gas.
Bis sich Saliya in seinem neuen Umfeld und dem riesigen Hotel die Wege mit allen Stufen und Stolperfallen eingeprägt hat, stolpern wir ihm temporeich mit viel Witz und Situationskomik von einem Blind Date ins nächste hinterher.
Von einem Tag auf den anderen muß er spezielle Techniken entwickeln, um heimlich und unbemerkt sein Sehdefizit in Form der dicken Milchglasscheibe auszugleichen.
Wie putzt man zum Beispiel einen Spiegel nicht blind, sondern absolut schlierenfrei, und wann ist ein Weinglas perfekt poliert?
Das Schneiden der italienischen Mortadella in hauchdünne Scheiben an der Höllenmaschine – ohne daß Blut fließt – will gelernt sein.
Beim Mixen von Cocktails lauern gleich zwei Gefahren. Man kann sich bei der Flaschenvielfalt vergreifen und bei der Dosierung der Flüssigkeiten verschätzen.
Das alles ist megaanstrengend, aber zu schaffen. Und zwar mit beharrlichem Üben, einem Ordnungssystem, in das niemand dazwischenfunkt, einem geschulten Gefühl, Gehör und Tastsinn und einem wahnsinnig guten Gedächtnis.
Das größte Problem dabei wird wahrscheinlich der Zeitdruck sein und das Wissen, immer unter Beobachtung zu stehen.
Aber es lauert noch ein, wie ich finde, weitaus größeres Risiko, enttarnt zu werden:
In der Gastronomie wird unter dem Personal und im Service viel mit kleinen Gesten und über die Augen kommuniziert.

Saliya jedenfalls ist fast rund um die Uhr unter Hochspannung und das kann auf Dauer nicht gutgehen. Aber er hat ja Freunde, auf die er sich verlassen kann.

Ich konnte mich während des Films auf die Audiodeskription in meinem Ohr verlassen, ohne die mein Kinobesuch ein Blind Date geblieben wäre. Die ruhige Stimme des Sprechers hing immer über Saliya wie ein guter Geist.
Bei seinem Blind Date habe ich auch einige Parallelen zu meinem Blind Date mit dem eigenen Leben feststellen können.
Dem sehr jungen Publikum im ausverkauften Kinosaal gab der Film dagegen auf amüsante und lockere Weise einen Einblick in die Welt der nicht bzw. schlecht sehenden Menschen. Es wurde mit Saliya gelitten und sich gefreut, wie er sich durchschlägt.
Das fand ich super!

Zwischendurch mal als Paragraphenreiterin unterwegs!

Der Mai macht alles neu.
Es grünt so grün und es liegt was in der Luft!
Aber auch im Januar, wenn die Tristesse von fifty shades of grey die Farbpalette bestimmt, bleibt nicht alles beim Alten.
Für reichlich Abwechslung sorgen diverse neue gesetzliche Vorschriften, die am ersten Tag des kalten Monats in Kraft treten.

Neu gemacht hat dieser Januar wieder einmal das Filmförderungsgesetz!

Den Anfang macht im Kino der Vorspann und zu Ende ist ein Film immer erst am Schluß des Abspanns. An diesen Plätzen werden die Förderer eines Films aufgeführt. Bei deutschen Filmen erscheinen sehr häufig dort die drei Buchstaben „FFA“ für „Filmförderungsanstalt“ auf der Leinwand.

Die quasi Daseinsberechtigung und Arbeitsgrundlage der FFA ist das Gesetz über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films, kurz das Filmförderungsgesetz, ganz kurz das FFG. Beide haben die schöne Aufgabe, dem deutschen Film auf die Beine zu helfen, der Anfang der 60er Jahre zu schwächeln begann. Sie starteten die „Mission Possible“ vor 49 Jahren mit dem ersten Filmförderungsgesetz vom Dezember 1967. Seitdem wird das Gesetz regelmäßig aktualisiert.

Neu gemacht hat der Januar zum Beispiel den § 47 FFG über die barrierefreie Fassung. Mal schauen, was sich damit ändert!

Der erste riesige Schritt wurde vor knapp vier Jahren im Mai bzw. August 2013 getan.
Seitdem gilt der Grundsatz: Barrierefreiheit für den deutschen Film!

Wer von der FFA Fördergelder für die Produktion eines Films erhält, ist zur Herstellung einer Audiodeskription und von Untertiteln für Hörgeschädigte verpflichtet.
So verlangte es § 15 Absatz 1 Satz 1 Nr. 7 FFG.
Die anderen öffentlich-rechtlichen Förderer haben vergleichbare Regelungen übernommen. Weil fast alle deutschen Filme aus einem dieser Fördertöpfe Gelder erhalten, gibt es inzwischen auch für fast alle deutschen Filme eine Audiodeskription und Untertitel.
Das ist super!

Im neuen § 47 Absatz 1 Satz 1 wird die bisherige Regelung im Prinzip wiederholt. Neu ist aber, daß die Audiodeskriptionen und Untertitel nicht wie bisher irgendwann, sondern pünktlich zum Kinostart hergestellt werden.
Diese zeitliche Klarstellung ist auch super!

Nicht geregelt war in dem alten Gesetz, wie Sehbehinderte und Hörgeschädigte im Kinosaal auch tatsächlich die Audiodeskription in die Ohren und die Untertitel vor die Augen bekommen.
Dieser Thematik nimmt sich der brandneue Satz 2 des § 47 an, der da lautet:

„Förderhilfen für Kinos und für den Absatz von Filmen dürfen nur gewährt werden, wenn barrierefreie Fassungen in geeigneter Weise und in angemessenem Maße zugänglich gemacht werden.“

Hier hilft der Blick ins Gesetz zum Verständnis der Rechtslage nicht viel weiter. Die sehr allgemein gehaltene Vorschrift muß erst einmal alltagstauglich gemacht werden und mit dieser Aufgabe ist die FFA betraut.
Sie wird in Abstimmung mit Fachleuten auf dem Gebiet der benötigten Technik und Interessenvertretern von Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen möglichst konkrete Vorgaben erarbeiten.
Mit den Begriffen „geeignet“ und „angemessen“ stellt der Gesetzgeber klar, daß die FFA sich dabei an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu halten hat, also eine Interessenabwägung vornehmen muß.
Zu klären ist, wie einerseits die Zielgruppen in den Genuß der barrierefreien Fassungen kommen, ohne andererseits die Kinos und Verleiher zu überfordern.
Erst wenn das geschehen ist, wird sich zeigen, was sich mit dem neuen § 47 FFG tatsächlich ändert.

Stattet ein Kinobetreiber seine Säle mit einer Technik aus, um barrierefreie Fassungen zugänglich zu machen, kann er seit 2014 von der FFA für die Hälfte der Kosten Fördermittel beantragen.
Ich weiß von bundesweit ganzen sechs oder sieben Kinos, die in den letzten drei Jahren diese Möglichkeit nutzten, um ihre Säle mit der Technik von Sennheiser, dem CinemaConnect auszurüsten.
Macht ein Verleiher die barrierefreie Fassung seines Films über die App Greta und Starks verfügbar, sind auch hier 50 % der Kosten über die Verleihförderung förderfähig.
Ob mit oder ohne Verleihförderung, auf der Liste der App sind im Lauf der letzten drei Jahre die barrierefreien Fassungen für mehr als 180 Filme zusammengekommen. Die Audiodeskription und Untertitel kann man dann mit seinem Smartphone in das Kino seiner Wahl einfach mitnehmen, unabhängig von dessen technischer Ausstattung.
Diese Arten der Kino- und Verleihförderung gibt es auch weiterhin.

Die Apps CinemaConnect und Greta und Starks sind zur Zeit die technisch aktuellsten Systeme auf dem Markt und haben ihre Vorgänger abgehängt. So sieht das auch die FFA, die sich neutral verhalten muß und keine der beiden Lösungen bevorzugen darf.
Die Branche, also die Kinos und Verleiher, sollen darüber entscheiden, meint die FFA.
Mir würde gut gefallen, wenn beide gemeinsam an einem Strang zögen.
Aber wie soll das bei den beiden Lösungen funktionieren, deren einzige Gemeinsamkeit ist, daß sie auf Apps basieren? Während die Ausstattung der Kinosäle mit der nötigen Technik für CinemaConnect die Bereitschaft der Kinobetreiber voraussetzt, liegt die Bereitstellung per Greta und Starks in der Entscheidung der Filmverleiher. Es ist, als ob man versucht, ein Pferd gleichzeitig von vorne und hinten aufzuzäumen.

Es ist aber anzunehmen, daß auch Vertreter beider Apps bei der Erarbeitung der rechtlichen Vorgaben durch die FFA beteiligt werden.

Viel zu selten werden die Zielgruppen gefragt, und damit meine ich nicht die Verbände, sondern den einzelnen Kinogänger.

Daß ich die App Greta und Starks bevorzuge, ist allgemein bekannt.
Jedes technisch ausgerüstete Kino ist ein gutes Kino. Aber bis das für alle weit über 4.500 Leinwände erreicht ist, führt meiner Meinung nach an der App kein Weg vorbei.
Sie macht ihren Job flexibel, ist überall einsatzbereit und wird regelmäßig mit Updates aktualisiert.

Leider nicht in den Zuständigkeitsbereich des Filmförderungsgesetzes fällt der internationale Film, weil in diesem naturgemäß keine deutschen Fördergelder stecken.
Das bedeutet, die die deutschen Kinos dominierenden ausländischen Filmproduktionen sind per se nicht barrierefrei. Vorletztes Jahr waren das 370 der insgesamt 596 Neustarts.
Nur dank des vorbildlichen Engagements einzelner Verleiher rauschten und rauschen nicht all diese Filme ungehört und ungesehen an den Zielgruppen vorbei.
Auch die Kinoblindgänger gGmbH gibt ihr Bestes, die Liste der erlebbaren Filme ein bißchen aufzustocken. Das sind allerdings nur sehr kleine Tröpfchen auf einen sehr heißen Stein.

Um die Filmförderung zu finanzieren, müssen unter anderem die Kinobetreiber einen Teil ihres Jahresumsatzes an die FFA abführen. Den Löwenanteil, meistens bis zu zwei Drittel der Einnahmen, spielt der internationale Film ein, der damit aber ausschließlich den deutschen Film fördert.
Dieser hätte bestimmt nichts dagegen, ein bißchen was abzugeben, um auch den internationalen Film barrierefrei zu machen!
Schließlich macht eine barrierefreie Fassung nur einen klitzekleinen Anteil an den durchschnittlichen Gesamtkosten eines Kino-Spielfilms aus, sie kostet lange nicht so viel wie ein einziger Drehtag.

Das wäre mal ein Vorschlag für einen weiteren Schritt in die richtige Richtung, denn auch wir Zielgruppen wollen alle Filme sehen oder hören!

Jetzt sitze ich ab, wische mir nach dem anstrengenden Ritt den Schweiß von der Stirn und entspanne mich im Kino!

Miss Sophie in freudiger Erwartung!

Übers Jahr ist es um Miss Sophie immer sehr still, bis sie sich alle Jahre wieder am 31. Dezember zur Feier ihres 90. Geburtstags zurückmeldet.
So soll auch der diesjährige Silvesterabend ihr ganz besonderes Fest sein!

Mit nur einem Festtag gab sich die 1876 in Dresden geborene Malerin Paula Modersohn-Becker nicht zufrieden.
„Mein Leben soll ein Fest sein“ war ihre Devise.
Dem Regisseur Christoph Schwochow ist ein wunderschöner Film über Paulas aufregendes, viel zu kurzes Leben gelungen. Den Film „Paula“ kann man sich gerade im Kino auch mit einer toll gemachten Audiodeskription über die App Greta anschauen.

Das gute Gelingen von Miss Sophies Fest liegt eigentlich ausschließlich in den behandschuhten Händen ihres Butlers James.
Aber jetzt schon zum zweiten Mal in Folge wird die treue Seele beim dritten Gang des Geburtstagsmenüs von gleich sechs Kolleginnen und Kollegen abgelöst.
Kübra Sekin serviert das Huhn mit waghalsigen Manövern rollstuhlfahrenderweise. Carina Kühne mit dem Downsyndrom kümmert sich ganz reizend um das Wohl der alten Dame und die Blindgängerin torkelt und kleckert nicht nur einmal mit Champagner.
Der kleinwüchsige Mathias Mester, der gehörlose Eyk Kauly und der kurzarmige Rainer Schmidt bemühen sich ebenfalls auf ihre ganz spezielle Weise um die Gastgeberin und ihre virtuellen Gäste.

Aber noch ist es nicht soweit und ich nutze die Zeit für einen kurzen Blick zurück und nach vorn.

2016 konnte ich aus Zeitgründen nur knapp halb so viele Blogbeiträge veröffentlichen wie vergangenes Jahr.
Der gute Grund dafür ist die Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH!
Zwei Filme stattete sie in diesem Jahr zum Kinostart mit einer Audiodeskription und Untertiteln aus.

Den Anfang machte am 13. Oktober „Welcome to Norway“.
Weiter ging es mit der schwedischen Weihnachtskomödie „Eine schöne Bescherung“, die aktuell noch in den Kinos läuft.

Für den Familienfilm „Mein Leben als Zucchini“, der am 16. Februar 2017 in die Kinos kommt, ist die barrierefreie Fassung auch schon fertig.

Ermöglicht wurden diese drei Prozeduren durch die enge und freundliche Zusammenarbeit der jeweiligen Verleiher mit unserem kleinen, aber feinen Team.
Zu diesem gehören die Hörfilmbeschreiberin Inga Henkel und die freiberuflich tätige Kultur- und Filmwissenschaftlerin Lena Hoffmann.
Die speaker-search GmbH übernimmt die technische Abwicklung von A bis Z und hat immer ein offenes und vor allem geduldiges Ohr für meine vielen Fragen.
Das gilt übrigens auch für die Leute von Greta und Starks.

Aber nichts ginge ohne den Mann im Hintergrund.
Jürgen Schulz hält als Mitgeschäftsführer den Laden am Laufen und kümmert sich um die so lästige Bürokratie.
Sehr viel Vergnügen bereitet ihm allerdings das Ausstellen von Spendenbescheinigungen und diesbezüglich hat er noch reichlich freie Kapazitäten!!!

Die Produktionskosten für „Welcome to Norway“ und „Eine schöne Bescherung“ sind gedeckt. Das gelang mit Hilfe des Engagements des Verleihs Neue Visionen, des DGB Niedersachsen und der Spendengelder, die größtenteils aus dem Familien- und Freundeskreis kamen.

Bei „Mein Leben als Zucchini“ erhielten wir Unterstützung vom SRF (Schweizer Fernsehen), nochmals ein Dank und Grüße nach Zürich! Dennoch fehlen für das Projekt noch ca. 4.300,00 Euro.
Für diesen Betrag ging die Kinoblindgänger gGmbH in Vorlage und im Jahr 2017 soll es ja auch mit neuen Prozeduren weitergehen!

Mit diesem Wink mit dem Zaunpfahl und einer Pappnase verabschiede ich mich für dieses Jahr, wünsche einen guten Rutsch und viel Spaß beim Dinner for One wieder einmal „ganz anders“!

https://www.youtube.com/watch?v=vuewNWQtayM

Eine schöne Bescherung

„Alle Jahre wieder…“

…hat die Hektik der Vorweihnachtszeit an Heiligabend ein Ende und es kehrt Ruhe ein!
Die Geschenke sind verpackt, das Essen vorbereitet, und man versammelt sich um den hübsch geschmückten Weihnachtsbaum. Einem besinnlichen und harmonischen Weihnachtsfest im Kreis der Familie steht eigentlich nichts mehr im Wege.
Die Kinder, bislang vom Weihnachtsstreß der Erwachsenen unbeeindruckt, werden allmählich ungeduldig und die Frage wird drängender, wann endlich…

„…kommt das Christuskind“

Es darf aber auch der Weihnachtsmann sein!

Oscar und Simon warten eher nicht auf den Mann mit dem weißen Rauschebart, aus diesem Alter sind sie mit ihren 27 Jahren auch längst raus.
Vielmehr erwarten die beiden mit leicht gemischten Gefühlen ihre Familien, die sie zum Weihnachtsabend in ihr neues gemeinsames Zuhause eingeladen haben.
Oscar und Simon sind seit drei Jahren ein glückliches Paar. Es ist also höchste Zeit, die Eltern miteinander bekannt zu machen.
Kurz bevor die Bagage eintrifft, laufen die Vorbereitungen für das Festmahl immer noch auf Hochtouren. Auf den letzten Drücker wird leider erfolglos versucht, laktosefreie Sahne für den versprochenen Reispudding aufzutreiben.
Dieser darf bei einem schwedischen Weihnachtsmenü genausowenig fehlen wie marinierter Hering mit Kartoffeln, Fleischklößchen und, nicht zu vergessen, der traditionelle Weihnachtsschinken.
Das verfrühte Auftauchen Oscars fünfköpfiger Familie trägt schließlich auch nicht gerade zur Entspannung der Lage bei.

„Eine schöne Bescherung“ ist also bereits ab dem 22. Dezember in den Kinos vorprogrammiert!

Mit dieser Weihnachtskomödie bescherte die schwedische Regisseurin Helena Bergström ihren Landsleuten schon letztes Jahr zur Weihnachtszeit ein extrem wortwitziges, aber auch warmherziges Kinoerlebnis.

Vor einigen Jahren stieg der in Schweden sehr beliebte Komiker Robert Gustafsson als Hundertjähriger aus einem Fenster und verschwand.
Hier ist er als Oscars Vater nur am Herumnörgeln und Kritisieren und bleibt.
Ihm mißfällt, daß sich sein Sohn gemeinsam mit Simon dieses Häuschen gekauft hat und läßt an dem Brutkasten, wie er es nennt, kein gutes Haar.
Mißtrauisch beäugt er auch die anwesende hochschwangere junge Frau namens Cissi, zu der Oscar und Simon ein sehr vertrautes Verhältnis zu haben scheinen.
Eine friedliche und harmonische Stimmung will sich bei dem Fest der Liebe nicht so recht einstellen, woran auch Simons Familie nicht ganz unbeteiligt ist.
Die Nervosität der Gastgeber steigt mit jeder Filmminute und auch Cissi läßt ihrem Unmut über den Verlauf des Abends zunehmend freien Lauf.

Hier ist der Filmtrailer:

Bei diesem turbulenten Weihnachtsfest kann auch Marie wie alle Kino-blindgänger nach Herzenslust mitfeiern und mitlachen.
Eine Audiodeskription sowie Untertitel für Gehörlose, ermöglicht von der Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH, werden über die Apps Greta und Starks verfügbar sein.
Natürlich auf den letzten Drücker, wie für Weihnachtsgeschenke symptomatisch, aber doch rechtzeitig zum Kinostart am 22.12.2016!

Bis, wie alle Jahre wieder, endlich Ruhe einkehrt, müssen zwar noch einige Türchen im Adventskalender geöffnet werden, ich wünsche aber trotzdem schon einmal „God Jul“!

Frohe Weihnachten!

Kinoblindgänger gGmbH ist drin!

Das Schwein galt schon immer als Glücksbringer und Symbol der Fruchtbarkeit, Nützlichkeit und Genügsamkeit.
Es vermehrt sich fleißig, ist ein dankbarer Resteverwerter und diente früher während der Winterzeit als Protein- und Fettspender. Dieses positive Image wird die Menschen einst dazu bewogen haben, Behältnissen zum Sammeln und Sparen von Münzen die Form eines Schweins zu geben.
Das Sparschwein erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Deutschlands ältestes Exemplar soll aus dem 13. Jahrhundert stammen und ist im Weimarer Museum für Ur- und Frühgeschichte ausgestellt.

Wegen des Fotos für diesen Blogbeitrag wurde auch ich glückliche Besitzerin eines Sparschweins und das hat jetzt ein schönes Stammplätzchen auf dem Küchentresen.
Um den Umweg über diese Piggy Bank (Sparschwein auf Englisch) zu vermeiden, hat die Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH ab sofort bei betterplace auch ein digitales Plätzchen.

Die Online-Spendenplattform betterplace.org hat die Rechtsform einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft, der gut.org.
Sie ist Deutschlands größte Internet-Spendenplattform, wurde 2007 gegründet und hat ihren Sitz in Berlin.
Soziale Projekte aus der ganzen Welt können dort kostenlos Geld- und Zeitspenden sammeln.

Hier ist ein Link zu unserer Projektseite und unserem virtuellen Sparschwein bei betterplace:

https://betterplace.org/p49608

Auf der Blogseite links ist auch ein einfacher Spendenbutton von betterplace zu finden.

Nach „Welcome to Norway“ freut sich Marie schon auf weitere ausländische Arthousefilme, die sie gemeinsam mit ihren Freunden und Audiodeskription im Kino erleben kann.

Quasi als Weihnachtsgeschenk gibt’s ja schon bald die schwedische Weihnachtskomödie „Eine schöne Bescherung“ ab dem 22. Dezember.

Nächstes Jahr im Februar geht es weiter mit „Mein Leben als Zucchini“!
Die barrierefreie Fassung für diesen Film hat die Kinoblindgänger gGmbH als Projekt bei betterplace eingestellt.
Weil dort nur 250 Zeichen, das ist fast nichts, zum Vorstellen des Films vorgesehen sind, tue ich das hier noch einmal detaillierter:

Kinostart dieses großartigen Animationsfilms für die ganze Familie aus der Schweiz/ Frankreich ist der 16. Februar 2017. Auf  dem weltweit wichtigsten und größten Festival für Animationsfilm in Frankreich gewann er im Sommer den Publikumspreis.

Zur bezaubernden Musik der Schweizerin Sophie Hunger erleben wir die berührende Geschichte eines neunjährigen Jungen mit dem Spitznamen Zucchini. Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter wird er in einem freundlichen Kinderheim untergebracht. Damit auch Kinoblindgänger – groß wie klein – verfolgen können, wie Zucchini sich in seinem neuen Zuhause einlebt, seine Trauer überwindet und neue Freunde findet, beschreibt eine Autorin möglichst viele optische Details.

Auf unserer Seite bei betterplace habe ich den Bedarf für dieses Projekt mit 6.380,00 Euro angegeben. Ich will aber nicht einfach eine Summe in den Raum stellen. Für Interessierte folgt daher eine kurze Aufstellung, wie sich dieser Betrag zusammensetzt:

Honorar der Hörfilmautorin:                                                           €       800,00

Redaktionelle Mitarbeit als blinde Hörfilmbeschreiberin:        €           0,00       (Mache ich selbst.)

Sicherheitshalber überarbeitet eine dritte Person den Text:    €       240,00

Honorar der Sprecherin:                                                                   €       570,00

Aufnahme und technische Aufbereitung (Tonstudio):               €    2.380,00

Erstellung der Untertitel für Gehörlose:                                        €    1.200,00

Kosten der Bereitstellung bei den Apps Greta und Starks:        €    1.190,00
____________

Summe:                                                                                                €   6.380,00

Dank der Apps können sich Kinoblindgänger (App Greta) und Gehörlose (App Starks) mit ihren Smartphones im Kino ihrer Wahl die Audiodeskription ins Ohr flüstern bzw. die Untertitel vors Auge bringen lassen. Das funktioniert auch später vor dem heimischen Fernseher, z. B. mit einer DVD, Blu-ray oder Video-on-Demand.

Der Film „Mein Leben als Zucchini“ ist mit 66 Minuten recht kurz. Längere Filme verursachen (leider) auch entsprechend höhere Kosten.

Aber es gibt ja nun das Sparschwein, hoffentlich wird es gut gefüttert!

Wie schön es doch manchmal sein kann, ein Schwein zu sein!